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Die 80er: Weit mehr als Karottenjeans und Schulterpolster

In unserem kollektiven Gedächtnis stehen die 1980er nur für einige, wenige Dinge. Dabei war es ein für die heutige Zeit entscheidendes Jahrzehnt.

2015 wollte es die Deutsche Presse-Agentur wissen und ließ eine repräsentative Umfrage erstellen: „Welches ist Ihr Lieblings-Nachkriegsjahrzehnt?“ fragte man und die Antwort war überwältigend eindeutig: Fast ein Viertel sprach sich für die 1980er aus, ein ziemliches Statement für Nena, NDW und New Wave. Allerdings hatte diese Umfrage eine Schwäche: Sie basierte auf persönlichen Vorlieben. Der eine wählte vielleicht die 80er, weil er sie mit seinen Teenagerjahren verbindet, der andere wegen der ziemlich einzigartigen Musik. Für diesen Artikel wollen wir über solche subjektiven Eindrücke hinausgehen. Denn Tatsache ist, für sehr viele gesellschaftliche Realitäten unserer späten 2010er wurden vor über 30 Jahren die Fundamente gegossen, die Bundeszentrale für politische Bildung nennt es gar ein „Scharnierjahrzehnt“ – was die 80er, ganz objektiv betrachtet, zu einer unheimlich wichtigen Epoche macht, ohne deren Entwicklungen unsere Gegenwart anders aussehen würde.

1. Startpunkt: Elektronik

Unser erstes Kapitel ist bereits archetypisch für alle, die noch folgen. Denn es dreht sich immer um Dinge, die zwar schon vor den 1980ern entstanden waren, aber erst in diesem Jahrzehnt zu einem wichtigen Motor wurden. So die Elektronik. Zwar wurde der Transistor schon in den 1940ern erfunden und es gab schon in den vorherigen Jahrzehnten unzählige zivile wie militärische Anwendungen dafür. Ja, selbst Videospiele existierten bereits in den 1970ern – etwa das legendäre Pong. Doch die 80er waren es, die Elektronik massenweise in Normalo-Haushalte katapultierten.

Es war das Jahrzehnt eines Commodore C64 – dem ersten Heimcomputer, der nicht nur erschwinglich war, sondern sich auch für unzählige Anwendungen eignete, vom Programmieren bis zum ersten vernetzten Spielen. 1988 erschien „Club Caribe“, welches erstmalig via Telefon-Akustikkoppler über ein weiteres 80er-Kind gespielt werden konnte, die Frühformen des Internets. Das erste Multiplayer-Rollenspiel nach heutigem Verständnis.

Die 80er: Weit mehr als Karottenjeans und Schulterpolster
Elektronik für jeden. Auch ohne „ernsthafte“ Anwendung. Kaum ein 80er-Produkt verdeutlicht das so sehr wie tragbare Kassettenspieler.

Und auch abseits des PCs wurde Elektronik allgegenwärtig. Plötzlich steckten Programm-Chips in Waschmaschinen, überwachten Computerhirne das Fahr- und Bremsverhalten eines Fahrzeugs. Selbst wer heute glaubt, dass sein vollelektronischer LED-Tacho im Auto das Nonplusultra sei, muss sich vor den 80ern geschlagen geben – schon damals lieferten u.a. VW und Opel volldigitalisierte „Mäusekinos“ aus.

2. Startpunkt: Gentechnik

Erst kürzlich verkündete die Stadtverwaltung einen neuen Grundsatz. Künftig will Osnabrück nicht mehr in anrüchige Fonds investieren – darunter keine, die Gentechnik fördern. Dass man es so tut, ist nur einem weiten Weg zu verdanken, der in den 80ern begann. Denn nachdem in den 1970ern die Grundlagen erarbeitet worden waren, ging es im darauffolgenden Jahrzehnt rasend schnell: 1988 wurde mit „Nicotiana“ die erste genetisch modifizierte Pflanze großmaßstäblich angebaut – eine Tabaksorte. Gleichsam wurden die ersten Techniken zur Gentherapie ersonnen, wenngleich die erste Behandlung erst 1990 stattfand. Dass heute Gentechnik nicht nur „normal“ ist, sondern auch kritisiert wird, ist letztlich wieder eine Folge der Entwicklungen in den 80ern – wenngleich damalige Gen-Gegner eher ethisch-religiöse Gründe ins Feld führten.

3. Startpunkt: Fernsehen

Es war schon ein Drittel der 1980er vergangen, bis das Fernsehen von Deutschland zu dem wurde, als das wir es heute kennen. Am 1. Januar 1984 startete die „Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS)“ ihren Sendebetrieb – heute als Sat 1 bekannt. Einen Tag später ging RTL an den Start. Beide Sender brachten dem deutschen Fernsehen, das über seine gesamte bisherige Geschichte in staatlicher Hand gewesen war, erstmals einen privaten Touch. Damit änderten sich nicht nur unsere Fernsehgewohnheiten an und für sich, sondern Experten sind auch der Meinung, dass sich darüber die Sportwelt verändert habe: Als RTL 1988 eine eigene Fußballsendung auf die Beine stellte, entzog man den Öffentlich-Rechtlichen damit nicht nur das bisherige Privileg auf die Fußballberichterstattung, sondern machte den Sport auch zu einer werbewertvollen Unterhaltung. Wer Spots in bei „Anpfiff“ unterbringen wollte, musste tief in die Tasche greifen.

Und wenn heute eine Serie wie „Stranger Things“ oder „The Americans“ von den Kritikern

Die 80er: Weit mehr als Karottenjeans und Schulterpolster
Vor allem das Waldsterben machte den Umweltschutz in den 80ern auf einen Schlag massentauglich. Den „deutschen Wald“ wollte niemand auf dem Gewissen haben.

mit Lob nur so überschüttet werden, dann auch deshalb, weil sie den Kreis schließen: alle Errungenschaften des 80er-basierten Privatfernsehens, um darin die 80er selbst zu feiern.

4. Startpunkt: Umweltbewusstsein

Wohl jeder Deutsche, der heute beispielsweise in die USA reist, dürfte mit ziemlicher Verwunderung eine dortige Praxis sehen: eine Mülltonne, für alles. Dass wir dies nicht als normal ansehen, ist abermals den 1980ern zu verdanken. Denn damals trat nicht nur das generelle Problembewusstsein dafür, dass der Mensch die Umwelt in massivem Umfang schädigt, erstmals ins Licht der breiten Öffentlichkeit. Viel mehr waren es auch die 80er, die überhaupt erst dafür sorgen, dass wir heute verstehen, dass das Verhalten jedes einzelnen über Wohl und Wehe entscheiden kann.

Natürlich, die frühen Umwelt- und Anti-Atomkraftbewegungen, die in der Grünen-Partei einen Zusammenschluss fanden, waren der entscheidende politische Part dieser Zäsur. Doch in den 80ern kamen noch mehrere Dinge dazu. Etwa saurer Regen, das Waldsterben, die Katastrophe von Tschernobyl. Und erstmals begann auch die Medienlandschaft, diese Probleme prominent zu präsentieren. Es erfolgte eine Beweislastumkehr: Nicht mehr der, der die Umwelt schützte, musste sich rechtfertigen, sondern der, der sie schädigte. Das Umweltthema trat ins Rampenlicht der Normalverbraucher. Katalysatoren wurden in der BRD in den 80ern Pflicht. Das Ozonloch wurde ebenso entdeckt wie einer seiner Haupt-Verursacher – Spraydosen mit FCKW-haltigen Treibmitteln.

Nie zuvor waren plötzlich so viele Umweltpunkte breitgesellschaftlich vorhanden, wurden diskutiert und akzeptiert. Ohne die 80er stünde die Umwelt – global – heute wahrscheinlich noch wesentlich beschädigter dar, als sie es sowieso schon ist.

5. Mode

Natürlich ist es unmöglich, einen Artikel über die 1980er zu erstellen, ohne auf die Mode einzugehen. Dafür war dieses Jahrzehnt in sämtlichen Ausprägungen einfach viel zu signifikant. Aber statt an dieser Stelle einmal mehr das Lied der Karottenhose zu singen, zeigen wir eine andere Bedeutung. Zwei, um genau zu sein.

Wenn heute jemand durch Osnabrücks Innenstadt geht, dreht sich niemand mehr um, wenn auf seinem Pullover das übergroße Logo irgendeines Sportartikelherstellers prangt. Riesige Markenaufdrucke sind in der Mode fast schon das normalste der Welt – und das nur, weil es die 80er gab. Und diese Logos haben wiederum ihre Wurzel in der zweiten Bedeutung dieser Epoche.

Denn in den 80ern wurde es erstmals breitgesellschaftlich tauglich, sich auf der Straße mit Sportbekleidung zu zeigen. Auch die gab es damals schon seit Jahrzehnten. Aber egal ob man zuvor Tennis oder Fußball gespielt hatte, wenn man den Platz verließ, trug man wieder „Unsportliches“. Dann aber kamen die 80er. Und mit ihr die Erhebung von Sportlerstars in die Riege der Über-Promis. Wenn ein Boris Becker sich in der ausgebeulten Sport-Windjacke den Kameras präsentierte, obwohl sein Match seit Stunden vorbei war, sendete das ein überdeutliches Signal – und die Modelabels griffen allzu gerne zu.

Erst waren es die Firmen, die sich vornehmlich mit dem „großen Sport der 80er“ befassten, Tennis. Das „Fila-F“ war plötzlich allgegenwärtig. Und rasch zogen auch andere Sportartikelhersteller nach. Spätestens ab der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts trugen Männer und Frauen von Welt Adidas, Nike und Co. – auch im Büro, der Kneipe oder der Couch. Doch auch das machten die 80er: Sie zogen das über die Logodrucke überdeutlich sichtbare Markenbewusstsein in die Köpfe vor allem einer jungen Generation.

Fazit

Wenn wir heute an die 1980er denken, denken wir meist an Popkulturelles – schon deshalb, weil die Charthits dieses Jahrzehnts auch heute noch im normalen Radio rauf und runter laufen. Doch neben solchen Oberflächlichkeiten waren die 80er Startpunkt für so viel mehr. Und nicht wenige Fachleute glauben, dass sie die wichtigste soziokulturelle Wurzel für unser heutiges Leben sind. Denn egal wohin man blickt, die Spuren der 80er sind fast allgegenwärtig. Und das nicht nur in Retro-Mode oder Dirty-Dancing-Wiederholungen.

Bildquellen:
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AFP

Wildtiere im Zirkus: Dressur-Befürworter schreiben Brief an Wolfgang Griesert (Voting)

Nashorndressur im Circus Krone
Foto: Usien, CC BY-SA 3.0

Foto: Usien, CC BY-SA 3.0

Seit Jahren diskutieren die im Osnabrücker Stadtrat vertretenen Parteien, ob und wie es an der Hase gastierenden Zirkusbetrieben untersagt werden kann, hier Wildtiere in der Manege zu präsentieren.

Da sich die Lokalpolitiker aber mit ihren vorherigen Entschliessungen weit über ihren Kompetenzbereich hinausgewagt hatten, mussten sie sich zuletzt eingestehen, dass es faktisch kein Wildtierverbot für Zirkusse in Osnabrück gibt.

Während der Circus Roncalli bei seinem letzten Weihnachtsbesuch komplett auf die Zurschaustellung von Tieren jeglicher Art verzichtete, gastieren weiterhin – und dabei auch auf teilweise in städtischem Besitz befindlicher Flächen an der Halle Gartlage – Zirkusse, die auf die Dressur von Haus- und Wildtieren setzen.

Circus Krone kommt im Juli an die Halle Gartlage

Vom 4. bis zum 10. Juli wird der Circus Krone in Osnabrück seine Zelte aufstellen und neben Clowns und Artisten auch einen dressierten Nashornbullen, Pferde, Elefanten und Raubkatzen zeigen.

Im Vorfeld des Gastspiels verschickte ein Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“  ein Schreiben an Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und die im Stadtrat vertretenen Parteien, in dem für das Gastspiel des nach eigenen Angaben „eines der bedeutendsten und vorbildlichsten Tiercircusse Europas“ werben.

Peta Zwei Streetteam Osnabrück
Protestaktion an der Halle Gartlage

Protestaktionen werden auch bei diesem Gastspiel erwartet und die Dressurgegner werden in dem unserer Redaktion vorliegenden Schreiben an den Oberbürgermeister und die Lokalpolitiker als „fanatisch“  bezeichnet. Ziel sei es, den Circus Krone „mit haltlosen Vorwürfen zu überziehen und dessen Tierhaltung in einem falschen Licht erscheinen zu lassen“, wogegen sich das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ im Vorfeld wendet.

Wir fragen unsere Leser

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„Biologisch interessierte Tierliebhaber“

„Circus Krone“, so die Dressurbefürworter die sich als „Gruppe biologisch interessierter Circusliebhaber“ beschreiben, betreibe heute „für das Wohlergehen seiner Tiere einen enormen personellen, materiellen, logistischen und finanziellen Aufwand“. Im Einzelnen werden großzügige Freigehege und vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten genannt. Der Circus Krone besitzt seit kurzem ein zweites Elefantenstallzelt. Am letzten Tag jedes Gastspiels wird dieses Zelt am nächsten Gastspielort aufgebaut. Wenn die Elefanten dann (nach kurzem Transport) in der neuen Stadt ankommen, können sie das bereits aufgebaute Zelt sofort, also ohne Wartezeiten, beziehen.

Glückliche Tiere sterben später?

Nach Angaben des Aktionsbündnisses befinden sich alle Tiere in einem hervorragenden Pflege- und Ernährungszustand. Der gute Zustand der Krone-Tiere sei nicht zuletzt auf die tiermedizinische Betreuung zurückzuführen.
Die Tiere im Circus Krone erreichen fast regelmäßig ein hohes bzw. sehr hohes Alter. Ein hohes durchschnittliches Sterbealter gelte in der Tiermedizin als deutlicher Hinweis für gute Lebensbedingungen, so das Aktionsbündnis.

Einladung an OB und Lokalpolitik sich selbst ein Bild zu machen

Unter Bezugnahme auf verschiedene Untersuchungen und Wissenschaftler wird dem Stadtoberhaupt und den Lokalpolitikern dargelegt, warum aus Sicht des Aktionsbündnisses nichts gegen Wildtiere im Zirkus spricht. Damit sich die Adressaten „von der Stimmigkeit der Argumente“ überzeugen können, lädt sie der Circus Krone zum Besuch des rollenden Zoos und von kommentierten Dressurproben ein.

Karten für den Circus Krone gibt es bei der Neuen Osnabrücker Zeitung, den Vorverkaufsstellen von CTS-Eventim sowie direkt beim Circus Krone.

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Mösers Meinung – Diktat der Pedalophilen

Pedalophile Asile de Fous

Guten Abend,

lange habe ich geschwiegen zu all den weltbewegenden Themen, die in den letzten Monaten die Menschen in Osnabrück und dem Rest des Landes bewegt haben. Ich habe mich zurückgehalten, als Merkel & Co. mit Ach und Krach noch einmal auf der Regierungsbank Platz nehmen durften, ich ließ es ohne kritische Anmerkungen geschehen, daß Europa mittlerweile zu implodieren scheint und ich habe mir das Recht genommen, zu schweigen, als die Osnabrücker Maiwoche in diesem Jahr sehenden Auges vor die Wand gefahren wurde, weil sich die Stadtverwaltung in vornehmer Zurückhaltung übte und die Eintreibung von Standgeldern über die Qualitätssicherung und Attraktivitätssteigerung dieser für die Hasemetropole doch so bedeutsamen Veranstaltung stellte.

Ich wollte nicht länger den unbequemen Mahner geben, der permanent schlechte Laune und an allem etwas auszusetzen hat. Ich dachte mir, daß es grade in diesen dunklen Zeiten wichtig ist, auch mal positive Dinge zu vermelden und einen gewissen grundlegenden Optimismus zu verbreiten. Da ich für diese Dinge nicht unbedingt prädestiniert bin, wollte ich anderen Leuten den Vortritt lassen, sozusagen der Jugend die Chance geben, die Zukunft durch eine lebensbejahende Publizistik auf einen guten Weg zu bringen. Immerhin feiere ich in zwei Jahren schon meinen 300. Geburtstag und da ist es schließlich ganz natürlich, daß man ein wenig ruhiger und altersmilder wird und die Last der konstruktiven Kritik an die nachfolgenden Generationen weitergibt.

Doch in der vergangenen Woche ist in der lokalen Tageszeitung ein Artikel erschienen, der mir bis heute die Zornesröte ins Gesicht treibt. Unter der boulevardesk anmutenden Überschrift „Fahrradaktivisten kämpfen gegen Falschparker auch in Osnabrück“ werden drei heldenhaft anmutende junge Menschen vorgestellt, die scheinbar unter Einsatz des eigenen Lebens Fahrräder und Pylonen auf die Straße stellen. Damit protestieren die Heroen gegen eine vermutete Invasion von falschparkenden Autofahrern, vornehmlich im Bereich zwischen Johannistorwall und Pottgraben. Um der in ihren Augen gerechten Sache zu dienen, scheuen sie sich nicht, gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr vorzunehmen – ohne Rücksicht auf Verluste und die Unversehrtheit anderer Verkehrsteilnehmer. Was die ganze Angelegenheit besonders pikant macht, ist die Jubelperser-Manie, mit der eine Lena Fischer als Autorin der lokalen Tageszeitung die ganze Aktion begleitet. Da wird die Selbstjustiz, Rechthaberei und Geltungssucht der selbsternannten Aktivisten begeistert beschrieben, ohne jegliche kritischen Zwischentöne.

Die Drangsalierung von Autofahrern scheint in Osnabrück mittlerweile zum guten Ton zu gehören, Menschenleben gefährdende Aktionen werden zu revolutionären Kampfhandlungen hochstilisiert und unter Verweis auf eine angeblich ausgerufene Aktionswoche gegen Falschparker, deren Initiator übrigens die Berliner Agentur „Clevere Städte“ ist, ein Unternehmen, daß davon lebt, Gutachten über die Vorteile des Fahrradverkehrs zu erstellen, werden alle rechtsstaatlichen Prinzipien über Bord geworfen. Wir brauchen uns gar nicht über das Chaos bei BAMF & Co. zu beschweren, wenn wir die Beugung des Rechts dort wohlmeinend dulden, wo sie in unser Weltbild paßt. Autofahrer-Bashing scheint in Osnabrück derzeit durchaus en Vogue zu sein, deshalb hat die verquere Aktion der selbsternannten Aktivisten auch wohl keine größere Protestwelle ausgelöst.

Wenn in der öffentlichen Ordnung das Recht keine Bedeutung mehr hat, wenn es nach Belieben gebeugt und nach eigenem Gusto ausgelegt werden darf, dann ist der Zusammenbruch jeglicher staatlichen Gestaltungsmacht und Verfügungsgewalt nicht mehr fern. Ich mag den drei selbsternannten Aktivisten ihr wirres Handeln als jugendlichen Leichtsinn durchgehen lassen, aber daß sich die Publizistik zum Claquer der Aufweichung von Recht und Ordnung macht, das finde ich unverantwortlich. Aber es paßt wie die Faust aufs Auge in das gesellschaftliche Chaos, daß sich bei uns breit macht. Wehret den Anfängen!

Ich wünsche allen HASEPOST-Lesern einen schönen Abend. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Ihr

Justus Möser

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Justus Möser.

 

AFP

Smombie-Spuren: Auch eine Idee für Osnabrück?

Smombie-Spur
Screenshot: YouTube

Es ist kein Geheimnis: In den letzten Jahren ist die Anzahl der Unfälle mit und durch Smartphone-Nutzer extrem angestiegen. Viele, gerade junge Menschen, schreiben Nachrichten, spielen Spiele, oder hören Musik und vernachlässigen dabei zunehmend den Verkehr um sich herum.

In China tritt man dem smartphone-bedingten Verletzungsrisiko jetzt mit so genannten „Smombie-Spuren“ entgegen, wie das Newsportal iFun unter Bezugnahme auf die BBC berichtet.

Bei „Smombie-Spuren“ handelt es sich um farblich abgegrenzte Abschnitte des Fußweges, welche die Benutzer sicher von A nach B geleiten soll. So können die handybegeisterten Chinesen gleichzeitig nach unten auf ihren Display schauen und dabei den neuen Markierungen folgen. Das soll verhindern, dass Unfälle durch Unaufmerksamkeit entstehen.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=mUfu8yemW-c]

Smartphone im Straßenverkehr große Gefahr

Smombie-Spuren: Auch eine Idee für Osnabrück?Zugegeben, die meisten Smartphone-Unfälle schaden nur dem Ego des Verursachers. Oftmals sieht es sogar ziemlich lustig aus, wenn Menschen beim Tippen gegen Pfeiler laufen, über ihre eigene Füße stolpern, oder in die falsche Straße abbiegen. Doch manchmal kann die Unachtsamkeit auch wirklich gefährlich werden. Eine Studie der DEKRA ergab, dass rund 8% der Fußgänger in Deutschland ihr Handy beim Überqueren der Straße nutzen. Zunehmend werden die Smartphone-Nutzer angefahren, oder sogar überfahren. Die „Smombie-Spuren“ sollen Zusammenstöße verhindern, ohne das Verhalten der Fußgänger zu ändern.

Wir fragen unsere Leser

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Auch ein Modell für Osnabrück?

In Osnabrück nutzt man bereits Piktogramme, um den Verkehr sicherer zu machen. In der Lotterstraße, wo kein eigener Radstreifen existiert, markieren weiße Fahrradsymbole auf der Fahrbahn die gemeinsame Nutzung der Straße. Sind also „Smombie-Spuren“ auch eine Option für Osnabrück? Was meinen Sie: Sind solche Spuren sinnvoll? Oder sollte man eher das Fehlverhalten der Fußgänger angehen?

Begriffserklärung Smombie: Smombie setzt sich aus den Worten „Smartphone“ und „Zombie“ zusammen und beschreibt Menschen, die ihren Blick ständig auf ihr Handy gerichtet haben.
Im Jahr 2015 war „Smombie“ das Jugendwort des Jahres.

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Integrationspreis im Osnabrücker Rathaus verliehen

Tabea Mangelsdorf und Günter Sandfort

Am Freitagabend (08.06) wurde der Yilmaz Akyürek Integrationspreis der Stadt Osnabrück an die Musikerin Tabea Mangelsdorf verliehen. Sie bringt seit vielen Jahren durch ihre Musikprojekte Menschen aus allen Ländern und Kulturen zusammen und setzt sich für Gleichberechtigung und gemeinsame Teilhabe ein.

„Singen macht gesund und glücklich, denn wenn Menschen singen, steigen die Glückshormone in ihrem Körper an, die Abwehrkräfte werden aktiviert und der Herzschlag der Sänger synchronisiert sich“. So leitete Günter Sandfort seine Laudatio für Preisträgerin Tabea Mangelsdorf ein. Er vertrat den kurzfristig erkrankten Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

Menschen verbinden

Rund 50.000 Menschen mit Migrationshintergrund leben momentan in Osnabrück. Sie kommen aus vielen verschiedenen Ländern und Kulturen und haben es nicht immer leicht in dieser Stadt ein Zuhause zu finden. Die Musikprojekte von Preisträgerin Tabea Mangelsdorf schaffen einen gemeinsamen Raum und geben Gelegenheit zum Kennenlernen und Verstehen. Seit 2015 leitet die gelernte Sängerin zum Beispiel das Chorprojekt „REVOLUTZAJAM“, das sich für Frieden und Vielfalt einsetzt. Die Mitglieder singen und musizieren in unterschiedlichen Sprachen – so auch am Freitag als musikalische Umrahmung der Preisverleihung. Auch mit vielen Osnabrücker Schulen hat Tabea Mangelsdorf gearbeitet und den Jugendlichen zum Beispiel in Workshops die Sambarhythmen näher gebracht.

Bewegende Dankesrede

Im Anschluss an die Verleihung hielt die Preisträgerin eine Dankesrede vor dem Publikum. Dabei betonte sie die Stärke und die Wichtigkeit der Gemeinschaft. Menschen blühen auf und bekommen eine besondere Kraft, wenn sie eine solche Gemeinschaft finden. „Ich habe Menschen getroffen, die so schlimmes erlebt haben und trotzdem nicht verbittert wurden. Vor einiger Zeit machte ich ein Musikprojekt mit einer Gruppe aus Brasilien. Sie kamen aus den ärmsten Slums und stiegen täglich über die Leichen ihrer Freude, die im Drogenkrieg starben. Doch statt Rache zu üben nahmen sie die Kinder der Drogendealer bei sich auf und gaben ihnen mit Musik eine Perspektive. Jetzt arbeiten sie alle zusammen, um den Krieg in den Slums zu beenden“, berichtete Mangelsdorf. Viele der Zuhörer waren von der Rede bewegt, bei manchen flossen sogar Tränen. In Zukunft möchte sich die Musikerin auch weiter gegen Vorurteile, Fremdenhass und Einsamkeit einsetzten. Denn, so sagte sie am Ende ihrer Ansprache: Die Stimme geht immer zusammen mit dem Herzen auf.

AFP

Einkaufszentrum am Neumarkt: Investor ändert seine Pläne im Detail

Oskar, Einkaufszentrum Osnabrück
Quelle: RIS-Osnabrück, kadawittfeldarchitektur

Wann mit dem Bau, zumindest aber mit dem Abriss des Kachelgebäudes und des ehemaligen Wöhrl-Kaufhauses begonnen werden soll, ist noch immer offen, allerdings tut sich aktuell etwas beim im Dornröschenschlaf versunkenen Kaufhausprojekt am Neumarkt. Womöglich zeichnet sich hier eine fristgerechte Abgabe des Bauantrags ab, der bis Mitte Juli der Verwaltung vorliegen muss.

Die Mitglieder des Stadtrats sollen auf Antrag der Verwaltung in der Ratssitzung am Dienstag über Änderungswünsche des französischen Investors Unibail-Rodamco entscheiden.

Noch im Januar forderten Vertreter der Regenbogenkoalition den Investor auf endlich einen verbindlichen Zeitplan zu veröffentlichen.
Nachdem eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg im Frühjahr abgewiesen wurde, läuft die Frist für den Investor ab und er muss bis zum 16. Juli einen gültigen Bauantrag einreichen.

Baubeginn verschiebt sich seit Jahren immer wieder neu

Der Baubeginn für das Einkaufscenter verschiebt sich seit Jahren. Zwischenzeitlich wurde der ursprüngliche Investor mfi an einen französischen Konzern verkauft, dann wurden die Ansprechpartner der Stadtverwaltung in regelmäßigen Abständen ausgetauscht und es kam zeitweise zum Erliegen der Kommunikation zwischen dem Investor und dem Oberbürgermeister.

Ausschnitt NOZ 03.09.2014
Das war wohl nichts: NOZ vom 03.09.2014

Neben der Tageszeitung NOZ vermeldeten auch Vertreter der „Regenbogenkoalition“ öffentlich schon vor Jahren, dass ein Abriss der Schrottimmobilien am Neumarkt – und damit der Baubeginn – kurz bevor stehen würde; so auch im Jahr der Kommunalwahl, 2016 mit einem Foto, das seither regelmäßig über soziale Medien geteilt wird und den darauf abgebildeten Lokalpolitikern inzwischen peinlich sein dürfte.
Der noch immer als Ankermieter für den Neubau gehandelte Textilhändler SinnLeffers machte zwischenzeitlich ein Insolvenzverfahren durch und hat inzwischen auch keine Zukunft mehr an seinem bisherigen Standort in der Johannisstraße, wo zukünftig ein Hotelneubau entstehen soll.

Führen Änderungen zum fristgerechten Bauantrag?

Der bereits 2014 in Kraft getretene Bebauungsplan soll, so der Wunsch des Investors, um einige Details geändert werden. Stellvertretend für den Unibail-Rodamco Konzern begründet die Verwaltung die Änderungswünsche damit, dass in den vergangenen Jahren „eine weitere Konkretisierung“ des Bauvorhabens stattgefunden habe, weshalb es zu Abweichungen vom einerzeit vom Rat beschlossenen Vorhaben- und Erschließungsplan gekommen sei.

Konkret geändert werden soll die Beachtung der Grundstücksgrenzen entlang der Johannisstraße. Hier soll, so der Wunsch des jahrelang untätigen Investors, ein Teil des Gebäudes über die Straße hinausragen (siehe Bild oben, rot gekennzeichnet).
Zudem sollen die Stellplatzebenen des Parkhauses neu organisiert und das gesamte Gebäude intern neu aufgeteilt werden. Statt über eine Rampe sollen die Parkdecks nun über eine „Spindel“ erreicht werden.

Bislang eher Nordkorea als „Aufenthaltsqualität“

Entlastend für den Verkehr in der Innenstadt sind die die Pläne des Investors, die Anlieferungszone neu zu gestalten. Diese soll nicht nur kleiner werden, sondern entgegen der ursprünglichen Planung auch innerhalb der Großen Rosenstraße verschoben werden.
Die Verkleinerung der Anlieferzone führt dazu, dass eine Belieferung des Einkaufzentrums mit Sattelzügen nicht mehr möglich sein wird, sondern lediglich 3-achsige Lieferfahrzeuge, in der Größenordnung eines Müllfahrzeugs, werden zum Einsatz kommen.

Die Verwaltung hegt Befürchtungen, dass diese Veränderungen dazu führen könnten, dass größere Anlieferfahrzeuge dann vom Neumarkt aus die Läden beliefern würden. Um das zu verhindern soll der Investor, so ein Vorschlag der Verwaltung, mit seinen Mietern vertraglich festlegen, dass dies unterbleibt.

Illustration aus RIS-Osnabrück, kadawittfeldarchitektur

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Von Glandorf über Bramsche bis Georgsmarienhütte: Hier blitzt es!

Blitzer-Versteck
"Blitzer" auf der BAB30

Augen auf den Tacho auf den Straßen rund um Osnabrück. Hier plant der Landkreis in dieser Woche seine mobilen Geschwindigkeitskontrollen: 

Montag 11.06 Glandorf
Dienstag 12.06 Bramsche
Mittwoch 13.06 Beim
Donnerstag 14.06 Bissendorf
Freitag 15.06 Melle
Samstag 16.06 Hilter
Sonntag 17.06 Georgsmarienhütte

Die Hasepost wünscht allen eine gute Fahrt – fahrt vorsichtig!

 

Alle Angaben ohne Gewähr. Es kann jederzeit auch an anderen Orten die Geschwindigkeit gemessen werden.

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Milchtankstelle am Pyer Hofladen aufgebrochen

frische Milch im Glas
Milch

Auf einem Hofladen am Süberweg in Osnabrück Pye, machten sich Unbekannte zwischen Donnerstag und Sonntagmorgen an einer Milchtankstelle zu schaffen.

Nach Angaben der Polizeiinspektion Osnabrück erbeuteten die Täter dabei Bargeld aus dem Automaten. Zeugen bemerkten am Sonntag gegen 02.30 Uhr die aufgebrochene Selbstbedienungsanlage und alarmierten die Polizei.

Hinweise werden unter der Rufnummer 0541/327-2215 erbeten.

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Symbolbild

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Insektenburger ab heute auch in Osnabrück

Bereits vor einigen Wochen berichteten wir über die „Bugfoundation“, die Deutschlands ersten Insektenburger herstellt. Ab heute (Freitag, 8. Juni) gibt es den Fleischersatz auch in Osnabrück zu kaufen. Noch bis 20 Uhr läuft die offizielle Markteinführung mit Kostproben im Rewe City.

Schon vor dem regulären Start um 14 Uhr fanden sich die ersten gewillten Tester des Insektenburgers vor den Türen des Supermarktes ein. Es herrschte gute Stimmung, auch bei Gründer Baris Özel: „Unsere Vorfreude könnte nicht größer sein“, freut er sich. „Wir haben vier Jahre auf diesen Tag gewartet und nun gibt es unsere Pattys endlich auch in Osnabrück zu kaufen“.

Würmer statt Rinder

Die Pattys des Osnabrücker Start-Ups enthalten statt Rind- oder Schweinefleisch die gemahlenen Larven des Buffalowurms. Das macht sie zu einer echten Alternative, denn Würmer zu halten und zu verarbeiten verbraucht nur einen Bruchteil der Energie von herkömmlicher Tierzucht. Des Weiteren leben die Tiere von Natur aus in großen Gruppen zusammen, Massentierhaltung ist sozusagen ihr Paradies. „Das macht unseren Burger auch für die Menschen interessant, die auf Grund von Haltungsbedingungen auf Fleisch verzichten“, erklärt der Gründer.

Begeisterte Testesser

Für einen Großteil der Menschheit gehören Insekten ganz natürlich zum Speiseplan dazu, in Deutschland ist das nicht so. Bis vor einigen Jahren galten die kleinen Krabbeltiere hier nicht als Lebensmittel und durfte auch nicht als solche verkauft werden. Erst 2015 wurde die so genannte „Novel Food Verordnung“ geändert und machte den Weg frei für die „Bugfoundation“ und ihr Produkt. Eben dieses kam bei den Besucher gut an. Manche hatten die Veranstaltung auf Facebook gesehen und kamen extra zur Markteinführung vorbei, viele blieben aber auch während ihres Einkaufes stehen. „Die Burger schmecken wirklich klasse“ sagt eine Testerin, „irgendwie mit nichts vergleichbar, was man so kennt, aber echt gut. Wir wollen uns gleich welche mitnehmen“.

Markteinführung noch bis 20 Uhr

Noch bis heute Abend sind die Gründer mit ihrem Stand vor dem Rewe und stehen allen Besuchern Rede und Antwort zu ihrem Produkt, Testessen kann man natürlich auch. Wer von dem Geschmack überzeugt ist, kann die Buffalowurmpattys ab heute in der Tiefkühlabteilung kaufen. Ein Paket mit zwei Pattys, oder sechs Minis kostet dabei 5,99€. In Zukunft wird es auch noch andere Produkte aus Insekten geben, was das genau sein wird wollte Gründer Baris Özel aber noch nicht verraten.

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Große Ratsmehrheit für unbürokratische Taxiordnung

Taxi
Taxi (Symbolbild)

Eine ungewöhnliche Allianz nahezu aller Parteien im Stadtrat – mit Ausnahme der Grünen – stellt sich gegen die Verwaltung und könnte für eine Befriedung des Osnabrücker „Taxikriegs“ sorgen.

Seit mehr als einem Jahr versuchte die Stadtverwaltungen eine Taxiordnung für Osnabrück festzulegen. Vorbild war die in Oldenburg gültige Taxiordnung. Doch was an der Hunte überwiegend erfolgreich funktioniert, konnte für Osnabrück wohl nicht gut genug sein.

Im Verantwortungsbereich des nicht immer glücklich agierenden Stadtbaurats Frank Otte wurde an der Vorlage aus dem Nordwesten so lange herumlaboriert, bis diese nicht mehr rechtzeitig vor der Maiwoche dem Stadtrat präsentiert werden konnte.
Zwischenzeitlich kochten die Gemüter der Fahrgastbeförderer hoch und der bereits seit mehr als einem Jahrzehnt schwelende „Taxikrieg“ kam erneut zum Ausbruch, wie unsere Redaktion exklusiv im April in mehreren Beiträgen berichtete.

Immer Ärger an den Taxiständen

Der Konflikt zwischen den Droschkenkutschern (mit und ohne Taxischild auf dem Dach) entzündete sich vor allem an den bislang sehr restriktiv gehandelten Bestimmungen zur Aufstellung von wartenden Autos an den Taxiständen vor Discotheken, dem Heger Tor und der OsnabrückHalle.
Dutzende Taxiunternehmer wurden im April von einem Mietwagenunternehmer (auch bekannt als City- oder MiniCar) mit kostenpflichtigen Abmahnungen verfolgt. Diese Abmahnwelle war eine Folge von ähnlichen Abmahnungen im vergangenen Jahr, die sich gegen Mietwagenunternehmer richteten. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, sich nicht regelkonform zu verhalten und so ungerechtfertigt der jeweils anderen Seite Fahrgäste abzuluchsen. Die für die Taxifahrer unbefriedigend kleinen Taxistände (bspw. nur 5 Autos vorm Alando) machen es schwierig für die Fahrer sich an die Regeln zu halten.

Hier alle bisherigen Artikel zum Osnabrücker Taxikrieg und die Abmahnwelle im April 2018.

Pottgraben, Taxifahrer warten
Dreh- und Angelpunkt der Abmahnwelle im April 2018: Wartende Taxifahrer vor der Discothek Alando-Palais am Pottgraben

Der Entwurf, der von der Stadtverwaltung zur Ratssitzung am kommenden Dienstag vorgelegt wird und gegen den sich nun eine Mehrheit der Lokalpolitiker stellt, sieht eine notwendige Einzelgenehmigung zusätzlicher Aufstellplätze durch die Verwaltung vor, die dadurch zum Schiedsrichter darüber werden würde, wo und wann ergänzender Bedarf an Taxen herrscht.

Mehr Bürokratie in Osnabrück = besser als in Oldenburg?

Die in Oldenburg geltende Regelung, so die Begründung der Verwaltung, würde den Osnabrücker Taxifahrern keine Entlastung bringen, da dort ausdrücklich festgelegt ist, dass ein Aufstellen von weiteren Taxen außerhalb der bestehenden Taxistände nur in Übereinstimmung mit der Straßenverkehrsordnung erlaubt ist.
Das – so die Begründung der Verwaltung – wäre aber meist nicht möglich, „weil Haltverbote, Radfahrstreifen oder auch Busspuren das Parken von Taxen verbieten würden.“

Alle Parteien (außer die Grünen) gegen die Verwaltung

Die Vertreter von CDU, SPD, FDP, BOB, Die Linke und UWG (also eigentlich alle außer die Grünen) wollen dem Plädoyer der Verwaltung für eine zusätzliche Genehmigungs-Instanz innerhalb der Verwaltung offensichtlich nicht folgen und schlagen pragmatisch vor, zumindest für ein Jahr einfach die Regelung, die in Oldenburg bereits eingeführt ist, für Osnabrück auszuprobieren und danach die Ergebnisse im Fachausschuss zu diskutieren.

Darüber hinaus, so der auf dem Server des Ratsinformationssystems noch nicht veröffentlichte Antrag, der unserer Redaktion aber bereits vorliegt, soll die Verwaltung beauftragt werden an hochfrequentierten und neuralgischen Punkten, wie dem Alando, dem Virage oder der OsnabrückHalle die Stellplätze so umzubauen, dass diesem der dort auftretenden Nachfrage zukünftig entsprechen.

 


[Kommentar des Redakteurs]

Bei aller Freude – insbesondere für die Taxiunternehmer, die vor allem in der Nacht eine wichtige Funktion im öffentlichen Nahverkehr haben – darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verwaltung mit ihren Einwendungen gegen eine 1:1-Übernahme der Oldenburger Taxiordnung grundsätzlich nicht unrecht hat. 

Wenn die Oldenburger Vorlage ein Aufstellen nur im Rahmen der StVO erlaubt, dann dürfen sich die Taxler auch in Zukunft nicht einfach irgendwo hinstellen, wie es ihnen gerade sinnvoll erscheint. Aber was spricht dagegen zum Beispiel die Busspur in der Dielingerstraße nach 22:00 Uhr mit einem entsprechenden Schild für die Taxen als Parkfläche freizugeben, damit von dort zum (sehr kleinen) Taxistand am Heger Tor nachgerückt werden kann? Es scheint, dass gewissen Verantwortlichen in der Verwaltung Busspuren heilig sind, selbst wenn sie in der Nacht gar nicht genutzt werden. Und ist das Erteilen von bürokratischen Sondergenehmigungen in Teilen der Verwaltung womöglich zum Selbstzweck geworden, oder warum fordert die Verwaltung diese Mehrarbeit?

Wir sollten „weniger Bürokratie wagen“ und versuchen einfache Regelungen zu finden. Wenn es in Osnabrück gelingt StVO-konforme Aufstellmöglichkeiten für die neue Taxiordnung zu finden, kann sich der zuständige Sachbearbeiter in der Verwaltung sicher mit sinnvolleren Dingen beschäftigen als regelmäßig Sondergenehmigungen zu erteilen.

 

AFP