Kurz vor Ferienbeginn ist der Ausbildungsmarkt in der Region Osnabrück weiter in Bewegung. Diverse Betriebe suchen dringend nach neuen Azubis – und treffen dabei auf einen zunehmend kleineren Bewerberpool.

In wenigen Tagen geht es in die Sommerferien – und 1.264 Jugendliche (Stand: Ende Mai 2018) haben immer noch keinen Ausbildungsplatz. Auf der anderen Seite waren zum gleichen Zeitpunkt noch 2.421 Ausbildungsstellen in der Region unbesetzt. Was bedeutet das? „In Sachen Ausbildung neigt sich die Waage immer mehr in Richtung Bewerbermarkt“, konstatiert Christiane Fern, Vorsitzende der Geschäftsführung der Osnabrücker Arbeitsagentur. „Der Bedarf an Fachkräften in der Wirtschaft ist immens hoch, der Arbeitsmarkt angesichts der historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen wie leergefegt. Die Bereitschaft, selbst auszubilden, wächst daher. Allerdings schrumpfen die Schülerjahrgänge, und viele junge Leute wollen weiter zur Schule gehen und eventuell auch noch studieren. Das zeigt sich in der Summe dann deutlich bei den Bewerberzahlen.“

Für Bewerber gute Chancen, noch einen Ausbildungsplatz zu finden

So lag die Zahl aller Ausbildungsbewerber Ende Mai mit 3.142 um 252 Personen unter dem Vorjahreswert – ein Minus von 7,4 Prozentpunkten. Zeitgleich stieg die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen um 613 auf 4.484 (plus 15,8 Prozentpunkte). Problematisch für die Betriebe, gut für die Bewerber. „Es gibt weniger Konkurrenz um die einzelnen Stellen“, erläutert Fern. „Die Chancen, einen Platz für sich zu finden, standen noch nie so günstig wie in diesem Ausbildungsjahr. Sie sollten sich dringend bei uns melden, damit wir helfen können. Wichtig ist jedenfalls, dass man nicht mit Scheuklappen auf die Suche geht und sich nicht stur auf den einen ganz bestimmten Wunschberuf fokussiert. Mitunter sind die Aussichten in einer verwandten Ausbildung viel besser. Da fehlt es manchmal leider an der Bereitschaft unter den Jugendlichen.“ So verteilen sich knapp 40 Prozent der Bewerber auf gerade einmal zehn Ausbildungsberufe, obwohl es gut 200 verschiedene davon in der Region gibt. Unter weiblichen Bewerbern sind es sogar rund 55 Prozent, die sich auf lediglich zehn Ausbildungsberufe konzentrieren.

Betriebe müssen noch mehr tun, um ihre Stellen zu besetzen

Agenturchefin Fern ist der Überzeugung, dass die Unternehmen ihre Anstrengungen weiter verstärken müssen, wenn sie bei der Suche nach Azubis nicht ins Hintertreffen geraten möchten. „Hier kommen verschiedene Facetten ins Spiel“, so Fern. „Ein gutes Marketing ist wichtig, damit die jungen Menschen überhaupt auf den Betrieb aufmerksam werden. Wer besondere Vergünstigungen anbietet, kann sich auch abheben von seinen Konkurrenten. Und ganz gewiss nicht zu vernachlässigen ist, dass man die richtigen Kanäle bespielt, wo man die Jugendlichen auch erreicht! Genau zu diesem Thema wird die Agentur am 27. August einen ‚Business Talk‘ veranstalten, mit dem wir Arbeitgebern entsprechende Anregungen und Tipps vermitteln möchten.“

Geflüchtete können schrumpfenden Bewerbermarkt teilweise entlasten

Die Hoffnung vieler Unternehmen, dass junge Geflüchtete die Rückgänge unter Ausbildungsbewerbern ausgleichen könnten, erfüllt sich immerhin teilweise. Ende Mai waren insgesamt 202 Geflüchtete als Ausbildungsbewerber gemeldet, womit der Rückgang bei der Gesamtzahl aber nicht ganz wettgemacht werden konnte. „Wir nutzen diverse Fördermöglichkeiten, um auch mehr und mehr Geflüchtete fit zu machen für den Ausbildungsmarkt“, erklärt Fern. „Schon im vergangenen Jahr waren wir mit dem Projekt ‚Sprint Dual‘ sehr erfolgreich, das Deutschunterricht und Praxisphasen in Betrieben mischt. Gut 70 Prozent der Teilnehmer konnten damals im Anschluss eine Ausbildung beginnen – angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen ein Bombenerfolg!“

Förderung bei vielen Ausbildungsverhältnissen möglich

Fern rät Betrieben, auch Bewerbern eine Chance zu geben, die nicht auf den ersten Blick passen. „Oft sind die Noten weniger wichtig als Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft und die Motivation“, sagt die Agenturchefin. „Nicht selten stellt sich heraus, dass gerade schwächere Bewerber, denen dennoch das Vertrauen geschenkt wurde, besonders eifrig an die Arbeit gehen.“ Für nicht ganz unproblematische Ausbildungsverhältnisse bietet die Arbeitsagentur diverse Fördermöglichkeiten. Darunter ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) und die assistierte Ausbildung. Fern dazu: „Die Arbeitgeber sollen nicht zögern, zu uns zu kommen, wenn sie feststellen, dass der Erfolg einer Ausbildung gefährdet ist. Wir sind der erste Ansprechpartner, wenn es darum geht, bei Problemen gegenzusteuern.“