Landkreis Osnabrück Martin Timotheus hatte es eilig: Geburt im Rettungshubschrauber im...

Martin Timotheus hatte es eilig: Geburt im Rettungshubschrauber im Anflug aufs Klinikum Osnabrück

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Jedes Kind ist einzigartig und für die Eltern ist es immer eine Besonderheit, wenn es endlich da ist. Die Geburt von Martin Timotheus, dem ersten Kind von Sonja und Tobias Lammers aus Mettingen (beide 24), war aber nicht nur in dieser Beziehung eine Besonderheit: Der Junge ist bei einer außerplanmäßigen Geburt zur Welt gekommen, bevor es die Mutter auf die Entbindungsstation des Klinikums Osnabrück geschafft hatte – allerdings nicht in einem Rettungswagen oder im Familienauto mit dem Papa am Steuer, sondern im Hubschrauber Christoph Europa 2 der gemeinnützigen ADAC-Luftrettung Rheine.

Um es vorweg zu nehmen: Alles hat gut geklappt, Mutter Sonja Lammers und der kleine Martin Timotheus (3620 Gramm, 53 Zentimeter) sind wohlauf.

Sonja und Tobias Lammers mit Sohn Martin Timotheus. / Foto: Frauke Dinklage

Einmaliges Geburtserlebnis

Dass ein Kind geboren wird, während sich die Mutter mit über 200 Stundenkilometern und in etwa 150 Metern Höhe im Anflug auf das Klinikum auf dem Finkenhügel in Osnabrück befindet, ist niemals zuvor vorgekommen. Für alle Beteiligten von Mutter Sonja Lammers über die Besatzung des Rettungshubschraubers mit dem Notarzt Dr. Martin Küppers bis zum Hebammenteam des Klinikums war es eine ganz besondere Premiere.

Nach ADAC-Infos ist mit Martin Timotheus erstmals seit 1992 wieder ein Kind in einem Helikopter der Luftrettung in Deutschland geboren worden. „Es ist nur ganz selten zu Geburten in unseren Hubschraubern gekommen“, sagt Jochen Oesterle, der Sprecher der ADAC-Luftrettung. Er geht davon aus, dass sich die Anzahl der Kinder, die in den Rettungshelis geboren wurden, die seit 1970 fliegen, an einer Hand abzählen lässt.

Christoph Europa 2, einer von mehr als 50 ADAC-Hubschraubern (37 Stationen), ist in Rheine stationiert. Notarzt Dr. Martin Küppers gehört zum Ärzteteam des Mathias-Spitals in Rheine, das die Mediziner der Besatzung des Rettungshubschraubers stellt. Etwa 15 Mediziner, alles Fachärzte für Anästhesie, sind für den Dienst in dem Heli eingesetzt. Alles in allem fliegen sie jährlich etwa 1200 bis 1400 Einsätze.

Geburt im Anflug

Wie der 33-jährige Arzt erklärt, hatte die Rettungsleitstelle den Hubschrauber zu der Mutter geschickt. Bei ihr hatte am 10. Januar einige Tage früher als vorgesehen die Wehentätigkeit eingesetzt und die Eltern hatten auf Empfehlung des Klinikums ein Rettungsmittel angefordert. „Die Rettungsmittel und Notärzte werden je nach Verfügbarkeit disponiert“, erklärt der aus Münster stammende Küppers. Auch ein Rettungswagen war noch eingetroffen. „Wir haben uns aber dazu entschieden, die Mutter ins Klinikum zu fliegen“, so Küppers. Nach seinen Angaben braucht der Helikopter nur etwa fünf bis sieben Minuten, um von Mettingen zum Klinikum Osnabrück zu gelangen, der Rettungswagen dagegen ist 25 Minuten lang unterwegs. „Als wir abgeflogen sind, hatte ich nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde – aber dann kam es eben dazu. Wir haben im Hubschrauber bei der Geburt geholfen und sind dann auf dem Flugfeld vom Hebammenteam des Klinikums erwartet worden, die das Baby abgenabelt haben.“ Zur Besatzung gehörten neben Küppers der Pilot Dirk Brinkmann (Bielefeld) und Notfallsanitäter Sebastian Ross (Rheine).

Die nächsten Kinder sollen sich „vielleicht etwas mehr Zeit lassen“

Für Mutter Sonja Lammers war die Geburt eine richtig schöne Erfahrung. „Wir waren vielleicht zwei Minuten in der Luft als es so weit war“, erinnert sie sich. „Es ging ganz schnell und ich hatte überhaupt keine Schmerzen dabei. Für mich war das sehr schön – und es ist natürlich toll, dass alles so gut geklappt hat.“ Sie und ihr Mann Tobias seien von dem Einsatz des Rettungshubschraubers komplett überrascht gewesen. „Er ist direkt gegenüber bei uns auf einem Acker gelandet. Wir hatten niemals damit gerechnet, dass so etwas passieren würde“, sagt die Mutter. „Bei uns ist das jetzt natürlich überall ein großes Gesprächsthema und ich werde damit aufgezogen, dass sich unsere nächsten Kinder vielleicht etwas mehr Zeit lassen sollten“, schmunzelt sie.

Martin Timotheus ein Osnabrücker

Geplant hätten sie es, verrät Sonja Lammers, dass Martin Timotheus noch ein Geschwisterchen bekommen soll – auch für ihren Geschmack kann es bei dieser Geburt dann aber gerne ganz „boden“-ständig zugehen. „Es ging ja nicht, dass mein Mann mitfliegt, also ist er mit dem Auto zum Klinikum gefahren – und als er angekommen ist, war er bereits Papa.“ Martin Timotheus hat, wie sie berichtet, auch gleich die Einwohnermeldeämter beschäftigt. Weil er während des Fluges geboren worden ist, war nämlich erst nicht klar, welcher Geburtsort bei ihm eingetragen werden sollte. Zum Schluss galt der Ort, in dem die Nabelschnur abgetrennt wurde – der Junge ist also ein Osnabrücker.

Im Klinikum auf dem Finkenhügel kommen jeden Tag Babys zur Welt und jedes von ihnen hat eine besondere Geschichte – aber diese Geschichte hat auch das Team der Geburtshilfe besonders gerührt. Gerade jetzt in der Corona-Zeit sei das ein ganz besonderer Moment gewesen, sagt Anke Kramer, die Leiterin des Hebammenteams des Klinikums. Die Lammers waren, wie sie berichtet, zur Entbindung im Klinikum angemeldet. Tobias Lammers habe das Klinikum informiert, dass bei seiner Frau die Wehen eingesetzt hatten. Nachdem empfohlen worden sei, dass sie ein Rettungsmittel nutzen sollten, habe das Klinikum erst die Info erhalten, dass sie im Hubschrauber unterwegs waren. Danach habe ein Team am Landeplatz gewartet und dabei gehört, dass die Geburt bereits erfolgt war. Dann haben die Hebammen im Hubschrauber die Erstversorgung des Neugeborenen geleistet und Mutter und Kind wurden anschließend weiter im Klinikum betreut. Auch die erfahrenen Kolleginnen hätten so etwas oder etwas Vergleichbares in ihrer Laufbahn noch nicht erlebt, betont Kramer.

Geburt im Hubschrauber eine „ganz besonders freudige Nachricht“

Auch ADAC-Luftrettungs-Sprecher Jochen Oesterle freut sich. „Für alle im Rettungswesen ist das jetzt eine sehr belastende Zeit und gerade die Besatzungen unserer Hubschrauber sind ganz oft mit sehr viel Leid konfrontiert“, sagt er. „Da ist eine Geburt in einem unserer Hubschrauber eine ganz besonders freudige Nachricht – und sogar eine, die Hoffnung macht.“

Titelbild: Symbolbild Rettungshubschrauber ADAC

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