Titelbild: Im Alter noch im gewohnten Wohnumfeld zu leben, erfordert oft verschiedene Anpassungen. Foto: Rawpixel.com/Fotolia

In Berlin geht es in diesen Tagen um eine der großen ungelösten Fragen, nämlich um die Entwicklung des deutschen Wohnungsmarktes. Klar ist schon im Vorfeld, dass vor allem in städtischen Ballungsgebieten Wohnraum knapp und stellenweise kaum noch bezahlbar ist. Weniger klar ist hingegen, welche Mittel geeignet sind, um dieses Problem nachhaltig anzugehen. Unterdessen hat die Landesregierung NRW einen ersten internen Entwurf für die neue Landesbauordnung vorgelegt, die ab 2019 gelten soll. Einer der Schwerpunkte hierin: Das barrierefreie Wohnen.

Der Fall NRW zeigt, wie eng die beiden Themen – Wohnungsmangel und Wohnen im Alter oder mit Behinderung – miteinander verbunden sind. Die Landesbauordnung soll diesem Umstand Rechnung tragen, indem alters- und behindertengerechtes Wohnen einhergeht mit Maßnahmen, die schneller und einfacher für bezahlbaren Wohnraum sorgen. Kritische Stimmen aus den Reihen der Opposition äußern die Befürchtung, dass sich das insbesondere für Rollstuhlfahrer in Städten nicht umsetzen lassen könnte.

Darüber hinaus sollen die festgelegten Standards für Barrierefreiheit laut der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ für Ein- und Zweifamilienhäuser nur als Empfehlung gelten – nach dem angekündigten „universalen Gestaltungsprinzip“ für künftigen Wohnraum klingt das wiederum nicht. Hinzu kommt, mit Blick auf aktuelle Projekte in Osnabrück, ein weiteres Problem, das sich in diesem Zusammenhang ergibt: Barrierefreies Bauen ist kostenintensiver und daher besonders für private Investoren weniger attraktiv.

Altersgerechtes Bauen zwischen Notwendigkeit und Desinteresse

Rollstuhl
Barrierefreies (Um)Bauen ist zwar in der Öffentlichkeit ein Thema, wird aber privat gerne weggeschoben.
Foto: kiono/Fotolia

Kaum weniger schwierig ist die Situation beim altersgerechten Umbau von Bestandsimmobilien. Das lässt sich an den Ergebnissen eines groß angelegten Projekts des Landkreises Osnabrück ablesen, das zwischen 2010 und 2012 mit Förderung durch das KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“ durchgeführt wurde. Vorrangiges Ziel war es, langfristig die Rahmenbedingungen für derartige Unterfangen zu verbessern. Um dies zu erreichen, ging es unter anderem um zielgruppenspezifische Wege, auf denen Informationen und Beratungen an diejenigen herangetragen werden können, die an einem Umbau interessiert sind.

Weiterhin sollten diese Interessenten in ein wirksames Netzwerk von Akteuren eingebunden werden, das einerseits Beratung bieten und andererseits konkrete Umbauvorhaben initiieren sollte. Dazu gehört ebenfalls, effizienter Informationen über Umbau- und Fördermöglichkeiten weitergeben, bei Bauvorhaben ständige Begleitung und Beratung anbieten und passende Maßnahmen vorschlagen zu können. Insgesamt sechs Teilprojekte wurden unter diesen Prämissen gestartet, in Melle, Bohmte-Herringhausen, Bad Laer, Bad Essen, der Samtgemeinde Artland und durch die LBS-Nord/Osnabrück.

Die Ergebnisse nach dem Ablauf des Projektes müssen als recht unterschiedlich betrachtet werden. Was unter anderem der Tatsache geschuldet war, dass viele Informationsangebote nur langsam greifen und einen Effekt erzielen: Die Veranschaulichung bzw. Beratung an einem konkreten Objekt beispielsweise wurde besser angenommen, die bloße Verbreitung von Informationen (auf dem Postweg, per Mail, etc.) hingegen lief häufig ins Leere.

Für die Interessenten – und damit schlussendlich auch für Architekten und ausführende Unternehmen – spielt es außerdem eine erhebliche Rolle, ob die möglichen Lösungen refinanzierbar sind. Die Erfassung von individuellen Bedürfnissen und den Möglichkeiten der Umsetzung muss daher ein Hauptanliegen sein, wenn altersgerechtes Wohnen auf einer breiteren Basis ein Thema sein soll.

Altern als Chance

altes Paar
Aktiv bis ins hohe Alter – auch so sieht der demografische Wandel aus. Foto: Daniel Myjones/Fotolia

Wobei das im Prinzip nur für tatsächlich angegangene (Um-)Baumaßnahmen gilt, das Thema an sich ist in den vergangenen Jahren durchaus recht präsent geworden. Einer der Gründe hierfür ist eindeutig der bereits angesprochene demografische Wandel. Dabei geht es nicht allein darum, dass die Gesellschaft im Durchschnitt immer älter wird, das Bild von Alter und Altern ist ebenfalls im Wandel. Die Bürgerstiftung Osnabrück hat daher bereits vor einigen Jahren eine eigene Kampagne zu der Thematik ins Leben gerufen. Hauptsächlich deswegen, weil das Altern der Gesellschaft zumeist im Zusammenhang mit Problemen gesehen wird: Belastung von Rentenkassen, Pflegenotstände, drohende Altersarmut, um nur einige zu nennen.

Mit ihrer Kampagne hat die Bürgerstiftung aber zurecht darauf aufmerksam gemacht, dass es eben auch die andere Seite gibt, die nicht ausschließlich aus Herausforderungen besteht – vor allem für die „Alten“, die ihr Leben nach der Erwerbstätigkeit verständlicherweise weiterhin aktiv gestalten wollen. Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist es, so lange wie möglich selbstbestimmt zu wohnen. Da das, früher oder später, im gewohnten Umfeld jedoch nur noch mit einer Anpassung der räumlichen Gegebenheiten realisierbar ist, spielt das altersgerechte, barrierefreie Wohnen inzwischen eine so große Rolle.

Barrierefreiheit für alle

altes Paar kocht gemeinsam
Den eigenen Haushalt führen, solange wie möglich – trotz dieses Wunsches ist es sinnvoll, sich über andere Wohnformen für das Alter zu informieren. Foto: Ingo Bartussek/Fotolia

Wobei „altersgerecht“ ohnehin nicht die ganze Wahrheit ist, richtiger müsste von „generationengerechtem“ Wohnen die Rede sein. Mit einem barrierefreien Umbau lassen sich allein auf der technischen Ebene verschiedenste Lösungen integrieren, von denen eben nicht nur ältere Menschen profitieren – Sicherheitsmaßnahmen sind beispielsweise auch dann wichtig, wenn Kinder im Haushalt leben. Gleiches gilt für Umbaumaßnahmen, die sich auf die Bausubstanz beziehen. Breitere Türen, der Verzicht auf Stufen, wo dies möglich ist – das sind nur einige Optionen, die für Senioren ebenso hilfreich sind wie für Familien mit Kindern.

Trotzdem entsprechen gerade im Hinblick auf die Anforderungen im Alter die Voraussetzungen keineswegs dem bestehenden und noch zu erwartenden Bedarf: LautVerband der Privaten Bausparkassen e.V. sind bundesweit nur zwischen 1 und 2 Prozent des Wohnungsbestandes barrierefrei oder barrierearm. Vielfach liegt das schlicht und ergreifend daran, dass Barrierefreiheit häufig erst dann ein Thema wird, wenn es akut wird – für viele ist das aber erst der Fall, wenn das 70. Lebensjahr erreicht wurde.

Änderungen in den Landesbauordnungen, wie sie etwa in der von NRW vorgenommen wurden, sollen dem entgegenwirken, indem schon in Neubauten für Barrierefreiheit gesorgt werden soll. Perspektivisch sicherlich ein guter Ansatz, aber gerade bei Wohnungen, die zur Vermietung gedacht sind, ergibt sich wieder das eingangs beschriebene finanzielle Problem. Selbst die Einhaltung der Mindestkriterien bedeutet Mehrausgaben, die erst einmal refinanziert werden wollen. Da das wiederum über die Mietkosten geschieht, sinkt die Aussicht auf bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum.

Wohnen mit Weitblick

Umso wichtiger ist es daher, sich selbst Gedanken darüber zu machen, wie man persönlich im Alter wohnen möchte. Genau darauf zielt die Broschüre „Wohnen im Alter in Osnabrück“ ab, die in diesem Jahr in der bereits 5. Auflage erschienen ist. Sie ist als erste Annäherung an eine Thematik konzipiert, die wesentlich vielschichtiger ist, als es zunächst den Anschein haben mag. Eine Vielzahl von Faktoren muss berücksichtigt werden, um auf zukünftige Bedürfnisse vorbereitet zu sein.

Die zentrale Frage bleibt natürlich trotzdem: Wie will ich später wohnen? Die meisten Menschen werden verständlicherweise so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung leben wollen, allerdings kann es immer zu Umständen kommen, die nach einer Alternative verlangen. Deshalb stellt die Broschüre andere Optionen vor, wie das gemeinschaftliche Wohnen, das betreute Wohnen oder das Wohnen in einer Pflegeeinrichtung.

Alle diese Wohnformen hängen von unterschiedlichen Lebenssituationen ab, Ziel ist aber grundsätzlich, ein Leben innerhalb der Gemeinschaft zu erhalten. Die Versorgung in einer Pflegeeinrichtung ist in diesem Zusammenhang daher nur ein letzter Schritt, wenn selbstständiges Wohnen nicht mehr leistbar ist, z.B. durch einen fortgeschritten schlechten Gesundheitszustand. Aber selbst unter diesen Umständen gibt es – wenngleich bislang noch wenige – Alternativen, die die benötigte pflegerische Versorgung mit dem gemeinschaftlichen Wohnen verbinden.

Sollten weiterführende Informationen gewünscht sein, bietet die Broschüre zudem eine Reihe von Ansprechpartnern. Diese stehen bei konkreten Fragen Rede und Antwort, zeigen sinnvolle Vorgehensweisen oder Veränderungen auf und stehen in allen Belangen beratend zur Seite. Eine wichtige Anlaufstelle ist beispielsweise die Ehrenamtliche Wohnberatung, die kostenlos zum Thema Wohnen im Alter informiert. Größter Vorteil hierbei: Die Experten aus verschiedenen Bereichen, aus denen sich das Team zusammensetzt, beraten auch im häuslichen Umfeld und können so passgenaue Maßnahmen mit den Bewohnern erörtern.

Die Stadt Osnabrück tut also einiges dafür, dass ältere Menschen hier ein angenehmes Wohnumfeld vorfinden. Das ist umso wichtiger, weil es für diese Menschen einerseits nicht einfach ist, bedarfsgerechten Wohnraum zu finden und es andererseits genauso wenig einfach ist, bei der Vielzahl der möglichen Optionen die geeigneten zu finden.