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„Wir wachsen hier mit jedem Tag“ – Osnabrücker Schüler rappen über Angst und Hoffnung

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Kadour (links) und Harun (rrechts) beim Videodreh am Rubbenbruchsee vor der Kamera von Max Edel.Foto: Max Edel

Einen Rap-Song schreiben in einer Sprache, die man gerade erst neu lernt – dazu gehört Mut, Kreativität und Durchhaltevermögen. Zehn Schüler einer Sprachintegrationsklasse des Berufsschulzentrums am Westerberg (BSZW) stellten sich dieser Herausforderung im aktuellen Schuljahr. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mit Unterstützung des Rappers Carlos Utermöhlen und des Filmemachers Max Edel entstand ein professionell abgemischter Song und ein passendes Musikvideo.

Das Musikprojekt ist Teil einer Kooperation zwischen dem BSZW und dem Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück im Rahmen des Programms „Respekt Coaches“, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Die 16- bis 18-jährigen Teilnehmer sind erst vor kurzem als Flüchtlinge oder EU-Migranten nach Deutschland gekommen und stammen ursprünglich aus Syrien, dem Sudan, dem Libanon, aus Polen und Kasachstan. „Ziel des Projektes ist es, junge Menschen für demokratische Werte zu begeistern und mit ihnen über Vielfalt und Toleranz ins Gespräch zu kommen“, erklärt Thorsten Blender, Respekt Coach beim Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück.

Kreativ Deutsch lernen

„Uns war es wichtig, trotz Distanzunterricht möglichst nah an den jungen Menschen dran zu sein. Wir wollten ihnen die Möglichkeit geben, mit ihren Ängsten und Sorgen gehört zu werden“, schildert Schulsozialarbeiter Martin Molan die Idee zum Projekt. Seit Mitte März haben sich die Schüler ein- bis zweimal wöchentlich mit Rapper Carlos Utermöhlen digital via Zoom getroffen. Sie schrieben Texte, suchten Reime und übten, das Geschriebene zu singen oder zu rappen. Klassenlehrerin Arbresha Nikqi ist begeistert von dem Projekt: „Das Homeschooling hat viele Schüler in ihren Lernfortschritten zurückgeworfen. Das Projekt hat die Klasse neu motiviert. Die Schüler konnten so auf eine kreative Art die deutsche Sprache lernen und ihre Fortschritte unmittelbar erleben.“

Rap über Flucht und Migration

Die individuellen Erfahrungen über Flucht oder Migration und der Neustart in Deutschland rückten in den Mittelpunkt der Songtexte. Dies sind Geschichten von Krieg und Angst, von Verlust und Trauer, aber auch von Hoffnung und Erfolg. „Meine Seele verloren, aber es gibt immer wieder einen Anfang“, rappte der 17-jährige Kadour, der vor dem Krieg in Syrien fliehen musste. Und Sergiusz, geboren in Kasachstan und aufgewachsen in Polen, stellt hoffnungsvoll fest: „Wir sind gar nicht so verschieden, weil uns so viel hier verbindet. Wir sind jung und voller Energie und können nur gewinnen!“

Live-Auftritt vor Mitschülern

Nachdem die Schüler in den Präsenzunterricht zurückkehrten, lernten sie während einer Projektwoche gemeinsam mit Rapper Carlos, die Texte zu performen. „Anfangs war es für die Jugendlichen schwer, live vor den Mitschülern zu rappen. Aber genau diese Erfahrungen wollen wir ermöglichen: Du schaffst das, wenn du dich anstrengst und Leute an deiner Seite hast, die dich unterstützen!“, erklären die Projektverantwortlichen.

Professionelles Musikvideo am Rubbenbruchsee

Der Song wird aktuell final „abgemischt“. Zusätzlich ist ein professionelles Musikvideo bei einem Dreh am Rubbenbruchsee entstanden. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir es schaffen. Ich bin stolz, dass ich mitgemacht habe“, spricht Stella aus, was wohl alle Beteiligten denken. Song und Video sind eine bleibende Erinnerung für die Schüler und ein Mutmacher für die nächsten Schritte, die nun vor ihnen liegen. Oder wie Sergiusz es in seinem kraftvollen Rap ausdrückt: „Egal wie schwer der Weg auch war, wir wachsen hier mit jedem Tag!“.



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