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Weihnachtspredigt vom Osnabrücker Bischof Bode: Menschen sollten mit Liebe und Erbarmen anstecken

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Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode spricht in seiner Weihnachtspredigt von der Corona-Pandemie, Liebe und Erbarmen. Die vollständige Predigt können Sie hier im Wortlaut lesen. 

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode betont in seiner Weihnachtspredigt, dass die Botschaft von Weihnachten in diesem Jahr eine besondere Herausforderung sei: Sie rufe dazu auf, sich „als Mensch nicht selbst zum Virus machen zu lassen, sondern sich senden zu lassen und ,ansteckend‘ zu sein in der Liebe und im Erbarmen“. Gleichzeitig sei sie Zuspruch und Trost, dass Gott in der Geburt Christi seinen Plan mit der Menschheit unwiderruflich begonnen habe. Bode ruft die Christen dazu auf, sich gerade angesichts der Pandemie mit allen Menschen guten Willens zu verbünden, um der Welt die wahre Menschenfreundlichkeit Gottes zu zeigen. „Wir können mit dem Heilswillen unseres menschgewordenen Gottes nicht nur bei uns und unseren Problemen als Kirche bleiben. Wir müssen in der Welt, für die Welt und mit ihr und ihren Menschen Christus ‚zur Welt bringen‘“, so Bischof Franz-Josef Bode.

Die Predigt im Wortlaut:

„Das Virus heißt ,homo sapiens‘.“ So lautet ein Graffito an einer freien Wand, weiterversandt als Karte zu Weihnachten von unseren Jugendverbänden. Das Virus heißt „homo sapiens“. Es ist der intelligente Mensch.

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Dahinter, liebe Schwestern und Brüder, steckt der Schrei vieler junger Menschen heute, die enttäuscht sind von der Anmaßung des Menschen, davon, wie er mit dieser Schöpfung und dieser Menschheitsfamilie umgeht, wie Ressourcen maßlos verschwendet werden auf Kosten anderer und wie Menschen einander zum Virus werden in ihrem Narzissmus und ihrem Hass. „Homo homini lupus“, ist der alte Ausdruck dafür: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, wobei die Eigenschaften des Tieres einseitig negativ gesehen werden.

Das Virus heißt „homo sapiens“. Manchmal ist dieser Eindruck tatsächlich übermächtig, selbst in der Bekämpfung des derzeitigen Corona-Virus, wo Menschen sich zu übervorteilen suchen und nicht genug dafür tun können, dass alles wieder in die alten Gleise zurückkommt. Dabei fallen mir einige sehr dichte Verse von Andreas Knapp ein unter dem Titel:

„Gottes Pläne:

Test49

Plan A
Anfang der Welt
Adam und Eva
Alles war gut
Aber der Mensch

Plan B
Bau einer Arche
Bund von Noah bis Mose
Berg Sinai
Bruch der Gebote

Plan C
Christus“

Und diesen „Plan C“ erinnern und feiern wir in dieser Stunde der Nacht, da Gott selbst Mensch wird, damit der homo sapiens – der ach so kluge, selbstverliebte, anmaßende Mensch – nicht das Maß aller Dinge sei, sondern der Gottmensch, der unser Menschsein ganz angenommen hat von Geburt bis Tod, damit er den homo sapiens zum homo vivens et verus, zum homo ludens et gaudens verwandeln konnte: den intelligenten Menschen zum lebendigen und wahren, zum spielenden und freudigen Menschen.

Pater Alfred Delp predigte zu Weihnachten 1943 mitten in der schlimmen Kriegszeit: „Gott kam mit den hilflosen, zuversichtlichen Augen des Kindes als der suchende Gott, der der Menschheit nochmals klarmachen wollte, dass hinter uns ewig gilt der Heilswille des Herrn, dass er ist der Gott des Erbarmens, der sucht und erhört, als der Gott, der um unsere Grenzen, um unsere Wunden, um die Kärglichkeit und Erbärmlichkeit weiß, die mit einem Menschenleben gemeint sein können, der gekommen ist, um gesund zu machen. Dass dem Menschen endlich einmal die Gelegenheit gegeben wird, mit sich selbst fertig zu werden und weiterzukommen.“

Das ist der „Plan C“ Gottes mit seinem Menschen, der sich ohne ihn zum tödlichen Virus für die ganze Welt entwickeln würde. Pater Delp fährt fort: „Seit dieser Nacht ist das Gesetz des Lebens die erbarmende Liebe. Dass wir selbst aus den Wunden der Gnade unseres Gottes leben, dass das Helfen und Segnen und Aufrichten das Gesetz des Lebens ist. Immer, wenn der Mensch anfängt, sich selber groß zu machen und um sich selbst zu tanzen, dann kommt die Menschheit in große Not.“

In der Weihnachtsgeschichte nach Lukas steht Kaiser Augustus für den anmaßenden Menschen, der per Befehl die große Volkszählung und damit das Abmessen seiner Macht vollzieht fast über den ganzen damals bekannten Erdkreis. Der Friede dieser Augustus-Zeit, die Pax Augusta, ist ein mit Blut und Gold erzwungener und erkaufter Friede zur Zementierung der bestehenden Verhältnisse. Augustus hatte keine Ahnung davon, dass sein Eintragungsbefehl zwei einfache Menschen nach Bethlehem führt, wo in der Stadt Davids der wirkliche Friedensfürst aus dem Stamm Davids geboren wird. Ohnmächtig geboren in einem Stall oder einer Höhle, hineingelegt in einen Futtertrog. Seine Ankunft verstehen Ochs und Esel besser als die politisch und religiös Mächtigen. Aber die Hirten, die Einfachen, die für ihre Herde Aufmerksamen und um sie Bekümmerten, bekommen die Botschaft von diesem ohnmächtigen Kind geschenkt, das seine Macht durch seine hilflosen, zuversichtlichen Augen und die Ausbreitung seiner Hände zeigt, eine Macht des Erbarmens und des Segens.

Über diese Hirten findet Alfred Delp zu Weihnachten 1944 sehr treffende Worte: Was sie auszeichnet, schreibt er, ist nicht der Beruf oder die Beschäftigung, sondern ihr Menschsein, „die wache Bereitschaft, dem Wunder zu glauben. Die echte Sehnsucht über sich selbst hinaus. Die innere Verwandtschaft mit den Sehnsüchten der Menschheit und der Verheißungen Gottes, daheraus wächst diese erstaunliche Instinktsicherheit, die auf das Wunder wartet und es spürt und den Scharlatan entlarvt.“

Diese Instinktsicherheit, die mit dem Wunder noch rechnet, ist uns so vielfältig abhandengekommen, dass die derzeitigen Herausforderungen umso unsicherer und ängstlicher machen und uns das Vertrauen in die Wirklichkeit, auch in die Wirklichkeit des größeren Gottes, vielfach verloren ist.

Weihnachten will dem Virus des anmaßenden homo sapiens durch die Geburt dieses Kindes einen Menschen des demütigen Erbarmens zeigen, einen Menschen, der dem Menschen beisteht und ihn aufrichtet. Gott selbst ist sich nicht zu schade, diesen Plan C, diesen Gottmenschen Jesus Christus, zu uns kommen zu lassen. Deshalb sind nicht die Mächtigen und Besitzenden, auch nicht die Wissenschaft und auch nicht die amtliche Kirche zuerst bei der Krippe zu finden, so fordert Alfred Delp uns heraus. Er meint damit alles, was letztlich nicht im Namen Gottes geschieht, „sondern im Namen der Ruhe, des Herkommens, des Gewöhnlichen, des Bequemen, des Ungefährlichen. Eigentlich im Namen des (verbürgerlichten) Bürgers, der das ungeeignetste Organ des Heiligen Geistes ist.“

So ist unsere oft so idyllisch verbrämte Weihnachtsgeschichte ein großer Trost, dass Gott seinen Plan C mit seiner Menschheit begonnen hat in diesem Christus, diesem Gottmenschen in der Krippe und am Kreuz. Aber eben auch eine große Herausforderung, sich als Mensch nicht zum Virus machen zu lassen, sondern sich senden zu lassen und ,ansteckend‘ zu sein in der Liebe und im Erbarmen und so die wahre humanitas, die wahre Menschenfreundlichkeit unseres Gottes, besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben; „dass wir sein sollen die Menschen der Zuversicht“, so Pater Delp, „als die Wartenden, als die innerlich Stehenden in allen Sorgen, als die Menschen der Sendung und des Zeugnisses vom erbarmenden Gott, um als erbarmende Menschen hinauszugehen, als die, die der Welt die Kraft des Lebens zeigen, die Ordnungen, die immer gelten, und dies glaubhaft machen durch die Güte um des erbarmenden Gottes willen.“

Dabei sollen wir uns verbünden – gerade heute in der weltweiten Herausforderung der Pandemie – mit allen Menschen guten Willens und allen Menschen seines Wohlgefallens, von denen die Engel den Hirten Kunde geben. Wir können mit dem Heilswillen unseres menschgewordenen Gottes nicht nur bei uns und unseren Problemen als Kirche bleiben. Wir müssen in der Welt, für die Welt und mit ihr und ihren Menschen den Plan C und damit Christus zur Welt bringen.

Ich möchte enden mit den Mut machenden Schlussworten der Weihnachtspredigt von Alfred Delp 1944, kurz vor seiner Hinrichtung durch die Nationalsozialisten: „So kann es geschehen, dass auch dieser Stall unseres Lebens, diese Trümmer und Fetzen und grausig-kalten Stürme des Schicksals Ort und Stunde einer neuen Heiligen Nacht werden, einer neuen Geburt des heilswilligen und menschen-suchenden Gottes der Heiligen Nacht. Nicht die Nacht soll uns schrecken, nicht die Not ermüden. Wir werden immer warten und wachen und rufen, bis der Stern aufgeht.“

Bis der Stern aufgeht. Amen.

PM
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