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Was sich für das nächste Semester ändern muss: Zwischenbilanz zur studentischen Situation in der digitalen Lehre

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Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Osnabrück zieht eine Zwischenbilanz zur studentischen Situation in der digitalen Lehre. Die hohe Arbeitsbelastung bleibe eines der Kernprobleme im Studium während der Corona-Pandemie.

„Nachdem wir bereits die Resultate unserer Studierendenbefragungen zur studentischen Situation in den letzten beiden Semestern präsentiert haben, hat nun auch die Universität die Auswertung ihrer Umfrage zum Sommersemester 2020 veröffentlicht“, schreibt der AStA in einer Pressemitteilung am 31. März 2021.

Umfrageergebnisse

„Aus unserer Sicht hervorzuheben sind insbesondere die Überschneidungen zwischen den Ergebnissen der universitären Umfrage mit den Erkenntnissen, die wir in unseren eigenen gewinnen konnten. Dies betrifft zum Beispiel das Kernproblem des erhöhten Arbeitsaufwandes: 90 % der Teilnehmenden unserer ersten Umfrage (AStA-SoSe20) sahen einen gestiegenen Aufwand, in der Befragung der Universität (Uni-SoSe20) berichteten dann 52,1 % von einem „höheren“ und weitere 27,2 % von einem „deutlich höherem“ Arbeitsaufwand“, heißt es weiter. Die Folgebefragung (AStA-WiSe20/21) zeige, dass in diesem Bereich noch keine nennenswerten Verbesserungen verzeichnet werden konnten. Hinzu kämen fehlende Arbeitsplätze, die das studentische Lernen erschweren würden: jeweils 38,8 % (AStA-WiSe20/21) und 45,0 % (Uni-SoSe20) der Befragten gaben an, nicht immer oder sogar nie Zugang zu einem Arbeitsplatz zu haben, an dem sie ungestört am Lehrbetrieb teilnehmen können. „Der Ernst der allgemeinen Lage wird vor allem durch den Anteil der Teilnehmenden klar, die seit Beginn der Pandemie über einen Studienabbruch nachgedacht haben: insgesamt berichteten davon jeweils 17,2 % (Uni-SoSe20) und 19,1 % (AStA-WiSe20/21). Eine Studienunterbrechung erwägten laut unserer Umfrage weitere 19,2 % (AStA-WiSe20/21)“, so der AStaA.

Neue Erkenntnisse

„Wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Beteiligten der universitären Befragung bedanken, durch die wir wertvolle neue Erkenntnisse gewinnen aber auch einige Resultate unserer eigenen Umfragen bekräftigen konnten. Jetzt allerdings gilt es auf Basis all dieser Einblicke auch zu handeln und die Situation im nächsten, immer noch digitalem Semester wirklich zu verbessern. Wir schlagen dafür verschiedene Grundsätze vor“, erklärt der Studierendenausschuss.

Arbeitsbelastung reduzieren

Die hohe Arbeitsbelastung sei weiterhin eines der Kernprobleme im Studium während der Corona-Pandemie. Wo immer nötig solle deswegen der Arbeitsaufwand wieder reduziert werden. „Dies betrifft unter anderem die von vielen Dozierenden eingeführten (semi-)wöchentlichen Abgaben, die im normalen Betrieb gar nicht vorgesehen waren. Auch ein höheres Maß an Absprachen innerhalb einer Lehreinheit könnte Abhilfe verschaffen, da so beispielsweise schnell erkannt werden kann, wenn in zu vielen Veranstaltungen für dasselbe Semester wöchentliche Abgaben geplant sind“, so der AStA.

Kein Zwang zur Präsenz

„Studierende sollten sich nicht gezwungen sehen, das Infektionsrisiko in Form von Präsenzveranstaltungen und -prüfungen sowie der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zur Anreise auf sich zu nehmen“, heißt es weiter. Dies gelte sowohl für Studierende aus Risikogruppen als auch für solche, die unabhängig davon Angst um ihre Gesundheit und mögliche weitere Ansteckungen haben. Dies würde auch durch die Ergebnisse der universitären Umfrage deutlich, in der die Befragten Präsenzprüfungen als eher ungeeignet einschätzten (Uni-SoSe20). Eine Wahl zwischen Infektionsrisiko und Studienzeitverlängerung durch das „Schieben“ von Kursen oder Prüfungen sei als Lösung nicht ausreichend: Wenn der Lehr- und/oder Prüfungsbetrieb in Präsenz stattfände, müsse wo irgendwie möglich auch eine online Alternative geschaffen werden.

Mehrbelastung der Studierenden bedenken

Die psychische Situation der Studierenden habe sich drastisch verschlechtert (AStA-WiSe20/21) und Studierende mit Kind(ern) oder Pflegeverantwortung seien noch einmal stärker belastet, als im regulären Lehrbetrieb (Uni-SoSe20). Wenn es daher um die Gestaltung der Lehre allgemein oder beispielsweise um individuelle Fristverlängerungen gehe, sei es wichtig, dass diese Faktoren berücksichtigt würden. Studierenden solle am Anfang des Semesters explizit kommuniziert werden, dass Alternativen und Lösungen gefunden werden können, wenn die individuelle Situation dies erforderlich mache.

Anonyme Rückmeldung von Studierenden einholen

„Oftmals haben Studierende zu viel Angst vor negativen Konsequenzen, um sich mit Beschwerden direkt an ihre Dozierenden zu wenden: ein großer Teil unserer Befragten fühlte sich maximal bei „manchen“ Dozierenden sicher genug, Kritik offen zu äußern; viele sogar nur bei „wenigen“ oder „(fast) niemandem“ (AStA-WiSe20/21).  Um Probleme im Lehrbetrieb wirklich zu erkennen, sollten den Studierenden Möglichkeiten zur anonymen Kritik gegeben werden. Dafür können beispielsweise online Tools genutzt, eine freiwillige Vertrauensperson unter den Kursteilnehmenden benannt oder auf die Fachschaft als anonyme Anlaufstelle hingewiesen werden. Auch kurze anonyme Rückmeldungen aller Kursteilnehmenden zu einzelnen Fragen (z.B. zur Bewältigbarkeit des Arbeitsaufwands) sind ratsam, um die allgemeine Situation in einer Lehrveranstaltung zu erkennen und eventuell notwendige Änderungen einzuführen“, so der AStA. Hierfür könnten online Tools zur Hilfe gezogen werden.

Weg mit der Webcampflicht

Es sei absolut verständlich, dass es für Dozierende schwierig ist, vor einer Kamera ohne visuelles Feedback zu sprechen. Doch fühle sich ein Großteil der Studierenden selten oder sogar (fast) nie wohl und sicher, wenn sie in einer Veranstaltung die Webcam einschalten (AStA-WiSe20/21): „Diese Unsicherheit ist nachvollziehbar, denn die Situation unterscheidet sich stark von dem einfachen „gesehen-werden“ im Präsenzbetrieb: Studierende wissen beispielsweise nie, ob sie nicht gerade frontal gefilmt oder abfotografiert werden. Auch haben Studierende häufig keine andere Wahl, als bei dem Anschalten einer Webcam Einblicke in private Wohn- und Schlafräume zu geben. Um angebracht auf die Sorgen und Ängste von Studierenden zu reagieren sollte daher auf eine verpflichtende Webcamnutzung in Veranstaltungen und Prüfungen verzichtet werden.“

Regelungen zentral treffen und zentral kommunizieren

Aktuell würden viele Entscheidungen in den Händen der Fachbereiche oder sogar der einzelnen Fächer gegeben werden: „Während es natürlich löblich ist, die individuellen Fächerkulturen zu honorieren, können strukturelle Probleme so nicht adäquat adressiert und gelöst werden. So müssen studentische Perspektiven in allen Fächern, manchmal sogar einzelnen Dozierenden, immer aufs Neue kommuniziert und studentische Errungenschaften wieder und wieder erkämpft werden. Unterschiede in der Kulanz erschweren diese Arbeit zudem. In Anbetracht der aktuell  Lage kann dies nicht so weiter gehen. Wir brauchen strukturelle Lösungen für alle Studierenden, die die Universitätsleitung im Austausch mit Studierenden und Lehrenden erarbeitet. Diese müssen zentral an alle Beteiligten kommuniziert werden, sodass Studierende sich nicht darauf verlassen müssen, dass Informationen verlässlich und ohne Missverständnisse von den einzelnen Dozierenden an sie weitergegeben werden.“

Appell

„Wir appellieren an alle Studiendekaninnen, Studiendekane und Lehrenden, diese Grundsätze im kommenden Semester umzusetzen und so die Lernsituation während der digitalen Lehre zu verbessern“, so der AStA abschließend.

 



PM
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