Osnabrück Selbsthilfegruppe für Transkinder, deren Eltern und Angehörige in Osnabrück...

Selbsthilfegruppe für Transkinder, deren Eltern und Angehörige in Osnabrück gegründet

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Transsexualität ist ein Thema, das polarisiert. Gerade Kinder, die sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht identifizieren können, stehen vor vielen Hürden und haben oft niemanden, mit dem sie darüber reden können. Um Hemmnisse abzubauen, wurde nun die erste Selbsthilfegruppe für transsexuelle Kinder in Osnabrück gegründet.

Die Entwicklung ergab sich so nach und nach. Dann war es irgendwann normal, dass zum Geburtstag eine Puppe anstelle des Baukastens verschenkt wurde. Natürlich freuten sich die Eltern über die Geburt ihres Kindes, als 2008 Dominik (Name durch die Redaktion geändert) zur Welt kam. Es dauerte gar nicht besonders lange. Die Mutter erinnert sich gut, wie Dominik so gar nichts mit seiner biologischen Geschlechterrolle anzufangen wusste. „Dominik wollte ein Mädchen sein. Schöne Kleider, Puppen, mit Mama backen, das war Dominiks Welt“, beschreibt die Mutter ihre „kleine Prinzessin“. Wiederum Annas Eltern (Name von der Redaktion geändert) machten ganz ähnliche Erfahrungen, nur in etwas umgekehrter Richtung. Anna wollte rein gar nicht Mädchen sein. Im Matsch spielen, Burgen bauen und „Feuerwehrmann werden“, das sind ganz Annas Dinge. Anna weigerte sich mit zunehmenden Alter immer mehr ihre Identität als Mädchen zu akzeptieren. Als Vater hätte er keinen Umgang mit ihren Verhalten gewusst, teilt der Vater mit einer gewissen Verzweiflung mit. „Sie zog sich immer mehr zurück, wirkte unglücklich und ließ uns als Eltern gar nicht mehr so richtig an sich heran.“

Oftmals auf sich selbst angewiesen

Gewiss ist Transsexualität kein solches Tabu mehr in unserer Gesellschaft. Die erste Hilflosigkeit betroffener Eltern ist dennoch nachvollziehbar. Mit wem über diese Dinge reden? Was tun, wenn selbst der Kinderarzt keinen Rat weiß? Denn trotz steigender Zahlen von Kindern und Jugendlichen, die sich mit ihrem biologischen Geschlecht nicht identifizieren könnten, fänden viele Transkinder und ihre Eltern keine passenden Anknüpfungspunkte. Einigkeit bestehe auch in folgendem Punkt: Die medizinische und soziale Versorgung ist vielerorts mangelhaft. Gerade in ländlichen Räumen seien viele auf sich selbst angewiesen, kein Angebot sei weit und breit in Sicht.

Fragen, die nun beantwortet werden können

Dabei sind es nicht wenige Fragen, mit denen sich die Kinder und deren Eltern konfrontiert fühlen. Pubertätsblocker, Hormontherapie, therapeutische Begleittherapie, gerichtliche Namensänderung, um nur einige „Baustellen“ zu nennen. Da ist guter Rat gefragt. Auch in Osnabrück. Bisher konnten sich Transkinder und ihre Eltern an keine gesonderte Stelle vor Ort wenden. Ein Zustand, welcher nun der Vergangenheit angehört. Seit Ende letzten Jahres besteht in Osnabrück eine „Selbsthilfegruppe für Transkinder, deren Eltern und Angehörige“. Ins Leben gerufen wurde diese Gruppe durch die Vereinigung TransSexueller Menschen e. V. (VTSM) in Kooperation mit Gay in May e. V.

Raum für persönliche Entfaltung

Monatlich wird nun die Selbsthilfegruppe im Haus der Jugend angeboten. Frank Gommert, geschäftsführender Vorstand des VTSM e. V.: „Uns ist es ein Anliegen gewesen, nachdem wir seit einiger Zeit bereits für erwachsene Transmenschen Beratung und Selbsthilfe vor Ort und im Umland anbieten können, unser Angebot um ein Familiensetting zu erweitern. Wir haben uns gefreut, als Gay in May mit dem gleichen Anliegen an uns herangetreten ist.“ Ignacio Mendez, 1. Vorsitzender des Gay in May e. V. ergänzt: „Gerade Kinder bedürfen des besonderen Schutzes. Transkindern nun erstmalig in Osnabrück Raum für ihre persönliche Entfaltung geben zu können, erfüllt uns mit Stolz, gleichzeitig aber auch großem Respekt vor der Aufgabe. In Marisa Wilsmann finden sie eine kompetente Ansprechperson, die als Mutter eines Transkindes aus eigenen Erfahrungen berichten kann.“

Nächstes Treffen am 17. Januar 2020

Beim ersten Mal fanden sich bereits zahlreiche Kinder und Familienmitglieder ein, darunter auch Annas und Dominiks Eltern. Denen wahrlich ein Stein vom Herzen fiel, über die Möglichkeit endlich einen Ort des Austausches gefunden zu haben. Das nächste Treffen findest statt, am Freitag, den 17. Januar 2020, um 16 Uhr, im Haus der Jugend.


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