Aktuell Morgen-Kommentar: Kuscheln für den Infektionsschutz

Morgen-Kommentar: Kuscheln für den Infektionsschutz

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Es gibt viele gute Gründe positiv über Fridays For Future zu schreiben – Protestkultur gehört in meinen Augen allerdings nicht dazu.

„Endlich mal wieder gibt es eine Jugend, die sich engagiert, die auf die Straße geht und sich nicht nur um ihre Zukunft sorgt, sondern auch etwas ändern will.“
So oder ähnlich habe ich gedacht, als es mit Fridays for Future oder auch FFF losging. Grundsätzlich denke ich das auch immer noch.

Zu Beginn war FFF an der Hase noch ein geradezu zartes Pflänzchen, lediglich eine Handvoll Schülerinnen und Schüler hatten sich am Harmannsbrunnen versammelt, als unsere Redaktion zum ersten Mal über FFF berichtete – im Dezember 2018 war das; so lange ist das schon her.

Ein Kommentar von Heiko Pohlmann

Seither haben wir dutzendfach über lokale Aktionen von FFF berichtet, und noch viel mehr im überregionalen Teil unseres Nachrichtenangebots.
Kommentare zu und über FFF gab es seither auch ein paar, mal kritisch, aber auch durchaus wohlwollend.

Am vergangenen Freitag war es wieder soweit. Mitten im andauernden Lockdown rief FFF zum „globalen Klimastreik“ auf; bereits im Vorfeld wurde vor den Auswirkungen auf den Verkehr in der Osnabrücker Innenstadt gewarnt.

 

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Was war die Aufregung groß, als unsere Redaktion (zugegeben, das war ich) sich erlaubt hatte dazu ein kritisches Instagram-Posting zu veröffentlichen. Denn vom Fahrrad aus, konnte ich die Auswirkungen dieser in meinen Augen völlig sinnentleerten Aktion auf den Osnabrücker Feierabendverkehr ganz gut beobachten. Zeitweise ging auf den Osnabrücker Wällen tatsächlich nichts mehr.
Die Kritik in den Kommentarspalten, auch und besonders bei Facebook (der Tummelplatz der Empörten), war heftig. „Asozial“ sei der „Artikel“ (nein, das war kein Artikel!) und per Mail wurde die Redaktion (natürlich anonym) dazu aufgefordert sich zu entschuldigen. Vor allem aber wurde ein Instagram-Post gleichgesetzt mit „Journalismus“; sorry, aber wie wenig Medienkompetenz muss man haben, um nicht zwischen einem regulären Artikel und der Momentaufnahme eines pointiert kommentierten Bildchens trennen zu können?

Zur Ehrenrettung der Redaktion muss hier noch angeführt werden, dass ein Großteil meiner jüngeren Mitarbeiter dieses Posting wohl so nicht veröffentlicht hätten, denn sie sympathisieren (so meine Einschätzung) wohl selbst mit Fridays For Future. Und das ist auch gut so; das würde ich, wenn ich ein paar Jahre jünger wäre, sicher auch tun. Dennoch muss Kritik, selbst wenn sie den Kritisierten unfair erscheint, erlaubt sein.

Weniger und flüssiger Verkehr ist aktiver Umweltschutz

Osnabrück gibt derzeit und ungeachtet der Krise, in der der die vom Verkehr verursachten Treibhausgase um stattliche 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken sind, einen hohen Millionenbetrag aus, um die Emissionen durch den innerstädtischen Verkehr durch Verflüssigung des Verkehrs nochmals deutlich zu senken. Dabei ist völlig unklar, ob unsere Wirtschaft und unsere Innenstädte überhaupt wieder in Gang kommen werden. Vielleicht hat sich die Sache mit dem Verkehr ohnehin bald erledigt – sieht man von den Lieferfahrzeugen der Paketboten ab.

Wer aktuell noch mit dem Auto fährt ist „Wirtschaftsretter“

Wer derzeit mit dem Auto, dem Bus oder dem LKW durch die Innenstadt fährt, hilft jedenfalls die ohnehin schon schwer taumelnde Wirtschaft über die Krise zu retten. Angesichts drohender Arbeitslosigkeit, hoher Spritpreise und eines geschlossenen Einzelhandels, wird wohl an einem Freitagnachmittag kaum jemand nur zum Vergnügen in der Osnabrücker Innenstadt mit dem Auto oder Stadtbus unterwegs sein. Das sind die Menschen, die den Laden noch am Laufen halten – die Retter unserer Wirtschaft!

Bei allem Verständnis für die hehren Ziele der klimabewegten Jugend, durch eine Demonstration den Verkehr in der Innenstadt künstlich auszubremsen, ist wirklich kein Argument für Umweltschutzziele – gerade in der aktuellen Zeit.
Und ja, natürlich ist das alles durch das Demonstrationsrecht gedeckt. Nur weil man die Form einer Demonstration kritisiert, kritisiert man nicht den Rechtsrahmen, in dem das alles passiert.

Umweltschutz geht auch ganz konkret

Wie wäre es denn, wenn die klimabewegte Jugend mal ganz konkret mit anpacken würde diesen Planeten zu retten? Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, wo ein Großteil der täglich millionenfach verbrauchten Corona-Masken herkommen? Stickworte: Luftfracht, Kinderarbeit und Asien? Und wie sieht es mit der Entsorgung aus? Die Dinger werden im besten Fall verbrannt oder landen auf einer Deponie, verschwinden aber auch viel zu oft in der Landschaft. Stichworte: Mikroplastik und fehlendes Entsorgungskonzept.

Allein das Thema der täglich millionenfach als Wegwerfartikel gehandhabten Masken könnte, wenn man es richtig anpackt, dieser auf Sinnsuche befindlichen Generation ein gutes Betätigungsfeld liefern.
Wenn die Anhänger von FFF aber meinen, nur mit Provokation, Selbstdarstellung und Bevormundung der Älteren lassen sich die Probleme dieser Welt lösen, bekommt diese Bewegung mehr und mehr ein Rechtfertigungsproblem und mit dem Umweltschutz geht es auch nicht weiter voran.

Den Verkehr für die Umwelt zu blockieren ist tatsächlich so sinnvoll, wie „Kuscheln für den Infektionsschutz“; gerade jetzt.

Studieren und die Welt aktiv besser machen

Ganz grundsätzlich empfehle ich den Anhängern der FFF-Bewegung übrigens bei der Berufswahl ein Ingenieurssstudium. Mit dem dort erworbenen Wissen kann man nicht nur heckgetriebene Supersportwagen oder Kohlekraftwerke für den Export nach China konstruieren, sondern auch die Technologien entwickeln, die es braucht um unsere Welt wieder sauberer und fit für die Zukunft zu machen; an allen Tagen, nicht nur Freitags.

Die Generation der Großeltern trat nach den 68er-Protesten den „Marsch durch die Institutionen“ an, um linke und später auch grüne Positionen in Politik und Verwaltung einzubringen.
Das Konzept scheint geglückt zu sein, auch wenn in Osnabrück noch immer Stadtplanung mit der Kettensäge und die Bebauung von Kaltluftschneisen betrieben wird (dagegen lohnt es sich tatsächlich zu protestieren).

Wo bleibt der „Marsch in die Konstruktions- und Marketingabteilungen“, um die Wirtschaft und Technologie grüner zu machen? Von einem „Run“ auf die entsprechenden Studienrichtungen durch FFF-Anhänger habe ich leider noch nichts gehört? Rumstehen auf der Straße und den Verkehr blockieren, wird unsere Welt nicht besser machen; das sorgt nur für Frust, Stau und noch mehr Abgase!

 


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[Gruß vom Herausgeber] Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Sie es bis hier ganz unten geschafft haben. Ein paar Zeilen weiter finden Sie noch den obligatorischen Hinweis, dass gekennzeichnete Meinungsbeitäge stets ausschließlich die Meinung des Autors wiedergeben. Aber ich möchte diesem förmlichen Disclaimer noch etwas hinzufügen. Natürlich haben Sie, wie auch ich und jeder andere Leser, eine eigene Meinung. Vielleicht weicht Ihre Meinung fundamental von diesem oder einem anderen bei uns veröffentlichten Kommentar ab, vielleicht stimmen Sie aber auch vollkommen zu oder aber Ihre Meinung ist „irgendwo dazwischen“.
Vielleicht kann ein Kommentar in der Hasepost dabei helfen neue Gedanken zu denken oder bestehende An- und Einsichten nochmals zu überdenken, dann haben wir und unsere Autoren etwas richtig gemacht und ganz generell zum Denken angeregt.

„Denken ist schwer, darum urteilen die meisten“ (C. G Jung).
Bitte denken Sie mehr, Ihr Heiko Pohlmann.


Als Kommentar, Kolumne, Meinungsbeitrag oder Satire gekennzeichnete Beiträge geben stets ausschließlich die Meinung des jeweiligen Autors wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

 


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Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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