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Ein Jahr Corona in Osnabrück Teil 3: „Lernen heißt nicht, von Anfang an alles richtig zu machen“

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Seit mehr als einem Jahr begleitet uns das Coronavirus. Erst nur als abstrakte Gefahr, irgendwo in einer der zahlreichen Megastädte Chinas, dann über Österreich und Bayern immer näher auch an unsere Region heranreichend. Spätestens seit Anfang März 2020 wurde Corona dann ganz real und bestimmt seither unseren Alltag.
Grund für uns einmal einen Blick zurück zu werfen. Grund für uns einmal einen Blick zurück zu werfen. Hier geht es zu Teil 1 und hier zu Teil 2 dieser Artikelserie.

Freizeiteinrichtungen wie etwa Schwimmbäder oder Kletterhallen werden am 2. November geschlossen. Restaurants, Bars, Clubs und ähnliche Einrichtungen müssen ebenfalls schließen, davon ausgenommen sind Take-away- und Lieferdienste sowie Kantinen. Kosmetik-, Massage- und Tattoo-Studios dürfen ebenfalls nicht mehr öffnen. Hat eine Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen zu lange auf sich warten lassen?

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Die Maßnahmen können die Infektionsdynamik nicht mehr ausbremsen. Täglich werden immer mehr Corona-Neuinfektionen gemeldet; ein Rekord schlägt den anderen. Die Luft für Kulturschaffende wie Musiker und Künstler, aber auch die Veranstaltungsbranche wird immer dünner. In einer Art-Perfomance in der Altstadt macht Künstler Thomas Jankowski mit Kreide-Umrandungen auf dem Boden auf die Lage aufmerksam; „Wir sind nicht tot, aber bewegungsunfähig.“

Am 20. November der erste, wenn auch kleine Lichtblick: Biontech und Pfizer haben die Notzulassung für ihren Corona-Impfstoff beantragt. Moderna zieht kurz darauf nach. In Stadt und Landkreis Osnabrück wird deswegen mit der Einrichtung von Corona-Impfzentren begonnen. Zum Unmut vieler Sportler fällt die Entscheidung für den Standort auf die Schlosswallhalle. Am 14. Dezember ist das Impfzentrum einsatzbereit.

Seit Anfang des Monats werden in der Stadt Osnabrück Corona-Schnelltestzentren eingerichtet: zuerst in der OsnabrückHalle und der Halle Gartlage, später auch an der Hansastraße. Der Beschluss für den „harten Lockdown“ fällt am 13. Dezember. Schon am Donnerstag darauf sollen alle Geschäfte, die nicht den täglichen Bedarf decken, geschlossen werden. Darunter Parfümerien, Bekleidungs- und Spielwarenläden. Kurz vor der Weihnachtszeit verlängern einige Händler in der Großen Straße an den letzten drei Verkaufstagen noch ihre Öffnungszeiten, damit „Last-Minute“-Geschenke gekauft werden können. Ihre Läden bleiben bis heute geschlossen.

Die Weihnachtsferien beginnen in Niedersachsen ein paar Tage früher als gewohnt. Die ansonsten unbeschwerte Weihnachtszeit wird von der Frage überschattet, ob wir Oma und Opa wirklich besuchen sollten. Am 26. Dezember, dem 2. Weihnachtstag, bekommt die 101-jährige Edith die erste Corona-Impfung in Deutschland. Innerhalb von einem Tag sterben in der Region Osnabrück neun Menschen mit einer Corona-Infektion. Am 30. Dezember wird auch die erste Person aus Osnabrück gegen das Coronavirus geimpft.

Der „große Knall“ zu Silvester bleibt aus: der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist verboten. Nur diejenigen, die noch Überbleibsel aus den vergangenen Jahren haben, können böllern. Die wenigen Raketen am Himmel geben zum Jahresanfang dennoch ein bisschen Hoffnung: „Die Impfungen haben begonnen, 2021 kann nur besser werden.“ Am 5. Januar beschließen Bund und Länder die Verlängerung des „harten Lockdowns“ bis Monatsende.

Ab jetzt bestimmen Ausgangsbeschränkungen, Sperrstunden und die mögliche Einschränkung des Bewegungsradius die öffentliche Debatte. Der Landkreis Osnabrück, der zu diesem Zeitpunkt mit einer besonders hohen 7-Tage-Inzidenz konfrontiert ist, prüft bereits eine nächtliche Ausgangssperre. Doch der Inzidenzwert 200 wird nicht mehr erreicht; zum Glück der Landkreisbewohner.

Weil Schulen grundsätzlich bis zum 31. Januar geschlossen bleiben sollen – ausgenommen Abschlussklassen und Grundschulen, die schon früher zum Wechselbetrieb zurückkehren dürfen – sehen sich Eltern zunehmend überfordert. Ein Kind, zwei Kinder, drei Kinder im Homeoffice? Nicht jeder ist zum Pädagogen ausgebildet, spricht fließend Deutsch und kann Gleichungssysteme mit drei Unbekannten lösen. Im Verlauf des 5. Januars sterben 16 Menschen aus der Region Osnabrück mit einer Corona-Infektion.

Die Impfkampagne läuft nur schleppend, aber wenigstens beginnen die Infektionszahlen langsam zu sinken. Der „harte Lockdown“ trägt endlich Früchte. Am 18. Januar sinkt die Anzahl der aktuell Corona-Infizierten in der Region zum ersten Mal seit Ende Oktober unter 900, dann wird der Lockdown bis zum 14. Februar verlängert. Bund und Länder beschließen auch die erweiterte Maskenpflicht; im ÖPNV und in Geschäften muss entweder eine medizinische oder eine FFP2-Maske getragen werden. Das Leben in der Friedensstadt wird immer eintöniger.

Gleichzeitig wird die Kritik am Lockdown und der Impfkampagne lauter. Einzelhändler fürchten um ihre Existenz, im November versprochene Corona-Hilfen sind teilweise immer noch nicht ausgezahlt worden. Immer wieder appelliert die Marketing Osnabrück GmbH, nicht im Internet, sondern bei lokalen Einzelhändlern einzukaufen.

Am 25. Januar sind weniger als 700 Menschen aus der Region Osnabrück akut Infiziert. Die Stadt scheint auf einem guten Kurs zu sein; und das obwohl die britische Corona-Mutante B.1.1.7 in der Region angekommen ist. Jetzt wird auch der dritte Corona-Impfstoff in Deutschland zugelassen: AstraZeneca. Doch weil die Datenlage zur Impfstoffverträglichkeit bei über 65-Jährigen spärlich ist, wird er nur an „Jüngere“ verimpft.

Knapp zwei Wochen später, am 8. Februar sinkt die 7-Tage-Inzidenz des Stadtgebiets unter 50. Nicht das es was nützen würde: Bund und Länder einigen sich am 10. Februar nicht nur darauf, dass der Lockdown bis zum 7. März verlängert wird, sondern auch auf die Inzidenz 35 für Lockerungen.

Aber: Ab dem 13. Februar dürfen Blumenläden und Gartencenter in Niedersachsen wieder für Kundenverkehr öffnen. Kurz vor dem Valentinstag trifft sich das gut. Am 14. Februar – zwei Monate nach der Fertigstellung – wird auch das Corona-Impfzentrum in Osnabrück in Betrieb genommen. Kostenlose Corona-Schnelltests locken ab dem 15. Februar täglich hunderte Menschen zu den Corona-Schnelltestzentren an der Hansastraße und an der Halle Gartlage. Die Aktion erregt sogar bundesweit Aufmerksamkeit.

Aber die Infektionsdynamik scheint wieder an Fahrt zu gewinnen. Mitte Februar werden die Mitarbeiter der Eisfabrik „Froneri“ auf das Coronavirus getestet. Das Ergebnis erschüttert Stadt und Landkreis Osnabrück nachhaltig: Über 200 Mitarbeiter haben ein positives Testergebnis; viele von ihnen leben in der Region. Der „Froneri“-Ausbruch ist bisher der größte Corona-Ausbruch in der Region. Auch im Küpper-Menke-Stift kommt es zu einem kleineren Corona-Ausbruch unter den Mitarbeitenden und Bewohnern. Es gab keine schweren Verläufe, die Bewohner waren überwiegend geimpft.

Die 7-Tage-Inzidenz der Stadt hat sich bis heute nicht von dem „Froneri“-Ausbruch erholt; aber hängen die steigenden Infektionszahlen in der Region überhaupt noch damit zusammen? Nicht nur in Stadt und Landkreis Osnabrück steigen die 7-Tages-Inzidenzen. Das Robert Koch-Institut meldet nun seit knapp zwei Wochen wieder einen Anstieg an Corona-Neuinfektionen.

Währenddessen liegt immer mehr Corona-Impfstoff auf Halde. Einige Menschen gehen nicht zu ihrem Impftermin, wenn sie wissen, dass es AstraZeneca ist. „Den minderwertigen Impfstoff will ich nicht haben“, sagen sie. „Den Müll lasse ich mir nicht spritzen“, heißt es in unserer Facebook-Kommentarspalte. Was einige von ihnen nicht wissen: Das was sie als „Nebenwirkungen“ bezeichnen, ist allgemein auch als „Impfreaktion“ bekannt und kommt auch bei Grippeimpfungen vor.

Die Einzelhändler machen den Lockdown, der am 3. März nochmal verlängert wurde, nicht mehr lange mit. „Wir haben lange genug zugeschaut“, schreiben Vertreter des Schuh-, Sport- und Bekleidungseinzelhandels in einem offenen Brief an die Bundesregierung. Auch L&T aus Osnabrück hat das Papier unterschrieben. Die Wiedereröffnung von Restaurants, Cafés und Kneipen hat ebenfalls keine richtige Perspektive. Entweder muss das Infektionsgeschehen stabil und kontrolliert sinken, oder ein Land muss eine 7-Tage-Inzidenz von unter 35 aufweisen, damit Lockerungsschritte eingeleitet werden.

Am Mittwoch, den 3. März 2021, haben sich insgesamt fast 16.000 Menschen aus der Region Osnabrück mit dem Coronavirus infiziert. Über 45.000 Bürgerinnen und Bürger befanden sich mindestens ein Mal in häuslicher Selbstisolation. 359 Menschen sind mit einer Corona-Infektion verstorben. Dass wir heute in einer neuen Normalität leben, verdeutlichten die meistgestellten Fragen zur Corona-Pandemie auf der Homepage der Bundesregierung. Eine von ihnen lautet: „Darf mein Kind auf den Spielplatz?“

Foto: Das Corona-Impfzentrum an der Schlosswallhalle. / Maurice Guss.

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Tatjana Rykov
Tatjana Rykov ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikantin und inzwischen als feste Mitarbeiterin, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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