Alter Güterbahnhof Osnabrück

Überraschend wurde vor der lokalpolitischen Osterpause der Entwurf für einen Bebauungsplan bekannt, der am alten Güterbahnhof klare Verhältnisse schaffen soll. Mit dem Verweis auf eine zukünftig einzig für gewerbliche Zwecke erlaubte Nutzung, wird es der Freikirche Lebensquelle e.V. damit unmöglich gemacht, die Pläne für einen Kirchenbau weiterzuverfolgen. Allerdings werden so auch die Kulturschaffenden des Petersburg e.V. bald heimatlos werden. Die Reaktion der „Petersburger“ haben wir hier veröffentlicht.

Wir haben uns in der Redaktion überlegt, warum wir das Konzept des neuen Bebauungsplans kritisch sehen.

Hier unsere 10 Gründe…

  1. Un-Inspiriert
    Nach fast 4 Jahren (die Zion GmbH erwarb das Gelände 2012) sollte man als Bürger dieser Stadt mehr erwarten können als die Aussage: „ausschließlich Gewerbenutzung“.
  2. Osnabrück braucht mehr Wohnraum
    „Osnabrück braucht mehr Wohnungen“ – das ist der Tenor mindestens jeder zweiten Ratssitzung.
    Gerade die SPD wird nicht müde zu betonen, dass es keinen Verdrängungswettbewerb unter ohnehin schon sozialschwachen Mietern geben darf, wenn nun zusätzliche Migranten für noch mehr Nachfrage sorgen.
    Wenn sonst aktuell Bauland ausgewiesen wird, dann in Randlage der Stadt, wo sich Einzelhäuser anbieten, die jedoch keine Option für sozialschwache Mieter darstellen. Es wird vor allem Platz für moderne Mehrparteien-Häuser gesucht, wie sie auf dem Güterbahnhofgelände entstehen könnten.
  3. Osnabrück hat ein Überangebot an Gewerbeflächen
    Obwohl Osnabrück durch seine ungünstigen Stadtgrenzen (Fehler der 70er Jahre, als bei der Gebietsreform geschludert wurde) nicht mit großen Freiflächen gesegnet ist, gibt es zum Beispiel auf dem Limberg, am Fürstenauer Weg und im Hasepark, also nur wenige hundert Meter vom Güterbahnhof entfernt, noch zahlreiche ungenutzte Gewerbeflächen.



    Freifläche Hasepark
    Reichlich freie Gewerbeflächen im Hasepark – niemand will sie haben
  4. Un-Ehrlich (1)
    Wenn behauptet wird auf dem ehemaligen Güterbahnhof könnten wg. Schall-Emissionen keine Wohnungen gebaut werden, müssen wohl bald große Teile des Widukindlands, der Wüste oder des Schinkels abgerissen werden? Dort führt bspw. die Hauptstrecke Ruhrgebiet-Hamburg oder die „Schinkelkurve“ teils nur wenige Meter hinter der Wohnbebauung entlang.
    Auf dem Gelände des Güterbahnhofs könnten hingegen Schallschutzwälle gebaut werden – noch sind alle Optionen offen.
  5. Un-ehrlich (2)
    Jahrelang hat man von Seiten der Lokalpolitik und aus dem Bauamt heraus, dem Betreiber der Proberäume, Carsten Gronwald, der noch über einen mit dem Vorbesitzer geschlossenen Mietvertrag verfügt, vor und nach seinen zahlreichen Gerichtsverfahren gegen die Zion GmbH „wohlwollend“ auf die Schulter geklopft.
    Als kürzlich eine Nach-Nutzung eines der alten Lagerhäuser auf dem alten Kasernengelände im Hafen zu entscheiden war, hat man jedoch den Zuschlag einem kommerziellen Wettbewerber von Gronwald gegeben, der dort nun neue Probenräume installiert und nach dem Auslaufend des Alt-Mietvertrages von Carsten Gronwald dessen Position am Markt einnehmen kann. Soweit unserer Redaktion bekannt, hat das Bauamt der Stadt diesem Investor „zahlreiche Steine aus dem Weg geräumt“, damit er ein neues und modernes Proberaumzentrum auf dem ehemaligen Kasernengelände installieren kann. Da dachte wohl niemand an Herrn Gronwald?
  6. Verschwenderisch
    Zwei Millionen Euro (2.000.000,00!) hat die Stadt 2013 für den Ringlokschuppen ausgegeben, ohne bislang einen konkreten Plan für dessen Nutzung vorzulegen. Auch der neue Bebauungsplan scheint hier keine Lösung anzubieten.

    Ringlokschuppen Osnabrück, alter Güterbahnhof
    Liegt noch im Dornröschenschlaf: der Ringlokschuppen am alten Güterbahnhof
  7. Diskriminierend
    Man mag von der Lebensquelle e.V. halten was man will, man kann sich sogar dahingehend positionieren, dass man für eine Religionsgemeinschaft, die in den Augen vieler Mitbürger ein rückwärtsgewandtes und unaufgeklärtes Weltbild vermittelt, kein städtisches Filetgrundstück hergeben will.
    Was aber, wenn demnächst zum Beispiel eine Moscheegemeinde mit einem ähnlichen Bauvorhaben vorstellig wird? Wer sich als Politiker oder leitender städtischer Beamter hier gegen eine christliche Freikirche stellt, darf sich dann in Zukunft nicht wundern, wenn man gleiches Engagement auch gegen andere und womöglich noch archaischere Religionsgemeinschaften erwartet.
  8. Überrumpelnd
    Kurz vor der Osterpause präsentiert – zur Abstimmung bereits am 4. April…
    Eine öffentliche Diskussion will man offensichtlich mit allen Mitteln unterdrücken. Auch Gesprächstermine, die zum Beispiel von SPD-Fraktionschef Frank Henning Kritikern des vorliegenden Bebauungsplans angeboten wurden, sind terminlich so gelegt, dass die entscheidende Debatte im Stadtrat da schon gelaufen ist.
  9. Zerstörerisch
    Wird der vorliegende Bebauungsplan verabschiedet, wird der Gemeinschaftsgarten „Querbeet“ und werden über 30 Ateliers und Proberäume zerstört.
  10. Egoistisch
    In Zeiten zunehmender Politikmüdigkeit braucht auch Osnabrück mehr Mitbestimmung der Bürger bei entscheidenden Fragen der Stadtentwicklung. Politiker und Verwaltungsbeamte haben die Aufgabe Politik und Planungen stellvertretend für die Bürger zu machen – nicht über ihre Köpfe hinweg.
    Trotz vieler Gesprächstermine zwischen der Stadtverwaltung und Parteienvertretern mit dem Kulturverein und engagierten Bürgern, ist der entscheidende Bebauungsplan offenbar sehr einsam im Bauamt der Stadt entwickelt worden.
    Die Lokalpolitiker sollten nun die Verwaltung zurückbeordern und deutlich machen: Über die Köpfe der Bürger hinweg kann und darf nicht geplant und entschieden werden.