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Olympische Spiele auf Abstand – Osnabrücker Klinikums-Ärzte sind aus Tokio zurück

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v.l. Prof. Dr. Martin Engelhardt, PD Dr. Casper Grim im Triathlonstadion / Foto: privat

In diesem Jahr waren die Olympischen Spiele aufgrund der Corona-Pandemie ein ganz anderes Erlebnis als in den Jahren zuvor. Maskenpflicht und Abstandsregeln haben die sonstige Stimmung deutlich getrübt. Die beiden Klinikums-Ärzte Prof. Dr. Martin Engelhardt und PD Dr. Casper Grim sind aus Tokio zurück und berichten über die diesjährigen Sommerspiele.

Ein ganz anderes Erlebnis

Nach Meinung der beiden Klinikums-Mediziner Prof. Dr. Martin Engelhardt und Privatdozent Dr. Casper Grim war bei den Olympischen Spielen in Tokio vieles ganz anders. Nach dem Erleben von Engelhardt, für den es die sechste Olympia-Reise war, hat dem großen Sportfest seine besondere Stimmung durch das offene Zusammenkommen von Menschen aus so vielen Nationen komplett gefehlt.
Engelhardt, der Ärztliche Direktor des Klinikums, hat das besonders krass empfunden: Er war regelrecht in einem Hotel kaserniert, in dem er auch alle Mahlzeiten einnehmen musste. Von dort konnte er in einem isolierten Shuttle-Service zu den Wettkampfstätten gelangen – und sonst nichts. Auch im Olympiadorf hatte er keinen Zutritt. „Ich habe mir neben dem Triathlon so viele weitere Wettkämpfe angesehen, wie nur irgend möglich war“, schmunzelt der bekannte Orthopäde und Sportarzt, der als Chefarzt im neu formierten Osnabrücker Zentrum für Muskuloskelettale Chirurgie (OZMC) im Klinikum arbeitet.

Strenge Regeln

Engelhardt war als Präsident der Deutschen Triathlon Union (DTU) eingeladen und durfte sich nach den in Tokio geltenden Regeln nur im Zeitraum der Wettkämpfe „seines“ Verbands bei den Olympischen Spielen aufhalten, ebenso wie Sportlerinnen und Sportler und ihre Betreuenden. Kollege Grim, Chefarzt für Orthopädie und Sportmedizin im Klinikum, war die ganze Zeit in Tokio und hatte mehr Bewegungsfreiheiten – aber er musste arbeiten: Grim gehörte zum zweiten Mal als Leitender Orthopäde dem Stab des deutschen Olympia-Teams an. Vor Grim war Engelhardt bei zwei Olympischen Spielen als Leitender Orthopäde/Mannschaftsarzt dabei. Im aktiven Einsatz für die deutschen Teilnehmenden hatte Grim in Tokio wie gewohnt ein Quartier im Olympiadorf und es war ihm immerhin erlaubt, sich darin frei zu bewegen. „Dort galten Abstandsregeln und Maskenpflicht, alle Kontaktmöglichkeiten zu den Menschen in Tokio und das Bewegen ausserhalb der ´bubble´ waren untersagt.“ Es sei auch von organisatorischer Seite streng darauf geachtet worden, dass die Regeln eingehalten werden.

Medizinische Betreuung des deutschen Teams

Wie Grim erklärt, waren in einem der 21 Gebäudekomplexe des Olympiadorfs mehrere Apartment-Etagen für das Team Deutschland reserviert. Grim war in einem Zimmer mit zwei Betten untergebracht, das er sich mit einem Mannschaftsbetreuer geteilt hat. Der Arzt gehörte bereits dem Vorausteam an, das vor der Ankunft der Sportlerinnen, Sportler und Betreuenden alles für ihre medizinische Versorgung vorbereitet hat. „Wir haben in einem dieser Apartments eine Art Arztpraxis mit mehreren Behandlungszimmern und einem Empfangs-/Wartebereich eingerichtet, in der tägliche Sprechzeiten von 8 bis 22 Uhr und darüber hinaus nachts eine ständige Bereitschaft gesichert waren“, berichtet er. „Die Arbeitszeiten werden im Ärzteteam verteilt. Aber darüber hinaus ist jeder entsprechend seiner fachlichen Expertise auch außerhalb dieser Zeit erreichbar oder ist noch als Verbandsarzt oder Verbandsärztin besonders mit bestimmten Athleten befasst.“ Weiter wurde sichergestellt, dass bei besonders verletzungsträchtigen Sportarten immer gleich ein medizinisches Team bei den Wettkämpfen und beim Training dabei ist. Alles in allem waren es rund 800 Menschen, um deren medizinische Versorgung sich Grim und seine Kolleginnen und Kollegen gekümmert haben, darunter 450 Sportlerinnen und Sportler. „Dem medizinischen Team haben 23 Ärzte und 45 Physiotherapeuten angehört“, erläutert er. Nach den Worten von Grim sind alle Arten von Behandlungseinsätzen abgefragt worden, die vielleicht zu erwarten sind, wenn so viele Menschen auf Reisen gehen – Zahnschmerzen ebenso wie Fieber und Schnupfen oder Zerrungen, Bänderrisse und teils auch komplizierte Knochenbrüche am Fußgelenk oder Ellenbogen.

Hitze bereitet wenig Probleme

„Aber unsere größten Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet“, sagt Grim „Die Hitze hat zu relativ wenig Problemen geführt. Jedenfalls viel weniger als erwartet. Es war zu sehen, dass da wirklich alle gut vorbereitet waren und sich gut an die Hitze angepasst haben – zum Glück.“ Obwohl es bei der Organisation berücksichtigt worden sei, besondere Hitzelasten zu vermeiden, sei es in manchen Sportarten wie Hockey und Tennis vorgekommen, dass Wettkämpfe in der größten Mittagshitze liefen. „Das war eine extreme Belastung für die Sportler und Sportlerinnen. Im Großen und Ganzen ist aber gut darauf geachtet worden, beispielsweise durch das Vorverlegen von Startzeiten in die kühleren Morgenstunden. Nur ausgerechnet beim Marathon hat es ja nicht geklappt – in Sapporo, das normalerweise kühler ist, war es wärmer.“

Trotz allem eine unvergessliche Erfahrung

Grim war in Tokio auch beim Skaten dabei. „Das wollte ich mir ohnehin ansehen. Aber wir haben auch die Betreuung für Tyler Edtmayer sichergestellt, der sich ja gleich beim ersten Training einen Armbruch zugezogen hatte. Ich habe ihm natürlich nicht dazu geraten, dass er so fährt – aber ich kann ihn verstehen. Und es ist eine tolle Leistung, dass er noch auf den 15. Platz gefahren ist.“ Grim hat sich von allen großen Sportwettkämpfen, bei denen er im Einsatz war, Plakate und Poster mit Unterschriften der Teilnehmenden mitgebracht – jetzt aus Tokio ist eine Fahne hinzugekommen, die nun ebenfalls sein Büro ziert. Auch Engelhardt kennt dieses Ritual. „Mitbringsel gehören dazu. Ich habe mir diesmal meine Eintrittskarte aufbewahrt – sie hängt ebenfalls im Büro.“ Nachdem Grim zu den ersten Deutschen gehörte, die ins Olympiadorf eingezogen sind, war er auch einer der letzten, die es verlassen haben. „Ich war diesmal aber nicht viel länger da, weil wir die Arztpraxis nicht wieder abbauen mussten. Normalerweise nehmen wir alles wieder mit – aber in Tokio kann alles weiter vom deutschen Team bei den Paralympics genutzt werden.“

 

PM
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