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Mathematik des Horrors: 41 Missbrauchstaten bringen Bauunternehmer aus Hasbergen 13 Jahre in Haft

Jahrelanger Missbrauch in Afrika: jüngstes Opfer war 2,5 Jahre

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Der Angeklagte, ein ehemaliger Bauunternehmer aus Hasbergen, geschätzt in der Landkreisgemeinde, weil er sich in seiner Freizeit stets für das Naturbad der Hüggelstadt eingesetzt hatte, richtete seinen Blick starr auf die Richterbank als das Urteil und das Strafmaß verlesen wurde: 13 Jahre Haft erwarten den 66-Jährigen, von denen er bereits ein paar Monate in Untersuchungshaft “abgesessen” hat – bei guter Führung ist er mit 74 wieder auf freiem Fuß.

Der Verkündung der Strafe, die auch von den rund 50 Zuschauern im großen Strafgerichtssaal des Amtsgerichts relativ regungslos aufgenommen wurde, folgte wie bereits bei den vorherigen Terminen der 3. Großen Strafkammer in den vergangenen Wochen, ein letztes Mal die Beschreibung des Unfassbaren.

Auch wenn die vorsitzende Richterin bemüht war nicht erneut zu sehr ins Detail zu gehen, wurden die Anwesenden erneut und unfreiwillig Zeugen der menschlichen Abgründe, die zwischen 2016 und 2018 in einem Waisenhaus in Togo, zu Tage kamen.
Im weiteren Verlauf betonte die Richterin den Umstand, dass sich Erhard L. seine Opfer unter den Ärmsten gesucht hat, noch dazu in einem Waisenhaus, als besonders perfide – was sich schließlich auch strafverschärfend auswirkte.

Noch mehr Taten bei der Afrikareise 2019?

Fast nebenbei kam noch zu Tage, dass es vermutlich eine große Zahl von Taten gibt, die dem Gericht verborgen blieben. Während der einst angesehene Mann aus Hasbergen in den drei Jahren zuvor jede Tat akribisch mit der Kamera dokumentierte und dabei auch Namen und Alter seiner Opfer notiert hatte, fehlen von der letzten Afrikareise zu Beginn des Jahres 2019 belastende Filmaufnahmen oder Notizen.

Der Polizei des westafrikanischen Staates ist es allerdings zu verdanken, dass die Missbräuche aus den drei Jahren zuvor bekannt wurden. Ohne dass der deutschen Justiz nähere Umstände bekannt sind, hatte man Erhard L. bei einem Ausflug außerhalb seines eigentlichen “Urlaubsortes” festgenommen und mehrere Tagen festgehalten; der Vorwurf der afrikanischen Ermittler: sexueller Missbrauch von Kindern.
Mit diesem Hintergrund im Gepäck, sollen die Angehörigen den Familienvater gedrängt haben sich nach seiner Rückkehr den deutschen Behörden zu stellen, doch zu spät, da hatten die Ermittler auch in Deutschland endlich Fahrt aufgenommen und das umfangreiche Beweismaterial in seiner Wohnung sichergestellt.

Vor dem Hintergrund der eindeutigen Filmaufnahmen aus den Vorjahren, konnte Erhard L. die Taten wohl auch kaum noch leugnen, weshalb das Gericht seine Beständigkeit zwar noch zu Kenntnis nahm, aber nicht besonders strafmildernd einschätzte.

Gericht berechnete Strafen für jede der 41 Missbrauchstaten

Jede einzelne Tat, egal ob es der “vollzogene Geschlechtsverkehr” mit dem 2,5 Jahre altem Kleinkind Irene war, oder die Pornovideos, die er einer 11-Jährigen vorgespielt hatte, wurde vom Gericht mit wenigen Monaten oder bis maximal 6 Jahre Strafmaß eingeschätzt, in Summe, so die Mathematik des Horrors, entstand das Urteil: 13 Jahre.

Nach guter Führung und einer Therapie, zu der sich der Angeklagte bereit erklärte, kann die Haft bereits nach Verbüßung von 2/3 der Strafe beendet werden, Erhard L. ist dann 74.
Das Gericht geht – auch gestützt auf einen Gutachter, der nur  leichte pädophile Neigungen erkannt haben will – davon aus, dass der ehemalige Bauunternehmer sich dann unter Kontrolle haben wird.

Keine Sicherungsverwahrung nach der Haft

Eine Sicherungsverwahrung, auch über die Haft hinaus oder die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung wurde abgewogen, kam für das Gericht aber nicht in Frage. Die bisherige U-Haft soll einen “starken Eindruck” hinterlassen haben. Der Familienvater, dessen Töchter sich inzwischen von ihm abgewandt haben sollen, hat nach dem Eindruck des Gerichts erst nach der Festnahme die Schwere seiner Taten erkannt und soll “voll der Scham” darüber sein.
Erhard L., dessen voller Name inzwischen in der Region in Zusammenhang mit der Tat bekannt ist, wird wohl nie wieder einen Fuß nach Hasbergen setzen, “selber Schuld”, kommentierte die Richterin, aber auch diesen Umstand musste das Gericht beim Strafmass berücksichtigen.

Waisenhausbetreiber wollen Pädo-Straftaten unter ihrem Dach nicht wahrhaben

Die Zukunft der missbrauchten Kinder wird wohl nicht von Hilfsmaßnahmen aus dem Land des Täters beeinflusst werden – im Gegenteil.
Nach Ansicht der Richterin lehnt es das Ehepaar, in dessen privat geführten Waisenhaus die Taten über Jahre angeblich unentdeckt geschahen, ab die Missbrauchsfälle an den ihr schutzbefohlenen Kindern anzuerkennen.

Man befürchtet in Togo das Ausbleiben von Spenden, um so weiterzumachen wie bisher.

Um die Kinder gefügig zu machen genügte es Erhard L. sie mit ein wenig Haribo, Klebe-Tatoos und kleinen Geldsummen in Höhe von umgerechnet 50 Cent bis 1,50 Euro zu locken.

Der Staatsanwalt hatte 13 Jahre und sechs Monate Haft gefordert. Der aus Osnabrück stammende Verteidiger Joë Thérond hatte eine milde Haftstrafe von sieben bis acht Jahren beantragt. Gegen das Urteil kann innerhalb einer Woche Revision eingelegt werden.

Weiterlesen: Der Prozessauftakt im Juli 2019

Korrektur: Es waren 41 Taten, über die das Landgericht zu urteilen hatte, in einer ersten Version hatten wir von 42 Taten geschrieben


Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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