Start Aktuell Reiste ein Familienvater aus Hasbergen jahrelang zum Sex mit Kindern nach Afrika?

Reiste ein Familienvater aus Hasbergen jahrelang zum Sex mit Kindern nach Afrika?

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Am Ende der Anklageverlesung durch die Staatsanwaltschaft Osnabrück war das Grauen und Entsetzen im Schwurgerichtssaal des Osnabrücker Landgerichts fast physisch zu greifen. Allein das Verlesen der detaillierten Beschreibung von mehr als 40 Fällen, in denen der Angeklagte Waisenkinder im Alter zwischen 2 und 12 Jahren sexuell missbraucht haben soll, dauerte mehr als eine halbe Stunde.

Zuvor hatte Pflichtverteidiger Joë Thérond noch versucht die öffentliche Verlesung der überaus detaillierten Tatschilderungen zu verhindern. Nach kurzer Beratung entschied das Gericht, dass das öffentliche Interesse an den von der Staatsanwaltschaft dem 66-Jährigen vorgeworfenen Taten höher zu bewerten ist, als das Interesse des Angeklagten seine sexuellen Vorlieben nicht-öffentlich zu behalten.


Der Angeklagte selbst versteckte sich, bis die Pressefotografen auf Weisung des Gerichts ihre Arbeit einstellen mussten, hinter einem Aktendeckel.

Reglos verfolgte der Angeklagte, der in Hasbergen eine bürgerliche Existenz als Bauunternehmer hatte, verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern ist, im weiteren Verlauf die Schilderung der ihm zu Last gelegten Taten. Nur einmal während der langen Aufzählung schob der dreifache Familienvater seinem Verteidiger einen Zettel rüber. Nach Verlesung der Anklage bat der Strafverteidiger um Korrektur einiger falscher Datumsangaben in der Aufzählung des Staatsanwalts – ansonsten war an diesem Tag nichts mehr zur Sache zu hören.

Immer im Januar und Februar nach Afrika

Jedes Jahr im Januar und Februar reiste Erhard L., so die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, in das afrikanische Togo und hatte, so die Anklage, dort Sex mit Kindern. Für die Jahre 2016 bis 2018 verzeichnet die Staatsanwaltschaft rund 40 Fälle. Der Angeklagte hat demnach auf mehr als 11.000 Bild- und Videodateien sein Handeln dokumentiert, dabei hat er mindestens 10 Mal gegen den erkennbaren Willen der Kinder (Zitat: „No, no, no“) Geschlechtsverkehr mit ihnen gehabt – teils mehrfach am Tag. In einem Fall soll sich der Angeklagte sogar von einem afrikanischen Jungen dabei helfen lassen ein Kind zu missbrauchen, auch konkrete Gewaltanwendung gegen ein Kind soll mit einem Beweisvideo belegt werden, so die Anklage.

Wie der Familienvater und Bauunternehmer, der sich jahrelang für das Naturbad in Hasbergen engagiert hatte, über den Umweg Togo in den Schwurgerichtssaal an den Neumarkt gelangte, wird die 3. Große Strafkammer – Jugendkammer – am Landgericht in den sieben vorerst dafür angesetzten weiteren Verhandlungstagen bis Mitte September aufzuklären versuchen.

Doppelleben zwischen Naturbad in Hasbergen und Wellblechhütten in Togo

Bevor er 2016 mit seinen Taten in Afrika begann, war der Angeklagte gerade wegen seines Engagements in der Gemeinde Hasbergen offenbar ein gern gesehener Zeitgenosse. Über Google finden sich auch jetzt noch zahlreiche Fotos auf denen sich Lokalprominenz neben Erhard L zeigt. Scheinbar eine Stütze der Gesellschaft, ein Mann, der sich für die Allgemeinheit engagiert.

[Update 2. Juli, 19:05] Ein ursprünglich hier abgebildeter Screenshot einer Website, auf der der Angeklagte auf einem (von uns nachträglich verpixelten) Foto zu sehen war und die ihn wegen seines gesellschaftlichen Engagements lobend hervorhob, wurde aus dem Artikel entfernt, da die entsprechende Website in Beiträgen auf Facebook in einen falschen Kontext gesetzt wurde.

Die Staatsanwaltschaft kann auf umfangreiches Beweismaterial zurückgreifen, das bei dem Angeklagten gefunden wurde. Neben einem Laptop, auf dem der Angeklagte laut Anklageschrift den von ihm mutmaßlich missbrauchten Kindern Pornofilme zeigte, und auf dem er seine eigenen Aufnahmen verwaltete, wurden zwei Digitalkameras, ein weiterer PC und sieben externe Festplatten sichergestellt und ausgewertet.

Angeklagter notierte Geburtsdaten der Kinder

Bei den Recherchen sahen sich die Ermittler mit Foto- und Videomaterial aus den Jahren 2016 bis 2018 konfrontiert. Der Angeklagt soll einzelne Dateien mit den Geburtsdaten der Kinder (zwischen 2007 und 2013) versehen haben. Auch die genauen Daten und sogar die Uhrzeit der einzelnen Missbrauchsfälle konnte rekonstruiert werden.

Opfer sollen noch Windeln getragen haben

Nach den jeweiligen Missbrauchstaten gab es für die Kinder Haribo und manchmal auch einen Geldschein, wie die Ermittler dem umfangreichen Videomaterial entnehmen konnten. Wer dem Angeklagten die Kinder, die aus einem Waisenhaus stammen sollen, zuführte, und wo genau die Taten aufgenommen wurden, wurde  bei der Anklageverlesung noch nicht klar.

Allerdings konnten die etwa 40 Zuschauer verfolgen, wie sich der Angeklagte offenbar Jahr um Jahr einen stärkeren Kick holen musste. Die grausamen Details der Anklageschrift legten dabei auch offen, wie er teilweise die Windeln der Kleinkinder geöffnet haben soll um diese vaginal zu penetrieren, wie die Opfer in Tränen ausbrachen und der Angeklagte mit Sätzen wie „Er will da rein, in Dein kleines Löchlein“ auf die Kinder in einer ihnen unverständlichen Sprache einredete.

Als auch der zwischenzeitlich probierte Analverkehr mit den über die Jahre immer gleichen fünf Mädchen nicht mehr für die notwendige Stimulierung reichte, musste ein „Penisring“ für die notwendige Standfestigkeit des inzwischen 66-Jährigen sorgen, so eine Tatbeschreibung der Staatsanwaltschaft.

Angeklagter soll Zettel mit seiner Adresse in Tatvideo eingebaut haben

Rätsel gibt ein Detail der letzten auf Video dokumentierten und in der Anklage beschriebenen Tat auf: Der Angeklagte legte, so beschreibt es die Anklageschrift, einen Zettel mit seiner Privatanschrift und seiner Telefonnummer im Aufnahmebereich der Kamera ab, während er ein Kind missbrauchte. Fühlte er sich einfach nur sicher, brauchte er einen besonderen Kick oder war es der Wunsch des Täters überführt zu werden? Die weiteren Prozesstage werden dieses seltsame Rätsel vielleicht lösen.

Für den Afrika-Ausflug 2019 liegen der Staatsanwaltschaft keine Beweismittel vor, die auf weitere Missbrauchstaten hinweisen. Nach der Rückkehr aus Afrika klickten dieses Mal die Handschellen – mindestens drei Jahre zu spät. Seit Februar sitzt der Angeklagte ununterbrochen in Untersuchungshaft. Wie die Ermittler dem Angeklagten auf die Spur kamen, wird sich voraussichtlich während der weiteren Verhandlungstage ergeben.

Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11


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