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Stichwort „Flächen-Optimierung“…

Haben Sie in den vergangen Tagen mal einen Stadtbummel durch Osnabrück gemacht?

Wenn Sie nicht die rot/grüne rosarote Brille aufgesetzt haben, dann werden Ihnen viele unerfreuliche Dinge in der Innenstadt aufgefallen sein, die einem bundesweiten Trend folgen. Das mit dem “bundesweiten Trend” nur vorab, damit nicht gleich wieder das Argument kommt Osnabrück brauche ein neues XXL-Einkaufscenter um attraktiv zu werden und damit nicht passiert was gerade passiert…

Aber was passiert? Ein Trend greift um sich, der euphemistisch von der Branche als “Flächen-Optimierung” bezeichnet wird, eigentlich aber nichts anderes als “Verkleinerung” oder “Rückzug auf Raten” bedeutet.
Neuestes Beispiel zwei Fillialen des Douglas-Handelskonzerns: Thalia verkleinert seine Erdgeschossfläche und bietet Konzernschwester Juwelier Christ eine neue Heimat. Am Ende werden beide Unternehmen mit deutlich verkleinerter Fläche (und vermutlich auch “optimierter” Belegschaft) am Standort Osnabrück weiter gegen das Internet ankämpfen.
Der Handel sieht sich mit einem immer stärkeren Wettbewerb und einem Strukturwandel der Käufer konfrontiert. Dieser Trend bedeutet für Thalia einen (offenbar nicht sonderlich erfolgreichen) Sortimentswechsel weg vom Buch. Bis zu 40% “Non-Book” wolle Thalia zukünftig verkaufen, meldete das Handelsblatt Anfang des Jahres.

Flächen-Optimierung in Osnabrück

Aber auch Apotheken spüren immer mehr den Wettbewerb des Internets, der inzwischen stolze 11% beträgt. Zumindest dürfte der Online-Wettbewerb mit eine Rolle gespielt haben, dass auch die traditionsreiche Hirsch-Apotheke am Nikolaiort ihre Fläche ebenfalls deutlich “optimierte” und nun einen Optiker und Hörgeräte-Spezialisten als Untermieter aufnahm.
Ganz geschlossen haben sich hingegen die Türen der erst vor wenigen Jahren eröffneten Apotheke in der Theaterpassage. Damit dürfte “gefühlt” ungefähr die Hälfte der Flächen in Osnabrücks einstiger Luxus-Passage ohne zahlenden Mieter sein.
Gleich nebenan wartet noch das wunderschöne ehemalige Ladenlokal von Bücher-Jonscher auf Nachmieter, und auch das Steakhaus am Theater, das bislang ungefähr im Jahrestakt neue Gastronomie-Konzepte beherbergte, findet inzwischen keinen Wagemutigen mehr, der sich dort freiwillig ruinieren will…

Die kürzlich bekannt gewordene Insolvenz von Dr. Theo Bergmann passt dabei gut ins Bild. Bergmann gehört(e) zu den ganz grossen Immobilien-Besitzern der nördlichen Innenstadt, hatte aber am “anderen Ende” der Großen Straße seine größten Objekte (Sportarena, H&M-Kaufhaus) und versuchte sich mit dem XXL-Einkaufscenter über den Neumarkt auszudehnen. Mit diesen Planungen hat er in den vergangenen Monaten soviel Unruhe in die Osnabrücker Immobilienlandschaft gebracht, dass man ihm getrost eine Teilschuld für die desolate Lage in der Innenstadt geben kann – so ein Immobilien-Insider gegenüber I-love-OS.
Für den unaufhaltsamen Trend zum Internethandel kann man Bergmann natürlich nicht verantwortlich machen, nur sind Konzepte die zu einer Flächenexplosion führen einfach nicht mehr zeitgemäß und genau das falsche Signal in einer Zeit wo eher Flächen verkleinert als vergrößert werden!

Es bleibt noch abzuwarten was mit dem immer noch nicht begonnenen Bau auf dem ehemaligen Woolworth-Grundstück passiert. Hier sagen Insider eine “Flächen-Optimierung” durch Umzug voraus
Angeblich ist der Wechsel von Peek & Cloppenburg in einen (kleineren) Neubau nicht vom Tisch, I-love-OS berichtete bereits im Mai exklusiv über die Pläne von P&C.
 
Im Vergleich zu anderen P&C-Häusern hat das Hamburger Unternehmen am Nikolaiort viel zu viel Verkaufsfläche und die Chance mit einem Umzug die Fläche zu verkleinern soll für die Konzernzentrale sehr verlockend sein. Zudem wäre man damit näher am Hauptwettbewerber L+T und an den im “politischen Raum” stehenden Einkaufscentern am Neumarkt (mfi) oder Öwer de Hase (ECE).

Die politisch für das Wohl der Stadt verantwortlichen Osnabrücker Ratsdamen und Ratsherren haben in der Mehrheit vermutlich keine Ahnung vom Internet… ob sie das mit den aktuell laufenden “Flächen-Optimierungen” daher auch aus ihren Überlegungen ausklammern?
In den bisherigen Debatten zum Neumarkt-Einkaufscenter war der Strukturwandel durch den digitalisierten Handel oder auch die sich rapide verändernde Demographie (ältere Menschen shoppen weniger) bislang nie ein Thema.

HP

AFP

Willkommen Erstis in Osnabrück!

Erstsemester in Osnabrück
Willkommen Erstis in Osnabrück!

Mehr als die Hälfte der insgesamt 3.400 Erstsemester waren heute Vormittag zur Erstsemesterbegrüßung in der Stadthalle (aka OsnabrückHalle) versammelt.

Erstsemesterbegrüssung Osnabrück

Die Kollegen von Osnabrücker Original waren mit einem Begrüssungs-Tisch vertreten, an dem es in einem Tütchen vom prelle shop u.a. original “I-love-OS”-Sticker, kostenloses Sushi von YouShiMe und ein echtes Springbötchen von der Bäckerei Brinkhege für die Neu-Osnabrücker gab.

So gerüstet steht einem guten Start ins Studium wohl nichts mehr im Wege…

PS: die vor der Fotowand entstandenen Fotos gibt es ab heute Nachmittag bei Facebook zu bewundern

HP

AFP

Ist der Center-Befürworter Theo Bergmann pleite? [Update]

In der Kommentarspalte zum aktuellen Bericht der NOZ über die alternativen Shoppingcenter-Pläne, findet sich der Hinweis auf ein mehrere Insolvenzantragsverfahren gegen das Vermögen des Dr. Theodor Bergmann bzw. Firmen an denen er beteiligt ist.

Dr. Bergmann gehört zu den führenden Visionären der Osnabrücker Immobilienszene. Er selbst und seine diversen Unternehmen sind auch rund um den Nikolaiort aktiv – unter eigenem Namen “Bergmann” war er dort lange Jahre als Textilhändler tätig.
Neben dem Schwerpunkt in der nördlichen Innenstadt – die inzwischen massiv unter Leerständen leidet – gehören ihm auch einige Immobilien rund um den Neumarkt, u.a. das H&M-Haus, die Sportarena und die als “Kachelhaus” bekannte Immobilie, die vielleicht einmal das XXL-Einkaufscenter beherbergen soll.
Offenbar ist er jetzt selbst in den unheilvollen Sog geraten, der den Immobilienmarkt der Stadt erfasst hat seit die XXL-Pläne für den Neumarkt bekannt wurden.

Kaum ein leerstehendes Geschäftshaus nördlich vom Nikolaiort findet seitdem noch neue Mieter… auch nicht die des Dr. Theo Bergmann; wurden die Geister die er rief zu seinem Verhängnis?

[Update]

Die Insolvenzanträge gegen Dr. Theodor Bergmann bzw. Firmen, an denen er beteiligt ist, wurden bereits kurze Zeit später von der Antragstellerin zurückgenommen. Die Insolvenzantragsverfahren waren daher schnell erledigt. Zu einem Insolvenzverfahren gegen Herrn Dr. Theodor Bergmann bzw. Firmen an denen er beteiligt ist, ist es in keinem Fall gekommen. Insolvenzgründe lagen zu keiner Zeit vor. Es gab folglich niemals eine „Bergmann-Pleite“.

 

Korrektur 03.10.2012, 19:15: Dr. Bergmann wurde hier zuvor die Wöhrl-Immobilie zugeschrieben. Lt. NOZ, die nun auch über die Bergmann-Insolvenz berichtet, gehört zu seinem Portfolio aber das Kachelhaus.

AFP

Hase-EKZ: die bessere der schlechten Alternativen!

Hase-EKZ: die bessere der schlechten Alternativen!
Hase-EKZ: die bessere der schlechten Alternativen!

Endlich ist es raus… ausgerechnet die NOZ, die über den Verlag Meinders & Elstermann selbst betroffen ist, wird in ihrer morgigen Ausgabe über einen alternativen Plan für ein Groß-Einkaufszentrum in der City berichten (online hier schon verfügbar).

Ein Plan, der in Grundzügen schon seit Monaten durch die Osnabrücker Gerüchteküche zog, ist nun mit “Ross und Reiter” bekannt. Kurz zusammengefasst, was im Detail noch besser auf der oben verlinkten NOZ-Seite erklärt wird:

Die alternative Centerplanung wird vom Osnabrücker Schuhgroßhändler Hamm betrieben. Kooperationspartner ist der Center-Marktführer ECE.
Der Schuhgroßhändler verfügt bereits über einige zentrale Grundstücke, u.a. das alte C&A-Haus, und hat nach Angaben der NOZ eine Kaufoption auf die alte Dresdner Bank, die an Galeria-Kaufhof angrenzt.

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Die Center-Planungen sehen eine Fläche vor, die von Galeria-Kaufhof bis zur Großen Straße reicht und in Höhe des alten Verlagsgebäudes von Meinders & Elstermann an die Fußgängerzone angebunden wird.

Obwohl die Gebäude von Meinders & Elstermann (M&E), die früher u.a. Teile der Verwaltung, Redaktion und sogar Druckerpressen beherbergten, vermutlich nicht mehr sonderlich wichtig für den Verlag sind (letzte Neuerung war die Einrichtung einer Eisdiele im Parterre), will M&E aber (lt. NOZ) nicht verkaufen…
Für die Stadtentwicklung böten sich jedoch hervorragende Perspektiven, so würde sich die für den Rest der Innenstadt wichtige Laufdistanz (siehe I-love-OS über einen Vergleich zwischen Große Straße und Kaufinger Straße in München) nicht großartig erhöhen – im Vergleich zu dem etwas abseitig am Ende der Großen Straße gelegenen Neumarkt-Einkaufscenter.
Zudem würden langjährige Problem-Immobilien, wie das in Teilen leerstehende Astoria-Center und das ehemalige C&A-Haus aufgewertet. Last not least wäre Galeria Kaufhof integraler Bestandteil der Planungen. Anders als bei einem Neumarkt-Einkaufscenter könnte Kaufhof ein Teil der Lösung sein – und droht nicht zusammen mit der Möserstraße zur Randlage zu verkommen.
Problematisch wäre eine solche Lösung jedoch für ein paar Spekulanten (u.a Exil-Osnabrücker Dr. Bergmann und eine US-Großbank), die in das Kachelhaus am Neumarkt und die Wöhrl-Ruine investiert hatten und diese über lange Jahre dem Verfall überliessen!

Um es einmal deutlich zu sagen: mit dem jahrelang geduldeten Verfall von Wöhrl- und Kachelhaus hat man versucht die Politik zu erpressen und damit bewusst einen Schandfleck entstehen lassen, der mit dem XXL-Center behoben werden sollte, sehr zum Wohle der eigenen Kasse!
Dumm für Bergmann & Co, wenn nun alternative Pläne auftauchen, die sich harmonischer in die Stadtentwicklung integrieren lassen. Für den Neumarkt müssen nun “echte” Konzepte entwickelt werden!

Wenn nicht endlich mal von der Verwaltung (und nicht von Shoppingcenter-Entwicklern) konkrete Pläne gemacht werden, wird auch das ohnehin seit Jahrzehnten vernachlässigte Gebiet der Johannisstraße zu den Verlierern zählen. Hier muss nun ein neues Konzept folgen, das vielleicht “Arbeit & Wohnen” zum Schwerpunkt haben könnte statt “Abschöpfen von Fußgängerfrequenzen aus der nördlichen Innenstadt”.

Angesichts demographischen Wandels und stetig wachsenden Online-Handels (siehe I-love-OS) könnte die Stadt aber auch so selbstbewusst sein und jeglichen Plänen für (zu) große Einkaufscenter einen Riegel vorschieben… so aber ist das “Hase-EKZ” eindeutig die bessere Alternative für Osnabrück!

HP

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Die Lagerhalle, seit 1976 ein „Osnabrücker Original“!

Die Lagerhalle, seit 1976 ein „Osnabrücker Original“!
Die Lagerhalle, seit 1976 ein „Osnabrücker Original“!

Wie in den Vorwochen stellen wir hier Originale vor, die es so nur in Osnabrück gibt.

Bisherige Osnabrücker Originale:

  • Springbrötchen
  • Iduna Hochhaus
  • Grüner Jäger
  • Hannoverscher Bahnhof
  • Doc Moralez
  • steinerner Eisbär im Zoo
  • Carsten Thye – Stadionsprecher
  • prelle shop
  • Liebesschlösser an der Hase

In den frühen siebziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts zeichnete sich eine tiefgreifende Funktionsänderung der Innenstadt ab. Die engen Gassen der Altstadt, die zwischen Heger Tor und Rathaus über Jahrhunderte angestammter Sitz vieler Handwerks- und Handelsbetriebe waren, verloren zunehmend an Bedeutung für das Alltagsleben in der Stadt. Die frisch ausgewiesenen Gewerbegebiete an den Ausfallstraßen boten hingegen reichlich Platz und damals noch günstiges Bauland. Auch die Eisenwarengroßhandlung Rudolph Richter folgte dem „Sog“ raus aus der Innenstadt und verlegte ihr Lager in den Fledder. Die alte Lagerhalle direkt hinter dem Heger Tor stand leer – in einer Zeit in der in Osnabrück geradezu revolutionäre Dinge passierten.

 Anfang der 70er Jahre kam mit der Gründung der Universität und der 68er-Bewegung auch ein neuer Zeitgeist in die Stadt an der Hase. Hannover hatte seit 1972 gleich zwei unabhängige Jugendzentren und selbst im benachbarten Bielefeld entstand 1973 ein „Arbeiterjugendzentrum“. Unabhängige Jugendzentren (UJZ) waren ein fester Bestandteil der damaligen Jugendkultur, die sich nun auch in Osnabrück etablierte. Doch statt die alte Lagerhalle spontan zu besetzen und nach dem Vorbild anderer Städte eine Lösung zu erzwingen, wurde 1973 erst einmal eine Bürgerinitiative gegründet. Dieses eher „unrevolutionäre“ Vorgehen führte zu einem Dialog, in den das Kulturamt der Stadt schon früh eingebunden wurde und aus dem ein Konzept entstand, das bis heute Bestand hat.

1974 wurden Rat und Verwaltung konkrete Pläne präsentiert, die nicht mehr ein Jugendzentrum, sondern ein Kreativhaus zum Ziel hatten. Damit konnten auch die bisherigen Inhaber überzeugt werden, die eine Nachnutzung forderten, die sich harmonisch in das Heger-Tor-Viertel einfügt.

 Lagerhalle Osnabrück

Einen Tag vor Heiligabend 1974 erwarb die Stadt schließlich die alte Lagerhalle für 465.000 DM. Für die Stadtverwaltung war es jedoch mit der positiven Begleitung bei der Gründung und der Übernahme des Kaufpreises für die Immobilie nicht getan. Das Kulturamt der Stadt ist seit Gründung Mitglied des Lagerhallen Vereins. Der Haushalt der Stadt weißt für 2012 einen Zuschussbetrag von knapp einer halben Million Euro aus – Kultur gibt es nicht zum Nulltarif.

In den 70er Jahren reichten für die notwendigen Umbauarbeiten nach 600.000 DM aus, die aus einem Fördertopf der Bundesregierung flossen. Mit dieser finanziellen Rückendeckung und viel Eigeninitiative des Lagerhallen Vereins, konnte das neue Kulturzentrum schließlich im Dezember 1976 seine Pforten öffnen und ist seitdem ein echtes „Osnabrücker Original“ und aus der Kulturszene der Stadt nicht mehr wegzudenken.

 

Osnabrücker Original

Die Nominierungsphase für das Osnabrücker Original ist beendet. Auf  der Homepage der Initiative oder bei Facebook können Sie ab sofort aus den zahlreichen Nominierungen für Ihr Osnabrücker Original abstimmen.

HP,

Dieser Artikel erschien auch am 23.09.2012 in der Osnabrücker Sonntagszeitung (PDF Download).


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Der VfL auf Platz 3 der Tabelle!

Der VfL auf Platz 3 der Tabelle!
Der VfL auf Platz 3 der Tabelle!

Weil es so schön ist und der VfL seit gestern wieder auf Platz 3 der Tabelle steht…

Den Ausschnitt aus der Tabelle haben wir bei “Wir sind die Osnabrücker” entliehen, einer VfL-Facebook-Gruppe, die sehr eifrig postet und die es verdient hat ein paar mehr LIKES zu bekommen: http://www.facebook.com/Die.Osnabruecker

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Was der Stadtrat so alles beschließt… und was nicht!

Die gestrige Sitzung des Osnabrücker Rates war nicht ohne politische Sprengkraft. Schon im Vorfeld wurde ein gemeinsamer Antrag der Ratsmitglieder gestellt, auf dessen Bassis nun ein Abwahlverfahren der durch die Sekretariatsaffäre ins Rampenlicht gerückten Jutta Bott ermöglicht wird (siehe I-love-OS  hier und hier).
Mit Ausnahme einiger Sticheleien “zwischen den Zeilen”, bei denen u.a. FDP Ratsherr Thomas Thiele die für die Bott-Nominierung verantwortliche Personalberatung nochmal negativ ins Gespräch brachte, blieb die die “Causa Bott” jedoch in der öffentlichen Debatte weitestgehend außen vor.

Die offensichtliche Fehlentscheidung bei der Besetzung dieses Führungspostens schwebte dennoch wie ein Damoklesschwert über dem dritten Tagesordnungspunkt, bei dem es um die zweite Amtszeit des Stadtbaurates Griesert ging.
Hier musste Oberbürgermeister Pistorius eine schwere Schlappe kassieren, denn neben den Grünen, denen Katharina Pötter (CDU) vorwarf diese Stelle mit entsprechendem Parteibuch besetzen zu wollen, stellte sich auch die eigene SPD-Fraktion gegen den Oberbürgermeister.

Sitzung des Stadtrates Osnabrück

Im Rahmen einer Neuausschreibung wird sich Griesert nun gegen neue Bewerber durchsetzen müssen – wenn er es nicht vorziehen sollte sich diesem Verfahren zu entziehen und beispielsweise in die “freie” Wirtschaft oder eine andere Stadtverwaltung zu wechseln.
Die Kosten, die der Stadt entstehen würden, sollte 2013 ein neuer Stadtbaurat Wolfgang Griesert im Amt folgen, bezifferte Pötter auf mehr als 500.000 Euro.
Einzig die CDU und der Oberbürgermeister stellten sich gegen ein reguläres Ausschreibungsverfahren. Offenbar hatten die Befürworter einer einfachen Lösung zu hoch gepokert. Das im Falle Griesert zu viel “taktiert” wurde hatte Ralf ter Veer (Piraten), der konsequent ebenfalls für eine Ausschreibung votierte, bereits im Vorfeld der Ratssitzung öffentlich beanstandet (siehe I-love-OS).

Ein weiteres Thema der gestrigen Ratssitzung war die “Rehabilitation der Opfer der Hexenverfolgung in Osnabrück”, was bei manchem Besucher nur Kopfschütteln auslöste, angesichts der Jahrhunderte, die seit dieser unschönen Geschichte inzwischen ins Land gezogen sind. Der versammelte Rat fand Gefallen an dem Antrag der FDP – jedoch nicht ohne sich aus den Reihen der Grünen vor der Abstimmung erläutern zu lassen, dass es auch “männliche” Opfer der Hexenverfolgung gab. Sicher ein wichtiger Einwand und ein bislang unerreichter Höhepunkt des Gender-Mainstreaming in Osnabrück!

Männliche Zwangsprostituierte gibt es übrigens ebenfalls, denn auch zu einem Antrag auf Ausdehnung der Vergnügungssteuer auf Bordelle, Laufhäuser etc. hatte besagter Gender-Spezialist aus den Reihen der Grünen die wichtige Ergänzung, dass es ja auch ….männliche Sex-Arbeiter gäbe.
Warum ausgerechnet eine neue Vergnügungssteuer für Bordelle die Zwangsprostitution eindämmen soll, was CDU Fraktionschef Fritz Brickwedde mehrfach als Ziel des Antrags hervorhob, blieb im Unklaren.
Der Kostennachteil, der ordentlich versteuernden Bordellbetrieben zukünftig entstehen wird, dürfte das dunkle Geschäft der meist osteuropäischen Zuhälter doch noch attraktiver machen? Lediglich aus Reihen der Linken gab es ein paar Zwischenrufe zu dem offensichtlichen Design-Fehler in der Argumentation von Brickwedde, allerdings keinen klärenden Wortbeitrag.
Wer Zwangsprostituierte (egal welchen Geschlechts) für sich “arbeiten” lässt, wird kaum bei der Steuerzahlung ehrlich sein. Zudem, wie Frank Henning (SPD) betonte, die Vergnügungssteuer bislang auf Basis von per Fragebogen erhobener Zahlen ermittelt wird.

Einige Zuschauer des gut gefüllten Ratssitzungssaals schienen besonders gespannt auf den Tagesordnungspunkt 7.11, der erst wenige Tage vor der Ratssitzung auf die Agenda gehoben wurde (I-love-OS berichtete), und sie wurden nicht enttäuscht…
Der eilig nachgereichte Antrag wurde zumindest nicht ohne Schlagabtausch der Parteien durchgewunken. Katharina Pötter stellte sich erneut kämpferisch gegen die bunte Koalition der Center-Befürworter und verdeutlichte die seltsame Strategie des Investors mfi, der einst nur mit einer “grossen Lösung” von über 20.000qm eine Chance für das XXL-Center sah, plötzlich jedoch auch mit einer kleineren Lösung zufrieden sein könnte. Im deutlichen Widerspruch zu den wissenschaftlichen Analysen der CIMA, die bei einer kleinen Lösung die benötigte Sogwirkung vermisst, die aber notwendig sei um nicht lediglich Kaufkraft in der Innenstadt umzuverteilen.
Auch architektonisch habe sich offenbar über die Sommerpause einiges geändert, stellte Pötter fest. Die Johannisstraße ist nicht mehr integraler Bestandteil der Center-Pläne, sondern wird vor allem nur noch am Neumarkt berührt. Der rückwärtige Teil der Johannisstraße (u.a. Sinn-Leffers) wird nach den neuen Plänen nicht mehr aufgewertet – sondern dürfte noch mehr ins Abseits geraten.
Stadtrat Hagedorn von den Grünen betonte, dass die derzeitige Planung noch nicht “der Weisheit letzter Schluss” sei. Frank Henning von der SPD sieht den – nach der lebhaften Diskussion positiv und gegen die Stimmen der CDU verabschiedeten Aufstellungsbeschluss – als Signal: “es geht weiter”!
Wulf-Siegmar Mierke von der UWG erklärte, er sei froh, dass ein Investor auch bei einem nun kleinerem ersten Bauabschnitt Geld in die Hand nehme. Und Thomas Thiele von der FDP verteidigte den so kurzfristig auf die Tagesordnung ehobenen Aufstellungsbeschluss damit, dass man sich so nun dem Thema nähern könnte.

Was mit keinem Wort in der öffentlichen Debatte zur Sprache kam, war ein Bauantrag der Firma L+T, der offensichtlich vor einiger Zeit gestellt wurde. Mit den beantragten Baumaßnahmen will L+T die im Rahmen des “Rauschen Coup” an der Johannisstraße erworbenen Gebäude für einen Nachmieter attraktiver gestalten.
Dieser Bauantrag kann durch den gestern beschlossenen Aufstellungsbeschluss tatsächlich blockiert werden. Denn darin heißt es:

“Mit dem Aufstellungsbeschluss ist grundsätzlich auch die Anwendbarkeit plansichernder Instrumente, wie Erlass einer Veränderungssperre oder die Zurückstellung von Baugesuchen gegeben.”

“Grundsätzlich … gegeben” bedeutet aber nicht, daß die Verwaltung diese Optionen auch tatsächlich nutzen muß. Und so war eine “Veränderungssperre”, eine “Zurückstellung von (bestehenden oder zukünftigen) Baugesuchen” oder der bereits bestehende Bauantrag von L+T bei der gestrigen Ratssitzung kein Thema!

Auch wenn die Verwaltung nun die Möglichkeit hat mit einer “Veränderungssperre” die Planung zu sichern, dürften die Verwaltungsfachleute sich dieses Vorgehen noch genau überlegen. Immerhin würde in einem solchen Fall L+T einen Schadenersatzanspruch gegen die Stadt geltend machen können. Schließlich erfolgte sowohl der Kauf der Häuser an der Johannisstraße als auch der Bauantrag auf Basis einer noch nicht vorhandenen Veränderungssperre und eines gültigen Bebauungsplanes.
Der Aufstellungsbeschluß wurde gestern zwar eilig “durchgepeitscht”, womöglich aber doch zu spät, um Schaden von der Stadt fernzuhalten – sollte man L+T damit jetzt wirklich die sprichwörtlichen Steine in den Weg legen wollen.

Als kritischer Leser der Tagespresse kann man sich vor diesem Hintergrund über die publizistische Aufarbeitung durch die NOZ nur wundern.

Ein online verfügbarer Artikel von NOZ-Mitarbeiter Wilfried Hinrichs (der bei der Beschlussfassung gar nicht vor Ort im Rathaus anwesend war) stellt die “Veränderungssperre”, die eben nicht eigentlicher Gegenstand des Antrags um den Aufstellungsbeschluss war, und auch nicht in den Redebeiträgen thematisiert wurde, in den Mittelpunkt und titelt “L+T Chef Rauschen darf vorerst nicht investieren”.
Noch weiter von der Realität entfernt titelt die NOZ auf ihrer Facebook-Seite “der Rat Osnabrück hat beschlossen , dass der L+T-Chef seine Gebäude am Neumarkt erst mal nicht umbauen darf”…

NOZ.de

Wohlgemerkt, die Veränderungssperre ist eine mögliche Konsequenz aus dem Aufstellungsbeschluss, aber nicht zwangsläufig.
Eine Veränderungssperre wurde auch mit keinem Wort in der Ratssitzung thematisiert. Und angesichts der möglichen Schadenersatzforderungen durch L+T dürfte sich die Verwaltung eine entsprechende Entscheidung durchaus noch überlegen…

Auch der Blogger zweifelt nicht daran, dass die Verwaltung nun L+T die Nutzung der Gebäude in der Johannisstraße erschweren wird. Das jedoch ist Spekulation – und war gestern nicht Gegenstand der Ratsdebatte oder einer Beschlussfassung, auch wenn die Schlagzeilen der NOZ einen anderen Eindruck erwecken!

HP

Ergänzung (12:05): aufgrund eines Leser-Kommentars auf Seiten der NOZ, der auf dieses Blog Bezug nimmt, sei folgendes hinzugefügt: die NOZ bzw. das Medienhaus NOZ war wie üblich mit zahlreichen Kollgen (OS1.TV und Printredaktion) vor Ort; der Hinweis darauf, dass Wilfried Hinrichs bei Erörterung von Top 7.11 nicht anwesend war ist bitte nur vor dem Hintergrund zu verstehen, dass die beiden Headlines (siehe Screenshot) den Eindruck vermitteln, mit Verabschiedung des Aufstellungsbeschlusses sei vom Rat bewusst (und nach öffentlicher Diskussion) der Fa. L+T ein Bauvorhaben verhindert worden; das mag allerdings die “hidden Agenda” gewesen sein. In der NOZ wird dies auch durch W. Griesert weitestgehend für die Verwaltung bestätigt.
Selbstverständlich ist niemandem zuzumuten (es sei denn er ist Ratsfrau/-herr) die gesamte Ratssitzung auszuhalten – auch kann die Berichterstattung darüber arbeitsteilig erfolgen.
Jetzt ist aber auch gut… also bitte keine falsche Kritik in meine Blogpostings hineininterpretieren. Ich freue mich zwar über die Nennung von Blog und/oder URL, nicht jedoch über falsche oder voreilige Schlüsse. Wenn nicht die NOZ so eifrig über die Pläne am Neumarkt berichten würde, wäre das Thema längst aus dem öffentlichen Fokus verschwunden. Für Ergänzungen und andere Meinungen gibt es ja Blogs… (leider in OS viel zu wenige).
HP

AFP

Respekt, Ralf ter Veer von den Osnabrücker Piraten!

So viele offene Worte hört man selten im Osnabrücker Rathaus… Ralf ter Veer von den Piraten hat es gewagt sie auszusprechen, und die NOZ hat es am Tag der entscheidenden Ratssitzung groß im Lokalteil gebracht: “die Taktiererei muss aufhören.”

Wolfgang Griesert (CDU) ist unbestritten ein hervorragender Stadtbaurat – und statt einer leistungsgerecht sicheren Wiederwahl entgegen zu gehen, entsteht seit Wochen der Eindruck, die Wiederwahl des Stadtbaurates sei zum Gegenstand eines politischen Ränkespiels verkommen.

“Taktiererei”, unter der die Diskussionskultur der Lokalpolitik massiv leidet.
Denn trotz reichlich Zündstoff, wie der Sekratiatsaffäre Bott, der anstehenden Entscheidung um den Rosenplatz-Bahnhof und der unklaren Zukunft des Neumarkt-Einkaufszentrums, schweigt die Opposition; womöglich um ihren Kandidaten Griesert nicht zu gefährden?

NOZ.de

Zur Erinnerung: für die ebenfalls neu zu besetzende Stelle des Stadtkämmerers präsentierte die SPD die treue Genossin Jutta Bott, gegen die an alter Wirkungsstätte im Revisionsamt der Stadt Kassel seit einigen Tagen ein Disziplinarverfahren läuft (siehe hier und hier bei I-love-OS).
Die politisch schwer angeschlagene Kämmerin in spe verweigert lt. NOZ inzwischen jeden Kontakt zu ihrem zukünftigen Dienstherrn. Trotzdem wird Frau Bott wohl zum 01. Oktober ihre Stelle in Osnabrück antreten. Eine Stadtkämmerin, die womöglich städtisches Eigentum und städtische Mitarbeiter für ihre eigene Doktorarbeit nutzte, dürfte jedoch politisch nicht tragbar sein. Über diese unangenehme Wahrheit hört man aber von Seiten der Opposition keinerlei Kritik – die politische Diskussion stockt im Vorfeld der Griesert-Wiederwahl. Dieses Schweigen verwundert doch sehr, immerhin kommen mit der Personalie Bott auf die Stadt vermutlich hohe Kosten zu. Ein frühzeitiges “Feuern” der neuen Stadtkämmerin könnte den städtischen Haushalt mit einer sechsstelligen Summe belasten.
Die inzwischen zum Kostenrisiko gewordene Jutta Bott (SPD) wurde im Sommer erstaunlicherweise auch mit den Stimmen der CDU gewählt. Aber nicht etwa, weil sie wie Wolfgang Griesert ihre Kompetenz im Amt schon bewiesen hätte – sondern mit viel Vorschuss-Vertrauen, dass sie diesem Amt auch tatsächlich gewachsen ist.
Vertrauen, das schon im Vorfeld durch die Kasseler Sekretariatsaffäre verspielt wurde.

Statt aber die regierende SPD-Fraktion nun politisch anzugreifen und den notwendigen Druck aufzubauen, damit ein neuer Kämmerer gesucht wird, schweigt die CDU…
Und warum schweigt die CDU angesichts soviel Zündstoffs? Nicht zuletzt die heute veröffentlichte Aussage von Ralf ter Veer legt diesen Schluß nahe: weil die in Opposition befindliche CDU den Kandidaten Wolfgang Griesert wieder als Stadtbaurat bestätigt sehen wil!
Wie gesagt, ein Amt das Griesert nachweislich hervorragend und unabhängig von seinem Parteibuch schon seit Jahren sehr gut ausfüllt.

In sofern “Respekt” Ralf ter Veer, das diese Taktiererei endlich mal jemand offen anspricht! So ein Ränkespiel ist einem Parlament unwürdig und lähmt die politische Auseinandersetzung nun schon seit Wochen!

Die heute in der NOZ zitierte Forderung der Grünen, den Posten des Stadtbaurates (wie schon den der Kämmerin) nach Parteibuch-Besitz zu vergeben, zeigt allerdings die Risiken von transparenter Diskussionskultur: manche Lokalpolitiker können damit offenbar nicht umgehen und sehen sofort die Chance neue Ränke zu schmieden. Gerade die Causa Bott sollte doch ein warnendes Beispiel sein, dass ein Parteibuch alleine nicht für eine Vertrauens- und Führungsposition qualifiziert!
Es wäre schön, wenn der kleine grüne Koalitionspartner der SPD vielleicht doch noch der Argumentation des Oberbürgermeisters folgen könnte: Wolfgang Griesert ist der faktisch richtige Mann auf diesem Posten, weil er durch geleistete erfolgreiche Arbeit auch weiterhin Kontinuität verspricht; sein Parteibuch sollte im Sinne der Stadt und ihrer Bürger keine Rolle spielen!

Oder brauchen wir noch mehr Piraten in der Politik, die dem Bürger vorführen wie abgehoben mittlerweile selbst auf lokaler Ebene taktiert wird?

HP

Illustration: Lokalteil der NOZ vom 25.09.2012

AFP

Osnabrück Panorama

Aufgrund zahlreicher Nachfragen hier nochmal die Illustration des I♥OS und iOS Blogposts von gestern in hoher Auflösung (bitte anklicken).
Die Nutzung für nicht-kommerzielle Zwecke (bspw. als Eure Facebook-Titelgrafik) ist bei Beibehaltung des grafischen Hinweises auf I-love-OS genehmigt.

AFP

Ungewöhnlicher Aktionismus der Stadtverwaltung – soll der Stadtrat einer unkonkret definierten Verkaufsfläche für das Neumarkt-EKZ zustimmen?

Keine Frage, die Sanierung des Neumarkts ist eine vordringliche Aufgabe der Lokalpolitik. Warum nun jedoch durch die Verwaltung ein sonderbarer Aktionismus entfacht wird, ist schon sehr erstaunlich.

Am vergangenen Freitag (21.09.) tauchte im Bürgerinformationssystem der Stadt plötzlich eine Vorlage (VO/2012/1605) auf, die der Rat der Stadt bereits bei seiner nächsten Sitzung – nur vier Tage (bzw. zwei Werktage) später – beschließen soll.

Durch die Vorlage wird ein „Aufstellungsbeschluss“ ermöglicht, der in einen späteren (neuen) Bebauungsplan münden soll.

Vorlage 1605

Nun ist es aber nicht allein die ungewöhnliche Eile, mit der die Vorlage VO/2012/1605 dem Rat zur Abstimmung vorgelegt wird, sondern auch der Inhalt, der Fragen aufwirft.

Der kritische Knackpunkt der Verwaltungsvorlage findet sich in diesem Satz:

„Wesentliche Zielsetzung dieser Bauleitplanung ist es, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung eines Einkaufszentrums mit einer Verkaufsfläche von bis zu 21.500 m2 in zentraler Lage im Stadtgebiet zu schaffen, um damit eine städtebauliche Neuordnung des Planbereichs voran zu treiben. …“

Es sollen also die planungsrechtlichen Voraussetzungen für das Neumarkt-Einkaufszentrum geschaffen werden.  Das eine solche Maßnahme kommen wird, war ja zu erwarten.
Aber wieso diese Eile und wie genau sind die offenbar exakten 21.500 Quadratmeter definiert?

Es sei daran erinnert, dass SPD und Grüne es dem Bürger als grossen Erfolg verkauften, als der Investor mfi im August bekannt gab erstmal nur ein „kleines Center“ zu bauen. Die NOZ schrieb dazu am 09. August:

„Im ersten Bauabschnitt soll ein kleines Center mit 16.500 qm Verkaufsfläche entstehen. Sobald weitere Immobilien im Umfeld zum Verkauf stehen, soll das Zentrum auf 21.500 qm erweitert werden.“

Wer glaubt, mit der quasi „über Nacht“ aufgetauchten Beschlussvorlage würde jetzt lediglich der Planungsstand von Anfang August in einen förmlichen Verwaltungsakt übergeben, der irrt.

Grundsätzliche „Hausaufgaben“ wurden nicht gemacht, die Quadratmeterzahl ist alles andere als exakt definiert!

Das Problem liegt in der Definition der Verkaufsfläche: die Verwaltung und/oder die politischen Befürworter des Einkaufszentrums versuchen jetzt schnell Fakten zu schaffen, die für den Investor mfi einen Freibrief bedeuten!
Ausgerechnet die scheinbar so präzise angegebenen Quadratmeter können im weiteren Verlauf der Planung und Zusammenarbeit mit mfi zu einer unendlichen Geschichte werden, da sie überhaupt nicht konkret definiert sind!

Wissen eigentlich alle Beteiligten, worüber sie sprechen?

Wikipedia liefert unter dem Begriff „Verkaufsfläche“ folgende Definition: 

Wikipedia Verkaufsfläche

Weitere Details dazu regelt in manchen Bundesländern ein Einzelhandelserlass. Da es in Niedersachsen keinen solchen Erlass zu geben scheint, hilft ein Blick bei anderen Bundesländern. Das Dilemma dabei lässt sich ganz gut beim Einzelhandelserlass von Brandenburg ablesen, wo der Absatz über die Verkaufsfläche wie folgt beginnt:

 “Der Begriff der Verkaufsfläche ist in der Baunutzungsverordnung nicht geregelt. Als planungsrechtlicher Begriff ist die Verkaufsfläche aus der Sicht des Städtebaurechts zu definieren; Fachdefinitionen der Handels- und Absatzwirtschaft können ergänzend herangezogen werden.”

Am ausführlichsten regelt unser Nachbar NRW das Thema. In Absatz 2.4 des Einzelhandelserlasses von 2008 (3 Jahre nach dem Streit in der Landeshauptstadt Düsseldorf entstanden – ob hier wohl ein Zusammenhang besteht???) sind folgende Regelungen für die Ermittlung der Verkaufsfläche definiert:

 „Die Verkaufsfläche ist generell primärer Maßstab für die Beurteilung der städtebaulichen Wirkung von Einzelhandelsbetrieben (OVG NRW, 11.12.2006, 7 A 964.05). Bei der Berechnung der Verkaufsfläche ist die dem Kunden zugängliche Fläche maßgeblich. Hierzu gehören auch Schaufenster, Gänge, Treppen, Kassenzonen in den Verkaufsräumen, Standflächen für Einrichtungsgegenstände und Freiverkaufsflächen, soweit sie nicht nur vorübergehend zum Verkauf genutzt werden. Zur Verkaufsfläche sind auch diejenigen Bereiche zu zählen, die vom Kunden zwar aus betrieblichen und hygienischen Gründen nicht betreten werden dürfen, in denen aber die Ware für ihn sichtbar ausliegt (Käse-, Fleisch- und Wursttheke etc.) und in dem das Personal die Ware zerkleinert, abwiegt und abpackt. Auch die Flächen des Windfangs und des Kassenvorraums (einschließlich eines Bereichs zum Einpacken der Ware und Entsorgen des Verpackungsmaterials) können nicht aus der Verkaufsfläche herausgerechnet werden, denn auch sie prägen in städtebaulicher Hinsicht die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs. Davon zu unterscheiden sind diejenigen Flächen, auf denen für den Kunden nicht sichtbar die handwerkliche und sonstige Vorbereitung (Portionierung etc.) erfolgt sowie die (reinen) Lagerflächen (BVerwG, 24.11.2005, 4 C 10.04). Entscheidend für die Anrechnung auf die Verkaufsfläche ist somit die Frage, ob die Fläche für den Kunden zugänglich ist und in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Verkaufsvorgang steht.“

Wenn man sich weiter in das Thema vertieft, dann wird klar, dass die Verkaufsfläche im planungs- und bauordnungsrechtlichen nicht eindeutig definiert ist, sondern dass es verschiedene „Spielräume“ gibt, die je nach Interessenslage des (Center-)Investors Interpretationen ermöglichen.

Zunächst ist die Beschränkung auf den Zweck des „nicht nur vorübergehenden Verkaufs“ wichtig. Das bedeutet im Klartext, dass alle Flächen, die nicht dem Verkauf sondern einem anderen Zweck dienen, keine Verkaufsfläche sind. Bezogen auf ein Center bedeutet dies beispielsweise, dass die von Dienstleistern bewirtschaftete Fläche (z.B. ein Reinigungsunternehmen, ein Frisör oder eine Bank) nicht der Verkaufsfläche hinzuzurechnen sind. Ebenfalls nicht berücksichtigt werden die Mall-Flächen (auf denen aber durchaus vorübergehender Verkauf stattfinden kann) sowie andere öffentliche Flächen wie beispielsweise die Toiletten. Und die Gastronomie ist natürlich ebenfalls kein Bestandteil der Verkaufsfläche. Der Spielraum entsteht jetzt bei der Berechnung beispielsweise bei Mischformen (vgl. Vortrag ecostra).
Beispiel: Wie ist der Bäcker zu werten, der sowohl Kuchen verkauft als auch ein paar Stühle und Tische zum sofortigen Verzehr bereithält?

Ein weiterer Spielraum ergibt sich innerhalb der Mietflächen. Im Regelfall mietet ein Mieter in einem Center eine nicht ausgebaute Mietfläche. Diese Fläche ist im Zeitpunkt der Baugenehmigung üblicherweise unterteilt in einen Verkaufsraum und in Nebenräume (Sozialraum, Lager, Büro etc.), die dem Kunden nicht zugänglich sind und damit nicht als Verkaufsfläche gerechnet werden. Ob diese Flächenaufteilung aber später noch Bestand hat, wenn der Mieter die gesamte Fläche ausbaut und dabei versucht, die Größe seiner Verkaufsfläche zu optimieren, darf bezweifelt werden.

Angesichts dieses Spielraumes bei der Verkaufsflächenermittlung, die sich einerseits aus der Berücksichtigung oder Nichtberücksichtigung von Flächen bei der Ermittlung der Verkaufsfläche ergibt, und andererseits aus Änderungen im Zuge der Mieterausbauten, rückt sicherlich noch einmal mehr die Frage in den Vordergrund, mit welcher Zielsetzung eine Verkaufsfläche ermittelt wird. Im Zuge eines Genehmigungsverfahrens für ein Shopping Center, das von der Politik und dem Handel intensiv hinsichtlich der Auswirkungen diskutiert wird, ist der Planer sicherlich immer bemüht, eine möglichst kleine Verkaufsfläche auszuweisen. Wenn es dann später um den Verkauf oder auch das Marketing des Centers geht, möchte man sich aber lieber mit größeren Zahlen schmücken. Regelmäßig steht dann eher die vermietbare Fläche im Fokus, die dann nämlich die gesamten vermieteten Nebenflächen mit enthält, oder auch die Brutto-Geschossfläche, in denen auch die Allgemeinflächen mit enthalten sind.

Aber L+T hat doch auch mehr als 20.000m²?

Vielleicht muss man vor diesem Zusammenhang auch die in der Diskussion L+T zugeschriebenen „mehr als 20.000m²“ noch einmal hinterfragen, zumindest wenn man die Zahl im Vergleich mit dem Neumarkt Center nutzen will.
Wie I-love-OS auf Nachfrage von L+T bestätigt wurde, handelt es sich hierbei „nicht um die Verkaufsfläche im Sinne des Bauordnungs- und Planungsrechts, sondern um die Gesamtgröße aus Kundensicht“. Das lässt vermuten, dass in dieser Flächenangabe also auch Bereiche enthalten sind, die bei der „reinen“ Verkaufsflächenermittlung nicht berücksichtigt worden wären, also z.B. die Markthalle, das Restaurant, die Toiletten, die Gastronomiepunkte im Laden. Auch die große Eventfläche in der Mitte ist vermutlich enthalten und wäre bei einer Flächenermittlung eines Centers als Mall-Fläche vermutlich nicht enthalten. Interessanterweise berechnet auch das Cima-Gutachten die Fläche nur mit 18.500m² Verkaufsfläche ohne Gastronomie und nicht mit den von der NOZ in der Folge (trotz besseren Wissens) immer wieder angegebenen 20.000m² Verkaufsfläche. Vielleicht ist die L+T Verkaufsfläche in Wirklichkeit sogar noch kleiner, denn die L+T Markthalle verfügt nach eigenen Angaben bereits über 1.600m² Fläche (www.l-t-markthalle.de), dann müssten für die Berechnung der „reinen“ Verkaufsfläche sicherlich noch einmal 1.000m² zusätzlich abgezogen werden.

Der Stadtrat soll über eine angeblich „konkrete Größe“ abstimmen, die nicht genau definiert wurde; ein Fazit:

Je tiefer man in das Thema der Verkaufsflächenermittlung einsteigt, desto verwirrender wird es. Klar wird einem nur, dass die Stellgröße „Verkaufsfläche“ eigentlich zu viel Spielraum lässt, um wirklich als Haupt-Bezugsgröße in einem städtebaulichen Vertrag zu dienen. Wenn die Verkaufsfläche begrenzt werden soll, muss sie auch klar definiert sein und nach Fertigstellung vor Ort überprüft werden. Daneben ist es aber sicherlich sinnvoll, neben der Verkaufsfläche auch eine Maximalgröße für die vermietbare Fläche (z.B. Verkaufsfläche + 20%) und eine Maximalgröße für die Bruttogeschossfläche (z.B. Vermietbare Fläche + 15% zzgl. Parkplatzfläche) festzulegen. Insbesondere aus dem Bezug der drei Größen zueinander lässt sich dann von Seiten der Stadt auch prüfen, ob sich der Investor auch wirklich an die Vorgaben des städtebaulichen Vertrags gehalten hat.

Man kann nur hoffen, dass die Vorlage VO/2012/1605 vor dem Hintergrund einer total unklaren Definition der darin aufgeführten (scheinbar präzisen) 21.500m² zurückgewiesen wird.

Gerade in der FDP, bei den Piraten oder der UWG sollte es doch noch genügend “unabhängige” Köpfe geben, die sich nicht so leicht überrumpeln lassen?

HP

Update 21:20: etwas unnötige “Spitze” aus der Überschrift entfernt

AFP