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Montag, Dezember 9, 2019


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Die Bäume in Osnabrück sterben – und keiner tut etwas dagegen

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Die vergangenen Jahre waren in Osnabrück besonders trocken und durch den absinkenden Wasserspiegel fällt es den Bäumen schwer die notwendigen Nährstoffe aufzunehmen. Die Folge: Ein Massensterben der Bäume.

Der Klimawandel ist in vollem Gange. Waldbrände in der sibirischen Taiga und in Alaska beschäftigen bereits seit mehreren Monaten die Löschtrupps der zuständigen Behörden. Auch in Osnabrück wird der Klimawandel spürbar, denn die Bäume verlieren frühzeitig ihre Blätter, werden morsch und sterben ab. Laut Baumschulgärtnerin Dagmar Lücke ist das erst der Anfang: „Werden die Bäume nicht schnellstens bewässert, sind sie in zwei bis vier Jahren alle tot oder stark beschädigt.“

Nur gezieltes Gießen kann die Bäume retten


Durch den mangelnden Regen in den letzten zwei Jahren sank der durchschnittliche Grundwasserspiegel in Niedersachsen teilweise um mehr als zwei Meter. Dadurch wird es für Bäume schwer mit ihren Wurzeln das Wasser zu erreichen. Das ist allerdings essentiell für ihr Überleben, denn nur so können sie Nährstoffe und Zucker aufnehmen. In der Folge verdursten die Bäume. Das zeigt sich durch frühzeitiges Abwerfen von Ästen und Blättern. Laut der Baumschulgärtnerin gäbe es jetzt nur noch eine Möglichkeit die Bäume Osnabrücks zu retten: Gezieltes Gießen.

Gravierender Nährstoffmangel

„Werden die Bäume jetzt nicht gegossen, sind sie in spätestens zwei bis vier Jahren alle tot“, folgert Lücke. Die Bäume gehen, aufgrund des Nährstoffmangels, geschwächt in den Winter. Die Folge dessen ist eine verfrühte Öffnung der Knospen im Frühjahr, um diesen Mangel aufzuholen. Da die Wurzeln allerdings zu schwach sind und nicht genug Jungwurzeln gebildet haben führt dies dazu, dass die Knospen direkt wieder eingehen.

Abfallende Äste gefährden den Straßenverkehr

Das Absterben des Baums vollzieht sich jedoch nicht schlagartig, sondern schleichend. Zunächst wirft der Baum seine Blätter und Äste ab. Das trifft nicht nur auf Waldgebiete zu, sondern auch auf das gesamte Stadtgebiet Osnabrück. Durch die abfallenden Äste wird die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und Spaziergänger stark bedroht. Das legt den Schluss nahe, dass die Stadt ab dem nächsten Jahr aus Sicherheitsgründen beginnen müsste die betroffenen Bäume zu fällen.

Bisher handelt die Stadt Osnabrück nicht

Mit ihrer Meinung steht die Baumgärtnerin nicht alleine da. Förster in der gesamten Bundesrepublik rufen den Waldnotstand aus. In Städten wie Münster wurden die Bürger bereits dazu aufgerufen, die Bäume vor ihrem Haus oder in ihrer Straße zu gießen, um sie so vor ihrem Tod zu bewahren. In Osnabrück gab es bisher keine Aufforderung dazu, und das trotz des trockenen Wetters. „Stattdessen werden Sportplätze und Golfplätze bewässert“, hält die Gärtnerin fest.
Der dafür zuständige Osnabrücker Service Betrieb (OSB) gießt bisher nur Jungbäume bis drei Jahre, exponierte ältere Bäume und Blumen. Selbst wenn man sofort mit dem Gießen der Bäume beginnen würde, würde das lediglich den Schaden eingrenzen.

Mitarbeiter des OSB beim Gießen der städtischen Beete.

Klimaresistene Bäume reichen nicht aus

Die Grüne Ratsfraktion plant bereits klimaresistente Bäume in Osnabrück zu pflanzen, um dem Baumsterben entgegenzuwirken. Allerdings käme das, nach Ansicht Lückes, bereits zu spät. Bäume benötigen mehrere Jahre Wachstum bevor sie in der Stadt gepflanzt werden können. Demnach können die jetzigen Verluste dadurch nicht rechtzeitig ausgeglichen werden.

Ein Teufelskreis ensteht

Der Prozess des Baumsterbens vollzieht sich allerdings schon seit geraumer Zeit. Pilze und Schädlinge haben ein leichtes Spiel mit den geschädigten Bäumen und sorgen für eine schnellere Zerstörung. Dadurch entsteht ein Teufelskreis. Werden die Bäume nicht bewässert sterben diese. Daraufhin sterben die Insekten, die innerhalb der Bäume leben. Auch Vögel werden so ihrem Lebensraum und ihrer Nahrungsquelle beraubt. Das beschleunigt den Klimawandel zusätzlich.

Wasser sparen und sinnvoll verwenden

Dem entgegenzuwirken ist allerdings gar nicht so schwer. Der Fokus liege jetzt nicht mehr nur noch darauf Wasser zu sparen, sondern das eingesparte Wasser auch sinnvoll zu verwenden. „Die meisten machen sich Sorgen um die Kosten des Wassers, dabei kostet ein Liter Wasser nur knapp 0,2 Cent“, berichtet die Baumexpertin. Durch einfache Handlungen wie etwa zu Duschen statt zu Baden, beim Zähneputzen das Wasser abzustellen, oder die Waschmaschine vollständig zu befüllen können große Mengen an Wasser gespart werden. Wasser, das Bäumen ihr Leben retten kann.

Bürgerinitiative startet am 9. August im „Grünen Jäger“

Um sich zu organisieren plant Lücke eine Bürgerinitiative. Das erste Treffen findet an diesem Freitag (09.08.2019) im Grünen Jäger statt. Eingeladen dazu sind alle, die mehr über den Zustand der Bäume erfahren und bei der Bewässerung helfen wollen. „Die Party ist vorbei“, so Dagmar Lücke abschließend.

Tatjana Rykov
Tatjana Rykov ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikantin und inzwischen als feste Mitarbeiterin, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.


 

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