Meinung & KolumneCorona-Tagebuch: Und so ist es mir ergangen

Corona-Tagebuch: Und so ist es mir ergangen

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Corona-Testkit

Auch die Redaktion der HASEPOST hat es mittlerweile erwischt. Gleich zwei Redakteure waren nur noch aus dem Homeoffice einsatzfähig. Sie haben die Zeit ihrer Quarantäne festgehalten. Und sind sich bei einem sicher: Corona sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Hier geht es zum Corona-Tagebuch von Jasmin.

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Mittwochabend: Dass ich nach einem langen Tag inklusive Fußballtraing am Abend völlig erschöpft in mein Bett falle, kenne ich eigentlich ganz gut. Doch an diesem Abend war etwas anders: Kaum war ich vom Training zurückgekehrt, meldete sich mein Körper ziemlich plötzlich zu Wort, so wie man es vom Auftakt einer Erkältung kennt. Mir wurde warm, ich begann zu schwitzen, Kopf- und Gliederschmerzen setzten ein. Vor dem Sport hatte ich davon nichts wahrgenommen, auch während des Trainings fühlte ich mich soweit gut. Noch am Abend testete ich mich von zuhause aus – positiv. Ärgerlich, dass ich erst nach dem Training Symptome verspürte und so den Abend noch mit einigen Mannschaftskollegen verbracht hatte. Ich informierte diese umgehend, ebenso meine Kollegin Jasmin, mit der ich am Vormittag gemeinsam in der HASEPOST-Redaktion gearbeitet hatte.

Am nächsten Vormittag folgte erst der positive Schnell-, wenige Stunden später dann ein positiver PCR-Test. Ein Mitarbeiter des Testzentrums hatte mich vorsorglich bereits über das weitere Vorgehen im Falle eines positiven PCR-Tests informiert. Quarantäne war angesagt, nach frühestens sieben Tagen könnte ich mich freitesten. Angesichts der hohen Corona-Zahlen sollte ich nicht mit einer eigentlich üblichen Mail vom Gesundheitsamt rechnen. Ich informierte meine Kontaktpersonen, unter anderem meine Kollegin Jasmin begab sich folglich in häusliche Isolation. Aus meinem Umfeld kamen zahlreichen Genesungswünsche. Viele meiner Freunde hatten sich bereits in jüngerer Vergangenheit infiziert, kannten sich also quasi aus mit der Situation, in der ich mich nun befand. Meine Symptome waren mittlerweile etwas milder, es blieb bei den Anzeichen einer klassischen Erkältung.

Die ersten Tage

Eigentlich schränkt mich die Infektion kaum ein: Ich studiere an einer Fernhochschule, meinen Job als Redakteur bei der HASEPOST kann ich soweit gut von zuhause ausüben. Die Abläufe aus dem Homeoffice kenne ich sowieso noch aus den vergangenen Monaten. Was mir fehlt, ist mein sportlicher Ausgleich für die lange Zeit vor dem Laptop. Ich versuche mich im eigenen Garten etwas zu bewegen, merke allerdings, dass ich schnell aus der Puste bin. Von mehreren Seiten wird mir geraten: „Lass es sein.“ Es fällt mir schwer, aber ich möchte auch keine langfristigen Beschwerden riskieren.

Ab dem dritten Tag ohne wirkliche Bewegung kann ich die Füße dann nicht mehr still halten: Ich gehe am späten Abend eine Runde durch die nahegelegene Wiese. Wieder bin ich schnell erschöpft und diesmal sogar froh, dass ich nach wenigen hundert Schritten eine Bank finde. Da sitze ich dann also: 22 Jahre alt und quasi täglich sportlich aktiv, ohne allzu viele Corona-Symptome, aber dennoch aus der Puste. Vor wenigen Tagen bin ich noch 90 Minuten über das Fußballfeld gelaufen.

Ansonsten fühle ich mich weiterhin leicht erkältet. Ich kann nachts nicht sonderlich gut schlafen, was ich darauf zurückführe, dass ich nicht vollständig ausgelastet bin. Vormittags bin ich daher oft ein wenig – nennen wir es mal – verklatscht. Mein Studium und die Arbeit lenken mich ab, abends telefoniere ich oft mit meiner Freundin und unterhalte mich mit meinen Kumpels. Am Wochenende spielt der VfL Osnabrück im Niedersachsenderby gegen Eintracht Braunschweig. Als VfL-Fan tut es mir weh, das Spiel einfach nur vor dem Fernseher verfolgen zu können. Viel mehr geht ansonsten eigentlich nicht. Am späten Abend gehe ich hin und wieder – und ja ich weiß, dass das eigentlich nicht ganz korrekt ist – zu “meiner“ Bank und kehre nach einer kurzen, aber benötigten Pause wieder zurück.

Ab Tag fünf

Mittlerweile habe ich einige Tage in Quarantäne verbracht, fühle mich immer noch ein wenig erkältet. Der Husten ist stärker geworden, die Halsschmerzen hingegen weniger. Ansonsten ist alles beim alten.

Durch die Arbeit komme ich derweil immer mal wieder mit Kommentatoren bei Facebook in Kontakt. Gegen das übliche Geschwurbel bin ich mittlerweile weitgehend immun, aber doch nerven mich die immer wiederkehrenden Diskussionen fernab jeglicher wissenschaftlicher und faktischer Erkenntnisse in diesen Tagen etwas mehr. Vielleicht weil ich mehr Zeit zum Grübeln habe, vielleicht aber auch weil ich selber merke, dass dieses Virus nach wie vor nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Mittlerweile hat Corona auch den VfL Osnabrück erreicht, der übliche Facebook-Kommentar dazu: „Das bisschen Schnupfen.“ Es ärgert mich in diesem Moment maßlos, weil dieses „bisschen Schnupfen“ mich als jungen Mann zur Ruhe zwingt. Dank meiner Impfungen geht es mir ansonsten glücklicherweise soweit gut. Was möchte der Kommentator also nun mit seiner Aussage bewirken? Falls er erwarten sollte, dass die sicherlich maximal fitten VfL-Profis trotz Infektion 90 Minuten einem Ball hinterherjagen, dann kann ich ihm nur beipflichten, dass dies auf dem hohen Niveau schlichtweg nicht möglich sein wird. Die Folgen einer Infektion und einer zu frühen Überlastung des Körpers dürften den meisten Fußballfans angesichts des monatelangen Ausfalls von Nationalspieler Joshua Kimmich bekannt sein.

Ich könnte nun auf weitere einzelne Schwurbel-Kommentare eingehen, neben mir liegt aktuell mein persönliches Best-Of der dämlichsten Wortmeldungen, aber ich verzichte aus Sorge um fehlende Sachlichkeit meinerseits. Mir bleibt schleierhaft wie man sich allen Ernstes (teilweise regelmäßig) so faktisch falsch und mit dermaßen abstrusen und unhaltbaren Behauptungen in öffentlich einsehbaren “sozialen“ Medien zu Wort melden kann. Mit Sicherheit wurde diese Pandemie nicht optimal bewältigt und ja, ich freue mich wahnsinnig über weite Teile der jüngsten Öffnungen. Aber auf der anderen Seite besorgt mich die Ignoranz, die sich leider mittlerweile täglich und nicht nur in Bezug auf Corona unter anderem in dem Kommentaren der HASEPOST widerspiegelt. Und ich befürchte, dass der Egoimus – wohlgemerkt einiger weniger – uns pünktlich zum Ende der warmen Jahreszeit in neue Corona-Wellen treiben wird.

Ab Tag acht

Mal zurück zu mir: Mittlerweile könnte ich mich theoretisch freitesten. Da ich allerdings weiterhin nicht vollständig symptomfrei bin, lasse ich es lieber erst einmal sein und verweile weiterhin in Quarantäne. Ich freue mich zwar auf der einen Seite auf mein normales Leben und auch darauf, mal wieder ohne Maske feiern gehen zu können, habe mir auf der anderen Seite aber auch vorgenommen, weiterhin in weiten Teilen Maske zu tragen und mich insbesondere dann zu testen, wenn ich in Kontakt mit meinen Großeltern komme. Denn anstecken möchte ich weiterhin niemanden, schon gar nicht aus den vulnerablen Alters- und Personengruppen, denen ein heftigerer Verlauf droht. Derweil haben sich auch weitere Personen aus meinem Umfeld infiziert, die alle ähnliche Verläufe beklagen. Ich selber habe vermutlich und glücklicherweise “nur“ meine Kollegin Jasmin angesteckt.

Ende der Quarantäne

An Tag zehn bin ich fast vollständig symptomfrei und kann die Quarantäne nach einem negativen Test verlassen. Einen Tag später besuche ich erstmals wieder mein Fitnessstudio und merke dabei schnell, dass es mir wesentlich schwerer fällt, kontrolliert zu atmen als vor meiner Infektion. Ein Trainer rät mir in den kommenden Wochen zu Geduld.
Abgesehen von meinem physischen Befinden bin ich froh, dass ich mich in der Quarantäne meistens ganz gut ablenken konnte und scheinbar nur eine weitere Person angesteckt habe. Ich freue mich jetzt darauf, meine Freundin und meine Freunde zeitnah auch wieder ohne technische Hilfsmittel sehen und die zurückgewonnen neuen alten Freiheiten auskosten zu können. Dass diese in der Zwischenzeit sogar ausgeweitet wurden, sorgt bei mir für zusätzliche Aufbruchstimmung, wenngleich ich den nahezu vollständige Wegfall der Maskenpflicht nicht verstehen kann. Insbesondere den Personen, denen ein schwererer Verlauf droht, würde ich eine Infektion gerne ersparen. Dass diese nun einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, finde ich kritisch. Daher werde ich mich auch zukünftig impfen lassen und Maske tragen. Und zwar in erster Linie um andere zu schützen!

Abschließend an alle Schwurbelnden: Ich werde euch nicht vom Schwurbeln abhalten können und muss es daher weiterhin ertragen, täglich mit faktisch falschem und wissenschaftlich haltlosem Nonsens konfrontiert zu werden. Das ist Teil einer Demokratie, in der ich mich tatsächlich sehr gut aufgehoben fühle. Im Umkehrschluss kann ich mich allerdings ebenso frei äußern und ihr müsst es aushalten. An alle, die bis hier gelesen haben, danke! Ich schließe mich an dieser Stelle den Worten meiner Kollegin Jasmin an: Danke, dass es euch offensichtlich interessiert, wie es mir ergangen ist und danke, dass ihr die HASEPOST nicht nur via Facebook lest, sondern wie rund 3/4 unserer Leser direkt online abruft. Denn eines kann ich ganz klar sagen: Die Menschen, die bei Facebook kommentieren, spiegeln ganz sicher nicht die Meinung der HASEPOST wider. Aber: Wir leben in einem meinungsfreien Land und dementsprechend müssen wir auch das aushalten können. Und ja, liebe Querdenkerinnen und Querdenker, ihr müsst auch mein Erlebnistagebuch ertragen. Wir lesen uns!

Hier geht es zum Corona-Tagebuch von Jasmin.

Maurice Guss
Maurice Guss ist seit dem Herbst 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.
 

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