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Mösers Meinung: Über die Einsamkeit von Spitzenbeamten und daraus resultierende merkwürdige Entscheidungen

Kolumne

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Foto „Stadtbaurat looking at things“, Archiv Hasepost

Unser wohl ältester Mitarbeiter meldet sich zurück! Unsere Leserinnen und Leser lieben ihn oder sie lehnen ihn und seine Ansichten oft auch vehement ab. Genau wie sein historisches Vorbild macht „unser Justus“ aus seiner liberal-konservativen Weltanschauung keinen Hehl, und das schon seit mehr als 100(!) Kolumnen, die bereits seit 2015 exklusiv bei der HASEPOST erscheinen.

Ich gehe oft und gerne mit meinem Hund am Ledenhof spazieren. Dort ist es sehr schön. Unmittelbar angrenzend befindet sich der Neue Graben. Dort ist es nicht so schön. Seit Mitte Oktober gibt es in diesem Bereich eine große Baustelle. Selten sind dort Bauarbeiter zu sehen, noch seltener sind irgendwelche Bautätigkeiten zu beobachten. Es geht eher schleppend voran. Das Straßenbauamt hat vorsorglich angekündigt, daß die Bauarbeiten bis weit in den Herbst 2023 hinein andauern werden. Das allein wäre gar nicht so schlimm. Aber seit der großräumigen Absperrung dieser Pseudo-Baustelle bildet sich jeden Morgen ein extremer Stau, der den ganzen Tag andauert. Nur Sonntag morgens ist ein wenig freie Fahrt gewährleistet, die allerdings auch nur bis zum frühen Nachmittag Bestand hat.

Vor ein paar Tagen ist der Osnabrücker Stadtbaurat Frank Otte mit seinem schicken weißen Rennrad am Ledenhof vorgefahren. Er fuhr ohne Helm, was mich ein wenig irritierte. Immerhin soll das Radfahren in Osnabrück äußerst gefährlich sein, wie besonders der Stadtbaurat nicht müde wird zu betonen. Da hätte er ja mal mit gutem Beispiel vorangehen bzw. -fahren und seinen Drahtesel mit einem stylischen Fahrradhelm nutzen können. Das wäre ein aktiver Beitrag für mehr Fahrradsicherheit in Osnabrück gewesen.

Herr Otte stand circa drei Minuten an der Absperrung zwischen Ledenhof und Neuem Graben. Sinnierend betrachtete er den üblichen Stau, der sich vom Neumarkt bis zur Martinistraße erstreckte. Dann fuhr er nachdenklich von dannen. Nun ist bekannt geworden, daß der Neue Graben zu einer Einbahnstraße umgewidmet werden soll. Das wird das Staugeschehen in der Innenstadt zwar weiter verschlimmern, aber immerhin kann man der Stadtverwaltung auf diese Weise keine Untätigkeit vorwerfen.

Ich frage mich manchmal, wer auf solche seltsamen Ideen wie die Verschlimmbesserung der Baustelle am Neuen Graben kommt. Ist die offensichtliche Einsamkeit des Herrn Otte, der außerhalb seiner Dienstzeiten auf verschlungenen Wegen durch die Innenstadt kreuzt und sich die Folgen seiner Anweisungen anschaut, womöglich schuld am derzeitigen Verkehrschaos? Warum spricht er nicht mal mit den Bürgern der ihm anvertrauten Stadt und fragt sie nach ihrer Meinung über sein Tun und Handeln? Denn Spitzenbeamte mit weitreichender Entscheidungskompetenz sollten sich bei der Suche nach Lösungen in Gesellschaft begeben. Bevorzugt in Gesellschaft von Menschen, die ihre Ansichten nicht unbedingt teilen. Das würde nicht nur zu mehr Empathie bei vielen Entscheidungen führen, sondern diese Entscheidungen wahrscheinlich auch besser machen. Und unterschiedliche Bevölkerungsschichten zusammenführen. Auch wenn es in diesem Fall wohl nur die Auto- und die Radfahrer wären – alles, was der Spaltung unserer Gesellschaft entgegenwirkt, macht unsere Welt ein kleines bisschen besser. Deshalb sollten auch wir Bürger, wenn uns Entscheidungen der Verwaltung nicht gefallen, der Einsamkeit der Entscheidungsträger entgegenwirken und den Kontakt zu ihnen suchen. Ein kurzer Telefonanruf zum Beispiel beim Bauamt ist da schon hilfreich. Wer weiß, womöglich freuen sie sich dort sogar über unser Engagement und überdenken ihre manchmal doch eher merkwürdig anmutenden Entscheidungen. Im Fall des Osnabrücker Stadtbaurats halte ich das zwar für eher unwahrscheinlich. Aber gerade in der Weihnachtszeit geschehen Zeichen und Wunder.

Ich wünsche allen HASEPOST-Lesern einen schönen Abend!

Ihr

Justus Möser

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Justus Möser
Justus Möser
Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?
 

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