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Verweilen in der Krahnstraße: Bunte Stühle erregen Aufmerksamkeit der Osnabrücker

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Krahnstraße Osnabrück (Symbolbild)

Seit dem 02. Oktober stehen vor verschiedenen Geschäften in der Osnabrücker Krahnstraße bunt gestaltete Stühle. Unter dem Motto „Mach mal Pause – kreatives Verweilen im Krahnstraßenviertel“ sollen die insgesamt zehn Stühle auf bewusstes Pausieren im Alltag aufmerksam machen. In Kooperation mit dem Kunstraum „hase29“ werden die Kreationen am 30. Oktober beim Moonlight-Shopping versteigert. Der Erlös soll einem neuen Kunstprojekt der „hase29“ zugute kommen.

Beim Spazieren durch das Krahnstraßenviertel fallen einem die bunten und kreativ gestalteten Stühle sofort ins Auge – doch was es damit auf sich hat, erkennt man nur auf den zweiten Blick. Sieben Künstlerinnen und Künstler aber auch Kinder haben an der Gestaltung mitgewirkt, insgesamt sind dabei zehn Kunstwerke entstanden.

Freiheit der Kunstschaffenden

„Die Künstlerinnen und Künstler hatten während des Projekts die Freiheit, die Stühle selbstständig zu gestalten, ohne dabei Grenzen gesetzt zu bekommen“, erklärt Lena Wolters, die Verantwortliche für die Aktion. Die Vorgabe war, einen Stuhl umzugestalten – die Mittel waren einem dabei selbst überlassen. „Das Gute an dem Projekt ist auch, dass bis auf einen Stuhl alle genutzt werden können. Es ist eine Kombination aus Objekt und Kunst“, ergänzt Wolters.

Kunden reagieren unterschiedlich

„Es ist schon so, dass nachgefragt wird und zwischendurch werden auch Fotos gemacht“, äußert sich Uta Westerholt, Geschäftsführerin des Prelle Shops. „Die Eröffnungsfeier am 02. Oktober war auch sehr nett und es gab viele Interessierte an dem Projekt“, erinnert sich Westerholt. Katrin Lazarut hat das Werk „Oldschool“, welches im Schaufenster des Prelle Shops zu sehen ist, mit Tafelkreide, Lack und Videotape gestaltet. „Dadurch, dass der Stuhl mit Tafelkreide bemalt ist, können die zukünftigen Besitzerinnen oder Besitzer auch selbst gestalterisch mitwirken“, erläutert Lena Wolters.

„Oldschool“ von Katrin Lazarut

Auch in dem Bekleidungsgeschäft „closed“ reagiert die Kundschaft positiv auf den bunt gestalteten Stuhl vor der Tür. „Am Anfang kamen recht häufig Fragen bezüglich des Stuhls, mittlerweile haben aber auch die meisten recherchiert. Fotos werden aber immer noch gemacht“, erzählt eine Mitarbeiterin. „In der letzten Woche kamen auch schon einige Kunden, die unseren Stuhl bei der Auktion gerne kaufen würden“, ergänzt die Verkäuferin. Eine ältere Dame komme sogar täglich vorbei, um sich für einen kurzen Moment auf den Stuhl zu setzen. „Das ist auch der Sinn des Projekts. Man muss Zeit für sich nehmen und einfach zur Ruhe kommen“, resümiert die Mitarbeiterin.

„Ich will einfach nur hier sitzen“ von Lena Wolters

Eine ähnliche Reaktion gibt es auch bei dem Hosen-Center. Auch hier gibt es Kundinnen und Kunden, die stehen bleiben, die Sitzgelegenheit austesten und auch Fotos von dem Kunstwerk auf vier Beinen machen.

Workshop mit Kindern und Jugendlichen: Bunter Stuhl steht vor dem Hosen-Center

Bei der Optik Peter Meyer hat es dagegen keine konkreten Nachfragen bezüglich des Projekts gegeben. „Wir als Mitarbeiter haben uns auch gewundert, was die Stühle bedeuten“, merkt eine Mitarbeiterin an.

„Squeeze“ von Jakob Schöning

Vor dem kleinen Juweliergeschäft „Middelberg“, steht ein vergleichsweise großer, imposanter Stuhl, der bedeckt ist mit Stoff. „Die Kundschaft kommt in unseren Laden und fragt, was das soll. Ich merke, dass die Menschen begeistert sind von dem Projekt und auch von der Auktion“, berichtet Hildegard Dormann-Middelberg, Geschäftsführerin des Juweliergeschäfts. „Das Projekt ist ein Gesprächsfaktor, weil die Menschen merken, dass es nicht nur ein Stuhl zum Draufsetzen ist“, fasst Dormann-Middelberg zusammen.

„Ohne Titel“ von Marvin Knopf

Intention der Kunstschaffenden

„Die Umsetzung meines Beitrags für das Projekt „Mach mal Pause in der Krahnstraße“ orientiert sich an meiner bildhauerischen Praxis. Ich arbeite hauptsächlich mit selbstgefärbtem Stoff und Polyesterschaumflocken, die ich zu größeren organischen Gebilden zusammennähe. Im zweiten Schritt bearbeite ich die genähte Skulptur mit Kreiden, Stiften, Sprayfarbe und Collagelementen“, erklärt Marvin Knopf, der den imposanten Stuhl vor dem Juwelier „Middelberg“ gestaltet hat. Das Gebilde solle beim Betrachter verschiedene Assoziationen zu Lebewesen, Tentakeln, Organen oder auch einfach nur Kissen erwecken. „In seiner Beschaffenheit vereint der Stuhl viele Qualitäten in sich: Er ist bequem, er ist schrill, er ist weich, er ist unperfekt“, resümiert der Künstler.

Auch vor dem Brillengeschäft „brille49“ steht ein dekorierter Stuhl vor dem Eingang. Gestaltet wurde der Stuhl von Elena Kok und trägt den Titel „Herr Doktor, verschreiben Sie mir ein Sofa“. „Der Anfang ist ein Stuhl, dessen Lehne für die Wirbelsäule ergonomisch geformt sein soll und ihre Form übernimmt. Was entlastend für die menschliche Haltung sein soll, verwandelt sich im Arbeitsalltag oft in ein Korsett, das uns Schmerzen bereitet und von dem wir trotzdem glauben, dass wir uns davon lösen können“, erzählt Kok über ihren Stuhl, der an der Lehne eine Art Brustkorb befestigt hat.

Die Skulptur “Squeeze” des Malers Jakob Schöning stellt keine angewandte Kunst dar. Indem der Künstler nicht den Stuhl durch seine Malwerkzeuge wie Pinsel, Farbtuben und Keilrahmen verschönert, sondern ihn um diese ergänzt, entzieht er ihm gleichzeitig seinen Gebrauchswert und hebt ihn dadurch auf eine andere Sinnebene.  “Squeeze” demonstriert den Weg vom Gegenstand zur Skulptur, zum unabhängigen Kunstwerk.

Pflaster neben Pflaster, Pflaster über Pflaster – der Pflasterstuhl

Der Pflasterstuhl ist nicht nur bedecket voll von Pflastern, er ist zudem auch noch im Besitz von einem Paar Füße. Es handelt sich dabei um einen Original-Fußabdruck des Künstlers Aaron Rahe. Auf eine humorvolle Art und Weise soll der Stuhl vor dem Reformhaus Bacher zum Nachdenken anregen und dazu bewegen, für einen Moment in der Krahnstraße zu verweilen.

Kinder- und Jugendprojekt

Unter Leitung von Jessica Fleming, Ahmed Algburi und Susanne Heitmann sind in Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen drei Stühle entstanden, die im Prelle Shop und vor dem Hosen-Center zu sehen sind. Unterschiedliche künstlerische Meinungen sind hier zusammengekommen und haben gemeinsam einen Stuhl gestaltet. Das entstandene Ergebnis strahlt mit leuchtenden Farben und ist gespickt mit floralen Elementen. Die Kinder und Jugendliche konnten zudem ihre persönliche Unterschrift in Form von Hand- und Fußabdrücken hinterlassen.

Workshop mit Kindern und Jugendlichen: Bunte Stühle im Schaufenster des Prelle Shops

Auktion beim Moonlight-Shopping

Am Samstag, den 30. Oktober 2021 sollen die Stühle beim Moonlight-Shopping versteigert werden. Bei Sekt laden die einzelnen Geschäfte, die an dem Projekt teilnehmen, dazu ein, in dem Krahnstraßenviertel zu verweilen und sich eine Pause zu gönnen. Die Auktion soll um 16.30 Uhr vor dem Prelle Shop stattfinden. Eine wichtige Botschaft möchte Leiterin des Projekts, Lena Wolters noch mitgeben: „Die Menschen sollen sehen, dass sie den Stuhl einfach in ihren Flur oder Garten stellen und im Alltag verwenden können.“

Anastasia Pukhovich
Anastasia Pukhovich ist seit dem Sommer 2021 im Team der HASEPOST und unterstützt uns als Praktikantin.

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