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Neues von der Stau-Ampel an der Natruper Straße: Stadt behauptet “es gibt keine Vorrangschaltung”

Nachdem unsere Redaktion am vergangenen Freitag aufdeckte, dass eine Ampelschaltung an der Kreuzung Breite Güntke / Natruper Straße seit drei Monaten “Vorrang” für einen Bus gewährt, der dort erst seit diesem Montag höchstens alle 20 Minuten fährt, gibt es eine erste Reaktion der Stadtverwaltung Osnabrück. Doch die fällt anders aus, als erwartet.

Eine Glosse und der Versuch einer Begriffsdefinition von Heiko Pohlmann

Statt sich schnellstmöglich auf eine Leiter zu stellen und die unsinnige Schaltung auszubauen, die jeden Morgen und Nachmittag für Stau auf der Natruper Straße sorgt (für Individualverkehr und Busverkehr), hängt man sich in der Verwaltung lieber am Begriff “Vorrangschaltung” auf. Denn tatsächlich sei eine Schaltung, die willkürlich einen Vorrang für Busse schaltet, gar keine Vorrangschaltung – so die Stadtverwaltung.

Eine Schaltung, die Bussen Vorrang gewährt, ist keine Vorrangschaltung [sic!]

Eine “Vorrangschaltung” ist eine Ampelschaltung, die dem Busverkehr Vorrang vor anderen Verkehrsteilnehmern gibt … könnte man meinen.
Die zuständige Abteilung in der Stadtverwaltung sieht das aber anders: Eine “Vorrangschaltung” ist es wohl nur dann, wenn dem Busverkehr durch technische Maßnahmen Vorrang gegeben wird, wenn er auch tatsächlich “Vorrang” braucht.
Deswegen legt man bei der Stadtverwaltung Wert darauf, dass die an der Kreuzung Breite Güntke / Natruper Straße installierte Schaltung “keine Vorrangschaltung” sei. Ein Kollege aus dem Presseamt wurde beauftragt gleich am Montagmorgen bei unserer Redaktion für Richtigstellung zu sorgen und auf eine E-Mail aus der vergangenen Woche zu verweisen, aus der man das hätte herauslesen können.

Vorrangschaltung ist es nur, wenn ein Bus elektronisch registriert wird

Tatsächlich schreibt auch die gerne bei solchen Fragen hilfreiche Wikipedia zum Thema `ÖPNV-Bevorrechtigung, auch Vorrangschaltung`: “Voraussetzung jeder ÖPNV-Bevorrechtigung sind Fahrzeugerfassungssysteme: Die Steuerung der Ampel muss die Annäherung von Straßenbahnzügen oder Bussen registrieren können.”
Genau so eine “Erkennung eines Bedarfs” ist nach Angeben der Stadtverwaltung auch geplant, aber noch nicht installiert, weswegen aktuell noch ein “zyklischer Umlauf” erfolgt – mit entsprechenden Folgen für den Verkehr auf der querenden Natruper Straße.

Es geht also nicht um “Vorrang”, sondern um “Gängelung”?

Wie aber nennt man nun eine Schaltung, die einem seit Monaten gar nicht und erst seit dem heutigen Tag nur höchst selten vorbeikommenden Bus Vorrang gibt? Darauf konnte der Vertreter der Stadtverwaltung keine Antwort geben.

Die Ampel mit der Vorrangschaltung, die nur selten benötigt wird
Die Ampel mit der Vorrangschaltung, die nur selten benötigt wird / Foto: Pohlmann

Ich habe da so eine Idee, wie wäre es mit “Gängelungschaltung”? Das Wort “Gängelung” bedeutet laut Duden auch “Bevormundung”.
Mit Verkehrssicherheit und Verkehrsregelung hat die aktuelle Ampelschaltung jedenfalls nichts zu tun. Sie gibt Vorfahrt, wo keine benötigt wird und bremst andere Menschen auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen aus.
Schlicht weil die Verwaltung es kann oder einfach kein Interesse daran hat Ampelschaltungen so einzustellen, dass sie bedarfsgerecht schalten. Und einen Bedarf, für einen Bus, der monatelang überhaupt nicht und auch nach dem Fahrplanwechsel nur selten fährt, ist einfach nicht feststellbar.

Man könnte es auch “Otte-Ampel” nennen

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Es gibt nicht wenige Osnabrückerinnen und Osnabrücker die der festen Überzeugung sind, dass es Mitarbeiter und ganze Abteilungen in der Stadtverwaltung gibt, deren eigentliches Ziel es ist den Individualverkehr auszubremsen. Das jedenfalls hat die im Vorstandsbereich von Stadtbaurat Frank Otte angesiedelte Fachabbteilung für Verkehrsanlagen an dieser Kreuzung bereits für drei Monate effektiv unter Beweis gestellt, um nun in die Verlängerung zu gehen.

Allein der volkswirtschaftliche Schaden durch geplatzte Termine und im Stau vergeudete Lebenszeit dürfte enorm sein. Von den unnötig im Leerlauf in die Luft entlassenen Abgasen ganze zu schweigen. All das nur, weil sich bei der Stadt scheinbar niemand Gedanken macht, welche Folgen es hat, wenn dem Busverkehr grundsätzlich “Vorrang” gewährt wird – auch dann, wenn er faktisch überhaupt nicht passiert.

Statt den Fehler einzugestehen, sich bei den Bürgerinnen und Bürgern (aka: “der Souverän”) zu entschuldigen und schnellstmöglich zu korrigieren, krittelt man an der Begrifflichkeit “Vorrangschaltung” herum. Gut, dann nennen wir es halt “Gängelungschaltung” (oder doch lieber “Otte-Ampel”?).

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Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

  

   

 

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