Versuche mit autonomen Fahrzeugen gibt es inzwischen zahlreich in Deutschland und der Welt – die Stadtwerke Osnabrück werden im kommenden Jahr aber eine Vorreiterrolle einnehmen, denn eine Verknüpfung mit dem ÖPNV-Linienverkehr wurde noch nirgendwo erprobt.

Am Donnerstagabend informierte das städtische Unternehmen die Anwohner und Anlieger im Wissenschaftspark und stellte ihre Pläne vor, die nicht weniger sein sollen als eine Revolution im öffentlichen Personennahverkehr.


Seite Januar ist man bei den Stadtwerken dabei das „Hub Chain“ genannte Projekt nicht nur technisch auf den Weg zu bringen, sondern auch rechtssicher zu machen. „Wir sind gut im Plan“, so Werner Linnenbrink, Leiter Mobilitätsangebot der Stadtwerke Osnabrück, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Zubringer-Bus garantiert Anschluss an Linienbus

Geht alles weiter nach Fahrplan, wird auf der Teststrecke im Wissenschaftspark der „Fahrplan“ bald Geschichte sein. Ein elektrischer Minibus soll ungefähr in einem Jahr, ab September 2019, dann seine Runden drehen – aber nur auf Anforderung der Fahrgäste, die dann flexibel und nach Bedarf zu den Haltestellen der Linienbusse gefahren werden.
„Wir wollen unseren Kunden damit eine Anschlussgarantie bieten“, erläutert Linnenbrink eines der Projektziele, das eine Alternative zum eigenen Auto bieten soll, auch für Bewohner etwas abseits gelegener Wohngebiete.

„Steward“ an Bord sorgt für Sicherheit im Bus

Der kleine Roboter-Bus aus französischer Produktion vom Typ Eazymile ez10 wird dann vollkommen autonom eine definierte Strecke unterhalb des Westerbergs abfahren und soll dabei auch auf einem Stück die vielbefahrene Sedanstraße benutzen. Aus Gründen der Sicherheit – und weil in Europa die Vorgaben des Gesetzgebers trotz inzwischen weit fortgeschrittener Technik  noch sehr streng sind – wird ein „Steward“ genannter Mitarbeiter bei Bedarf noch Eingreifen und ist immer mit an Bord.

Hub Chain, Osnabrück
Die drei vom „Hub Chain“: (V.l.) Nicklas Monte, David Riese und Werner Linnenbrink von den Stadtwerken Osnabrück

Plattform-Entwicklung wichtiger als autonomes Fahren

Der Roboter-Bus und seine umfangreich verbaute Technik steht allerdings überhaupt nicht im Fokus der Projektbeteiligten. Zu denen gehören neben den Stadtwerken auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel und die bereits bei der VOSpilot App eng mit den Osnabrückern zusammenarbeiteten Ingenieursgesellschaft HaCon aus Hannover.
Die Partner erproben die Integration des Roboter-Busses in bestehende Plattformen. Zu denen gehören neben dem Linienbus und Carsharing, zusätzliche Mehrwerte wie die Integration der HASEPOST und eben auch Zubringerbusse, unabhängig davon ob diese autonom oder von „echten Fahrern“ gesteuert werden.
Linnenbrink erläuterte, dass in der Verkehrsbranche die „Plattform“ als deutlich herausfordernder und wichtiger angesehen wird als die Technik für das autonome Fahren, für die sich zahlreiche Unternehmen engagieren.

In Zukunft zum Beispiel in Hellern und Hörne?

Mögliche Einsatzgebiete könnten auch in Osnabrück zukünftig etwas abgelegene Siedlungen sein, die dann über einen derartigen Rufbus an die schnellen Metrobus-Linien angebunden werden. Nachdem Osnabrück Hörne und Teile von Hellern in der aktuellen Neuplaung des Busliniennetz 2019 ihre gewohnte Anbindung verlieren sollen, wird eine entsprechende Lösung bereits diskutiert . Bis die Technik in einigen Jahren soweit ist zum Beispiel zwischen der Haltestelle „Zur Spitze“ und „Hörne“ autonom zu pendeln, wird hier vorerst noch über den Einsatz „normaler“ Kleinbusse nachgedacht.

"Hub Chain" Testgelände
„Hub Chain“ Testgelände im Wissenschaftspark, Screenshot hubchain.de

Die neuen Busse – egal ob noch traditionell betrieben oder als Roboterfahrzeug – sollen keine Taxi-Konkurrenz werden. Die ab kommenden Jahr in Osnabrück erprobte technische Plattform soll ein „Pooling“ unterstützen, also das Sammeln von mehreren Fahrgästen für jede Fahrt, erläutert Nicklas Monte, Leiter Produktentwicklung im Stadtwerke-Mobilitätsangebot. Der Roboter-Bus im Wissenschaftspark wird dafür 8 Sitzplätze anbieten. Werner Linnenbrink ergänzt, dass es auch nicht darum geht Busfahrern die Arbeitsplätze streitig zu machen. Für die gibt es bei den „großen Bussen“ genug Arbeit und die Stadtwerke suchen aktuell dringend nach neuen Mitarbeitern im Fahrdienst.

Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen limitiert

Einen Geschwindigkeitsrausch werden die Fahrgäste allerdings nicht erleben. Auch wenn die Technik gut ist für Spitzengeschwindigkeiten von 40 km/h, rechnet „Hub-Chain“-Projektleiter David Riese mit einer von den Genehmigungsbehörden auf 20 km/h limitierte Spitzengeschwindigkeit. Da die Sicherheit der Fahrgäste und anderer Verkehrsteilnehmer für das System immer höchste Priorität hat, bremst der kleine Roboter-Bus selbständig ab, sobald eine potentielle Gefahr in seinem Umfeld wahrgenommen wird.

Bevor der Test im Wissenschaftspark im kommenden September beginnt, werden voraussichtlich ab Mai umfangreiche Schulungen und Erprobungsfahrten auf dem Gelände der Stadtwerke an der Alten Poststraße durchgeführt. Nach Beendigung der Testphase in Osnabrück werden weitere Erprobungen im ländlichen Raum von Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt. Danach geht des Fahrzeug zurück an den Hersteller, von dem es lediglich geleast wird. Die Kosten für den bundesweit einmaligen Test, bei dem erstmals die Vernetzung mit dem Linienverkehr eines großen ÖPNV-Anbieters erprobt wird, übernimmt das Bundeswirtschaftsministerium.