Aktuell soll der Busbetrieb in Osnabrück weiter ausgebaut werden, geplant ist ab 2019 zum Beispiel eine Ringbuslinie und viele weitere Verbesserungen auf anderen Strecken. Für die Kunden ist das eine gute Sache, denn sie können von diesem Ausbau stark profitieren. Den Fahrbetrieb stellt das allerdings vor eine Herausforderung.

„Es ist gut, dass der Stadtrat die Busmobilität vorantreiben will“, sagt André Kränzke, Leiter Verkehrsbetrieb bei den Stadtwerken Osnabrück. „“Allerdings heißt das auch, dass wir 20 bis 30 Fachkräfte mehr brauchen werden.“ Ein Problem, denn auch bei den Stadtwerken ist der demographische Wandel angekommen. Bis 2030 gehen etwa 75% der aktuell 240 Fahrer in den Ruhestand. Ein Verlust, der nur schwer abzufedern ist. „Wir fischen in einem leer gefegten Arbeitsmarkt. Das betrifft nicht nur uns, sondern auch andere Branchen“, erklärt Kränzke.  Wenn das so weiter gehe, könne es zu einem Busfahrer-Notstand kommen.

Wer will arbeiten, wenn andere schon längst frei haben?

Vor allem die Arbeitszeiten seien für viele unattraktiv. Kaum einer wolle dann arbeiten, wenn andere schon lange ihren Feierabend genießen. Dabei seien gerade die Feiertage die beliebtesten Schichten unter den Fahrern. „Das Fahren ist besonders an diesen Tagen sehr stressfrei, weil es weniger Fahrgäste als an normalen Tagen sind. Außerdem erhalten die Fahrer Feiertags-, Sonntags-, und Nachtzuschläge“, erklärt Kränzke. Als größtes Problem sieht er die öffentliche Sicht auf den Beruf der Fachkraft im Fahrbetrieb. Es gilt als stupide Arbeit, die nicht viel Abwechslung biete. Dabei sei es aber vor allem durch den intensiven Kundenkontakt sehr abwechslungsreich.


Berufszweig mit vielen Möglichkeiten

Außerdem sei auch nicht viel über die Möglichkeiten im Betrieb bekannt. „Wenn man an ÖPNV denkt, denkt man automatisch an die Fahrer. Aber wir brauchen auch viele Kräfte im IT-Bereich“, so Kränzke. „Oft sind Menschen erstaunt, wenn man ihnen erklärt, was für eine Technik beim Fahrbetrieb dahinter steckt. Aber heutzutage läuft nun mal viel digital ab und das muss auch entwickelt und am laufen gehalten werden.“ Deswegen seien Spezialisten im Fahrbetrieb äußerst wichtig.

Fahrer
Azubis Luca Kottwitz und Hendrik Lamping in der Leitstelle.

Keine Konkurrenz innerhalb der Verkehrsgemeinschaft

Auch die Weiterbildungsmöglichkeiten bleiben von der Öffentlichkeit oft unbeachtet. „Dabei hat man die Chance, sich in jeden Bereich des Betriebs weiterzuentwickeln wenn man möchte“, führt er weiter aus. Erschwerend hinzu komme weiter, dass sich die Verkehrsbetriebe nicht untereinander die potentiellen Arbeitsnehmer wegschnappen dürfen. Viele Strecken werden nämlich an andere Dienstleister der Verkehrsgemeinschaft vergeben. Nehme man diesen die Arbeitskräfte weg, so könnten sie im schlimmsten Fall die geforderten Strecken nicht besetzten. Das Problem würde dadurch also nur verlagert werden. So verschärfe sich das Problem dann weiter.

Aktionen zur Besserung des Berufsbilds

Um den Beruf weiter in die Öffentlichkeit zu rücken und damit potentielle Fahrer und Auszubildende auf sich aufmerksam zu machen, plant die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) schon viele Aktionen. Gerade erst fand der Super-FiF statt und bald soll es mit einem Doppeldecker-Bus an die Schulen gehen um für ein vielseitiges Berufsbild zu werben. Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen plane außerdem eine gemeinsame Branchen-Imagekampagne. Darin soll auch die abwechslungsreiche Seite des Berufs gezeigt werden.

Ausbildung bietet viele Möglichkeiten

Die Vielseitigkeit steht auch bei der Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb im Fokus. Nicht nur erhalten die Auszubildenden in der hauseigenen Fahrschule ihren Busführerschein, sie lernen auch alle anderen Abteilungen des Betriebs kennen. So wechseln die Auszubildenden zwischen Kundenberatung, Marketing, Vertrieb, Leitstelle, Werkstatt und vielem mehr. Außerdem organisiert der Betrieb viele Projekte wie beispielsweise einen Azubi-Austausch mit einem Betrieb in Rostock und der „Mobilitätsübernahme“, bei der Auszubildende aus dem 2. Lehrjahr die Mobilitätszentrale am Neumarkt übernehmen. Auch ein soziales Praktikum bei der Heilpädagogischen Hilfe wird angeboten. „Es ist uns wichtig, unsere Auszubildenden möglichst vielseitig zu schulen und ihnen viele Einblicke zu ermöglichen“, erklärt Kränzke.

Noch zwei Ausbildungsstellen unbesetzt

Dass das Angebot bei den angehenden Fachkräften gut ankommt, zeigt sich im Gespräch mit den Azubis. „Es ist eine vielfältige Ausbildung, bei der man sich in vielen Bereich ausprobieren kann. Jeder Tag ist wie eine Wundertüte“, erzählt Hendrik Lamping, Auszubildender im 2. Lehrjahr. Luca Kottwitz, ebenfalls im 2. Lehrjahr, ergänzt: „Man hat hier viele verschiedene Möglichkeiten und arbeitet viel mit Menschen. Und gerade dieser Kundenkontakt macht mir viel Spaß.“ Dennoch konnten dieses Jahr die Ausbildungsstellen nicht voll besetzt werden. „Zwei Stellen sind noch frei. Wer sich jetzt noch meldet, wird gerne genommen“, sagt Kränzke.