Der ICE 3neo übernimmt die Strecke von Osnabrück nach Berlin und Amsterdam schneller als angekündigt. Ein Novum: Dieser Zug fährt damit also geradezu „überpünktlich“, so jedenfalls der neueste Plan der DB. Doch der Preis für den Komfort ist womöglich hoch, denn die neuen Züge können deutlich weniger Passagiere befördern als die deutlich in die Jahre gekommenen Intercity-Züge, die nun aufs Abstellgleis rollen.
Die Deutsche Bahn überrascht mit einem unerwartet schnellen Einsatz des neuen ICE 3neo auf der viel befahrenen Strecke von Osnabrück über Hannover nach Berlin, bzw, Richtung Westen nach Amsterdam. Der Startschuss fällt bereits am 24. September 2025, Monate früher als ursprünglich geplant, berichtet die Berliner Zeitung basierend auf eigenen Recherchen.
Die neuen Fahrzeuge versprechen nicht nur mehr Komfort, sondern auch eine höhere Zuverlässigkeit. „Die Fahrgäste zwischen Berlin und Amsterdam können sich auf die modernsten und innovativsten Züge der DB freuen“, zitiert die Berliner Zeitung einen Bahnsprecher.
Deutlich weniger Sitzplätze im ICE als in den alten Intercity-Zügen
Doch während der Glanz der neuen Züge die Reisenden verzaubert, bleibt ein bitterer Beigeschmack: Die Kapazität der ICE 3neo ist mit 439 Sitzplätzen deutlich geringer als die der bisherigen Intercity-Wagenzüge. Viele Reisende, die regelmäßig die Verbindung nutzen, berichten gegenüber der Berliner Zeitung von fast immer voll besetzten Zügen. In den stark frequentierten Sommermonaten gilt bereits jetzt – bei deutlich höherer Kapazität – eine Platzreservierungspflicht für grenzüberschreitende Reisen.

Luxuriöse Ausstattung, Ambiente-Licht und endlich wieder ein Speisewagen imICE 3neo
Was macht den ICE 3neo so besonders? Es gibt endlich wieder etwas zu Essen auf der Reise. Die traditionellen Speisewagen wurden vor zwei Jahren aus Sicherheitsgründen ersatzlos abgeschafft.
Neben einem Bordrestaurant und einem Bordbistro können sich die Passagiere zudem auf Wifi an Bord, mobilfunkdurchlässige Scheiben sowie Steckdosen und Tablethalter an jedem Platz freuen. Auch die Beleuchtung mit tageszeitabhängigem Lichtambiente und die neu gestalteten Gepäckregale sind Pluspunkte. „Die neu entwickelten Sitze sind als persönlicher Rückzugsort konzipiert“, schwärmt ein Bahnsprecher.
Der ICE 3neo ist eigentlich nicht der richtige Zug für die Strecke über Osnabrück
Die Deutsche Bahn hat bereits auf anderen Strecken positive Erfahrungen mit dem neuen Zugtyp gesammelt. Zwischen Frankfurt am Main und Amsterdam sowie Frankfurt am Main und Brüssel hat sich der ICE 3neo bewährt. Für Höchstgeschwindigkeitsstrecken, wie zwischen Frankfurt und Köln und zwischen Aachen und Brüssel, wurde dieser Zug auch gebaut, denn er kann bis zu 320km/h schnell fahren. Nach Berlin geht es hingegen vergleichsweise bummelig, nur hinter Wolfsburg werden 250 km/h erreicht.
Auf der wichtigen, aber nicht sonderlich schnell ausgebauten Ost/West Achse sollen die Neo-ICE daher auch nur vorübergehend eingesetzt werden. Lange angekündigt und mehrfach verschoben ist der Einsatz der in Spanien eingekauften ICE-L-Züge des Herstellers Talgo, bei dem die Deutsche Bahn erstmals einen Großauftrag platzierte. In einem unklaren Konvolut aus Produktions- und Lieferschwierigkeiten, sowie technischen Problemen bei der technischen Abnahme, steht derzeit noch in den Sternen ob und wann die eigentlich für die Strecke über Osnabrück gedachten Züge zum EInsatz kommen werden.
