Kallas Kolumne Riesenskandal: Der ADAC fordert eine Mindestgeschwindigkeit!

Riesenskandal: Der ADAC fordert eine Mindestgeschwindigkeit!

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ADAC Leak: Geheime Rede zur “Autobahn 3000” aufgetaucht!

Der ADAC, der sich urplötzlich öffentlich nicht mehr gegen ein Tempolimit ausgesprochen hat, denkt da intern offenbar ganz anders und fordert eine Mindestgeschwindigkeit ab 130 km/h aufwärts.

Unter unsäglichen Mühen und geringen Kosten wurde uns exklusiv eine Festrede zugespielt, die ein ADAC-Sprecher praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Rahmen des ADAC-Balls in der Osnabrücker Stadthalle gehalten haben soll. Diese Rede lässt eindeutig auf die Doppelzüngigkeit des ADAC schließen, der sich zwar nicht mehr gegen ein Tempolimit, dafür aber nun für eine Mindestgeschwindigkeit einsetzt. Wir fragen: Wo soll das noch enden?


Hier die wortwörtlich so gehaltene Rede (das Original-Manuskript liegt uns vor):

“Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, ich weiß, Sie haben als Festredner des heutigen ADAC-Balls unseren Hauptgeschäftsfüher des ADAC Lars Soutschka erwartet, doch wie die meisten von Ihnen längst wissen werden, erholt sich Herr Soutschka  noch immer von den schweren Folgen des Verkehrsunfalls, den er vor einigen Tagen hier in Osnabrück auf seinem Weg – ich betone: auf seinem Fußweg – vom Hubschrauberlandeplatz zum Parkplatz erlitten hat, als er von seinem übereifrigen Chauffeur mit dem Dienstwagen einfach überrollt wurde.

Ich kann Ihnen versichern, meine Damen und Herren, Herrn Soutschka geht es – obwohl man unter diesen Umständen das Wort “gehen” kaum in den Mund nehmen mag –, dennoch geht es ihm den Umständen entsprechend wieder gut. So hat mir erst gestern seine bedauernswerte Gattin telefonisch versichert, dass er bereits wieder flüssige Nahrung zu sich nimmt und sogar auch wieder ausscheidet. Also auch von dieser Stelle her wünschen wir ihm und da spreche ich sicherlich auch in Ihrem Namen, meine Damen und Herren, alles, alles Liebe und Gute und … toi, toi, toi, Lars, werde einfach wieder gesund, Junge. Okay?

Das Motto des diesjährigen ADAC-Balls lautet ja auf Wunsch unseres Hauptgeschäftsführers und als Antwort auf das grassierende Insektensterben bekanntlich “Ich bremse auch für Bremsen”. Lassen Sie uns an dieser Stelle fiktiv eine Zündkerze für Lars Soutschka und für unsere lieben Freunde die Bremsen anzünden.

Gestatten Sie mir nun, dass ich mich Ihnen kurz vorstelle, mein Name ist Harald Albers, ich bin der erste Vorsitzende der vor wenigen Wochen ins Leben gerufenen ADAC-Sonderkommission “Autobahn 3000”.

Welcher andere Anlass als der alljährlich stattfindende ADAC-Ball böte nun eine bessere Gelegenheit, um Ihnen, meine Damen und Herren, im Rahmen dieser wunderbaren Veranstaltung das vorläufig endgültige Planungsergebnis der ADAC-Sonderkommission Autobahn 3000 vorzustellen?

Kommen wir also gleich zur Sache.

Der ADAC schreibt dank unserer ergebnisoffenen Haltung zur Einführung eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen endlich wieder positive Schlagzeilen. Darüber hinaus dürfte Ihnen als aufmerksame Beobachter verkehrspolitischer Entwicklungen aber auch diese DPA-Meldung von letzter Woche sicherlich nicht entgangen sein:

SECHS SPUREN AUF ALLEN AUTOBAHNEN
Der ADAC fordert weiteren Ausbau der Autobahnen

Einige von Ihnen haben nun sicherlich das befürchtet, was man auf den ersten Blick an dieser Meldung auch wirklich schnell hätte falsch verstehen könnte, doch da kann ich Sie völlig beruhigen, meine Damen und Herren: Die Autobahn 3000 hat natürlich keine sechs Spuren, sondern zwölf, also sechs Spuren je Fahrtrichtung.

Sie müssen sich das Ganze folgendermaßen vorstellen: Ganz außen gibt es zunächst einmal den Spezial-Beschleunigungsstreifen. Wer dort die geforderte Mindestgeschwindigkeit von 130 km/h … ich betone, meine Damen und Herren: Mindestgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern …
130 ….
130 …
bietet jemand mehr? Nein gut, einigen wir uns also auf 130 km/h. Wer diese 130 nicht erreicht, und zwar spreche ich hier – um einen Begriff aus der Medizin zu bemühen – von Autoantikörpern, muss rechts auf die sogenannte “Nullspur” ausweichen, international dann auch “Loser’s-Lane” genannt.

Hier geht’s dann nicht mehr auf die Autobahn, sondern direkt zur nächsten Autoverwertung und ab dafür. Der glückliche Rest der anderen Autofahrer gelangt nun schnurstracks auf der Gewinnerspur, der “Winner’s Lane”, in ein neues Jahrtausend, nämlich in das Jahrtausend der Autobahn 3000, das Jahrtausend der intelligenten Autobahn.

Bei der eigentlichen Autobahn 3000 ist die Mindestgeschwindigkeit von rechts nach links in Zwanzig-Kilometer-Schritten gestaffelt.

Ganz rechts wäre also die Spur 1, die sogenannte “Kriechspur” oder international dann auch “Slow-motion-Lane” genannt. Mindestgeschwindigkeit … na?
Richtig!
Logischerweise 130 Stundenkilometer. Für diese Spur sprechen wir eine uneingeschränkte Hutpflicht aus. Ja, eine Hutpflicht. Nun, ich kann Sie beruhigen, meine Damen und Herren: Selbstverständlich gilt diese Hutpflicht auch für Frauen. Schließlich leben wir im Zeitalter der Emanzipation.

Womit wir auch schon bei der Spur 2 wären, der Frauenspur oder auch – international – “Ladies-Lane”, Mindestgeschwindigkeit 150. Diese Spur ist nachts beleuchtet und hübsch bunt angemalt. Selbstverständlich ist diese Spur auch für Männer, meine Damen und Herren! Aber welche Sorte Mann, frage ich Sie, will schon allen Ernstes nachts auf einer beleuchteten Straße fahren, die womöglich auch noch lila Seitenstreifen hat?
Ach, ein kleiner Scherz am Rande, über den wir uns in der Kommission immer wieder köstlich amüsiert haben: Dann gibt’s auf der Frauenspur auch bestimmt bald keine Ölspuren mehr, sondern nur noch Oil-Of-Olaz-Spuren.

Kommen wir zur Spur 3, der “Playboy-Spur” oder international auch “Playboy’s-Lane”. Mindestgeschwindigkeit 170 – Playboyhäschen-Aufkleber, ersatzweise Red-Bull-Sticker, sind Pflicht. Zudem sprechen wir für diese Spur eine Oberlippenbartempfehlung aus – zumal nach neuesten Untersuchungen dieses Männlichkeitssymbol des postpubertären Proletariats bei etwas schlichteren Gemütern eine Art Gemeinsamkeitsgefühl hervorruft. Na ja, auf diese Weise kommen sich dann auf der Lady’s Lane die Frauen mit Damenbart auch nicht mehr so einsam und alleine vor, wie …? Kleiner Scherz am Rande …

Kommen wir also zur Spur 4, der “Business-Spur” oder auch “Business’-Lane”. Mindestgeschwindigkeit 190. Zugelassen sind hier ausschließlich Fahrzeuge der S-Klasse – der Sonderklasse – jener Klasse also, die uns allen so sehr ans Herz gewachsen ist.

Womit wir auch schon bei der Spur 5 wären, der “Und-Tschüs-Spur” oder international auch “No-risk-no-fun-Lane”. Mindestgeschwindigkeit 210. Aber Obacht, meine Damen und Herren! Wie sagte schon Wilhelm Busch? “Denn der Mensch als Kreatur kennt von Rücksicht keine Spur” und deshalb gilt ab Spur fünf Lichthupenpflicht und ein Höchstabstand – ich wiederhole Höchstabstand – von zwei Metern, und zwar in alle Richtungen! Das war ein hartes Stück Arbeit, kann ich Ihnen sagen … ein hartes Stück Arbeit …

Doch nun zu unserem Glanzstück individueller Freizeitgestaltung, der Spur 6, der sogenannten “Blutspur” oder auch oder “Highway-To-Heaven-Lane”. Mindestgeschwindigkeit 230. Bei dieser Spur sechs handelt es sich um eine sogenannte Doppelspur. Die doppelte Breite der Fahrspur erlaubt dem Verkehrsteilnehmer eine völlig individuelle Gestaltung des Überholvorgangs, mal links, mal rechts oder auch mal locker flockig durch die Mitte. Also ähnlich wie heutzutage schon auf den herkömmlichen Autobahnen. Doch mit dem entscheidenden Unterschied, dass dann endlich dieser irritierende Mittelstreifen nicht mehr vorhanden sein wird. Nun, meine Damen und Herren, da kriegt man doch wieder richtig Lust, Auto zu fahren, nicht wahr?
Wie sagte schon einst Oscar Wilde:

“Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien.”

Kommen wir nun vom erfreulichen zum vergnüglichen Teil des Abends. Wie jedes Jahr steht der ADAC-Ball auch in diesem Jahr unter einem speziellen Motto und der Reinerlös der Tombola wird traditionsgemäß einem guten Zweck zugeführt, der dem sozialen Miteinander der automobilen Gesellschaft dient. Nun, das Motto des diesjährigen ADAC-Balls lautet ja bereits: “Ich bremse auch für Bremsen” und aufgrund unser streng ökologisch ausgerichteten Vereinsziele und da immer noch viel zu viele dieser hilflosen Tierchen mit einem feuchten Klatschen auf unseren Stoßstangen und Windschutzscheiben landen, lautet das Motto im nächsten Jahr “Bremsen sind auch Tiere”.

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen allen nun viel Glück bei der anschließenden Tombola und einen vergnüglichen Ball. Die ersten drei Hauptpreise der diesjährigen Tombola sind auf Anregung der Gattin von Hauptgeschäftsführer Lars Soutschka  jeweils ein dreijähriger kostenloser Aufenthalt für zwei Personen – und ich möchte mal sagen: mit allen eingebauten Schikanen und mit allem Pipapo – in der Reha-Klinik Heidelberg.

Ich wünsche Ihnen  nun noch, wie wir Autophilisten zu sagen pflegen, Achs- und Beinbruch.

Dankeschön.”

Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.

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