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Mösers Meinung: Über die deutschen Außenminister von Bismarck und Baerbock

Kolumne

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Unser wohl ältester Mitarbeiter meldet sich zurück! Unsere Leserinnen und Leser lieben ihn oder sie lehnen ihn und seine Ansichten oft auch vehement ab. Genau wie sein historisches Vorbild macht „unser Justus“ aus seiner liberal-konservativen Weltanschauung keinen Hehl, und das schon seit mehr als 100(!) Kolumnen, die bereits seit 2015 exklusiv bei der HASEPOST erscheinen.

Die amtierende deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hat ein Dienstzimmer im Auswärtigen Amt unbenannt. Aus dem vormaligen Bismarck-Zimmer wurde unlängst der Saal der deutschen Einheit. Auch ein sich dort befindliches Porträt des ersten deutschen Kanzlers und Architekten eines gesamtdeutschen Staates wurde abgehängt und offensichtlich auch nicht an anderer Stelle wieder aufgehängt.

Damit ist Otto von Bismarck nun zumindest im Auswärtigen Amt im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte. Obwohl vermutlich nicht einmal das. Man möchte sich augenscheinlich aller Erinnerungen an seine Person entledigen, man möchte die Verbindung zwischen ihm und der deutschen Diplomatie tilgen. Was leider ein wenig an den Beruf des Hauptprotagonisten in George Orwells Roman 1984 erinnert, der vorrangig damit beschäftigt war, Geschichte nachträglich umzudeuten und zu verändern. Er verbrannte zum Beispiel alte Zeitungsmeldungen, die über Menschen berichteten, die zwischenzeitlich zur Unperson erklärt worden waren. Winston Smith hieß der gute Mann, und er ist an seiner Aufgabe verzweifelt. Schließlich tat er verbotene Dinge wie z. B. Liebesbeziehungen eingehen, weil er es nicht mehr ertragen konnte, die Wahrheit immer wieder aufs Neue zu verfälschen, nur um die Macht und Deutungshoheit der herrschenden Partei abzusichern.

Der Fall des Otto von Bismarck erinnert mich stark an diese Form der Geschichtsklitterung. Als Begründung für die Tilgung Bismarcks aus den Annalen des Auswärtigen Amtes muss herhalten, dass im ehemaligen Bismarck-Zimmer das SED-Politbüro des öfteren getagt hatte. Was dieses Politbüro mit der deutschen Einheit zu tun hat, nach der man das Bismarck-Zimmer nun benennt, erschließt sich mir allerdings nicht. Ich empfinde diese Begründung als an den Haaren herbeigezogen. Niemand hat mehr für die deutsche Einheit getan als Otto von Bismarck, nicht einmal Helmut Kohl. Während meiner aktiven Dienstzeit vor 270 Jahren war ich selber in diplomatischen Diensten für das Fürstbistum Osnabrück unterwegs, unter anderem in England. Ich weiß, wie schwer diese Aufgabe ist und wie vorsichtig man vor allem in seiner Wortwahl sein muss. Den bis heute größten und wichtigsten deutschen Diplomaten, an den mit Abstrichen vielleicht noch Gustav Stresemann, Konrad Adenauer und Willy Brandt heranreichen, dermaßen zu diskreditieren, zeugt nicht nur von einer unverfrorenen Überheblichkeit, sondern auch von einem mehr als fragwürdigen Geschichtsverständnis. Die Person Otto von Bismarck mag zur Kritik anregen, sie ist jedoch ein vorbildlicher Diplomat und Außenminister gewesen, an dem sich die derzeitige Amtsinhaberin ein Beispiel nehmen sollte. Ich möchte die verehrte Leserschaft an dieser Stelle nicht mit einem geschichtlichen Proseminar ermüden, deshalb verweise ich auf Wikipedia, wenn man sich ein erstes Bild über die Verdienste Otto von Bismarcks für Deutschland machen möchte.
Dem hat Annalena Baerbock außer ein paar leeren Worthülsen und schöner Bilder nichts entgegenzusetzen. Vielleicht ist das der Grund, warum sie den Mann so vehement ablehnt und ihn am liebsten vergessen machen möchte. Dann könnte ihr Licht umso heller strahlen. So mag sie zumindest denken und hoffen. Welche Verblendung, welcher Größenwahn!

Ich befürchte, dass die Tilgung Otto von Bismarcks aus dem deutschen Gedächtnis nicht die einzige Form der Tilgung von unliebsamen Personen bleiben wird. Die Nachfolger von Winston Smith, handwerklich und ideologisch wesentlich besser ausgebildet und geschult, scharren schon ungeduldig mit den Hufen.

Ich wünsche allen HASEPOST-Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Ihr

Justus Möser

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Justus Möser.

 


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Justus Möser
Justus Möser
Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?

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