Aktuell Mösers Meinung - zum Thema "Sex und Kommerz"

Mösers Meinung – zum Thema “Sex und Kommerz”

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Guten Abend,

in den letzten Tagen und Wochen ist in unserer deutschen Politik viel vom Sex die Rede gewesen. Der Justizminister will sexistische Werbung verbieten lassen, ihm graust es vor der Wirkung derselben auf Menschen aus fremden Kulturkreisen. Außerdem mißfällt es ihm, wenn Frauen bloß um ihrer selbst Willen öffentlich zur Schau gestellt werden, bloß weil sie schön sind und spezielle, meistens eben sexuelle Reize ausstrahlen. Wahrscheinlich glaubt der Justizminister, daß diese Reize die Menschen, vor allem die männlichen, um den Verstand bringen könnten. Ich glaube, daß die Sache nicht so einfach liegt. Vor 250 Jahren habe ich zum Thema Schönheit geschrieben: „Können Sie mir ein einziges schönes Stück aus der physikalischen Welt nennen, welches unter dem Mikroskop seine vorige Schönheit behielte? Bekommt nicht die schönste Haut Hügel und Furchen, die feinste Wange einen fürchterlichen Schimmel und die Rose eine ganz falsche Farbe? Es hat also jede Sache ihren Gesichtspunkt, worin sie allein schön ist, und sobald sie diesen verändern, sobald sie mit dem anatomischen Messer in das Eingeweide schneiden: so verfliegt mit dem veränderten Gesichtspunkt die vorige Schönheit.“ Man kann also auch sagen: Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Deswegen kann ich der Initiative des Justizministers nicht viel Positives abgewinnen. Sein Versuch, die Freiheit der Werbetreibenden um die Möglichkeit des Einsatzes sexueller Reize zur Umsatzsteigerung zu beschneiden, ist in meinen Augen ein weiterer Mosaikstein zur Entmündigung des Bürgers. Ich finde, wir sollten selber entscheiden, welchen Reizen wir erliegen möchten, was wir schön und anregend finden, was uns anmacht und was uns abstößt. Dabei ist in meinem Alter die körperliche Erregung nicht mehr das bestimmende Thema. Ich bin ruhiger geworden mit den Jahren, obwohl mir der Anblick einer schönen Frau durchaus noch gefällt und mir hin und wieder sogar wohlige Schauer den Rücken herunterjagen läßt.

Hasepost App Werbemotiv
Geht es nach Justizminister Maas, wäre so eine Werbung bald verboten


Ich finde auch nicht, daß wir im Alltag ständig sexuellen Reizen ausgesetzt sind. Wenn ich so durch meine geliebte Heimatstadt Osnabrück flaniere, dann dominiert hier doch eher das Sachliche und Schlichte. Werbekampagnen preisen das Heger Tor als Brandenburger Törchen oder lobhudeln der Radfahrerei. Viel Sex bekommen wir wirklich nicht zu Gesicht, höchstens vielleicht in den unermeßlichen Weiten des Internets, auf den sogenannten Schmuddelseiten, die angeblich keiner kennt und nutzt, die aber von den Klickzahlen her im Ranking immer ganz weit vorne liegen. Natürlich nutzen wir alle täglich und intensiv die Informationsangebote von Hasepost.de und anderen seriösen Medien. Aber wer treibt sich denn dann bloß in so exzessivem Maße auf den Seiten herum, auf denen nackte Männer und Frauen in schier unendlicher Zahl zu bestaunen sind? Ich glaube, daß uns ein gewisses Maß an Sex durchaus gut tun kann. Seit vielen Jahren sinken in Deutschland die Geburtenraten. Es ist doch gut, wenn wir hin und wieder daran erinnert werden, was zur Erzeugung von Nachwuchs notwendig ist. Und ich kann auch nichts Verwerfliches in der Kombination von Sex und Geld finden. Immerhin basiert das älteste Gewerbe der Menschheit auf eben dieser Verbindung.


Werbung muß Aufmerksamkeit erzielen, muß reizen und provozieren, muß anregen und Handlungen hervorrufen. Sonst hat sie ihren Zweck verfehlt. Und es gibt doch wesentlich Schlimmeres, als mit dem Bildnis einer schönen Frau zu werben. Die Modemarke Benetton hat vor geraumer Zeit blutverschmierte Oberteile und tote Menschen zur Umsatzsteigerung genutzt. Das rief eine Menge Empörung hervor, sicherte der Marke aber auch ein Höchstmaß an weltweiter Aufmerksamkeit. Heutzutage ist die Werbung in vielerlei Hinsicht oft zu brav, sie hat ihren Biss verloren, sie hat sich dem Diktat der politischen, ökologischen und sozialen Korrektheit gebeugt. Ich finde das schade. Manchmal wünsche ich mir die guten alten Zeiten zurück, als die braven Hausfrauen noch die Vorzüge von Waschmitteln priesen oder die Dame des Hauses für ihren Ehemann, der erschöpft von der Arbeit kam, den bestmöglichen Kaffee aufbrühte. Als Mütter sich noch Gedanken machten, wie sie die Wäsche der Kinder wieder sauber bekommen, oder wie das HB-Männchen erstmal eine rauchen mußte, um sich richtig zu entspannen. Solcherlei Art von Werbung würde mittlerweile in einem Shitstorm ungeahnten Ausmaßes enden. Deshalb wirbt die Pop-Ikone Heino für den günstigsten Smartphone-Tarif und bei Dallmayr Prodome gibt es nach wie vor den besten Kaffee. Das Produkt gerät in den Vordergrund, wir bekommen immer seltener wahre Menschen mit ihren Ecken und Kanten zu Gesicht. Denn alle haben Angst, etwas falsch zu machen, anzuecken und gegen die guten Sitten zu verstoßen. Und der Vorstoß des Bundesjustizministers trägt auch nicht grade dazu bei, den Werbetreibenden diese Angst zu nehmen und für frischen Wind zu sorgen. Ich plädiere deshalb dafür, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen. Wie sagte der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, so schön, als es um die Entwicklung der Rentenbeiträge ging: „Kinder bekommen die Leute immer.“ Und dieses Kinderkriegen sollte schon damals durchaus auch ökonomischen Zielen und dem Gemeinwohl dienen. Deshalb sollten wir vorsichtig sein mit der Dämonisierung von Sex, Schönheit und Kommerz. Sie sind die wesentlichen Grundlagen eines erfüllten Lebens. Wie kann man bloß auf die Idee kommen, diese Dinge verbieten zu wollen? Dann bekommen die Leute ja noch weniger Kinder. Manchmal verstehe ich die Welt nicht mehr!

Ich wünsche allen HASEPOST-Lesern ein Wochenende, an dem es nichts zu kritisieren gibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Ihr

Justus Möser

Hier alle bislang erschienenen Kolumnen von Justus Möser.

Justus Möser
Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Wem er hier bei uns die Feder führt? Das verraten wir nicht. Nur so viel: Es ist jemand, der sonst nicht für uns schreibt und vielen in der Stadt in ganz anderer Weise bekannt sein dürfte.

 

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