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Kommentar: Zwei müde Männer für Niedersachsen

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Beim einzigen TV-Duell vor der Landtagswahl in Niedersachsen am 9. Oktober haben die Spitzenkandidaten von SPD und CDU nicht nur kaum inhaltliche Unterschiede gezeigt, sondern sich vor allem eher müde als motiviert gezeigt. Für die Regierungsarbeit in der künftigen Legislaturperiode wäre dann aber wieder etwas mehr Elan angebracht.

Ein Kommentar von Maurice Guss

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Niedersachsen sind am Dienstagabend (27. September) die beiden aussichtsreichsten Kandidaten auf den Posten des Ministerpräsidenten gegeneinander angetreten: Amtsinhaber Stephan Weil von der SPD und sein Herausforderer Bernd Althusmann von der CDU. Dass es am Ende einer von den beiden werden wird, ist mittlerweile wohl jeder Wählerin und jedem Wähler klar, die oder der über ein Minimum an politischem Interesse verfügt. Seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1946 konnte es (mit Ausnahme der DP, die es mittlerweile nicht mehr gibt) keine Partei schaffen, Schwarz und Rot wirklich näher zu kommen, wenn es um das höchste politische Amt im Bundesland geht und auch in diesem Jahr sind die Prognosen eindeutig. Darin liegen SPD und CDU mit deutlichem Abstand vorne, die Sozialdemokraten sogar noch einen Ticken weiter als die Christdemokraten.

Neues Jahr, altes Duell

Und so duellierten sich am Dienstagabend schließlich nicht nur exakt die gleichen Parteien, die sich schon seit Ewigkeiten um die Regierung streiten, sondern sogar genau die gleichen Kandidaten für den Posten des Ministerpräsidenten wie bereits in der Vergangenheit. Darüber kann man jetzt erfreut sein, weil – nicht wie in anderen Bundesländern – unangenehmer Wind von stark rechts oder stark links heranstürmt, darüber kann man aber auch besorgt sein, wenn man sieht, mit wie wenig Elan sich die altbekannten Kandidaten am Dienstag gegenüberstanden.

Inhaltlich war man quasi durchgehend auf einer Linie – ging es nun um die Errichtung eines Preisdeckels auf Gas und Strom oder um einen dauerhaft günstigeren ÖPNV. Und wenn es mal zu Meinungsverschiedenheit kam – etwa beim Thema Schuldenbremse, für die Althusmann plädierte und die Weil offenbar eher etwas lockerer sieht – kam der Zweikampf der hohen Politiker bildlich gesprochen eher dem spielhaften Rumtollen zwischen den Osnabrücker Seehunden Biene und Max nahe, das Besucher des Zoos regelmäßiger betrachten können und dies wahrscheinlich auch lieber tun.

Weil wirkt erschöpft

Während Althusmann immerhin zu Beginn die ein oder andere verbale Schelte parat hatte, wirkte Weil – vielleicht vom Wahlkampf – erschöpft. Ob am Ende der 63-jährige Weil zum dritten Mal ins Amt gewählt wird oder sein acht Jahre jüngerer Herausforderer von der CDU – nach diesem mauen Duell wirkt beides wie ein klassisches „Weiter so!“.

Letztlich muss man dieses „Weiter so!“ nicht einmal unbedingt schlecht sehen, dennoch blieb das erste und einzige Fernsehduell zwischen Weil und Althusmann deutlich hinter den Erwartungen zurück. Und das obwohl es so viele potenzielle Streitthemen gegeben hätte, mit denen nicht nur Niedersachsen schon in naher Zukunft konfrontiert wird und über die diskutiert werden muss.

Wahlkampf wird selten hitzig

Der TV-Zweikampf war dabei ein Sinnbild für den gesamten und wenig hitzigen Wahlkampf in Niedersachsen. Profitieren könnte davon am Ende der Amtsinhaber Weil, der die zögerlichen Angriffe seiner Konkurrenz mau, aber mit Blick auf die aktuellen Prognosen effektiv und fast schon souverän wegmoderierte. (Erinnert fast schon an den immer müden Olaf Scholz, der mit der Taktik immerhin Kanzler geworden ist.)

Geglänzt hat letzten Endes jedenfalls keiner der Kandidaten. Da kann man sich nur wünschen, dass die nächste Landesregierung – von wem auch immer sie am Ende angeführt wird – etwas mehr Elan mitbringt. Gerne darf bei der Regierungsarbeit dann sogar mal geglänzt werden.


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Maurice Guss
Maurice Guss
Maurice Guss ist seit dem Herbst 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.
 

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