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Karlas Kolumne: Schützt die Grünen vor den Grünen

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Wir begrüßen unsere neue Kolumnistin „Karla“, die von nun an regelmäßig (geplant ist jeden zweiten Sonntag) zu aktuellen Themen schreiben wird. Heute geht es um Vorwürfe gegen den CDU-Politiker Fritz Brickwedde.

Vor einigen Tagen forderte der Stadtverband der Grünen von Fritz Brickwedde, dem Chef der Osnabrücker CDU, sich „für rassistische Äußerungen“ zu entschuldigen, die er beim Osnabrücker Friedensgespräch am 9. Juli zum Thema „Integration“ getätigt habe.


In einer Stellungnahme kritisieren sie Brickweddes Aussagen zur innereuropäischen Migration und einem „vermeintlichen Ausnutzen der Sozialsysteme“ aufs Schärfste. In einer weltoffenen Friedensstadt seien solche „einseitigen Äußerungen“ eines Vertreters der Stadt „unwürdig“ und falls er sich nicht entschuldige, solle er zukünftig auf die Vertretung des Oberbürgermeisters verzichten.

Aber was war überhaupt der Stein des Anstoßes?

Brickwedde hatte es tatsächlich gewagt, Tatsachen über Zuwanderung zu erwähnen, und traf damit offenbar voll ins Grüne. Natürlich kann man es abtun, wenn laut Sozialverwaltung von den über 2.200 in Osnabrück lebenden Einwohnern mit bulgarischer Staatsangehörigkeit über die Hälfte Hartz IV beziehen und von den 800 rumänischen nur sechs Prozent. Dennoch macht die Zahl deutlich, dass da etwas nicht stimmt.

Um es politisch korrekt auszudrücken, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Rumänen zu fleißig sind. Zufrieden, liebe Grüne?

Aufgeregt habe ich mich allerdings darüber, wie schnell man zum Rassisten wird, wenn man mit unwiderlegbaren Zahlen argumentiert. Hat Brickwedde gesagt: „Die dreckigen Zigeuner aus Bulgarien nehmen unseren geflüchteten Negern die Hirse weg?“ Hat er nicht und würde er auch nie. Er hat sogar darauf verzichtet, darauf hinzuweisen, welche Probleme die große bulgarische Gruppe im Schinkel verursacht, die dort längst ein Leben in einer Parallelgesellschaft führt und keinerlei Anstrengungen unternimmt, sich in das städtische Leben zu integrieren.

Leider ist das Friedensgespräch noch nicht „online“ zu sehen. Seine Begrüßungsrede vor einigen Wochen zum Thema „Macht Angst Politik?“ weist Brickwedde aber als das aus, was er ist: ein lupenreiner, antirassistischer Demokrat!

Nun denken sicherlich einige, ich sei von der CDU.

O nein, ganz weit gefehlt. Ich mag zwar Fritz Brickwedde als Person, seine politische Meinung läuft jedoch meistens konträr zu meiner.

Ich bin viel eher im links-grün-mitte-oben-unten-versifften Spektrum zu Hause, habe aber bis auf die AfD bereits alle demokratischen Parteien gewählt, zu welchem Anlass auch immer. Ich bin also eine schwer einzuordnende Wechselwählerin mit eindeutigem Hang nach nirgendwo und würde wegen der Neumarktkatastrophe derzeit wohl sogar eher die CDU wählen als die Grünen oder die SPD oder die Linke, aber eben nur in Osnabrück, und das alles mit unfassbaren Magenschmerzen.

Mit Fritz Brickwedde teile ich die Freude, dass die AfD in Osnabrück noch kein Bein an die Erde bekommen hat, nicht mal ein Holzbein.

War das jetzt politisch korrekt?

„Politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte“ verkündete Alice Weidel 2017 auf dem Bundesparteitag der AfD. Ich finde, da hat sie ausnahmsweise mal recht: Sie gehört auf den Müllhaufen der Geschichte, also nicht nur die Frau Weidel, sondern gleich die ganze AfD. Seither halten sich die Volksverhetzer der AfD an Weidels Marschroute – von Gaulands „Vogelschiss“ bis hin zu Höckes „Denkmal der Schande“ – und ziehen über alles her, was nicht in ihr deutschnationales Weltbild passt.

Die AfD mit ihren direkten Kontakten und personellen Überschneidungen mit der rechtsradikalen „Identitären Bewegung“, der völkischen PEGIDA, der neofaschistischen NPD und den völlig durchgeknallten Reichsbürgern hat sich längst zu einem rassistischen Sammelbecken entwickelt und sollte sich – der Wahrheit zuliebe – endlich in NFDAP umbenennen.

Auch wenn es in allen Gesellschaftsschichten Alltagsrassismus, Homophobie und sonstigen menschenfeindlichen Irrsinn gibt, gegen den man ständig ankämpfen muss, so sollte man selbst als Atheistin hin und wieder die Kirche im Dorf lassen, weil man sonst vor lauter Rassisten den Rassismus nicht mehr sehen und versehentlich selbst zum Wutbürger werden könnte.

Eine glückliche Woche wünscht euch Karla with a K.

 

Karla
Karla ist Urosnabrückerin, arbeitet aber in Münster. Über kurz oder lang landen viele Autorinnen und Autoren all der von Hass, Ignoranz und Dummheit erfüllten Kommentare in den diversen Internetforen bei ihr auf der Couch oder direkt in der Geschlossenen, alternativ auch im Aasee.


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