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Grüne Finger in Osnabrück vorerst gesichert – Entscheidung des Rates steht noch aus

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Vor dem Sitzungssaal sangen Aktivisten ein Schutzlied für die Grünen Finger. / Foto: Schulte

Vor dem Sitzungssaal des Stadt- und Entwicklungsausschusses (StuA) versammelten sich am Donnerstagabend (16. September) rund 20 Unterstützerinnen und Unterstützer der Grünen Finger und sangen ein Schutzlied* für diese. Mit Erfolg: Der Ausschuss entschied positiv über den Änderungsantrag, der am 27. September in der Ratssitzung dann endgültig verabschiedet werden soll.

Die Grünen Finger sind schon seit einigen Jahren ein Streitthema in der Stadt. Immer wieder kamen Ideen aus dem Rat, die die Grün- und Freiräume trotz ihrer wichtigen Funktionen für das Stadtklima bebauen wollten. Die „Initiative zur Rettung der Grünen Finger in Osnabrück“ sammelte im vergangenen Jahr Unterschriften für den Erhalt, schrieb zuletzt einen offenen Brief an den Rat, indem sie ein Schutz- und Entwicklungskonzept forderten. Nachdem eine Beschlussempfehlung des StuA am 23. Juni vertagt wurde, befürchteten die Initiatoren des Appells, dass die Ergebnisse des Gutachtens verwässert werden oder gar in der Schublade verschwinden könnten.

Schutz- und Entwicklungskonzept für Grüne Finger

Jetzt gibt es gute Nachrichten für die Aktivisten: Denn der StuA stimmte in seiner jüngsten Sitzung der Beschlussempfehlung zu, die nun am 27. September im Rat entschieden werden soll. „Der Rat der Stadt Osnabrück erkennt den Wert der Grünen Finger als identitätsstiftendes und strukturgebendes Freiraumsystem mit herausragender Bedeutung für eine zukunftsfähige, klimaresiliente Stadt an“, lautet der erste Satz der Beschlussvorlage. „Er verpflichtet sich zu ihrem Schutz und zur Weiterentwicklung der Funktion der Grünen Finger für Klimaanpassung, Klimaschutz, Landschaftserleben, Biodiversität und Landwirtschaft.“

Mit Schildern, Plakaten und Gesang machten sich rund 20 Personen für die Sicherung der Grünen Finger stark. / Foto: Schulte
Mit Schildern, Plakaten und Gesang machten sich rund 20 Personen für die Sicherung der Grünen Finger stark. / Foto: Schulte

Bauliche Entscheidungen in Grünen Fingern müssen gut begründet werden

Darüber hinaus sieht die Vorlage vor, dass die Ergebnisse des Forschungsprojektes der Hochschule zu den Grünen Fingern in das Integrierte Stadtentwicklungsprogramm (STEP) eingearbeitet werden. Die Vorlage lässt aber auch noch Schlupflöcher zu: „Soweit dabei die im Entwicklungskonzept des Hochschulprojekts skizzierte Abgrenzung der Grünen Finger aufgrund konkurrierender Belange der Stadtentwicklung nicht Rechnung getragen werden kann, ist dies darzustellen und zu begründen.“ Sollte aus „zwingenden städtebaulichen Gründen eine bauliche Inanspruchnahm“ erfolgen, verpflichte sich die Stadt die beeinträchtigten Funktionen aufrechtzuerhalten. Die Verwaltung soll außerdem eine Charta für die Erhaltung der Grünen Finger erarbeiten. Wegen dieser angenommenen Empfehlung müssen nun etwa die Pläne, im Stadtteil Lüstringen-Ost ein neues Wohnquartier „Quartier 21“ zu entwickeln, neu beraten werden. Diese streifen die Grünen Finger und müssten dementsprechend von der Verwaltung noch einmal geprüft und gegebenfalls begründet werden.

Verwaltung schlussendlich für Umsetzung zuständig

Heiko Panzer (SPD) gab der Verwaltung noch mit auf den Weg, erst einmal ein Konzept zu erarbeiten und umzusetzen, „um daraus zu lernen, sich nicht zu verzetteln und um sich nicht zu viel vorzunehmen“. Dem pflichtete auch Christiane Balks-Lehmann (GRÜNE) bei. Landschaftsarchitekt Börries von Detten hatte zuvor die Vorzüge einer landschaftsbezogenen Wegeplanung dargestellt, mit der man sich intuitiv orientieren könne. Denn: „Naherholung ist Wegenutzung“, so von Detten. Sein Büro habe neun unterschiedliche Wegelandschaften in Osnabrück identifizieren können, die bereits sehr schön seien und einen großen Mehrwert bieten würden. Lediglich eine Grünverbindung am Finkenhügel und ein „schöner Feierabendweg“ in Hellern fehle, gab er als Anstoß mit auf den Weg. Anette Meyer zu Strohen (CDU) verwies darauf, Rückzugsorte für Wild und auch Reitwege mitzudenken und mit „Tabus zu brechen, um Möglichkeiten für Kinder zu schaffen, am Wasser zu spielen“. Konkret meinte sie damit etwa die Düte, bei der es allerdings aufgrund des Naturschutzgebietes keine Außnahme geben darf.

Der Ausschuss schafft mit der Beschlussempfehlung, die im nächsten Schritt im Rat beschlossen wird, eine Grundlage und keinen direkten Weg zur Umsetzung. Für diesen ist zuletzt die Verwaltung zuständig.

* Das Lied bestand aus drei Strophen. Beispielhaft nennen wir hier die erste Strophe im Wortlaut:

Heiß, heiß, heißer werden uns’re Städte
Grün, grün, grün macht es so herrlich kühl,
darum pfleget alles, was noch grün ist,
stellt die grünen Finger nicht aufs Spiel.



Jasmin Schulte
Jasmin Schulte
Jasmin Schulte begann im März 2018 als Redakteurin für die Hasepost. Nach ihrem Studium der Germanistik und der Politikwissenschaft an der Universität Vechta absolvierte sie ein Volontariat bei der Hochschule Osnabrück. Weitere Stationen führten sie zu Tätigkeiten bei einer lokalen Werbeagentur und einem anderen Osnabrücker Verlag. Seit März 2022 ist Jasmin Schulte zurück bei der HASEPOST und leitet nun unsere Redaktion. Privat ist Jasmin Schulte als Übungsleiterin tätig, bloggt über Literatur und arbeitet an ihrem ersten eigenen Roman.
 

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