Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) Flugreisen ab dem FMO werden schon bald klimaneutral

Flugreisen ab dem FMO werden schon bald klimaneutral

Neben dem FMO nur München und Frankfurt mit ähnlich ambitionierten Zielen

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Ausgerechnet das vielgescholtene Flugzeug wird tatsächlich zum Vorreiter für den Klimaschutz. Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) plant bereits im kommenden Jahr seine CO2-Emissionen massiv zu reduzieren und will bis zum Jahr 2030 komplett “klimaneutral” werden.

Bereits seit 10 Jahren setzt der FMO alles daran ökonomischer und ökologischer zu werden. Waren es zu Beginn nur kleine Schritte, wie der Austausch von Leuchtmitteln, der Anschluß an das mit Holzhäckseln betriebene Wärmwärmenetz der Gemeinde Ladbergen und eine nur bei Anwesenheit aktivierte Beleuchtung in den Parkhäusern und auf dem Rollfeld, will es Flughafenchef Prof. Dr. Rainer Schwarz nun wissen, und wird im kommenden Jahr die CO2-Emissionen des FMO auf dann nur noch 20% gegenüber dem Vergleichsjahr 2019 reduzieren. Gemessen am Jahr 2010, sind das dann sogar nur noch 10% des Klimagases, die vom FMO verantwortet werden.

Eigene Anstrengungen und Airlines in der Pflicht

Um die ehrgeizigen Ziele, die weit ambitionierter sind als das, was der Verband der Deutschen Flughäfen sich vorgenommen hat zu schaffen, identifizierte der FMO drei Handlungsfelder in denen er tätig werden kann.
Bei den selbst verursachten Emissionen und den Emissionen, die von Lieferanten und durch zugekaufte Dienstleistungen und Produkten verursacht werden, wird nun sehr engagiert auf Klimaneutralität geachtet.
Aber auch die Fluggesellschaften selbst werden vom FMO dazu motiviert, mehr auf den Klimaschutz zu achten.

Auf dem Vorfeld ist bald alles elektrisch

Ab kommendem Jahr wird der Strombedarf des FMO ausschließlich aus regenerativen Quellen (Wasserkraft, Windkraft, Solar etc.) bezogen. Die verbleibenden CO2- Emissionen basieren vornehmlich aus eingesetztem Diesel, Gas und Heizöl. Den größten Anteil haben dabei Dieselmotoren der aktuell im Einsatz befindlichen unterschiedlichen Vorfeldfahrzeuge (Busse, Stromgeneratoren, Feuerwehrfahrzeuge etc.). Dafür hat der FMO ein Emissionsinventar erstellt sowie einen Aktionsplan ausgearbeitet, um bei technischer Verfügbarkeit diese Fahrzeuge sukzessive durch Fahrzeuge mit Elektroantrieb zu ersetzen. Die ersten elektrischen Smarts flitzen bereits über das Vorfeld. Ein Elektro-Schlepper wird erprobt und soll als Baumuster bald zehn konventionelle Fahrzeuge ablösen. Auch eine fahrbare Flugzeugtreppe ist bereits in der Erprobung, deren Hydrauliksystem nicht mehr durch einen Verbrenner angetrieben wird, sondern per Elektromotor, der durch Solarpanels seinen Strom bezieht.
Tatsächlich brauchen aber auch Flugzeuge eine Menge Strom, wenn sie auf dem Rollfeld stehen. Damit die Triebwerke abgestellt werden können, kommt dieser Strom bislang aus fahrbaren Generatoren. Hier sollen schon bald mobile Akkupakete oder alternativ Bodensteckdosen an den Parkpositionen für die Stromversorgung der Jets sorgen.

FMO-Geschäftsführer Prof. Dr. Rainer Schwarz (l.) und der Technische Leiter des FMO Eckart Frank (r.) bei der Vorstellung der neuen elektrobetriebenen VorfeldfahrzeugeAlte Flugzeuge zahlen bald mehr für Starts und Landungen

Aber nicht nur bei sich selbst will der FMO auf Klimaneutralität achten, auch bei den Airlines. Mit einem neuen Gebührenmodell sollen die Fluggesellschaften zum Einsatz der neuesten und treibstoffeffizientesten Flugzeugtypen bewegt werden. Bereits ab dem 01.01.2020 werden emissionsabhängige Landeentgelte eingeführt. Ab dem kommenden Jahr wird jedes ausgestoßene Kilogramm Stickoxid (NOX) mit einer zusätzlichen Gebühr in Höhe von 3 Euro belegt. Durch die neue Gebührenordnung ist der Einsatz besonders emissionsarmer Flugzeuge für Fluggesellschaften erheblich attraktiver.
Dass dieses System, das in Deutschland bislang nur von den Großflughäfen München und Frankfurt eingesetzt wird, Früchte tragen wird, davon ist Flughafen-Chef Schwarz überzeugt. Vor zwei Jahrzehnten wurde mit einem neuen Gebührenmodell darauf hingewirkt, dass die Airlines und die Industrie neue geräuscharme Triebwerke einbauen. Anhand von Vergleichszahlen machte der FMO-Chef deutlich, wie abgasarm bereits jetzt einige Airlines arbeiten. Ganz vorne dabei ist die niederländische Airline AIS, deren modernen Turbogrob-Motoren der auf der Berlin-Strecke nur einen Bruchteil an NOX in die Luft entlassen, wie zum Beispiel der Dinosaurier Boeing 747, der gelegentlich für Champions League Spiele in Dortmund auch in Greven landet und für dessen Umweltfrevel zukünftig deutlich höhere Start- und Landegebühren fällig werden.

Airlines bieten CO2-Kompensation an, Kerosin bald auch synthetisch produziert

Bereits jetzt, so Prof. Schwarz, bietet die Lufthansa an jeden Flugkilometer zu kompensieren, andere Airlines werden schon bald folgen. Somit steht einem vollkommen klimaneutralen Flug nichts mehr im Wege.
Damit Airlines und ihre Passagiere zukünftig nicht mehr kompensieren müssen, zum Beispiel durch Baumpflanzaktionen, werden zudem von der Mineralölindustrie synthetische Treibstoffe entwickelt.
Prof. Schwarz bedauerte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die Bundesregierung die im kommenden Jahr zusätzlich erhobenen Steuern im Luftverkehr nicht einsetzt, um diese Zukunftstechnologie zu fördern, sondern sie dazu nutzt um die wegfallende Mehrwertsteuer bei der Bahn gegenzurechnen.

Der FMO bekommt einen “Klimawald” mit 15.000 Bäumen

Da sich der FMO das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, bereits 2030 klimaneutral zu sein, wird in ein umfangreiches Klimaprojekt im direkten Umfeld des Flughafens investiert. Der FMO plant, auf einem rund drei Hektar großen Areal in direkter Flughafennähe in enger Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden einen Klimawald mit bis zu 15.000 Bäumen entstehen zu lassen.
Bei Feuerwehrautos und Schneeräumfahrzeugen werden aus Sicherheitsgründen vorerst auch weiterhin konventionelle Motoren eingesetzt – Sicherheit geht vor. Durch das Aufforstungsprojekt können dann die bestehenden CO2-Restmengen kompensiert werden.

 

Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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