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14 Millionen verzockt: Was sich die Stadt Osnabrück jetzt alles nicht mehr leisten kann

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14 Millionen Euro aus dem Gebühren- und Steueraufkommen der Stadt Osnabrück sind auf den Konten einer dubiosen Bank, die erst vor knapp 10 Jahren von dem Spross einer australischen Zuckerrohrpflanzerfamilie gegründet wurde, womöglich unwiederbringlich verloren.

Glosse: Heiko Pohlmann schaut sich an, was wir für verzockte Millionen hätten kriegen können

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Ganz unabhängig von der noch zu leistenden Aufklärung – ausgerechnet im Superwahljahr 2021, in dem neben dem Sitz des Oberbürgermeisters auch das Kommunalparament neu besetzt werden muss –, habe ich mir einmal angeschaut, was die Stadt Osnabrück denn so für die verschwundenen 14 Millionen Euro hätte bekommen können. Wo könnte man vielleicht mit dem Verzicht auf ein möglichst einzelnes Projekt den Schaden ausgleichen?

Sanierung des Stadttheaters rückt in noch weitere Ferne

Zum Beispiel die anstehende Sanierung des Stadttheaters. Eine ganz  verzwickte Angelegenheit, über die seit Monaten im politischen Osnabrück nicht mehr geredet wird. Keine Partei traut sich vor der Wahl damit an die Öffentlichkeit zu gehen, dass eine bereits vor mehr als zwei Jahren getroffene Annahme, dass 2/3 der Sanierungskosten, die 2018 bereits auf 80 Millionen geschätzt wurden, inzwischen reine Makulatur ist.

Hinter vorgehaltener Hand erfährt man auf den Rathausfluren, dass weder Land, Bund noch die EU bereit sind größere Summen in das Provinztheater am Domhof zu stecken; jedenfalls nicht die 53 Millionen Euro, die vor zwei Jahren noch optimistisch gerechnet wurden. Aber selbst wenn diese 2/3 Finanzierung noch irgendwo aufgetrieben werden kann, zum Beispiel im Rahmen von Post-Corona-Fördertöpfen, würde die Stadt rund 27 Millionen Euro der Sanierungskosten selbst übernehmen müssen – vor dem Hintergrund von verschwundenen 14 Millionen Euro sicher eine harte Herausforderung.

Leistungszentrum für einen VfL der keine Leistung zeigt?

Aber es geht auch eine Nummer kleiner: Der VfL Osnabrück hat zwar weder viel Geld noch zeigt er seit Monaten so etwas wie „Leistung“ auf dem Spielfeld, dennoch wollen die Lila-Weißen, mit Unterstützung vor allem der SPD- und CDU-Ratsfraktionen ein euphemistisch weiterhin als „Leistungszentrum“ betiteltes neues Trainingsgelände.

Bei den Kosten, zu denen vor allem die Bürger der Stadt ihren Beitrag „leisten“ sollen, egal ob VfL-Fan oder nicht, wird die vom VfL erwartete Beteiligungssumme aus der Stadtkasse routiniert auf 5 Millionen Euro heruntergerechnet.
Wie unsere Redaktion jedoch bereits im Januar vor einem Jahr recherchieren konnte, addiert sich wohl auch ein Grundstückskauf zu diesen 5 Millionen hinzu, so dass der Steuerzahler der Stadt mit am Ende 10 Millionen Euro zur Kasse gebeten werden dürfte – unabhängig davon ob der VfL wieder Leistung zeigen wird oder wie sehr der VfL tatsächlich Fans hat unter denen, die die Rechnung dann bezahlen sollen.

Dann doch einfach an den Schulen sparen?

Aber warum nicht an der Bildung sparen? Die 14 Millionen verschwundenen Euros könnten auch im Bildungssektor eingespart werden, Homeschooling funktioniert doch?
In seiner Rede zum Doppelhaushalt 2021/2022 nannte Stadtkämmerer Thomas Fillep einige Neu- und Ausbauprojekte, die womöglich noch gestoppt werden könnten?
Braucht Atter wirklich eine neue Grundschule, reicht nicht auch eine „Halbe Neue Schule Innenstadt“?
Bevor jemand fragt, nein, ich meine diese Fragen nicht ernst; möchte aber mal aufzeigen, was man für verschwundene 14 Millionen so bekommen kann, zum Beispiel:

  • Erweiterung Bernhard-Overberg-Schule (5,2 Mio. €)
  • Neue Sporthalle an der Franz-Hecker-Schule (3,6 Mio. €)
  • Neue Grundschule in Atter (12,2 Mio. €)
  • Neubau „Neue Schule Innenstadt“ (25 Mio. €)
  • Erweiterung des Ratsgymnasiums (3,9 Mio.€)

Neumarktsanierung sollte 13 Millionen Euro kosten: passt!

OK, an Bildung sollten wir vielleicht nicht sparen… warum denn nicht am Neumarkt oder der Johannisstraße?
Da hat sich gefühlt seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nichts mehr getan. Inzwischen sieht das einstige Herz der Stadt auch aus wie die Filmkulisse für eine postsozialistische Apokalypse. Man muss die Stadt Osnabrück schon sehr lieben, um diesen Zustand zu akzeptieren. Vielleicht reicht auch ein ausgeprägter Tunnelblick und die eingeübte Routine, sich auf keinen Fall länger als irgendwie nötig in dieser städteplanerischen Trümmerwüste aufzuhalten – wir Osnabrücker können das.
Und mal ernsthaft, glauben Sie wirklich, dass die Zukunft der Innenstadt irgendwo zwischen Neumarkt und den Dönerbuden der Johannisstraße zu finden ist?

Exakt 13 Millionen waren für die Neumarkt-Sanierung (in Beton wie am Rosenplatz) veranschlagt, bevor im Sommer 2019, kurz bevor die Bagger anrollten, die Sanierungspläne gestoppt wurden.
Denkbar kurz vor knapp war man sich zwischenzeitlich bewusst geworden, dass die technisch vergleichbare Betonlösung am Rosenplatz im Zeitraffer zerbröckelte – dieser Fehler sollte am Neumarkt nicht nochmals passieren. Seither passiert am Neumarkt aber gar nichts mehr.

Lassen wir es vielleicht einfach ganz sein mit dem Neumarkt, bauen für einige Zehntausend Euro einen großen Sichtschutz um „das Elend“, und wir Osnabrückerinnen und Osnabrücker können dann der Welt erklären: „Genau für dieses Projekt fehlt das Geld, das bei einer dubiosen Bank irgendwo zwischen Bremen und Australien verzockt wurde!“
An den Zustand des komplett verwahrlosten Neumarkts haben wir uns doch eh alle gewöhnt… ein paar Jahrzehnte weiterer Stillstand, macht da auch nichts mehr. Wir wissen jetzt wenigstens: Fast hätten wir uns den Umbau leisten können!

Ach ja, den Neumarkt könnten wir dann wahlweise „Greensill-Bank-Platz“ oder „Platz des 5 März“ (an dem die Millionenzockerei bekannt wurde) nennen. Dann wäre wenigstens etwas „neu“ am Neumarkt.

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Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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