Ein dunkler Moment, drei Jahre Gefängnis und ein kompletter Neuanfang: Martin Weimer (42) ist Osnabrücks erster und einziger mobiler Tankwart. Mit seinem Roller fährt er zur Kundschaft, wechselt Öl, tauscht Reifen und reinigt Innenräume – ein Service, den es so in der Stadt noch nicht gab. Doch sein Weg dorthin war alles andere als gewöhnlich.
Ein Überfall mit Folgen
Im Jahr 2003 stand Martin Weimer auf der anderen Seite des Tresens. Er war drogenabhängig, in finanzieller Not – und entschied sich für einen Überfall auf eine Tankstelle in Lengerich. „Es war eine Kurzschlusshandlung“, gibt er im Gespräch mit unserer Redaktion offen zu. Mit Tüchern vor dem Gesicht und einer Waffe in der Hand betrat er den Verkaufsraum. Die Flucht gelang, doch ein aufmerksamer Nachbar brachte die Polizei auf seine Spur. Das Urteil: drei Jahre Haft. „Das Gefängnis selbst hat mich nicht resozialisiert“, sagt er rückblickend. „Aber ich habe zum Glauben gefunden. Das hat mein Leben verändert.“
Vom Verkäufer zum Tankwart
Nach seiner Entlassung wollte Weimer neu anfangen. In der Region Hannover machte er eine Ausbildung zum Tankwart, arbeitete in verschiedenen Tankstellen – erst als Verkäufer, dann mit wachsender Verantwortung, zuletzt in einer Tanke an der Rheiner Landstraße in Osnabrück. Doch als ein neuer Pächter kam, wurde ihm gekündigt. „Ich hätte wieder ganz unten anfangen müssen. Das wollte ich nicht.“
Eine Beraterin bei der Arbeitsagentur brachte ihn schließlich auf die Idee der Selbstständigkeit. Martin Weimer absolvierte eine Schulung, bekam eine Förderung und wagte den Schritt zum mobilen Tankwart, der direkt zu den Kundinnen und Kunden kommt.

Ein Service, der Osnabrück mobil hält
Heute ist Weimer mit seinem 125er-Roller unterwegs, auf dem eine große Transportbox montiert ist. Sein Angebot reicht von Ölwechseln über Innenreinigungen bis hin zu kleineren Reparaturen – und das direkt bei der Kundschaft vor Ort. Inzwischen hat er bereits Stammkunden wie Firmen. Seine Aufträge erhält er außerdem durch Empfehlungen und gezielte Ansprache. „Wenn ich unterwegs ein Auto mit offensichtlichen Mängeln sehe, spreche ich den Fahrer an“, berichtet der mobile Tankwart.
Ein Geschäftsfeld, das noch wachsen könnte. In den USA gibt es bereits mobile Tankservices, die Autos direkt betanken. In Deutschland wäre das zwar auch erlaubt, aber in der Umsetzung zu teuer und kompliziert. „Ich könnte aber Autos abholen, tanken und mit einer Quittung zurückbringen“, sagt Martin Weimer.
Ein Leben mit zweiter Chance
Heute denkt der Tankwart nur noch selten an seinen tiefsten Punkt zurück. „Nur wenn ich darüber spreche“, sagt er. Er erzählt seine Geschichte vor allem in seinem Glaubenskreis – als Beispiel für Veränderung. Vom Straftäter zum selbstständigen Unternehmer – eine Geschichte, die zeigt, dass ein neuer Anfang möglich ist. Und dass Tankstellen in Martin Weimers Leben eine zentrale Rolle spielen. Damals wie heute.