Bremer Brücke VfL Osnabrück: 0:0 nach einer zähen Partie gegen Aue

VfL Osnabrück: 0:0 nach einer zähen Partie gegen Aue

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In einer niveaulosen Partie trennten sich der VfL und der FC Wismut Aue leistungsgerecht 0:0

Vor dem Spiel

Daniel Thioune wies auf der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Spiel darauf hin, dass er nichts dagegen hätte, ein Spiel auch mal wieder mit elf Spielern zu beenden. Zudem sei nun Philipp Kühn als Stammtorhüter gesetzt, es sei denn, er verletze sich oder erhalte eine rote Karte.
Das Hinspiel in Aue ging zwar nur 1:0 verloren, der Sieg der Auer war aber völlig verdient. Insbesondere Pascal Testroet, der einst in der Saison 2013/2014 für den VfL gespielt hatte (und Gast auf dem Heimatabend war), und Jan Hochscheidt bereiteten dem VfL damals immer wieder Probleme. Der berühmteste Auer aber ist zweifellos der Trainer Dirk Schuster, der einst den sensationellen Durchmarsch und Aufstieg mit Darmstadt 98 bewerkstelligte.

Wie immer durfte man auf die Aufstellung der Startelf des VfL gespannt sein, zumal Daniel Thioune fast aus dem Vollen schöpfen konnte. Etwas überraschend vielleicht, dass Heider für Girth in der Startelf stand und Schmidt für Ouahim, so dass Álvarez in die Spitze rückte.

Vor dem Spiel gedachte Stadionsprecher Carsten Thye mit einer kurzen Rede den gestrigen Opfern von Rassismus und rechter Gewalt. Es folgte die beeindruckendste Schweigeminute, die ich je erlebt habe: Kein Laut war zu hören, rein gar nichts. Ein aufwühlendes Schweigen von 14.000 Menschen, das in “Nazis raus”-Rufe überging.

Spielbeginn

Bei Temperaturen um die 8 Grad hatte Aue Anstoß und der VfL spielte zunächst auf die Westkurve zu. Abgegriffene Floskeln wie ein typischer Freitagabend, Flutlicht und Gänsehautstimmung kann ich uns allen nicht ersparen.
Während der ersten Minuten neutralisierten sich beide Mannschaften, doch waren dem VfL die größeren Angriffsbemühungen anzumerken. Der VfL hatte zwar mehr Ballbesitz, kam aber zu keinem einzigen Torabschluss.
Dann in der 16. Minute ein Weckruf durch den Auer Hochscheidt, der aus etwa 12 Metern aus halbrechter Position aufs Tor schießt. Kühn kann den Ball mit den Fäusten parieren. Das war bislang die erste richtige Torchance im Spiel.

Der VfL wurde etwas stärker

Der VfL antwortete sofort seinerseits mit guten Aktionen vor dem Auer Tor. Einen Schmidt-Eckball verfehlten Trapp und Gugganig im Torraum nur knapp und kurz darauf landet eine scharfe Hereingabe von Ajdini zu nah am Tor, leichte Beute für Männel. In der 25. Minute Tohuwabohu im Auer Strafraum und gleich ein Konter der Auer.
Das Spiel wogte nun hin und her, doch kam es zu keiner echten Torchance. Beide Abwehren ließen kaum etwas zu. Ständig lag ein Auer auf dem Rasen und das Ganze erinnerte ein wenig an das Spiel in Karlsruhe.

Halbzeitfazit:

Nach einer zähen ersten Hälfte, die geringe Vorteile für den VfL sah, gingen die Mannschaften in die Kabine. Das zerfahrene Spiel war von Fehlpässen und Nickeligkeiten geprägt. Eine Führung hätte keins der beiden Teams verdient gehabt.

Tipp: Die Halbzeitgedanken, eine Melange aus Hintergrundinformation, Kommentar und weiterführenden Links, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie fallen hin und wieder recht knapp, manchmal aber auch sehr ausführlich aus. Wem das Lesen der Halbzeitgedanken zu mühselig ist: Ganz einfach weiter nach unten scrollen, dort geht es dann mit dem aktuellen Spielbericht weiter.

Halbzeitgedanken:

Der Fußballclub Erzgebirge Aue e. V., kurz FC Erzgebirge Aue, ist ein Verein aus Aue-Bad Schlema in Sachsen, der am 4. März 1946 gegründet wurde, wobei die Vorgeschichte der Vereins bis ins Jahr 1908 zurückreicht.
Aue ist seit 2003/04 relativ fester Bestandteil der 2. Liga und verbrachte während der letzten 18 Jahre nur drei Jahre in der dritten Liga.
Im Schnitt besuchen seit Jahren um die 10.000 Zuschauer die Spiele des FC Aue.
Das Fassungsvermögen des Erzgebirgsstadions liegt momentan bei 16.485 Zuschauern, das hieße im Verhältnis zur Einwohnerzahl, dass Berlin ein Stadion mit über 3.000.000 Plätzen haben müsste und Osnabrück mit über 140.000, auch nicht schlecht. 

Aue-Bad Schlema heißt seit dem 1. Januar 2019 durch den Zusammenschluss der Stadt Aue und der Gemeinde Bad Schlema tatsächlich so und hat 20.500 Einwohner. Diese Zwangsvereinigung stieß bei den meisten Bewohnern der beiden Orte auf alles andere als auf Begeisterung, was mir gerade ein Fotograf aus Aue mit eindeutigen Gesten und Worten bestätigte. Dadurch lässt sich sicherlich auch erklären, weshalb bei der Gemeinderatswahl 2019 so viele unabhängige Wählergruppen antraten.
Der Christdemokrat Heinrich Kohl ist neuer Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema, dennoch wählten auch 9,9 % die AfD und 8,8% die NPD. Stärkste Partei ist immerhin die CDU mit 23,6 %, aber dennoch eine Gegend, in der ich nicht unbedingt leben möchte.

Bittere Nachgedanken 1:

Nach den Morden des gestrigen Tages ist mir nicht danach, lustige Geschichten zu erzählen und ich möchte nur daran erinnern, dass die NSDAP 1928 bei der Reichstagswahl ganze 2,6 % der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Die AfD in einigen Bundesländern heute bereits das Zehnfache.

Bittere Nachgedanken 2:

Aufgrund des gestrigen rassistischen Anschlags in Hanau hier ein Artikel zur Haltung der AfD zu diesem Verbrechen und ein treffender Kommentar von Stefan Kuzmany. Umso ergreifender die heutige Schweigeminute für die Opfer von Hanau.

Beide Teams gingen unverändert in die zweite Hälfte

Weder Daniel Thioune noch Dirk Schuster sahen einen Grund für einen Wechsel. Der VfL spielte nun auf die geliebte Ostkurve zu, doch zunächst meldete Aue Ansprüche auf ein Tor an. In der 52. Minute bringt Testroet per Kopf Hochscheidt in Postion, doch Kühn hat keine Mühe zu klären.
Beide Mannschaften waren nun bemüht, das Spiel an sich zu reißen, wobei zunächst die Auer besser ins Spiel kamen, doch der VfL wurde allmählich bissiger und schien sich zumindest hin und wieder daran zu erinnern, wer Herr im Hause Bremer Brücke ist.

Marcos Alvarez vor dem Tor der Gäste, Foto: imago images / Nordphoto
Marcos Alvarez vor dem Tor der Gäste, Foto: imago images / Nordphoto

Hektische Schlussphase

Im Grunde hätte man sich die ganze zweite Hälfte sparen können, wenn da nicht die Schlussphase gewesen wäre.
Der eingewechselte Girth wird von Agu im Auer Strafraum eingesetzt und der scheitert allein vor Torwart Männel, der Nachschuss findet auch nicht den Weg ins Tor.
Noch einmal Aufregung in der 94. Minute als Girth von Mihajovic von den Beinen geholt wird. Da Girth im Abseits stand, gab es Freistoß für Aue und gleich darauf ertönte der Schlusspfiff.

Fazit

Der VfL holt in einer von beiden Seiten mit viel Einsatz geführten, aber niveaulosen Partie einen Punkt, die auch keinen Sieger verdient gehabt hätte. Das Beste am Spiel war das Publikum, dass nie zu hoffen aufgab. Immerhin hat die Mannschaft die Partie vollzählig beendet, was aber nur ein schwacher Trost ist. Ein weiteres Plus: Sollte Karlsruhe am Sonntag in Sandhausen nicht gewinnen, dann würde der Abstand auf die “gefährliche Zone” sogar gehalten werden.

Auf der anschließenden Pressekonferenz sah das ein von der Leistung seiner Mannschaft sichtlich angefressener Daniel Thioune ähnlich. Dirk Schuster hingegen freute sich über den Auswärtspunkt.

Am kommenden Sonntag geht es nach Hamburg zum FC St. Pauli. Da ich dort 30 Jahre gelebt habe, freue ich mich auf das Spiel und auf das Millerntor ganz besonders.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer: 14.014, davon gut 200 aus Aue

Tore:
Fehlanzeige

VfL Osnabrück: Kühn – Heyer, Gugganig (60.Ouahim), Trapp, Agu – Blacha, Taffertshofer (76. Girth) – Ajdini, Schmidt, Heider – Álvarez
Trainer: Daniel Thioune

Wismut Aue: Männel – Samson, Gonther (84. Mijhojevic), Rasmussen – Riese, Fandrich – Rizutto, Hochscheidt (76. Krüger), Strauß (58. Baumgart) – Testroet, Nazarov
Trainer: Dirk Schuster

Schiedsrichter: Martin Thomsen (Kleve)

Gelbe Karten:
(38.) Strauß
(45.+3) Taffertshofer
(61.) Baumgart
(68.) Rizzuto

Statistik:
Insgesamt trafen die beiden Clubs vor dem heutigen Spiel siebzehnmal aufeinander,
dabei gab es acht Siege für den VfL, vier Unentschieden und fünf Siege für Aue. Hier geht es wie immer zur kompletten Statistik von “fussballdaten.de“.

 

Tabellarisches

Der VfL stand vor dem Spiel wie immer auf dem zweiten Platz in der Kickerformtabelle (Note 3,22). Die Auer immerhin auf Platz 5 (Note 3,38).
Tatsächlich trat der VfL als Tabellenzehnter des 23. Spieltags gegen den Achten aus Aue an, wobei beide Teams zwei Punkte voneinander trennten.

Die aktuelle Tabelle:

Titelfoto: Niklas Schmidt (vorne) und Philipp Riese (Aue); imago images / Picture Point LE

Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Mit "Der VfL in der Saison 2019/20" hat er ein neues Format entwickelt, das von nun an jährlich erscheinen soll. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Journalist und Autor sowie als Kabarettist und Musiker.

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