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Stadt Osnabrück macht für 15 Monate das „indirekte Linksabbiegen“ unmöglich

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Titel: Gesperrte Fahrrad-Aufstellfläche am Rißmüllerplatz / Foto: Pohlmann

Die Stadt Osnabrück hat sich viel vorgenommen: An insgesamt 41 Kreuzungen im Stadtgebiet wird das Linksabbiegen für Fahrradfahrer neu geregelt.

Mit Beginn der dafür nötigen Umbauarbeiten an den Kreuzungen wird das bisherige Abbiegeverfahren durch Abkleben der Aufstellflächen, wie es unser Fotograf am Rissmüllerplatz fotografieren konnte, unterbunden.

Fahrradfahrer müssen daher in den kommenden 15 Monaten umdenken und bis ein sicheres Linksabbiegen wieder möglich ist – dann nach einem neuen System – werden die alten sicheren Aufstellflächen abgeklebt und die Fahrradampeln ebenfalls außer Betrieb gesetzt.

Herausforderung: Absteigen oder mitten durch den Gegenverkehr

Was aber sollen Fahrradfahrer tun, wenn sie nun zum Beispiel aus der Bierstraße kommend nach links auf den Wall in Fahrtrichtung Lotter Straße abbiegen wollen?

Geht es nach der nun vorgenommenen Änderung gilt es entweder abzusteigen und über die Fußgängerampeln zu schieben, oder mitten über die Kreuzung durch den Gegenverkehr.
Das allerdings wird für die aus der Bierstraße kommenden Fahrradfahrer wohl ein waghalsiges Unterfangen. Denn die Bierstraße ist eine Einbahnstraße, die nur ausnahmsweise von Radfahrern entgegen der Fahrtrichtung benutzt werden darf. Für die von der Natruper Straße abbiegenden PKW gibt es dort somit „eigentlich“ keinen Gegenverkehr – bis jetzt.

Statt "Abbiegen in zwei Zügen" geht es nun wieder mitten über die Kreuzung oder über den Fußgängerüberweg (schieben!); Foto: Pohlmann
Statt „Abbiegen in zwei Zügen“ geht es nun wieder mitten über die Kreuzung oder über den Fußgängerüberweg (schieben!) / Foto: Pohlmann

Auch wenn sie nicht direkt betroffen sind und auch bislang bereits die Fahrradfahrer das Recht hatten, die Aufstellflächen zu ignorieren, werden Osnabrücks Kraftfahrer ebenfalls umdenken müssen. Gelingt das nicht, droht in den kommenden 15 Monaten ein bitterer Beweis dafür, dass das „indirekte Linksabbiegen“ wirklich helfen kann, Unfälle zu vermeiden.

Bisherige Osnabrücker Regelung weicht von der Norm ab

Das indirekte Linksabbiegen, so wie es bislang in der Hasestadt praktiziert wurde und wie es im Spätsommer 2023 nach neuen Regeln wieder ausgeübt werden soll, gibt Radfahrern die Möglichkeit, an Kreuzungen links abzubiegen, ohne dabei im fließenden Verkehr Fahrspuren überqueren zu müssen.

Die bundesweit gültigen Vorgaben für Ampeln sind in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) festgelegt. Hiervon weicht das indirekte Linksabbiegen, wie es in Osnabrück bisher praktiziert wird, ab. Das liegt jedoch nicht daran, dass die Stadt die RiLSA bislang nicht beachtet hat: „Das indirekte Linksabbiegen hat sich mit der Zeit in vielen Städten – so auch in Osnabrück – verbreitet, weil es sich bewährt hat“, erklärt Stadtbaurat Frank Otte. „Umgesetzt wird es überall ähnlich. Um jedoch gleiche Standards zu schaffen, hat der Gesetzgeber Richtlinien formuliert und diese weichen von der Osnabrücker Variante ab.“

Bislang fahren Radler, die nach links abbiegen möchten, in die Kreuzung ein und halten auf der vorgesehenen Aufstellfläche an. Ihr Blick fällt auf die Ampel, die sich in Linksabbiegerichtung auf der anderen Seite der Kreuzung befindet, also am Ziel der Fahrt. Zeigt sie grün an, fahren sie los. „Diese Ampel ist je nach Größe der Kreuzung ein ganzes Stück von der Aufstellfläche entfernt“, so Otte. „Das können durchaus 50 Meter sein.“ Es handelt sich um Dreifeldampeln, die rot, gelb und grün anzeigen können.

Nur noch rot und grün für Radfahrer

Um das indirekte Linksabbiegen richtlinienkonform zu gestalten, wird die Stadt diese Konstellation im Kreuzungsbereich verändern. Die Aufstellfläche bleibt zum Großteil an derselben Stelle wie bisher, auch das Prinzip bleibt gleich. Die für den Radfahrenden maßgebliche Ampel wird sich nach der Umstellung jedoch nicht mehr an der beschriebenen Position, sondern in gerader Richtung unmittelbar vor dem Radfahrer – also an dessen Startpunkt – befinden. Es wird sich dabei auch nicht mehr um eine Dreifeldampel, sondern um eine Zweifeldampel – rot und grün – handeln, in deren Feldern sich kleine, nach links deutende Pfeile befinden.

Ampel sind künftig besser zu erkennen

Vorteil der neuen Variante ist, dass die Ampel deutlich näher an die Aufstellfläche für die Radfahrer heranrückt und entsprechend besser zu erkennen ist. Der Wegfall des gelben Ampelfeldes hat keine negativen Auswirkungen, weil das indirekte Linksabbiegen stets aus dem Stillstand heraus geschieht. Das gelbe Feld, das sonst den fließenden Verkehr vorwarnt,  ist also überflüssig.

Gleichzeitig ist durch die geänderte Position der Ampel die Blickrichtung der Radfahrer beim Warten eine andere. Fällt der Blick bislang über die Kreuzung, was bei vermeintlich freier Kreuzung zum Queren trotz roter Ampel verleiten kann, liegt der Fokus der Radfahrer nach der Umstellung auf der direkt vor der Aufstellfläche liegenden Ampel. Mit der Umstellung gilt dann für alle den Radverkehr betreffenden Ampelsignale, dass sie vor dem Konfliktpunkt im Knotenbereich aufgestellt sind, sich also zwischen Radfahrer und der maßgeblichen Ampel keine Fahrspuren befinden.

41 Kreuzungen – Umstellung ab Juni

Die Umstellung beginnt im Juni. Insgesamt findet sie an 41 Kreuzungen im Stadtgebiet statt. Zunächst werden Knotenpunkte bearbeitet, an denen wegen des umweltsensitiven Verkehrsmanagements (UVM) sowieso Arbeiten anstehen. Weiter geht es voraussichtlich ab August mit den weiteren Kreuzungen. Ziel ist es, die Arbeiten im dritten Quartal 2023 abzuschließen. Um zu vermeiden, dass an einigen Kreuzungen schon die neue, an anderen aber noch die alte Variante aktiv ist, ist das indirekte Linksabbiegen mit Start der Arbeiten zunächst an keiner Kreuzung mehr möglich. Hierzu werden die vorhandenen Ampeln für das indirekte Linksabbiegen abgedeckt und die Aufstellflächen durchgestrichen. Radfahrer nutzen dann an diesen Kreuzungen, wenn sie nicht direkt über die Autospuren linksabbiegen möchten, die Fußgängerfurten und -signalisierungen – allerdings schiebend.

Die Umstellung nimmt der Fachdienst Verkehrsanlagen der Stadt in Eigenleistung vor.

An diesen Knotenpunkten beginnen die Umbauarbeiten (wegen UVM):

  • Rißmüllerplatz
  • Hasetor
  • Johannisstorwall /Johannisstr.
  • Johannistorwall /Kommenderiestr.
  • Schloßwall / Süsterstr.
  • Schloßwall / Rehmstr.
  • Heinrich-Lübke-Platz
  • Eversburger Platz
  • Iburger Str./ Meller Str.
  • Mindener Str./ Heiligenweg
  • Mühleneschweg
  • Bremer Str. / Gartlager Weg

mit Pressematerial der Stadt Osnabrück

Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11
 

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