Eigentlich sollte das neue Proben- und Werkstattzentrum des Theaters Osnabrück im Smart Business Park Limberg entstehen. Doch kurz vor der Sitzung des Kulturausschusses am 20. November wurde überraschend eine Alternative vorgestellt: Ein Umzug des Projekts in die Innenstadt – genauer gesagt auf das Areal rund um die Herz-Jesu-Kirche am Erich-Maria-Remarque-Ring.
Innenstadt bietet Nähe und bessere Förderchancen
Die bisherigen Planungen am Limberg waren bereits weit gediehen und hatten die Leistungsphase 2 erreicht. „Eine weitere Bearbeitung wurde aktuell ausgesetzt“, verriet Stadtbaurat Thimo Weitemeier. Der Grund: Die Zentralität des neuen Standortes könnte gleich mehrere Vorteile mit sich bringen.
Der Standort rund um die entwidmete Herz-Jesu-Kirche besticht vor allem durch seine unmittelbare Nähe zum Theater am Domhof. Das Ensemble hätte künftig nur wenige Schritte vom Probensaal bis zur Bühne. Gleichzeitig könnte die Nutzung der derzeit leerstehenden Kirche neue Impulse für die City setzen.
Auch finanziell eröffnet die Innenstadt neue Perspektiven. Während am Limberg nur eine Förderung über das Programm KulturInvest möglich gewesen wäre, sieht Weitemeier nun deutlich mehr Spielräume: „In der Innenstadt sind ganz andere Fördertöpfe möglich.“ Denkbar seien Mittel aus der Städtebauförderung, Programmen zur Umnutzung bestehender Bausubstanz oder zur Belebung innerstädtischer Bereiche. Sein Fazit: „Am Limberg wäre nur KulturInvest möglich, in der Innenstadt aber KulturInvest plus weitere Förderprogramme.“
Auch Theaterintendant Ulrich Mokrusch begrüßt die Entwicklung. „Die Herz-Jesu-Kirche allein hätte uns nicht ausgereicht, aber das Grundstück daneben war ein Gamechanger.“

Große Chance – aber erst einmal nur für das Probenzentrum
Für das neue Probenzentrum soll neben der Kirche auch das Grundstück am Erich-Maria-Remarque-Ring 5-7 genutzt werden, einschließlich des dort ansässigen Kindergartens. Dieser solle an anderer Stelle neu gebaut werden, erklärte Erster Stadtrat Wolfgang Beckermann, da er ohnehin sanierungsbedürftig sei.
Allerdings bietet das Areal nicht genügend Platz für das ursprünglich geplante kombinierte Proben- und Werkstattzentrum. Die Werkstätten im Hafen an der Rheinstraße bleiben daher zunächst bestehen und müssen saniert werden. Erst in einem späteren Schritt ist ein Neubau des Werkstattzentrums vorgesehen. Der grobe Zeitplan: erst das Probenzentrum errichten, anschließend das Theater sanieren, zuletzt das Werkstattzentrum neu bauen.

Neue Spielstätte möglich
Ein entscheidender Vorteil: Für den Innenstadt-Standort ist kein neuer Bebauungsplan nötig, was das Projekt deutlich beschleunigen könnte. Am Limberg hingegen könnten noch zwei Jahre vergehen, bis der so genannte B-Plan vorliegt. Zudem würde das Theater von einer zusätzlichen Spielstätte profitieren. Geplant sind 100 bis 150 Plätze – ideal für kleinere Produktionen oder Formate, für die bislang kein Ort existierte. Intendant Mokrusch sieht darin großes Potenzial: „Perfekt für Transkultur.“
Die Herz-Jesu-Kirche selbst soll in ihrer äußeren Form erhalten bleiben. „Von außen ist sie denkmalgeschützt, aber im Inneren, wo sie im Krieg zerstört wurde, wären wir relativ frei“, erklärte Thimo Weitemeier. Ergänzt werden soll das historische Kirchengebäude durch einen modernen viergeschossigen Anbau. Die Stadt würde die entsprechenden Liegenschaften vom Bistum übernehmen. Die Idee zu diesem neuen Ansatz stammt aber weder vom Bistum noch vom Theater, sondern nach Aussage des Stadtbaurats aus seinem Fachbereich.
Entscheidung erst 2026
Die nun anstehende Machbarkeitsstudie soll klären, ob sich das Vorhaben tatsächlich realisieren lässt. Grundlage dafür ist ein Raumprogramm, das die Städtischen Bühnen gemeinsam mit einem Theaterplaner erarbeiten. Auf dieser Basis will die Stadt ein Architekturbüro mit der vertieften Untersuchung beauftragen.
Ob das Probenzentrum tatsächlich in die Innenstadt zieht, ist offen. Doch alle Beteiligten sehen darin große Chancen für Theater und Stadtentwicklung. Bis April 2026 soll die Studie abgeschlossen sein. Mit einem politischen Beschluss wird im Juni 2026 gerechnet.
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