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Spielplatz im Natruper Holz verschwindet – kein Ersatz geplant?

“Wo ist der Spielplatz”, fragte sich I-love-OS-Leser Marcus, als er heute Morgen durch das Natruper Holz joggte.
Seit mehr als 40 Jahren (vermutlich länger, aber soweit reicht das Gedächtnis des Autors nicht) lockte hier ein Spielplatz auch die Kinder zum Waldspaziergang – jetzt ist er weg!

Spielplatz im Natruper Holz

Nachdem über Jahre bereits der einst sehr beliebte Trimm-Dich-Pfad im Natruper-Holz dem Verfall überlassen und schließlich zurückgebaut wurde, verschwindet offenbar erneut ein Stück Lebensqualität aus Eversburg!

Die telefonisch befragten städtischen Servicebetriebe und das Presseamt hatten “auf die Schnelle” keine Antwort auf die naheliegende Frage, ob denn hier bald ein neuer Spielplatz zu erwarten sei.
Ein Vertreter des Presseamtes vermutete jedoch, dass hier ein Rückbau im Rahmen eines “Spielplatzkonzeptes” stattgefunden hat. Ein Bestandteil des “Konzepts” ist offenbar an einigen Standorten “keine Spielplätze” mehr zu unterhalten; es ist also eher ein “Kein-Spielplatz-Konzept”.
Sonderlich gepflegt war der Spielplatz bis zuletzt auch nicht mehr. Die kindliche Begeisterung, die einst das hölzerne Kletterschiff an gleicher Stelle auslöste, konnte er mit seinen seit den 90er Jahren lieblos aufgestellten Standard-Spielgeräten natürlich auch nicht mehr entfachen.
Auf diesem Wege entledigt sich auch die Bahn vieler ungeliebter Nebenstrecken. Erst die Qualität herunterschrauben und dann die Pflege vernachlässigen. Die endgültige Stillegung bemerkt dann hoffentlich niemand. Trotz schlechter Pflege wurde aber dieser Spielplatz – gerade am Wochenende – immer noch genutzt; selbst wenn der Stadtrat oder die Verwaltung anderer Meinung sein sollte. Also liebe Leser, macht Euch auf traurige Kindergesichter gefasst, wenn es mal wieder zum Waldspaziergang geht….

Ob das eine richtige Maßnahme ist, im erklärten Bemühen der Stadt die Position als drittgrößte Stadt Niedersachsens zu verteidigen, darf getrost bezweifelt werden. Lebensqualität und Angebote für Familien mit kleinen Kindern schafft man nicht durch den Rückbau von Spielplätzen!

HP, Danke Marcus für den Hinweis via Facebook

AFP

Update und Exkurs: warum akkurate Nachrichtenverarbeitung so wichtig ist

Update: gegen 20 Uhr hat offenbar auch die NOZ gemerkt, dass der korrekte Artikel für Ventil “das” ist. Die entsprechende Headline wurde korrigiert… siehe auch Blogpost dazu unten.

Warum aber ist es so wichtig, dass auch Tickermeldungen akkurat begutachtet werden bevor sie online gehen? Abgesehen vom berechtigten Anspruchs den ein Leser an jedwedes Medium stellen darf?

Leider weitgehend unbekannt sind die Ereignisse des 08. September 2008, als ein kleiner Datumsfehler im Google-Index für kurzzeitige Millionenverluste an der Wall Street sorgte.
Was war passiert? Durch einen technischen Fehler war ein sechs Jahre alter Artikel über den Bankrott der Fluglinie United Airlines wieder in die Google-News aufgenommen worden – dummerweise mit dem tagesaktuellen Datum.
Jeder anständige Wirtschaftsredakteur wäre sofort stutzig geworden und hätte den entsprechenden Artikel schnell als “alt” erkannt. Im hektischen computergestützten Handel der Wall Street wurde der alte Artikel aber als glaubhaft akzeptiert (das Datum war ja schliesslich tagesaktuell) und die Kurse von United brachen zeitweise um mehr als 75% ein – der Gegenwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar!
Es dauerte 12 Minuten, bis “Menschen” mit Sachverstand den Fehler erkannten.

Welche “Welle” würde wohl eine ähnliche Falschmeldung (ein falsches Datum reicht offenbar) auslösen, die nicht allein im Google-Index fehlerhaft verzeichnet ist, sondern gleich von 676 teils renomierten Medien verbreitet wird?
Solange lediglich EDV-Prozesse dafür sorgen, dass Ticker-Meldungen ungeprüft (egal ob bei Rechtschreibung oder Inhalt) online gestellt werden, besteht hier eine latente Gefahr! Ärgerlich ist es zudem, wenn es mehre Stunden dauert, bis ein grober Fehler entdeckt und korrigiert wird.

HP

PS: es geht hier nicht gegen die NOZ – die unten behandelte fehlerhafte Tickermeldung wurde schließlich von 675 anderen Medien (u.a. Stern, Welt) gleichlautend unkorrigiert verbreitet – es geht vielmehr um guten Journalismus, den alle Leser einer Tageszeitung (und die heißt in OS nun mal NOZ) einfordern sollten! Wenn überall nur noch die gleichen Tickermeldungen (unkorrigiert) weiterverbreitet werden, dann verliert auch die Demokratie die Vierte Gewalt, und das wäre ein schlimmer Verlust!

AFP

Rechtschreibfehler in der Lokalzeitung? Wenn Journalismus durch Computer ersetzt wird….

“Computer sind doof” sangen Spliff in den 80er Jahren, und kannten offenbar noch nicht segensreiche Anwendungen wie das Internet oder die Rechtschreibkorrektur im PC.

Wenn Computer langsam aber sicher dafür sorgen, dass programmierte Prozesse uns vorgaukeln was eine Nachricht ist und was nicht, dann zeigt sich wirklich wie “doof” Computer sind.

Wer noch glaubt, dass eine lokale Tageszeitung ausschließlich von ernsthaft am Tagesgeschehen interessierten Journalisten gemacht wird, der wurde heute bei der Online-NOZ mal wieder eines Besseren belehrt. Ein ganz grober “Klopfer” rutschte offenbar automatisiert in die Online-NOZ.

NOZ.de

Dabei kann so ein Tippfehler wie “der” statt “das Ventil” jedem mal passieren…
Bei der Prüfung via Google, ob dies nicht doch irgendwie eine (rechtschreibreformierte) Schreibweise ist (nein, ist es nicht) wurde dem geneigten Blogger offenbar, dass auch diese Meldung nur billige Agentur-Ware ist, die ungelesen in die Online- (und vermutlich auch heute Abend auf Papier gedruckte) NOZ “gekippt” wurde.
Kein Journalist, der nochmal einen Blick darauf wirft, ob denn diese Meldung wenigstens in der Rechtschreibung den Ansprüchen einer angeblich viel-zitierten Qualitätszeitung genügt.

Google

Genau wie bei aktuell mehr als 670 anderen mehr oder weniger qualitativen Medien, die online den kuriosen Rechtschreibfehler verbreiten… immer der gleiche Text, immer ohne wenigstens oberflächliche Prüfung. Und da wundert sich die gesammelte Verlegerschaft, wenn “die Tageszeitung” als Medium in einen immer stärkeren Abwärtsstrudel gerät?

Wer ohne Nachzudenken abschreibt wird bestraft, das haben wir schon in der Schule gelernt, spätestens jedoch bei Guttenberg & Co!
Die Bestrafung der Tageszeitungen erfolgt jedes Quartal neu mit stetig einbrechenden Auflagenzahlen!

Schade, denn guter Journalismus war einst der Stolz eines jeden Verlegers – zu Zeiten als Agenturen wie dpa nur Hintergrundinformationen für eine eigene Berichterstattung boten.
Wenn schon die Verleger offenbar ihren Stolz verloren haben, dann liegt die letzte Hoffnung bei den Journalisten.
Ist ungeprüfte und automatisch (wie bei 675 anderen Medien identisch) eingefügte Agenturware wirklich noch Journalismus? Darf man nicht langsam von einer Gleichschaltung 2.0 sprechen, weil offenbar Profitinteresse vor Anspruch und Qualität gestellt wird… fragt sich ein treuer Zeitungsleser!

HP, Quellen: NOZ.de und Google.de

PS: auch in I-love-OS gibt es mehr als genug Tipp- und Rechtschreibfehler, das passiert wenn man “direkt in den Blog” schreibt. Was es hier nicht gibt: “Copy&Paste-Journalismus”!

AFP

Carsten Thye, ein „Osnabrücker Original“ und die markante Stimme des VfL

Wie in den Vorwoche stellen wir hier Originale vor, die es so nur in Osnabrück gibt.

Bisherige Osnabrücker Originale:

  • Springbrötchen
  • Iduna Hochhaus
  • Grüner Jäger
  • Hannoverscher Bahnhof
  • Doc Moralez
  • steinerner Eisbär im Zoo

VfL Osnabrück gegen Borussia Mönchengladbach, auch wenn diese Zweitligapartie im August 2000 für den VfL mit einer Niederlage (1:3) ausging, wird Carsten Thye dieses Spiel nicht so schnell vergessen, es war zusammen mit DJ Stomb sein erster Einsatz als Assistent des damaligen Haupt-Stadionsprechers an der Bremer Brücke, damals noch „Piepenbrock-Stadion“.

Seither hat Thye im zweiwöchentlichen Rhythmus der Heimspiele, den VfL bei zahlreichen Triumphen aber auch durch einige Tiefen begleitet. Das Ehrenamt teilt er sich seit 2002 mit Matthias „Matze“ Wellbrock, der ebenfalls ein Osnabrücker Original ist und „Fußballmuffeln“ als DJ der „Showdisco Starlight“ ein Begriff sein dürfte. Damit die nötige Neutralität gewahrt bleibt, teilen sich die beiden im Wechsel die Ansage der Mannschaftsaufstellung für die Heim- und die Gastmannschaft.


Carsten Thye ein Osnabrücker Original

In der Sprecherkabine muss sich Carsten Thye manches Mal zurückhalten, denn ohne den nötigen Anlass – idealerweise ein Tor des VfL – bleiben die Lautsprecher still. Bei den Auswärtsspielen aber kann er seinen Emotionen freien Lauf lassen, als einer der Moderatoren des „VfL-Live Radios – Lauschangriff“ findet der Stadionsprecher dann über das Internet seine Zuhörer. Auch auf UKW war Carsten Thye schon aktiv, als einer der Moderatoren des „VfL Report“ im damaligen Offenen Kanal. Auf der Lokalfunkfrequenz 104,8  begleitete er immer Montags zusammen mit Wellbrock die Lila-Weißen von 1996 bis zu seinem Wechsel in die Sprecherkabine im Jahr 2000. Ab 2000 wechselte diese Sendung für einige Zeit auf den Websender „Teutoradio“.
Man könnte meinen mit der Erfahrung vom Radio war Thyes Weg, der hauptberuflich im Außendienst tätig ist, vorgezeichnet. Aber eine ganz wichtige Komponente für seinen Lebenslauf ist die Begeisterung, die ihn schon als Dreijährigen erfasste, als er zum ersten Mal mit dem Vater an die Bremer Brücke pilgerte und später auch mit seinen Brüdern und Freunden. Die Gegner des VfL in den frühen 70er Jahre hießen 1. FC Mülheim-Styrum oder Barmbeck-Uhlenhorst. Seitdem, so Thye, hat er nur eine „sehr überschaubare Anzahl“ an Heimspielen des VfL verpasst.

Es sind vor allem die Momente, bei denen der Stadionsprecher mit dem Publikum kommunizieren kann, zum Beispiel bei Verkündung eines Torschützen, bei denen die Persönlichkeit und markante Stimme des Sprechers gefordert sind. Carsten Thye steht dabei in einer Reihe mit Entertainern wie Joachim „Blacky“ Fuchsberger, einst Stadionsprecher bei Olympia 1972 in München, oder Lotto King Karl, der beim HSV in Hamburg für Stimmung sorgt und nicht zuletzt Pokalheld Norbert Dickel beim deutschen Meister Borussia Dortmund.
Zum Beruf, der eher eine Berufung ist, zählt es auch Fundmeldungen zu verbreiten und verlorengegangene Kinder zu trösten und ihre Eltern ausfindig zu machen. Wenn es zu Ausschreitungen im Stadion kommt ist das Fingerspitzengefühl des Stadionsprechers gefragt, denn er ist „die Stimme des Stadions“ und unseres VfL!


Osnabrücker Original

Die Nominierungsphase für das Osnabrücker Original ist seit dem 01. September beendet. In den kommenden Tagen erfahren Sie auf  der Homepage der Initiative oder bei Facebook wie es weiter geht…
Aus den zahlreichen Nominierungen können Sie dann für Ihr Osnabrücker Original abstimmen.

HP, Foto: C. Thye privat

Dieser Artikel erschien auch am 26.08.2012 in der Osnabrücker Sonntagszeitung (PDF Download).

AFP

Das war das Sommerloch 2012…

Die hervorragenden Statistiken von Facebook, wo I-love-OS vor einigen Tagen die 6.000´er Fan-Marke durchbrochen hat, erlauben einen hervorragenden Blick auf das Nutzerverhalten, beispielsweise bei Schönwetter-Tagen oder in der Urlaubsperiode.

Sommerloch

Obige Grafik zeigt, wie bereits seit Ende Juli (dort waren wir ursprünglich kurz davor 20.000 erreichte Personen pro Wochen-Intervall zu schaffen) die Kontakte auf ungefähr 15.000 pro Woche stagnierten.
Den Boden des Sommerlochs – mit nur noch etwa 3.500 Kontakten pro Woche – erreichte I-love-OS am 03. August, und erst am 14. August ging es wieder kontinuierlich aufwärts – das muss der Gipfel der Urlaubszeit in Osnabrück gewesen sein.
Der Trend nach dem 14. August wurde übrigens nicht von den hochsommerlichen Temperaturen gebrochen. Die Aufwärtsbewegung dürfte jetzt bis zum Ende der Sommerferien in der übernächsten Woche anhalten.
Es wird doch viel am Arbeitsplatz gesurft – die Quelle unseres Sommerlochs…

Ab September heisst das Ziel: >20.000 erreichte Personen pro Woche und fünfstellige Fan-Zahlen bis zum Jahresende!

I-love-OS bei Facebook.

HP

AFP

Update zur Sekretariats-Affäre: Disziplinarverfahren eröffnet

Gegen die Osnabrücker Stadtkämmerin in spe, Jutta Bott (SPD), wurde heute wie erwartet (siehe hier) ein offizielles Disziplinarverfahren eingeleitet.

Die Stadt Kassel teilt mit:

“Ein Disziplinarverfahren nach § 20 Absatz 1, Hessisches Disziplinargesetz, hat jetzt Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen gegen die Leiterin des Revisionsamtes der Stadt Kassel, Jutta Bott, eingeleitet. Damit kam der Oberbürgermeister auch dem Wunsch von Bott nach. Das Disziplinarverfahren wird von einem Mitarbeiter des städtischen Personal- und Organisationsamtes geleitet.

Ein Sprecher der Stadt wies darauf hin, es seien nach den Vorermittlungen des Personal- und Organisationsamtes Tatbestände recherchiert worden, die die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens rechtfertigten. So sei festgestellt worden, dass die Dissertationsschrift von Bott auf städtischen Rechnern gespeichert worden sei. Auch sei unzweifelhaft, dass die Amtsleiterin eine Mitarbeiterin um Hilfe bei der Formatierung der Arbeit gebeten habe. Ob weitere Verstöße begangen oder dienstrechtliche Vorschriften verletzt worden seien, würden die weiteren Ermittlungen ergeben, meinte der Sprecher abschließend.”

Was den Zeitpunkt der Eröffnung dieses Disziplinarverfahrens angeht, erscheint der Eindruck, dass erst massiver faktischer Druck dazu führte. Der Kasseler Oberbürgermeister war über die Vorwürfe bereits seit dem 24. Juli informiert!

Kai Boeddinghaus schreibt dazu aktuell im Kasselerrathausblog:

”(…) Weniger als eine Woche hat es gedauert bis nun nach der ersten Veröffentlichung heute die Stadt die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen die beschuldigte Amtsleiterin eingeleitet hat. Dies geschehe auch auf Wunsch der Amtsleiterin. Es darf bezweifelt werden, dass dieser Wunsch auch schon vor der Veröffentlichung der Vorwürfe in der Seele der Amtsleiterin brannte. (…)”

HP

AFP

ein Hinweis der Feuerwehr Osnabrück

Und erneut ein drastischer aber notwendiger Hinweis der Feuerwehr Osnabrück!

Siehe auch hier.

HP, gesehen bei Facebook

AFP

Die Stadtkämmerin in spe, zukünftige Frau Doktor … und ein Skandal schon vor Amtsantritt

Osnabrück bekommt eine neue Kämmerin, die kommt aus Kassel, ist Sozialdemokratin und wurde im Juli mit erstaunlich großer Mehrheit (43 Ja-Stimmen von 49) gewählt (NOZ)… und sie hat bereits vor ihrem Amtsantritt im Oktober einen handfesten Skandal “an der Backe”.

“Wieder mal” geht es um eine Doktorarbeit und wieder mal geht es um das leidige Thema “Abschreiben”.
Doch diesmal soll die zukünftige Frau Doktor nicht inhaltlich (à la Guttenberg) abgeschrieben haben, sondern hat angeblich ihre Sekretärin bei der Stadt Kassel damit beauftragt.

Causa Bott bei der NOZ

Der aktuelle Sachstand, den auch die NOZ heute berichtet, ist kurz erklärt:

Die angeblich von der Noch-Amtsleiterin Jutta Bott (keine Altersangabe) mit dem Abtippen beschäftige Sekretärin (keine Altersangabe) wird von Kollegin (59), die angeblich “seit einigen Jahren mit ihrer Vorgesetzten im Clinch liegt” (so NOZ) mit eidesstattlicher Versicherung beschuldigt während ca. vier Wochen regelmäßig und über täglich mehrere Stunden die fragliche Arbeit formatiert und wohl auch abgetippt zu haben. Die noch nicht promovierte Frau Bott streitet das ab, nimmt sich einen Anwalt, und der bezeichnet das als “unhaltbar”. Zur Klärung der Vorwürfe hat Frau Bott gegen sich selbst ein Disziplinarverfahren beantragt.

Neben der seltsamen Berichterstattung der NOZ, die den Whistleblower (die ältere Sekretärin) insgesamt vier (4!) mal mit Altersangabe versieht – den Hinweis auf das Alter aber bei allen anderen Beteiligten unterlässt – taucht auch noch ein “Blogger” auf, der nun ebenso wie die Sekretärin eine Strafanzeige kassieren soll – aber nicht wegen übler Nachrede oder ähnlich naheliegender Gründe, sondern (man lese und staune) wegen Verstosses gegen das Urheberrechtsgesetz!

Der ominöse Blogger soll der Fraktion der Linken angehören, die in Kassel fünf Stadtverordnete stellt.
Der einzige aktive Blogger dieser Fraktion ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kai Boeddinghaus (parteilos), der unter kai.boeddinghaus.de ein gut geführtes Blog mit reichlich Leben erfüllt, wie man es sich wenigstens von einem Osnabrücker Ratsherrn bislang nur vergeblich wünscht.

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Update 09:15: Eine zwischenzeitlich an Kai Boeddinghaus gestellte Nachfrage ergab, dass sich der angebliche Urheberrechtsverstoß wohl auf das kasselerrathausblog.de bezieht. Ein weiteres von ihm geführtes Blog, das über Google allerdings nicht so leicht zu finden ist.
Dort findet sich des Kasseler Bloggers und Stadtverordneten detaillierte Sicht auf das Revisionsamt und seine bald scheidende Leiterin – eine wirklich lesenswerte Lektüre, deren zusätzliche Aspekte zumindest diesen Blogpost sprengen würden.

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Die Kasseler Lokalzeitung HNA hat bereits mehrfach über den Fall berichtet, und auch in diesem Zusammenhang taucht Kai Boeddinghaus auf, denn ihm ist eine Kopie der über 350-seitigen Dissertation zugespielt worden. Anhand der vorliegenden Kopie ist wohl zu erkennen, dass diese zuletzt von einer städtischen Sekretärin bearbeitet wurde – der Umfang dieser Arbeiten lässt sich aber daraus nicht ersehen.
Hier die Direktlinks auf die ursprüngliche Berichterstattung der HNA:

– 23.08. – Amtsleiterin: Mussten Mitarbeiter Doktorarbeit tippen?
– 24.08. – Doktorarbeit im Büro bearbeitet

Auffallend ist dabei, wie hart die hessische Lokalzeitung mit Frau Bott bereits in der Schlagzeile ins Gericht geht. Die NOZ wählt mit “Künftige Stadtkämmerin will Strafanzeige erstatten” eine deutlich mildere Gangart, und der gesamte Artikel unserer Lokalzeitung klingt eher nach einer Abwehrschlacht gegen offensichtlich unberechtigte Vorwürfe einer ältlichen und niederrangigen Widersacherin.
(Auch) in den Leserkommentaren gehen die Kasseler da viel deutlicher mit ihrer (noch) Mitbürgerin um, Beispiel “Leser Osse”:

Man kann die Stadt Osnabrück nur warnen, eine solche Nebelkerzenwerferin in ein besoldetes Stadtamt zu übernehmen. Ihre Ausflüchte lassen auf ein gestörtes Verhältnis zum Beamtenrecht schliessen. (…). Frau Bott wird bei einem juristischen Erfolg erst recht in Zukunft ihre privaten Vorteile zu Lasten der Arbeitgeber und Bürger finanzieren.

Ein Aspekt scheint der NOZ komplett durchgerutscht zu sein, obwohl durchaus darüber berichtet wird…

So schreibt die NOZ:

“Jutta Bott hat ihre Doktorarbeit auf dem Rechner im Rathaus abgespeichert. Ende Juni/Anfang Juli soll sich das Werk in der Endredaktion befunden haben …”

Die HNA wird bezüglich der Gründe für das Speichern auf dem Rathausserver präziser:

“Der Anwalt von Bott, Wilfried Mosebach, erklärt für seine Mandantin, diese habe ihre Dissertation in der Tat auf dem Rathaus-Server abgespeichert. Dadurch habe sie ihre Arbeit, an der sie sieben Jahre gearbeitet habe, zusätzlich sichern wollen. …”

Priceless Frau Bott

Eine (nach sieben Jahren!) endlich fast-fertige Doktorarbeit zusätzlich abzusichern ist sicher ein lobenswerter Gedanke – aber warum ausgerechnet auf einem vom Steuerbürger bezahlten Rathaus-Server?
Es stimmt schon, Speicherplatz kostet inzwischen “fast nichts” mehr, aber eben auch nur “fast”. Zudem kommen bei einem hochverfügbaren Behörden-Server auch noch Wartungskosten und die Kosten für besondere Serverhardware hinzu…

Einen Kostenvergleich mit einem privaten Web- oder Dokumentenserver (extern in einem Rechenzentrum gehostet und damit bspw. gegen Feuer gesichert) oder einer externen Festplatte muss sich die Noch-Leiterin des Revisonsamtes Kassel schon gefallen lassen.
Vermutlich erlaubt ihr Arbeitgeber eine Nutzung des Internets für gelegentliche private E-Mails oder kurze Recherchen – was jedoch längst noch nicht standard ist in deutschen Betrieben – aber das Nutzen von städtischen Servern für private Sicherungszwecke dürfte mit ziemlicher Sicherheit auch in Kassel nicht erlaubt sein.

So stellt sich die Frage nach der unberechtigten Übergabe privater Aufgaben an eine städtische Sekretärin vielleicht gar nicht mehr. Allein das Nutzen der städtischen Infrastruktur für eindeutig private Zwecke (Vergleichswert 65,- € einmalig oder 7,90 € monatlich) sollte sowohl ihrem jetzigen Arbeitgeber als auch den Osnabrücker Bürgern zu denken geben!

Muß man nicht auch hier die Maßstäbe anlegen, die schon einen Bundespräsidenten zu Fall gebracht haben? Dort wurde sogar ein geschenktes Bobby Car ins Feld geführt, das er in Zusammenhang mit einem privaten(!) Autokauf erhielt…

Laut kasselerrathausblog.de schreibt Jutta Bott in ihrer Dissertation „dann kann man von Machtmissbrauch zur Durchsetzung und Befriedigung eigener Interessen sprechen.“ (S.307). Das findet auch der Osnabrücker Blogger irgendwie passend!

HP

Illustration 1: Foto Neue Osnabrücker Zeitung, Lokalteil vom 28.08.12
Illustration 2: “Satire” in Anlehnung an MasterCard Priceless

AFP

Generation Doof in Osnabrück… reloaded

Wieder ein Beispiel für die Existenz der Generation Doof in Osnabrück?

Offenbar denken die Organisatoren des Morgenland-Festivals, der deutliche Hinweis hier bitte keine Fahrräder abzustellen, diene allein dem Zweck den Nahverkehr mit Bussen attraktiver zu machen?
Wie sonst ist zu erklären, dass man ausgerechnet unter der Gedenktafel für die ermordeten Osnabrücker Juden die Abfallsammelstation für das heutige Open Air auf dem Markt eingerichtet hat. Geschmacklos oder einfach nur dumm?

HP

AFP

Respekt, Frank Henning!

Da gerät man als Wahlbürger schon ins Staunen, vor soviel Offenheit des Kommunalpolitikers Frank Henning (SPD).
Auf seiner frisch online gestellten Homepage listet Henning seine aktuelle Einkommenslage im Detail auf und macht sich zum “gläsernen Kandidaten” für die Landtagswahl 2013. Gleichzeitig wird er damit auch zum gläsernen Ratsherrn, denn im Osnabrücker Stadtrat vertritt er die SPD bislang als Fraktionsvorsitzender.

Die NOZ, die ebenfalls darüber berichtet, scheint so begeistert über Frank Henning und/oder diese Aktion zu sein, dass sie dem transparenten SPD-Kandidaten sogar Einzigartigkeit attestiert:

“Henning ist der erste Politiker weit und breit, der konsequent seine Einnahmen auflistet.”

Nö, lieber “Kollege” Lahmann-Lammert (NOZ), das stimmt so allerdings nicht!

Eine kurze Anfrage bei Google – das ist die Suchmaschine, die von den Tageszeitungsverlegern so innig gehasst wird – hätte da schnell ein wenig Hintergrundrecherche ermöglicht; man folge diesem Link: http://lmgtfy.com/?q=Gläserner+Politiker…

Voilá, auf den folgenden Suchergebnisseiten findet man u.a. (Sortierung entsprechend der Reihenfolge bei Google):

  • Arne Löwenich, Weilswist, Lokalpolitiker, SPD
  • Brian Uting, Potsdam, Lokalpolitiker, FDP
  • Simon Weiß, Berlin, Landespolitker, Piraten
  • Alexander Bauer, Heppenheim, Landespolitiker, CDU
  • Kordula Schulz-Asche, Darmstadt, Landespolitikern, Grüne

…all diese (und noch viel mehr) Politiker haben bereits ihre Einnahmen offen gelegt.

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Selbst bei dem absoluten Sahnhäubchen der Offenheit, der Veröffentlichung des aktuellen Steuerbescheids, ist Frank Henning nicht der Einzige oder Erste. Hier hat bereits der Genosse Ulrich Kelber (MdB für Bonn) vorgelegt und seine Steuerbescheide bis 2000 rückwirkend (jedoch nicht als PDF) veröffentlicht.
Wie übrigens sehr viele SPD-Politiker diese Offenheit pflegen, schließlich gibt es u.a. einen Entschliessungsantrag der SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen (und ähnlich in anderen Bundesländern), der eine entsprechende Transparenz fordert – worüber auch die NOZ berichtet und was eigentlich implizit erklärt, dass in Osnabrück nun doch keine (oder nur eine äusserst lokale) Revolution passiert.

Wer wissen will, ob das vergleichsweise viel oder wenig ist, was Frank Henning verdient, dem sei die hervorragende NDR-Sendung “Was verdient der Norden 2012” empfohlen, die leider nicht online in der NDR- oder ARD-Mediathek verfügbar ist (vielen Dank NDR für offensichtlich schlecht verhandelte Verträge über Onlineverwertung); vielleicht wird sie demnächst noch wiederholt.

Wenn es am 20. Januar mit dem Einzug in den Landtag klappen sollte, dann steht eine Gehaltserhöhung an. Aktuell betragen die Diäten dort 6.108 Euro monatlich – zuzüglich einer steuerfreien(!) Aufwandsentschädigung in Höhe von 1.048 Euro.

Sollte die Aktion von Frank Henning zu weiterer Transparenz auch bei anderen lokalen Politikern, oder auch nur zu weiterer Transparenz des Stadtrates führen, dann ist dieser Schritt in die Öffentlichkeit nur zu beglückwünschen!
Im Rathaus findet sich aktuell noch nicht einmal eine Mehrheit für den Antrag von Piraten/UWG wenigstens Audioaufzeichnungen zu erlauben; von der zuletzt wieder im Bürgerhaushalt angeregten Videoübertragung der Ratssitzungen ganz zu zu schweigen…
Vielleicht kann Henning ja hier frische Impulse zu mehr Offenheit geben?
Offenheit ist sicher die beste Möglichkeit um Politikverdrossenheit entgegen zu wirken!

Mit diesem Beitrag hat wohl auch bei I-love-OS die Begleitung des Landtagswahlkampfs 2013 seine inoffizielle Eröffnung erfahren.

HP

Illustration: Ausschnitt aus dem Steuerbescheid 2011 für Frank und Julia Henning


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Update 25.08.´12, 08:15: Im bereits oben verlinkten Artikel der NOZ heisst es auch:

So schonungslos wie der Osnabrücker Kandidat Frank Henning mag offenbar niemand im hohen Hause an der Leine seine finanziellen Blößen offenlegen.”

Auch das ist nicht richtig, oder kann sich nur auf den Download des Steuerbescheids beziehen, denn nach erneuter Befragung von Google (“Gläserner Abgeordneter Hannover”) findet sich u.a. der Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags Heinrich Aller (ebenfalls SPD) der alle Diäten, Pauschalen, Entschädigungen und sonstigen Einkünfte bis auf den einzelnen Cent genau angibt.

Es bleibt die Frage, warum unsere Lokalzeitung hier in vollkommen unnötiger Weise die Wahlkampfaktion eines Politikers mit angeblichen Superlativen ausschmückt, die jeder kritische Zeitgenosse ganz einfach per Google als falsch enttarnen kann.

Frank Henning gebührt aber auch ohne Superlative Respekt  – denn vollkommen unabhängig ob er nun der “erste Politiker weit und breit” ist, der soetwas macht, hat er mit diesem Schritt einen mutigen Schritt zu mehr Transparenz beschritten.
Wer aber, egal ob auf Papier oder Online (wobei sich I-love-OS auch selbst in die Pflicht nimmt), Informationen verbreitet, die sich per Suchmaschine im Handumdrehen falsifizieren oder relativieren lassen, hat der Politik einen Bärendienst erwiesen.
Sauber recherchierende Medien sind die Vierte Gewalt in unserem Staat – und angesichts rapider Auflagenverluste sollten insbesondere Tageszeitungen sich keinerlei Parteilichkeit und/oder Flüchtigkeitsfehler leisten.

HP

AFP