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Osnabrücker Ledenhof „glüht“ mit über 50° – ohne irgendwelchen Schatten

Der umgestaltete Ledenhof erhitzt nicht nur das Osnabrücker Stadtklima, sondern auch die Gemüter – und die Asphaltfläche.
Wir haben uns das zentrale Element des neugestalteten Platzes durch das Objektiv einer Wärmebildkamera angeschaut – 12 Uhr Mittags am bislang heißesten Tag des Jahres.

Für über 4 Millionen Euro erhalten die Osnabrücker in diesem Sommer einen weitgehend quadratischen Platz – anstelle der Wasserspiele aus den 70er-Jahren, die mangels Wartung irgendwann zu Pflanzbeeten wurden. Zahlreiche große Bäume mussten am Ledenhof weichen, ersetzt wurden sie nur durch wenige, noch kleine Neupflanzungen. Wasserspiele gibt es keine mehr – auch keine Pflanzbeete.

So sieht eine Wärmebilldkamera den neuen Ledenhof im Sommer
So sieht die Wärmebildkamera den neuen Ledenhof, 02.07.2025, ca. 12:00 Uhr. Deutlich zu erkennen: die klassische Pflasterung im Vordergrund (rot) ist wesentlich kühler als die Asphaltfläche im Hintergrund (helles rosa). Foto: Pohlmann

Wärmebildkamera zeigt über 50 Grad auf dem Asphalt

Die Redaktion hat mit einer Wärmebildkamera* Temperaturen auf dem zentralen Asphaltbereich gemessen – mit Spitzenwerten deutlich über 50 Grad.
Rundherum, auf noch traditionell hell gepflasterten Flächen, lagen die Werte mit etwa 40 Grad merklich darunter. Das wenige verbliebene Grün brachte es im spärlichen Blätterdach – das kaum Schatten spendet – auf moderate Temperaturen um 30 Grad, entsprechend der Umgebungsluft. Grün war es rund um den Ledenhof früher deutlich mehr. Statt einer Asphaltdecke, war mit Penter-Klinkersteinen aus der Region gepflastert.

Tiefgarage verhindert ursprünglich geplante Oberfläche

Im Vorfeld der Neugestaltung war eine wasserdurchlässige, verdichtete Oberfläche versprochen worden – ebenso mehr Grün und deutlich mehr Bäume. Doch die Realität sieht anders aus. Der Grund: Weder die Stadtverwaltung noch das siegreiche Architektenteam hatten bei der Auswahl der Oberfläche berücksichtigt, dass oberhalb der Ledenhofgarage aus technischen Gründen keine wasserdurchlässige Fläche möglich ist.

Beim einem Pressegespräch am Mittwochvormittag nannte Stadtbaurat Thimo Weitemeyer einen weiteren Grund für den Asphalt auf dem Ledenhof: Die ursprünglich geplante Oberfläche sei für die Nutzung als Marktplatz ungeeignet. „Da reicht schon ein 7,5-Tonner, um die kaputt zu machen“, so Weitemeyer.

Auch beim Schlossgarten wurde der versprochene Plan aufgegeben

Ein ähnliches Planungsdesaster ereignete sich auf der anderen Seite des Neuen Grabens: Im Schlossgarten war ursprünglich ein barocker Springbrunnen vorgesehen. Doch auch hier hatten weder das Bauamt noch die Architekten alles rechtzeitig geprüft. Diesmal, ob der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs auch mit den fest verplanten Fördermitteln vereinbar ist – war er nicht!
Die Folge: Statt des Brunnens wurde nachträglich eine betonierte Wasserspielfläche in die Planung aufgenommen. Das ursprünglich als Highlight gedachte Fontänenensemble entfiel ersatzlos.
Der gesamte Prozess der Schlossgartenumgestaltung wurde seinerzeit von einem als Vertreter der Studierenden in die Jury geladenen AStA-Mitglieds als „intransparent“ und „konspirativ“ bewertet.

Verantwortung lag beim früheren Stadtbaurat Frank Otte

Weitemeyer, der erst seit rund einem Jahr im Amt ist, muss sich diese Entscheidungen – egal ob Schlossgarten oder Ledenhof – nicht zurechnen lassen: Die Planung für beide Projekte fällt noch in die Amtszeit seines Vorgängers Frank Otte.

Dennoch zeigte sich Weitemeyer beim Pressegespräch überzeugt und loyal zu seinem Vorgänger: Sobald die jungen Bäume etwas größer sind, werde der neue Platz durchaus positiv wahrgenommen. Außerdem sei der Ledenhof heute weniger stark versiegelt als zuvor – eine Aussage, die unsere Redaktion noch separat prüfen wird.

Keine feierliche Eröffnung, aber zum Tag der Niedersachsen?

Wann der neu gestaltete Platz offiziell eröffnet wird, konnte Weitemeyer nicht sagen – auch nicht, ob eine Feierstunde geplant ist. Zum „Tag der Niedersachsen“ vom 29. bis 31. August soll der Platz jedoch bereits genutzt werden können. Wenn alle Restarbeiten abgeschlossen sind, soll der Wochenmarkt voraussichtlich zum Jahresende auf seinen angestammten Donnerstagsplatz zurückkehren.

* Die Messungen erfolgten am 2. Juli 2025 gegen 12 Uhr. Die verwendete semiprofessionelle Wärmebildkamera war nicht geeicht. Die Bildverläufe sind daher aussagekräftiger als die angezeigten Werte. Testmessungen deuten darauf hin, dass die tatsächlichen Temperaturen auf kurzer Distanz sogar noch höher liegen können.


 
Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2014, basierend auf dem unter dem Titel "I-love-OS" seit 2011 erschienenen Tumbler-Blog. Die Ursprungsidee reicht auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11
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