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Novemberhilfen kommen nicht an: Gründer des OSNABLOC setzen auf Crowdfunding

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Im März 2020 sollte eine neue Boulderhalle in Osnabrück eröffnet werden, das OSNABLOC. Dann kam der erste Lockdown, die Eröffnung im Sommerloch und schließlich der zweite Lockdown im Oktober. Trotz der prekären finanziellen Situation versuchen die Inhaber optimistisch zu bleiben – und verlängern ihr Crowdfunding-Projekt.

Dass der Weg in die Selbstständigkeit nicht einfach werden würde, war den drei Gründern Runa Lahmann, Daniel Friedrich und Erik Rau von Beginn an klar. Die begeisterten Kletterer hatten sich schließlich zum Ziel gesetzt, eine eigene Boulderhalle aus dem Boden zu stampfen – keine leichte Aufgabe. Von der ersten Idee bis zur Eröffnung des OSNABLOC vergingen nur wenige Monate, in denen die drei Jungunternehmer geplant, renoviert, gerechnet und viele schlaflose Nächte verbracht haben.

Ambitionierter Zeitplan

Der Zeitplan für die Eröffnung war ambitioniert, innerhalb weniger Monate sollte im Jahr 2019 aus einem alten Industriegelände am Großen Fledderweg 89 Osnabrücks neues Boulder-Zentrum werden. Mit viel Engagement und Eigenleistung, aber auch mit Hilfe von Freunden kamen die drei Gründer ihrem Traum schnell immer näher. Die Enttäuschung war groß, als sich die Eröffnung zu verschieben drohte. „Aufgrund einer baulichen Maßnahme geriet unser Zeitplan in Gefahr“, erklärt Daniel Friedrich die Situation im Gründungsjahr. „Natürlich war es ärgerlich, dass die Bauarbeiten länger dauerten, als wir geplant hatten“, sagt Runa Lahmann. „Uns war und ist aber extrem wichtig, unseren Gästen das bestmögliche Bouldererlebnis bieten zu können“.

Fotos vom Bau der Boulderhalle. / Quelle: OSNABLOC.

Erster Corona-Lockdown verschob Eröffnung

Im März 2020 war es dann endlich soweit, alle Baumaßnahmen waren abgeschlossen, die Boulder geschraubt. Die große Eröffnung konnte kommen. Womit keiner der drei Hallenbetreiber rechnete: Die Bundesregierung verhängte zwei Wochen vor dem geplanten Event den ersten Corona-Lockdown. „Wir hatten gerade das Gefühl über den Berg zu sein“, so Friedrich. Emotional sei die Zeit von diesem Moment bis heute für alle Beteiligten eine „Achterbahnfahrt“ gewesen, geben die drei Gründer des OSNABLOC zu. Auf staatliche Hilfen konnte das Team 2020 noch nicht setzen, schließlich war die Firma erst wenige Monate alt.

Einnahmen sind eingebrochen

Am 25. Mai 2020 kam dann das Softopening nach dem Lockdown. Die ersten Wochen liefen gut, wenngleich die Besucherzahlen nicht ganz an die selbstgesteckten Ziele der Betreiber herankamen. „Corona war natürlich ein großes Thema für uns, die Menschen waren einfach extrem verunsichert und trauten sich nicht so recht zum Sport zu gehen“, beschreibt Lahmann die Lage im Mai letzten Jahres. Dabei war die Halle bestens auf die Situation vorbereitet und hatte sämtliche Hygieneauflagen des Landes erfüllt. „Reservierungen für Kindergeburtstage oder andere Gruppenbuchungen durften wir leider lange Zeit nicht annehmen, sodass uns dadurch natürlich Einnahmen weggebrochen sind, mit denen wir fest kalkuliert hatten“, so Friedrich.

Den Traum am Leben erhalten

Aufgeben war für die drei boulderbegeisterten Unternehmer niemals eine Option. Und so schafften sie es dann auch gemeinsam mit ihrem Team das Corona-Sommerloch zu überstehen, das Geschäft nahm langsam an Fahrt auf. Im Oktober 2020 entwickelten sich die Zahlen so gut, „dass wir dachten, wir seien aus dem Gröbsten raus“, so Rau.

Nur Abschlag der Novemberhilfen angekommen

Lockdown Nummer zwei traf die Halle und ihre Betreiber dann erneut hart. Zwar stehen dieses Mal Staatshilfen zur Verfügung, diese reichen aber nicht aus, um die laufenden Kosten einer Halle dieser Größenordnung zu decken. „Bisher hat uns nur ein Abschlag auf die Novemberhilfen erreicht, der nicht einmal eine Monatsmiete abdeckt“, so Rau. Um dennoch nicht aufzugeben und das neu gegründete Unternehmen unverschuldet schließen zu müssen, haben sich die drei Jungunternehmer Geld bei ihren Familien geliehen. „Doch auch damit kommen wir nur bis zu einem bestimmten Punkt“, sagt Friedrich. „Jetzt sind wir auch auf die Unterstützung anderer angewiesen.“ Denn für die staatlichen Kredite, die im vereinfachten Verfahren zur Verfügung gestellt werden sollen, sind neu gegründete Unternehmen nicht qualifiziert. Um den Traum der eigenen Halle am Leben erhalten zu können, gehen die drei Geschäftsführer des OSNABLOC einen eher ungewöhnlichen Weg: Sie nutzen das Internet und bitten die Boulder-Community um Unterstützung.

Crowdfunding hilft während des Corona-Lockdowns

Über die Crowdfunding-Plattform „Startnext“ riefen die Betreiber der Halle bereits im November 2020 eine Hilfsaktion ins Leben, mit der bis jetzt mehr als 18.000 Euro gesammelt werden konnten. „Wir waren wirklich sehr überrascht und berührt von dieser riesigen Hilfswelle“, zeigt sich Lahmann erfreut. Auch die Stammkunden der noch jungen Halle halfen, viele spendeten ihre monatlichen Abo-Kosten. „Wir wollen alles dafür tun, um unsere Halle zu halten“, zeigen sich die drei Betreiber kämpferisch. „Dafür sind wir aber auch weiterhin auf die Hilfe der Gemeinschaft angewiesen“.

Lockdown-Aufhebung nicht in Sicht

Trotz der bis jetzt schon großartigen Unterstützung ist die Existenz der Halle weiterhin in Gefahr. Die Kosten laufen weiter, Einnahmen existieren de facto nicht. Eine Aufhebung des aktuellen Lockdowns scheint nicht in Sicht. „Wir verstehen und unterstützen die Maßnahmen der Bundesregierung, damit unsere Kunden und auch wir sicher und gesund durch diese schwierige Zeit kommen“, sagt Rau. Dennoch fühlen sie sich vom Staat gewissermaßen im Stich gelassen. „Wenn unser Finanzminister sagt: ‚Wir können das noch lange durchhalten’, fragen wir uns schon, wer da jetzt eigentlich mit ‚Wir’ gemeint ist“, sagt Friedrich.

Der Optimismus bleibt

Um den Fortbestand der Boulderhalle sicherstellen zu können, wurde das Crowdfunding-Projekt noch einmal verlängert. Über die Plattform „Startnext“ kann jeder, der die Halle und ihre Betreiber unterstützen will, noch bis zum 05. Februar 2021 helfen. Für die Hilfe gibt es seitens des OSNABLOC verschiedene Gegenleistungen. Abhängig von der Höhe der jeweiligen Finanzspritze kann sich der Geldgeber für eins von mehreren „Dankeschöns“ entscheiden oder auch einfach so etwas spenden. Details finden Sie unter den Stichwörtern „osnabloc Lockdown-hilfe“ auf startnext.com.

Schwierige Zeiten gemeinsam meistern

Eine weitere mögliche Einnahmequelle ist der Verkauf von Gutscheinen, die nach dem Lockdown in der Halle eingelöst werden können. „Über unsere Webseite kann jeder einen Gutschein bestellen, immer eine tolle Geschenkidee“, so Friedrich. „Wir waren und sind optimistisch, dass wir diese schwierigen Zeiten gemeinsam mit unseren Kunden meistern können“, sagt Lahmann. „In Situationen wie diesen merkt man erst, wie solidarisch Menschen sein können.“ Für alle, die die Halle unterstützen möchten, läuft das Crowdfunding auf startnext.com noch bis zum 05. Februar 2021.

T-Wall im OSNABLOC. / Foto: OSNABLOC.

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