Aktuell Mösers Meinung: Über das Hamstern von Toilettenpapier

Mösers Meinung: Über das Hamstern von Toilettenpapier

Kolumne

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Guten Abend,

was sagt es über die psychische Verfasstheit eines Landes aus, wenn deren Einwohner angesichts einer heraufziehenden Krise nichts besseres zu tun haben, als Pasta und Toilettenpapier zu horten? Ich hatte bei der Auswahl des Lieblingslebensmittels ja eher auf Sauerkraut in Dosen getippt, aber offensichtlich scheinen solche Klischees über die deutschen Essgewohnheiten mittlerweile überholt zu sein. Mir persönlich schmeckt Spaghetti Bolognese auch wesentlich besser als Kassler mit Kraut! Aber wozu werden jetzt Unmengen von Klopapier gekauft? Wir leben sicherlich in beschissenen Zeiten, aber das scheint mir nicht der Grund für dieses absonderliche Konsumverhalten zu sein. Für den Ansturm auf Desinfektionsmittel und Mundschutzmasken habe ich durchaus ein gewisses Verständnis, lassen sich diese Dinge doch wenigstens auf den ersten Blick mit dem Kampf gegen das Coronavirus in einen Zusammenhang bringen. Bei Toilettenpapier sehe ich diesen positiven Effekt eher nicht. Wenn ich drei Sachen auf eine einsame Insel mitnehmen könnte, dann käme mir auf jeden Fall wohl das Toilettenpapier als letztes in den Sinn (ich würde mich für eine nette Frau, ein gutes Buch und eine Kiste Bier entscheiden).

Auch ist ein hoher Lagerbestand an Toilettenpapier für mich nicht unbedingt ein Ausweis für ausgeprägtes Hygienebewusstsein. Da sollte der moderne Mensch dann doch lieber Seife, Shampoo sowie frischen Handtüchern und sauberer Unterwäsche den Vorzug geben. Ich habe da so eine Vermutung: Toilettenpapierrollen sind in unbenutztem Zustand recht voluminös und dabei trotzdem auch in großen Mengen für relativ kleines Geld zu erwerben. Und da bisher leider kaum jemand weiß, welches Ausmaß die Corona-Krise in den nächsten Wochen noch annehmen wird, ist die Investition in Toilettenpapier eine eher risikolose Anlage. Vielleicht wird das Zeug ja bald aller anderslautenden Aussagen zum Trotz richtig wertvoll. Ich glaube zwar nicht daran, aber das Spekulieren am regulären Aktienmarkt halte ich derzeit für wesentlich riskanter als den Erwerb von Toilettenpapier. Das wird immerhin nicht schlecht und ein plötzlicher Kursverlust ist ebenfalls nicht zu erwarten. Und wer weiß: möglicherweise ist der Besitz von großen Mengen Toilettenpapier ja schon in Kürze das neue angesagte Statussymbol, im wahrsten Sinne des Wortes der ganz heiße Scheiß. So wie bis vor kurzem noch dicke Autos, Villen und Luxusyachten. Wobei ich schon ein wenig enttäuscht von den Deutschen bin: wenn sie davon ausgehen, daß am Ende schnödes Klopapier über unser Überleben entscheidet, dann ist es mit der vielbeschworenen Kulturnation wirklich nicht mehr zum besten bestellt. Höchste Zeit also, in Bildung und logisches Denken zu investieren. Daran sollten wir uns erinnern, wenn diese Krise vorbei ist. Und das möge hoffentlich schon sehr bald der Fall sein!

Ich wünsche allen HASEPOST-LESERN einen Sonntagabend, an dem es nichts zu mösern gibt.

Ihr

Justus Möser

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Justus Möser
Justus ist unser "ältester Mitarbeiter", seit 1720 wandelt er durch unsere Stadt - wobei er inzwischen eher "geistert". Sein Vertreter in der Gegenwart ist unser Autor Wolfgang Niemeyer, der sich in dieser Kolumne regelmäßig darüber Gedanken macht „was würde Möser dazu meinen“?

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