Landkreis Osnabrück Lebensmittel für Bedürftige retten - die Tafel Osnabrück

Lebensmittel für Bedürftige retten – die Tafel Osnabrück

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Das Team der Osnabrücker Tafel rettet Lebensmittel und unterstützt Bedürftige.

Viele Osnabrücker sind auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen, Corona hat die Situation noch einmal verschärft. Doch der gemeinnützige Verein ist keine staatliche oder kirchliche Institution, sondern auf Spenden und ehrenamtliches Engagement angewiesen. 

Das Konzept der Tafel ist einfach: Der Verein rettet Lebensmittel, die bald ablaufen oder aus anderen Gründen nicht mehr verkäuflich sind, und verteilt diese für einen symbolischen Preis an bedürftige Menschen. Für 2,50€ bekommt man drei Einkaufstüten mit Brot, Obst, Gemüse und anderen Nahrungsmitteln. Die meisten Haushalte kommen mit einem Einkauf mehrere Tage aus, die Kunden dürfen zweimal pro Woche zur Verkaufsstelle kommen. Einige Bedürftige sind zu alt oder krank um selbst zur Tafel zu gehen. Wenn keine andere Lösung gefunden werden kann, bringt ein ehrenamtlicher Fahrer das Essen zu den Kunden.

Bedarf ist stetig gewachsen

Verglichen mit anderen wohltätigen Einrichtungen sind die Tafeln relativ neu. 1993 gründete Sabine Werth die erste Tafel in Berlin, zuvor hatte die Sozialpädagogin die Idee in den USA kennengelernt. In den folgenden Jahren wurden weitere Tafeln in deutschen Großstädten gegründet, 1996 auch in Osnabrück. In ihrer Anfangszeit versorgten die Tafeln nur wenige randständige Menschen, doch seit den Hartz-Reformen wurden sie zum Massenphänomen. Aktuell gibt es mehr als 900 Tafeln in Deutschland. Allein die Tafel Osnabrück versorgt etwa 3.500 Menschen pro Woche, 40-50 Tonnen Lebensmittel werden wöchentlich gerettet. Durch die Corona-Krise hat sich die Situation noch verschärft, in Osnabrück ist die Zahl der Kunden um etwa 15% gestiegen. „Wir merken Corona deutlich bei unserer täglichen Arbeit,“ erzählt Hermann GroßeMarke, 1. Vorsitzender des Osnabrücker Tafel e.V. „Viele Menschen haben durch die Pandemie ihre Jobs verloren oder sind in Kurzarbeit, die Kinder bekommen außerdem kein Essen mehr in der Schule. Die Not ist gewachsen, wir sind im Augenblick absolut systemrelevant.

Im Kühlraum werden wärmeempfindliche Lebensmittel gelagert.

Angst vor Corona

Die Mitarbeiter der Tafel versuchen ihr Bestes, um sich und ihre Kunden vor dem Virus zu schützen. Sie stellten Plexiglasscheiben auf, Masken sind verpflichtend und es wird regelmäßig desinfiziert. Außerdem wurden die Öffnungszeiten deutlich erweitert, damit sich weniger Kunden auf einmal in die Räume drängen. Glücklicherweise waren die Maßnahmen bisher erfolgreich. „Es wäre eine Katastrophe, wenn wir wegen eines Corona-Ausbruchs die Arbeit einstellen müssten. Viele Menschen sind auf unsere Lebensmittel angewiesen. Wenn Lidl schließt, können die Kunden immer noch zu Aldi, doch es gibt nur eine Tafel in Osnabrück. Unsere Kunden haben keine Alternative,“ sagt Hermann Große-Marke.

Ehrenamtliches Engagement

Wie die meisten der 280 Osnabrücker Tafel-Mitarbeiter ist der pensionierte Unternehmer ehrenamtlich tätig. Allerdings beschäftigt der Verein einige festangestellte Fahrer, die die Lebensmittel von den ca. 200 Partnern in der Region abholen. Nils Martens studiert Ökotrophologie und fand über ein Praktikum zur Tafel. Zur Zeit kümmert er sich ehrenamtlich um die Verwaltung und die Organisation der Lebensmittelverteilung. Der Student erklärt seine Motivation wie folgt: „Ich habe mich schon länger mit dem Thema Lebensmittelrettung auseinandergesetzt. Bei der Tafel kann ich mich für eine gute Sache einsetzten. Gerade in den Problembezirken sieht man, wie wichtig unsere Arbeit ist.“ Neben den Ehrenamtlichen arbeiten auch einige Ein-Euro-Jobber und Bundesfreiwilligendienstleistende wie Niklas Klinke für den Verein. Klinke kümmert sich in seinem Vollzeitjob unter anderem um die Verwaltung und das Fahren von Lebensmitteln. „Eigentlich wollte ich nach dem Abitur studieren, aber wegen der Corona-Pandemie kommt das für mich gerade nicht in Frage, deswegen mache ich erstmal einen Freiwilligendienst„, erzählt der 19-Jährige. „Hier kann ich anderen Menschen helfen. Viele sind unverschuldet bedürftig und es ist ihnen unangenehm herzukommen. Doch ich erlebe viel Dankbarkeit und bekomme viel von den Kunden zurück.

Die Fahrzeuge der Osnabrücker Tafel bewegen etwa 50 Tonnen Lebensmittel pro Woche.

Auf Spenden angewiesen

Die Tafel ist auf freiwilliges Engagement und Spenden angewiesen. Obwohl sie tausende Osnabrücker versorgt, handelt es sich bei der Tafel um einen Verein und nicht um eine staatliche oder kirchliche Einrichtung. Daher bekommt sie auch keine öffentlichen Zuschüsse. Der Osnabrücker Tafel e.V. benötigt etwa 500.000 Euro im Jahr. Um 50 Tonnen Lebensmittel pro Woche zu retten, ist eine erhebliche Infrastruktur nötig. Neben der Verkaufsstelle müssen auch Lager- und Kühlräume, Büros und Lieferwagen bezahlt werden. Die Tafel ist nicht nur in der Stadt, sondern auch im Landkreis Osnabrück präsent. Zusätzlich zur Hauptstelle in der Osnabrücker Schlachthofstraße gibt es noch sieben weitere in der Region verteilte Außenstellen. Die Arbeit ist nur dank vieler treuer Spender und der Mithilfe von Partnern wie Hello Fresh und diversen Supermärkten möglich. Doch der Aufwand lohnt sich: Zahllose Lebensmittel, die andernfalls im Müll landen würden, werden gerettet und helfen bedürftigen Menschen über die Runden zu kommen. Die Tafeln tun damit gleich doppelt Gutes.

 

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Lukas Brockfeld
Lukas Brockfeld ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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