Osnabrück Laser vom Museum Industriekultur Osnabrück: "Segensreiche Ausstrahlung" oder Lichtverschmutzung?

Laser vom Museum Industriekultur Osnabrück: „Segensreiche Ausstrahlung“ oder Lichtverschmutzung?

Laser soll "segensreiche Ausstrahlung" symbolisieren

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Zuerst machte ein Leser unsere Redaktion auf ein Lichtspektakel am Himmel über Osnabrück aufmerksam. Er hatte am vergangenen Sonntag vom Westerberg aus blaue Laserstrahlen am Himmel entdeckt, die offensichtlich vom Piesberg kamen.
Auf einem sehr dunklen Handyfoto, das uns der Leser schickte, war allerdings nicht viel zu erkennen. Wir haben uns auf die Suche nach der „Lichtquelle“ gemacht und haben schließlich eine Erklärung erhalten. Nebenbei entstanden auch ein paar schärfere Fotos.

Montagabend meldete sich der Leser erneut bei uns, schon wieder konnte er Laserstrahlen am Himmel über dem Westerberg sehen, die eindeutig vom Piesberg strahlten. Diesmal (Montag gegen 23:00 Uhr) konnte auch unser Fotograf die Lichtquelle entdecken – eine genaue Lokalisierung war allerdings schwierig, da die Lichtshow immer wieder für Minuten unterbrochen wurde und oft nur wenige Sekunden dauerte.

Vor 18 Jahren schon mal Laserlicht vom Piesberg

Wenn das Licht vom Piesberg kommt, dann liegt der Verdacht nahe, dass das Museum Industriekultur die Quelle des Leuchtens sein könnte.
Bereits im Jahr 2001 hatte ein damals „grüner Laserstrahl“ für Aufsehen gesorgt, der im Auftrag der Stadtwerke auf eine Ausstellung zum Thema 100 Jahre Stromversorgung aufmerksam machte. Vor 18 Jahren sollen zahlreiche besorgte Anrufe bei der Polizei eingegangen sein, da sich viele Bürger nach der Herkunft des Lichts erkundigten. Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte Frank Oevermann, Pressesprecher der Polizeiinspektion Osnabrück, dass es aktuell keine Nachfragen bei seinen Kollegen gegeben habe.

So sieht der "Piesberg-Laser" über Eversburg aus
So sieht der „Piesberg-Laser“ über Eversburg aus

Beim Presseamt der Stadt Osnabrück hatte man auf die Nachfrage unserer Redaktion keine Idee, wo die Quelle des gebündelten Lichts sein könnte. Und selbst die Pressesprecherin des Museums Industriekultur wollte auf mehrfache Nachfrage keine Auskunft geben und verwies auf den Museumsdirektor Rolf Spilker, der schließlich am Mittwochabend auf unsere schriftliche Anfrage eine Antwort an unsere Redaktion schickte, die jedoch [man möge uns diese Formulierung verzeihen] ein wenig „schräg“ klingt.

Das sagt der Museumsdirektor zum Piesberg-Laser:

„Die Lichtinszenierung haben wir anlässlich unseres 25jährigen Jubiläums eingerichtet. Das auf die Stadt gerichtete Licht symbolisiert unsere segensreiche Ausstrahlung dorthin in Sachen Erkenntnis, Wissen und Unterhaltung, von der die Menschen in diesen Jahren profitiert haben.  Die Inszenierung wird bis zum 16. November 2019 gezeigt werden, dem Tag, an dem im Haseschachtgebäude unser abschließende Festakt stattfindet.“

Und in der Nacht ziehen die Kraniche durch die Lasershow…

Angesichts der noch laufenden und bis in den November andauernden Zugs der Kraniche gen Süden, deren Hauptroute für ihren Umzug in wärmere Gefilde aus Skandinavien regelmäßig am Piesberg und Osnabrück vorbei führt – auch in den Nachtstunden – haben wir beim NABU Niedersachsen nachgefragt, wie man dort nächtliche Laserinstallationen einschätzt.

NABU-Pressesprecher Philip Foth kannte die Installation am Piesberg zwar noch nicht, doch findet er es „mehr als unglücklich, solch einen Laser ausgerechnet zur Zeit des Vogelzugs zu installieren“.

Der NABU-Sprecher erläutert:

Grelle Werbetafeln, bunte Laserstrahler, zu viel Licht während der Nacht, bringt bei Tieren und Pflanzen den Rhythmus durcheinander. Sie verursachen zwar keinen sichtbaren Dreck, trotzdem spricht man dabei von Lichtverschmutzung. Vielerorts fällt das Licht aber nicht nur auf Straßen-, Rad- und Gehwege, sondern strahlt völlig ungenutzt in den Nachthimmel, in Schlafzimmerfenster und benachbarte Naturräume. Diese Lichtverschmutzung muss nicht sein.“

Von Seiten des NABU gibt es also durchaus Bedenken die „Verluste durch Lichtverwirrung des nächtlichen Orientierungsverhaltens sollten nicht unterschätzt werden“, mahnt der Pressesprecher des NABU abschließend.

Mehrheit des Stadtrats lehnt „Lichtverschmutzung“ ab

Auch der Stadtrat hat sich bereits mehrfach mit dem Thema „Lichtverschmutzung“ beschäftigt. Gegen die Stimmen von SPD und FDP gab es im November 2017 einen Beschluss mit der Mehrheit einer ungewöhnlichen Konstellation von CDU, BOB und Grünen, die der Verwaltung den Auftrag gaben mit Firmen und Eigentümern von großen, nachts beleuchteten Flächen und Gebäuden in Osnabrück Gespräche zu führen, mit dem Ziel, dass die Beleuchtung der Flächen und Gebäude in der Nacht auf ein Minimum reduziert wird.

Lichtverschmutzung oder eine attraktive Beleuchtung des herbstlichen Nachthimmels und eine gute Werbung für das Museum Industriekultur?
Was meinen unsere Leser? Wir freuen uns über Kommentare bei Facebook.

 



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Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS", die Ursprungsidee reicht aber auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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