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Weder finster noch verschwörerisch – die Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ in Osnabrück

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Über die Freimaurer gibt es viele Gerüchte: Verschwören sie sich gegen den Staat? Schmieden sie finstere Pläne? Opfern sie Jungfrauen in blutigen Ritualen?  Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.

Die Osnabrücker Freimaurer sind, entgegen ihres geheimnisvollen Rufes, eine sehr offene Gemeinschaft. Sie laden zu Kulturveranstaltungen ein, engagieren sich in der Gesellschaft und öffnen ihr Haus immer wieder für Veranstaltungen wie den „Bürgerdialog Verkehrswende“. „Zum Goldenen Rade“ ist mit etwa 90 Mitgliedern die größte in Osnabrück ansässige Loge, weitere 70-80 Freimaurer sind in anderen Osnabrücker Logen wie der Frauenloge „Temperanita“ organisiert. „Zum Goldenen Rade“ hat ihren Sitz im „Lortzinghaus“ an der Katharinenkirche. Das Gebäude ist nach dem Komponisten Albert Lortzing benannt, der im frühen 19. Jahrhundert als Freimaurer aktiv war und der Osnabrücker Loge acht Kompositionen widmete.

Ethik, Rituale und Freundschaft


Die Freimaurer verstehen sich als „freie Männer von gutem Ruf“ und haben sich der Förderung von Menschlichkeit, Toleranz, Brüderlichkeit, Friedensliebe und sozialer Gerechtigkeit verschrieben. Die drei Säulen der Freimaurerei sind „Ethik“, „Symbole und Rituale“ sowie „Geselligkeit und Freundschaft“. Die Freimaurerei kann als Lebenskunst verstanden werden, bei der menschliches Miteinander und ethische Orientierung im Vordergrund stehen. Reinhold Menninghaus, Meister vom Stuhl der Loge „Zum Goldenen Rade“ erklärt: „Ausgehend von der Idee des ethischen Bundes versuchen wir den Weg in die Mitte der Gesellschaft zu finden. Wir sind eine bürgerliche Vereinigung und wollen das bei unseren Mitgliedern abbilden. Vom Millionär bis zum Sozialhilfeempfänger kann prinzipiell jeder bei uns mitmachen. Wichtig ist uns der Mensch und dass er erkennen lässt, dass er hinter unseren Werten steht und bereit ist an sich zu arbeiten. Wir verzichten untereinander auf Parteipolitik und konfessionelle Streitfragen. Wir sind keine religiöse Vereinigung und haben unter anderem Christen, Muslime, Buddhisten und Atheisten in unseren Reihen.“

Arbeit am eigenen rauen Stein

Die Arbeit am eigenen Selbst ist für die Freimaurer essenziell und soll den Brüdern helfen ein erfülltes Leben zu führen. Bei dieser „Arbeit am eigenen rauen Stein“ sind die drei Säulen der Freimaurerei von Bedeutung. Zur Auseinandersetzung mit Ethik werden unter anderem Vorträgen zu Themen wie Gerechtigkeit, Organspende oder sozialer Wohnungsbau veranstaltet. Hierzu werden interne und externe Experten zu Rate gezogen. Auch Nicht-Freimaurer sind herzlich willkommen. „Geselligkeit und Freundschaft“ bedeuten regelmäßige Treffen und einen freundschaftlichen Austausch, von dem idealerweise alle profitieren. Auch die „Symbole und Rituale“ dienen der Arbeit am eigenen Selbst, sie sind noch von den alten Steinmetzbruderschaften überliefert und bilden bis heute die Grundlage für die Handlungen und Wahrnehmungen der Freimaurer. Details werden allerdings geheim gehalten.

Humanität und Wohltätigkeit

Humanität ist ein zentraler Wert der Freimaurerei. Um diesem Ideal gerecht zu werden, sind viele Brüder wohltätig aktiv. 1894 gründeten Osnabrücker Logenmitglieder den „Gemeinnützigen Bauverein“ der bis 1919 224 Häuser errichtete und in anderer Trägerschaft bis heute existiert. Gegenwärtig werden viele gemeinnützige Organisationen wie der Kinderschutzbund, die DKMS und Emilia von den Freimaurern unterstützt, diese gehen mit ihrem intensiven Engagement allerdings nur selten an die Öffentlichkeit. Die Loge bietet Kulturveranstaltungen wie Theater- und Musikaufführungen an, dabei wird stets um eine Spende für wohltätige Zwecke gebeten. Am 2. November findet beispielsweise eine Aufführung von Thomas Manns „Der Zauberberg“ im „Lortzinghaus“ statt. Das Haus öffnet sich etwa einmal im Monat für derartige Veranstaltungen, das Programm ist vielfältig, klassische Musik findet genauso einen Platz wie Bongo-Trommeln.

Klassische Musik im „Lortzinghaus“.

Seit über 200 Jahren in Osnabrück

Die Osnabrücker Freimaurer gibt es seit mehr als 200 Jahren. Die Freimaurerei geht auf mittelalterliche Steinmetzbruderschaften zurück, entwickelte sich in ihrer modernen Form aber erst im 18. Jahrhundert als Produkt der Aufklärung. Die Loge „Zum Goldenen Rade“ wurde 1807 während der Wirren der Napoleonischen Kriege gegründet und spielte bis 1933 eine wichtige Rolle in Osnabrück. Mit der Machtergreifung der Nazis begann die „dunkle Zeit“ der Freimaurerei. Die Faschisten verbaten alle freimaurerischen Zusammenkünfte, die Gestapo beschlagnahmte das Logenarchiv und die Stiftungsurkunde. Erst 1996 wurden die Dokumente zurückgegeben. Nach dem Krieg wurde das “Lortzinghaus“ an der Katharinenkirche errichtet, 1954 zog die Loge in das Gebäude ein.

Wie wird man Freimaurer?

Thorsten Westhoff, Sekretär und PR-Verantwortlicher der Loge „Zum Goldenen Rade“, erzählt wie er zur Freimaurerei fand: „Man wird durch Eigenengagement Freimaurer, ich habe im Jahr 2017 einen Artikel über „Zum Goldenen Rade“ in der Zeitung gelesen. Das hat mein Interesse geweckt, ich wollte Mitglied werden und habe mich an die Loge gewandt. Danach begann ein monatelanger Prozess des gegenseitigen Kennenlernens. Die Freimaurer sind als Bund fürs Leben gedacht, beide Seiten müssen also gründlich Prüfen ob sie zueinander passen. Grundsätzlich kann jeder Mann, der sich zu freimaurerischen Werten bekennt Mitglied der Loge werden. Für uns ist es wichtig zu sehen, dass ein potenzieller Freimaurer auf der Suche ist und bereit ist an sich selbst zu arbeiten. Viele Menschen haben Beruf, Familie und Hobbys, fühlen sich aber dennoch unerfüllt. Sie verlangen nach mehr in ihrem Leben und finden dann zu uns.“


Lukas Brockfeld
Lukas Brockfeld ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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