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Kommunalwahl Osnabrück 2021: Wer dominiert den Wahlkampf in den Sozialen Medien?

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Am 12. September wird in Osnabrück ein neuer Stadtrat gewählt. Wir haben uns angeschaut, wer kandidiert und welche Besonderheiten es bei dieser Wahl und den Parteien gibt, die vielleicht nicht auf den ersten Blick auffallen.

In mehreren Artikeln (einszweidrei) haben wir uns bereits mit den demographischen Hintergründen der Wahl beschäftigt, nun werfen wir einen Blick in die Sozialen Medien: Welche Parteien dominieren Instagram, Facebook und Co.? Welche Kandidatinnen und Kandidaten sind besonders präsent im Netz?

Im vergangenen Beitrag unserer Artikelreihe wurden die Zahlen beleuchtet. Wer hat wo wie viele Follower? Wer dominiert nach Zahlen in den Sozialen Medien? In diesem Beitrag lassen wir Vertreterinnen und Vertreter der Parteien zu Wort kommen: Welche Rolle spielen die Sozialen Medien im Wahlkampf überhaupt?

Gemessen an den Followern auf den Profilen bei Facebook, Instagram und Twitter dominiert weder die CDU oder die SPD noch die Grünen. Es ist die AfD, die nicht nur bundesweit, sondern auch hier vor Ort die meisten Anhänger auf Social Media vereint, und das obwohl die Rechtspopulisten nicht einmal im Stadtrat vertreten sind.

AfD: Facebook mit großer Rolle – Bald Wahlkampf bei Tiktok?

Die meisten ihrer Social Media-Anhänger versammelt die AfD auf Facebook. „Für den AfD Kreisverband Osnabrück spielt derzeit Facebook eine wichtige Rolle. Darüber hinaus sind wir auf den Plattformen Twitter und Instagram vertreten“, berichtet Adrian Maxhuni, stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Osnabrück. Der Bundesvorstand bewege sich zudem neuerdings auch auf der bei den Jugendlichen beliebten Plattform Tiktok. Ob die Videoplattform zukünftig auch auf Kommunalebene eine Rolle spielen wird, ließ Maxhuni zunächst offen.

Test49

Besondere Social Media-Aktionen seien nicht geplant, so Maxhuni. Die Kanäle würden eher zu Publikationen und Informationen über Kandidaten und Ereignisse genutzt, weshalb auf eine zusätzliche Finanzierung des digitalen Wahlkampfes verzichtet werde. Zukünftig solle auch der bestehende Telegram-Kanal ausgebaut werden.

CDU: Digitaler Wahlkampf „absolut essentiell“

Statt über die digitale Dominanz der AfD zu lamentieren, schaut Nina Peiler, Fraktionsgeschäftsführerin der CDU, lieber auf ihre eigene Partei. Die habe erst kürzlich eine neue Social Media-Struktur aufgebaut, weshalb die Follower noch etwas auf sich warten ließen. In Zahlen äußert sich dies bisher recht deutlich, denn selbst FDP und Die Partei vereinen mehr Follower auf ihren Profilen als die Christdemokraten.
Allerdings unterhält die CDU getrennte Social-Media-Kanäle für ihre Ratsfraktion und die Partei selbst. Rechnet man Überschneidungen innerhalb der Zielgruppe raus, dürfte die Union – trotz Neuorganisation der Arbeit im digitalen #Neuland – ganz gut dastehen.

Nina Peiler den Wahlkampf auf Social Media als „absolut essentiell“ an, denn aufgrund der aktuellen Corona-Lage sei der Wahlkampf „viel weniger persönlich als sonst“. Für OB-Kandidatin Katharina Pötter habe man daher auch ein wenig in die Tasche gegriffen und den digitalen OB-Wahlkampf zusätzlich etwas finanziert. Dies macht sich bemerkbar, denn abgesehen von Schlagerbarde und Spaß-OB-Kandidat Christian Steiffen hat Pötter die meisten Follower aller Kandidierenden auf ihren Profilen. Ihr regelmäßiges Online-Programm zur Wahl werde zudem gut wahrgenommen.

SPD: Mit finanziertem digitalen Wahlkampf Wähler anlocken

„Der Wahlkampf im Netz spielt eine immer wichtigere Rolle. Zum einen berichten wir von unseren Aktionen, zum anderen informieren und beteiligen wir Menschen dadurch“, berichtet Manuel Gava, Bundestagskandidat der SPD. Daher finanziere man den digitalen Wahlkampf bei Google, Facebook und Instagram auch zusätzlich.

In den kommenden Wochen kümmere sich ein internes Team darum, bestimmte Teile des Kommunalwahlprogramms vorstellen und die Kommunalwahlkandidieren mit Bildern und Videos vorstellen. „Zudem werden wir weiter über den Wahlkampf unseres OB-Kandidaten Frank Henning und meinen eigenen berichten“, so Gava abschließend.

Grüne: Corona und die junge Generation

„Der Online-Wahlkampf spielt für uns Grüne eine wichtige Rolle, vor allem angesichts der weiter anhaltenden Corona-Lage und der Möglichkeit, über Kanäle wie Facebook und Instagram gezielt Menschen und vor allem auch junge Menschen zu erreichen. Twitter, das wir ebenfalls bespielen, spielt demgegenüber kommunalpolitisch eher eine untergeordnete Rolle“, meint Jurek Milde, Sprecher des Vorstands der Grünen. Daher habe man für die parteieigenen Kanäle bisher keinen Cent ausgegeben. Zukünftig könnte sich das ändern: „Wahlkampfbezogen wird beispielsweise für unsere Oberbürgermeisterkandidatin Annette Niermann gezielt und je näher wir der Wahl kommen auch im zunehmenden Maße investiert. Da wollen wir den anderen Parteien und Kandidat*innen, von denen viele die sozialen Netzwerke jetzt auch für sich entdeckt zu haben scheinen, nicht nachstehen, wenn auch sicherlich im kleineren Umfang.“

Allerdings sieht Milde selbst den Social Media-Wahlkampf eher als Ergänzung zum Wahlkampf auf den Straßen und an den Ständen in der Stadt sowie als Kommunikationsmittel. Dennoch soll es bis zu den Wahlen auf allen Plattformen noch einige Aktionen geben, über die Milde im Vorfeld allerdings nichts verraten wollte.

FDP: Verzicht auf Abfallentsorgung = mehr Onlinepräsenz

Auch für die FDP dient die Onlinepräsenz dem Erreichen der jungen Generationen:
„Social Media wurde aus unserer Sicht bis vor einigen Jahren noch extrem unterschätzt. Heute sehen wir, welch große Rolle die Sozialen Medien für unsere Gesellschaft spielen. Die junge Generation wächst mit Instagram, Facebook und Co. auf und da wir der Ansicht sind, dass junge Menschen unsere Zukunft sind, versuchen wir verstärkt auf Instagram sowie Facebook die Menschen zu erreichen“, so Annahita Maghsoodi, FDP-Vorstandmitglied. Ein dreiköpfiges ehrenamtliches Social Media-Team pflege daher Kanäle auf verschiedensten Plattformen. „Wir nutzen das volle Programm von Social Media aus und haben neben Feedbeiträgen auch regelmäßig Live-Veranstaltungen im Interviewformat mit unseren Kandidaten. Aktuell läuft seit einigen Wochen die Aktion „Liberaler Sonntag“: Jeden Sonntag erklärt ein Parteimitglied, wieso er/sie Freie/r Demokrat/in ist“, ergänzt Maghsoodi.

Zudem habe die verstärkte Verlagerung des Wahlkampfes in Richtung Social Media einen weiteren entscheidenden Vorteil: „Ein weiterer Beweggrund für unsere verstärkte Onlinepräsenz ist, dass wir dieses Jahr bewusst auf eine große Abfallentsorgung verzichten wollten und daher weniger Plakate sowie Flyer im Vergleich zu den letzten Wahlen bestellt haben, dafür aber hauptsächlich den Wahlkampf online sowie face-to-face an Wahlkampfständen und vor Haustüren stattfinden lassen“, so Maghsoodi abschließend.

Linke: Online-Wahlkampf kann persönliche Gespräche nicht ersetzen

„Heutzutage kommt man nicht mehr daran vorbei, den Wahlkampf auch in den sozialen Netzwerken zu führen. Es ist definitiv auch ein Bestandteil unseres Wahlkampfes. Allerdings kann der Onlinewahlkampf keine Gespräche von Angesicht zu Angesicht ersetzen“, erklärt
Giesela Brandes-Steggewentz, Kreisvorstand der Linkspartei. Daher sei es weiterhin wichtig „Präsenz zu zeigen und Menschen in der Diskussion von unseren Positionen zu überzeugen.“ Der Wahlkampf über Social Media werde deshalb auch eher begleitend zum regulären Wahlkampf geführt. Dennoch seien Aktionen wie Online-Fragestunden geplant, so Brandes-Steggewentz abschließend.

BOB: Professioneller Wahlkampf in den sozialen Netzwerken

Ob mit Wahlplakaten auf offener Straße, mit kontroversen Wahlveranstaltungen im Stadtzentrum oder mit gewohnt markiger Wahlwerbung in den sozialen Medien – der Bund Osnabrücker Bürger (BOB) sorgt für einen lebendigen Wahlkampf. Insbesondere auf Facebook kommt das gut an. Anders als die anderen Kandidierenden und Parteien gibt der BOB auch den Wahlkampf in den sozialen Netzwerken in professionelle Hände und hat dafür einen eigenen Social Media Manager im Einsatz. Was am Ende dabei herausspringt? Noch offen!

Volt: Soziale Medien nutzen, um sich vorzustellen

Die vor allem bei den jungen Wählern aufstrebende Partei Volt sieht die Sozialen Medien als Möglichkeit, sich den Osnabrückerinnen und Osnabrücker vorzustellen. Das Angebot wird durchaus genutzt zeigen die Followerzahlen. „Für Volt sind die sozialen Netzwerke eine gute Gelegenheit, den Osnabrücker:innen uns und unsere Vorstellung von Politik zu zeigen und mit ihnen in den Austausch zu kommen. Deshalb ist es für uns natürlich ein wichtiges Element, aber nicht das einzige. Uns ist es wichtig, mit den Menschen auf so vielen Wegen wie möglich in das Gespräch zu kommen. Deshalb haben wir auch regelmäßig Infostände in der Stadt und bieten außerdem digital und in Präsenz Meet&Greets an“, sagt Lukas Ölmann, City Lead der Partei.

Zusätzlich finanziert wurde der digitale Wahlkampf jedoch nicht, da alle Kanäle persönlich betreut würden. „Die sozialen Netzwerke sehen wir als Möglichkeit die Menschen zu informieren, das machen wir natürlich nicht nur nebenbei, sondern überlegen uns, was die Osnabrücker:innen interessieren könnte. Besondere Aktionen sind aktuell nicht geplant, aber wir probieren grundsätzlich immer wieder neue Formate aus“, so Ölmann abschließend.

Junge Wähler erreichen – Kleinparteien nutzen Soziale Medien für sich

Ob zusätzlich finanziert oder nicht – der digitale Wahlkampf spielt eine immer größere Rolle. Insbesondere potentielle junge Wähler sollen auf diesem Wege erreicht werden. Während einige Parteien den digitalen Wahlkampf eher nebenbei führen (Linke) und andere einen großen Fokus auf ihre OB-Kandidierenden legen (CDU, SPD), nutzen vor allem die kleineren und zum Teil (noch) nicht im Stadtrat vertretenen Parteien die Sozialen Medien, um sich vorzustellen und auf Tuchfühlung mit den Osnabrückerinnen und Osnabrückern zu gehen (AfD, BOB, Volt). Das Angebot bleibt nicht ungenutzt wie die Followerzahlen zeigen. Doch am Ende bleibt die Erkenntnis: Viele Follower bedeuten nicht automatisch viele Wählerstimmen.

Maurice Guss
Maurice Guss ist seit dem Herbst 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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