Aktuell 🎧Kommunalwahl Osnabrück 2021: Regieren in Zukunft die Studenten?

Kommunalwahl Osnabrück 2021: Regieren in Zukunft die Studenten?

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Grafik Kommunalwahl

Am 12. September wird in Osnabrück ein neuer Stadtrat gewählt. Wir haben uns angeschaut, wer kandidiert und welche Besonderheiten es bei dieser Wahl und den Parteien gibt, die vielleicht nicht auf den ersten Blick auffallen.

In Teil eins unserer Artikelreihe haben wir uns angeschaut, wie es mit der Geschlechtergerechtigkeit bei den Parteien aussieht. Teil zwei hatte das Durchschnittsalter der Kandidatinnen und Kandidaten als Schwerpunkt. Jetzt werfen wir einen Blick auf beruflichen Hintergrund bzw. die teils noch laufende Ausbildung der Anwärter auf einen Sitz im Stadtrat.

Wirft man einen genaueren Blick auf die Kandidatinnen und Kandidaten der Osnabrücker Kommunalwahl, so fällt vor allem die ungleichmäßige Verteilung der Studierenden auf. Auf der einen Seite gibt es Parteien, die fast nur Studenten auf dem Wahlzettel stehen haben, wie zum Beispiel die Newcomer-Partei „Volt“, auf der anderen Seite steht die UWG, in der es wiederum kaum Studierende zu geben scheint.

Studenten im Vordergrund: Die Grüne, „Volt“ und „Die Partei“

In der Kommunalwahl 2021 treten viele Studierende und Schülerinnen und Schüler an, um für einen Platz im Osnabrücker Stadtrat zu kämpfen. Bei ungefähr 25.000 Studierenden am Hochschulstandort Osnabrück, haben die Parteien mit einem hohen Studentenanteil sicherlich eine große Chance, vor allem die jungen Menschen mit ihrem Programm anzusprechen. Das betrifft zum Beispiel die Osnabrücker Grünen. Von insgesamt 80 Kandidatinnen und Kandidaten sind 18 Studierende, Schüler oder zur Zeit in Ausbildung. Außerdem fällt bei den Osnabrücker Grünen auf, dass es viele Anwärter gibt, die im sozialen Berufsfeld arbeiten. Von 80 Bewerberinnen und Bewerbern auf einen Platz im Stadtrat betrifft das 21 Personen.

Auch die Partei „Volt“ weist eine signifikant hohe Anzahl an Studierenden auf, was auch mit einem Blick auf die Osnabrücker Kommunalwahl auffällt. Von insgesamt acht Bewerbern auf einen Platz im Stadtrat, haben vier einen Bezug zur Universität, sei es als Student oder als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Mit einer so hohen Quote an Kandidatinnen und Kandidaten, die einen Bezug zum Hochschulcampus haben, hat die Partei „Volt“ eine gute Chance, einen Draht zu den jungen Wählern aufzubauen und sich somit einen Platz im Osnabrücker Rat zu sichern.

Auch in der Partei „Die Partei“ besteht der Großteil der Kandidatinnen und Kandidaten aus Studierenden oder Schülern. Von 13 aufgestellten Kommunalwahlkandidaten insgesamt betrifft dies fünf Personen.

FDP – eine Unternehmerpartei?

Viele mögen glauben, wenn sie an die FDP denken, dass es eine Partei ist, die sich überwiegend aus Unternehmern und Führungskräften zusammensetzt. In der Realität sieht es ein wenig anders aus, wenn man einen Blick auf die Osnabrücker Kommunalwahl wirft. Von insgesamt 60 Kandidatinnen und Kandidaten sind nämlich nur elf selbstständig beziehungsweise haben eine Führungsposition inne. Erstaunlich ist jedoch, dass die FDP ebenfalls einen hohen Anteil an Studierenden mit Hinblick auf die Osnabrücker Kommunalwahlkandidaten hat. Insgesamt sind das 14 Kandidatinnen und Kandidaten. Dadurch hat auch die FDP einen konkreten Bezug zu den Studierenden in Osnabrück und hat eine gute Chance die jungen Menschen für sich zu begeistern.

Osnabrücker SPD – erstaunlich viele Studierende

Insgesamt stellte die Osnabrücker SPD 78 Kandidatinnen und Kandidaten auf, um in den Kommunalwahlkampf zu ziehen. Davon sind 14 in Ausbildung oder studieren an der Universität oder Hochschule Osnabrück. Das ist ebenfalls ein relativ hoher Anteil an Studierenden, vor allem wenn man sich an das Durchschnittsalter der Osnabrücker Kommunalwahlkandidaten der SPD erinnert, das bei 47,1 lag (siehe Teil 2 unserer Artikelserie). Nichtsdestotrotz scheint auch die SPD die jungen Menschen im Blick zu haben, was die Aufstellung der diesjährigen Kommunalwahlanwärter angeht.

Kaum Studierende bei AfD, BOB, CDU, UWG und Linkspartei

Es gibt auch einige Parteien, die kaum bis gar keine Studierende unter den Kommunalwahlkandidaten haben. Ganz krass fällt das bei der AfD auf, die bei insgesamt sechs Kandidaten keinen einzigen Studenten aufgestellt hat. Stattdessen arbeiten die Kandidaten überwiegend im Vertrieb oder Kundenservice. Was die Repräsentation der gesamten Gesellschaft angeht, hat die AfD damit eindeutig daneben gegriffen, denn repräsentiert wird die Jugend keinesfalls.

Auch in den beiden Gruppierungen UWG (Unabhängige Wählergemeinschaft Osnabrück) und dem Bund der Osnabrücker Bürger (BOB) mangelt es deutlich an Studierenden und Schülern. In dem Verein Bund der Osnabrücker Bürger nehmen insgesamt elf Kandidatinnen und Kandidaten an der Kommunalwahl 2021 teil. Nur einer davon studiert aktuell in Osnabrück, drei weitere Bewerber sind Rentner. In der UWG haben drei von insgesamt 27 Kandidatinnen und Kandidaten einen direkten Bezug zu dem Osnabrücker Campus. Vergleichsweise sind neun der Anwärter im Ruhestand. Damit ist vor allem die UWG eher was für die Menschen, die auf das Rentenalter zuschreiten oder dieses bereits erreicht haben – junge Menschen werden hier kaum repräsentiert.

Mit einem ebenfalls sehr geringen Anteil an Studierenden fällt die Osnabrücker CDU in diesem Jahr auf. Insgesamt stellte die Partei 80 Kandidatinnen und Kandidaten für die diesjährige Kommunalwahl auf. Tatsächlich sind aber nur fünf davon Studierende oder in Ausbildung. Was die sonstige Berufsverteilung angeht, repräsentiert die Osnabrücker CDU gut die Mittelschicht, der Großteil der Kommunalwahlanwärter ist angestellt.

Die Linke stellte insgesamt 16 Kandidatinnen und Kandidaten auf, davon haben nur drei einen direkten Bezug zum Osnabrücker Campus. Auch hier fällt daher ins Auge, dass weniger die junge Generation angesprochen wird, sondern eher die Mittelschicht. Das nur ein so kleiner Teil der Kandidaten aktuell studiert, ist verwunderlich, wenn man sich das doch relativ junge Durchschnittsalter dieser anschaut, nämlich 38,8.

Der Einzelbewerber Thomas Spohn, der für den Wahlbereich 4 (Innenstadt, Kalkhügel, Nahne, Sutthausen) kandidiert, arbeitet als Werbekaufmann. In Wahlbereich 5 (Hellern, Wüste) tritt der Einzelkandidat Reinhard Richter an, der nach eigenen Angaben als Berater tätig ist.

 



Anastasia Pukhovich
Anastasia Pukhovich
Anastasia Pukhovich ist seit dem Sommer 2021 im Team der HASEPOST und unterstützt uns als Praktikantin.
 

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