Start Kallas Kolumne Kallas Kolumne: Die Grünen sind grün, aber BOB ist Grüner

Kallas Kolumne: Die Grünen sind grün, aber BOB ist Grüner

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Wie ein Parkplatz zum neuen Neumarkt mutiert

Da das Thema „Neumarkt“ den Leuten langsam zum Hals raushängt, muss langsam Ersatz geschaffen werden. So kam die aufrechte HASEPOST, stets auf der Suche nach dem Wahren und Guten, auf die Idee, den Baumbestand eines Parkplatzes zu zählen, dem die Bebauung durch ein Verwaltungsgebäude drohen könnte. Im Nu wurde aus dem kleinen Parkplatz neben der Dominikaner Kirche mit seinen 26 Bäumen der neue Regenwald von Osnabrück und gleich darauf erklärten der Bund Osnabrücker Bürger und alle anderen aufrechten Naturschützer, die bislang im Verborgenen geblieben waren, das ehemalige Kirmes-Gelände zum Amazonas-Gebiet von Osnabrück, denn die Grünen mögen ja grün sein, aber BOB ist Grüner, für den einst alle Gegner der Westumgehung nichts als Ökofaschisten waren.

Da mutieren Kommentarfreaks, die bislang nur durch heldenhaften Widerstand gegen ein 16jähriges Mädchen aus Schweden und durch hoch erotische „Greta fuck you!“-Sticker neben Auspuffrohren ihrer getunten Giftschleudern aufgefallen sind, zu Naturschützern der dritten Art. Und ein Osnabrücker, der in London wohnt, rief gar die Anwohner in der Nähe des Parkplatzes zur Gründung einer Initiative „WIR WOLLEN HIER AM LEBEN BLEIBEN“  auf. „Leider müssen in diesem besonderen Fall einfach alle Bürger der Stadt, die durchaus eine Stimme haben, aktiv werden.“ Na, los jetzt! Nun macht doch mal endlich, aber ich bin dann mal weg …


Ein anderer fordert kurzerhand zur Baumbesetzung auf. Und wer soll das erledigen? Ganz einfach: Diejenigen, die schon immer aktiv waren. Leser, die die Fridays-for-future-Kinder am liebsten in ein Arbeitslager oder zumindest in den Knast stecken wollen, denken nun laut über genau dieses „Schulschwänzerpack“ als neuen Bündnispartner nach. Und die sektenhafte Anhängerschaft der Extinction Rebellion solle gefälligst ihre Dehn-, Zähl- und Yoga-Übungen auf den Parkplatz neben der Dominikanerkirche verlegen. Da geht man schon mal einen Pakt mit dem Teufel ein, denn von den Kurden lernen, heißt siegen lernen.

Und schon sind wir beim eigentlichen Problem dieser Sofahelden des Alltags: Die von ihnen so sehr verhassten Klimaschützer kriegen nämlich im Gegensatz zu ihnen den Arsch hoch, auch dann noch, wenn sie bekloppt in einer Fußgängerzone liegen und „am besten dort als Sondermüll entsorgt werden sollten“ oder nach dem Einsatz der „Kehrmaschine“ gerufen wird. „Die hätten sich mal lieber auf die Gleise oder auf die Autobahn legen sollen, dann wäre Ruhe!“, drückt einer der Kommentatoren den geheimen Wunsch nach Vernichtung unliebsamer Menschen und deren Meinungen aus. Und immer wieder wird irgendein Herr darum gebeten, Hirn vom Himmel regnen zu lassen, und das von Leuten, die nicht einen einzigen Satz unfallfrei in die Tasten hämmern können.


Das ist längst die menschenverachtende Sprache der AfD, die sich in den Kommentarspalten sämtlicher Online-Medien breitmacht. Keine Sorge, Hasepost und NOZ tun sich da gar nichts. O ja, die Sofa- und Maulhelden wissen, wie man gegen alles, was sich wehrt, vorgehen muss. So rein theoretisch natürlich nur … denn gleich kommt ja eine Sendung mit Mario Barth, der für die geächteten und stets zu kurz gekommenen Fridays-for-Hubraum-Aktivisten auf RTL genau die Stellvertreterkriege führt, die sie leider so sehr ans Sofa fesseln.

Wenigstens die Kommentarspalten und RTL lassen sie in der Bestätigung ihrer Meinungsblase nicht im Stich. Nur irgendwas läuft da falsch, denn, ob man sie nun mag oder nicht, die grünen „Verbotsparteien“ legen überall gewaltig zu, selbst in der konservativen Schweiz. Gesetze sind übrigens nichts anderes als Verbote, aber dazu das nächste Mal mehr, in der ich die Einführung einer Mindestgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften fordern werde.

Eine schöne Woche wünscht euch Kalla with a K.

PS 1
Ach, würden doch diejenigen, die in ihren Kommentaren immer wieder das schreckliche Osnabrück verlassen wollen, weil es hier – schon wegen des Neumarkts – nicht mehr lebenswert sei, ihre „Drohungen“ endlich in die Tat umsetzen.

PS 2
Ich bin auch gegen ein Stadthaus 3 und für den Erhalt der Bäume und, da ich auf vier Rädern geboren bin, sogar für den Erhalt meines Lieblingsparkplatzes in Osnabrück.
Man könnte ja mal zu dem Thema mehrere Meinungen einholen und darüber diskutieren. Das strengt allerdings an und erfordert Eigeninitiative.
Tipp: Es macht übrigens sehr viel Spaß, relativ unvoreingenommen in Diskussionen zu gehen oder sich einfach mal nur informieren zu lassen. Das Problem des Diskutierens besteht nämlich nicht dar­in, die eigene Meinung zu ver­tei­di­gen, sondern vielmehr darin, diese überhaupt zu kennen.


Anmerkung des Herausgebers (mit einem Augenzwinkern): Meinungsbeiträge (Kommentare und Kolumnen) entsprechen nicht unbedingt der Meinung der gesamten Redaktion. Wir freuen uns bei der Hasepost über die Vielfalt der Meinungen!

 

Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.


 

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