Seit Monaten wird der Verkehr an der Vehrter Landstraße in Höhe des Osnabrücker Limbergs ausgebremst, weil bei einer Bausumme von 1,6 Millionen Euro für einen zweispurigen Fahrradweg offenbar an einer Schraube im Wert von wenigen Cent gespart wurde.
Eine Glosse von Heiko Pohlmann
Ein Unbekannter verdreht immer wieder eine Kamera, die eigentlich Fahrradfahrer erkennen soll, in Richtung der Vehrter Landstraße – und provoziert damit unnötige Staus.
Statt das Problem dauerhaft mit einem kleinen Bauteil im Cent-Bereich zu lösen, rücken Mitarbeiter der Stadtverwaltung seit Monaten in regelmäßigen Abständen mit einer Leiter aus, um die Kamera neu auszurichten. Selbst nachdem der Stadtbaurat über den Sachverhalt informiert wurde, änderte sich daran bislang nichts.
Kamera soll eigentlich Fahrradfahrer erkennen
In der jüngsten Sitzung des zuständigen Ratsausschusses wurde öffentlich, was viele Verkehrsteilnehmer täglich als Ärgernis erleben und der Verwaltung bekannt ist: völlig unnötiges Stop-and-Go – insbesondere für Berufspendler.
An der Kreuzung des großzügig zweispurig ausgebauten, jedoch nur rund 800 Meter langen Fahrradwegs am Limberg soll (eigentlich) eine spezielle Kamera dafür sorgen, dass Radfahrer nicht lange auf ein grünes Ampelsignal warten müssen. In einer Pressemitteilung der Stadt aus dem vergangenen Jahr wurde die Technik noch als besonders intelligent beworben: „Die Ampel ist mit Kameratechnik ausgestattet, erkennt Radfahrende, die sie anfahren, automatisch und schaltet in der Folge auf Grün.“
In der Praxis erkennt die Kamera allerdings keineswegs nur Radfahrende, sondern offenbar wenig intelligent jede Form von Bewegung – ähnlich der Lichtautomatik in einem Hausflur. Kuriosität am Rande: Eine Kamera, die Radfahrende oder auch nur Bewegung aus der Gegenrichtung – aus dem Nettetal kommend – erkennt, existiert nicht.
Nachfrage eines SPD-Politikers wegen herumstehender Absperrbaken
In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (StUA) fragte SPD-Verkehrsexperte Heiko Panzer, wann der Radweg denn endlich auch tatsächlich als solcher genutzt werden könne. Nach der feierlichen Eröffnung im April des vergangenen Jahres hatten die Arbeiter die Baustelle offenbar übereilt verlassen und diverse Absperrbaken zurückgelassen.
Stadtbaurat Thimo Weitemeier konnte hier zumindest Vollzug melden: Seit der vergangenen Woche sei das liegengebliebene Baustellenzubehör entfernt und der zweispurige Fahrradweg ist nun auch korrekt ausgeschildert.
Doch Panzer hakte nach. Ihm sei auch zu Ohren gekommen, dass die eigens für den Radweg installierte Radlerampel regelmäßig und ohne erkennbaren Anlass in den Verkehrsfluss der Vehrter Landstraße eingreife – selbst dann, wenn weit und breit kein Radfahrer zu sehen sei, der vielleicht spät nachts, früh morgens, bei strömendem Regen oder in einem Wintersturm eine Fahrt von der Dodesheide ins touristisch attraktive Nettetal antreten wolle.
Egal, die Ampel springt immer wieder auf rot und sorgt für Frust bei Pendlern und Anwohnern.
Ausschussmitglied klärt Stadtbaurat über Aktionismus auf
Warum Autofahrer regelmäßig für nicht existierende Radfahrer im Stau stehen, konnte schließlich ein hinzugewähltes Ausschussmitglied aufklären. Nach seinen Informationen, die auf Aussagen aus dem Umfeld der Stadtverwaltung beruhen sollen, sei das Problem dort bereits seit Monaten bekannt!
Offenbar macht sich jemand einen Spaß daraus, die Kamera regelmäßig so zu verdrehen, dass sie auf die Vehrter Landstraße gerichtet ist. Jedes vorbeifahrende Auto löst dann einen Impuls aus: Die Ampel schaltet auf Rot für den Autoverkehr und auf Grün für nicht existierende Radfahrer – und kurz darauf wieder zurück, bis das nächste Auto fälschlich erkannt wird. Weil die Ampel für ungeduldige Radler (die es nicht gibt) besonders fix schaltet, baut sich dadurch in Stoßzeiten schnell ein Stau auf.
Die Lösung könnte so einfach – und billig – sein
Statt mit einem Akkuschrauber mit einer Schraube die Kamera dauerhaft zu fixieren, wiederholt sich seit Monaten ein für den Steuerzahler teures Ritual, wie das Ausschussmitglied weiter zu berichten wusste.
In schöner Regelmäßigkeit rücken Mitarbeiter mit einer Leiter an, richten die Kamera neu aus – bis sie wenig später erneut verdreht wird und die nächsten künstlichen Staus erzeugt.
Verdrehte Kamera sorgt selbst an verkehrsarmen Sonntagen für Stau
Bei einem Fototermin vor Ort ließ sich beobachten, wie die offensichtlich zur Straße verdrehte Kamera zuverlässig nach jedem passierenden Auto eine unnötige Rotphase auslöste und den nachfolgenden Verkehr ausbremste.
Selbst an einem beschaulichen Sonntagvormittag baute sich so schnell ein kleiner Stau auf.
Wer haftet eigentlich für Untätigkeit der Verwaltung?
Der Autor dieser Zeilen fragt sich, ob vielleicht einmal jemand die Stunden und Tage unnötiger Staus zusammenrechnen möchte: verlorene Lebens- und Arbeitszeit unzähliger Pendler – völlig vermeidbar.
Auch die zusätzlich verursachten Emissionen dürften von Interesse sein, ebenso wie die nicht unerheblichen Kosten für die bislang offenbar hilflosen Versuche, die Kamera immer wieder neu auszurichten. Wer haftet gegenüber dem Steuerzahler?
Falls die Verwaltung eine selbstschneidende Schraube benötigt: Diese kann nach telefonischer Terminvereinbarung auf Kosten des Autors in der Redaktion abgeholt werden. Wir helfen gern.
Aber vermutlich muss die „Reparatur“ erst noch europaweit ausgeschrieben und die Straße für Wochen für das „Upgrade“ gesperrt werden? Dann baut doch diese völlig unsinnige Ampel gleich wieder ab!
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