Mehr als ein Vierteljahr hatte die Verwaltung Zeit die nach eigener Erklärung „falsch gelieferten“ Berliner Kissen am Westerberg wieder zu entfernen, doch zu spät. Ein Fernsehteam der Redaktion des Satiremagazins extra3 machte den „realen Irrsinn“ (Rubrik bei extra3) nun bundesweit bekannt.

Nach Aussage eines Anliegers gegenüber unserer Redaktion, wurde die Stadtverwaltung noch während der Verlegearbeiten im September über die offensichtlich falsch bestellten oder gelieferten „Berliner Kissen“ informiert. Unsere Redaktion berichtete kurz nach den Bauarbeiten – doch offensichtlich verzichtete oder verzögerte die Verwaltung auf eine unter Kaufleuten „umgehend“ zu erfolgende Mängelrüge, die für eine Rückabwicklung notwendig ist, damit die Kosten nicht beim Käufer verbleiben.

In der letzten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses (StUA) verstieg sich der umstrittene Stadtbaurat Frank Otte sogar zu der Aussage, die Bremsbuckel hätten „prinzipiell funktioniert“.

Erneute Montage zum Beispiel im Schinkel geplant?

Nach unserer Redaktion vorliegenden Informationen aus der Verwaltung, sollen die Plastik-Platten auch gar nicht an den Lieferanten zurückgesendet werden. Tatsächlich ist eine Zwischenlagerung im städtischen Bauhof geplant, damit sie, wenn sich die Aufregung gelegt hat, an anderer Stelle in der Stadt erneut zum Einsatz kommen können.


Anwohner-Beschwerden wurden von Verwaltung ignoriert

Hintergrund: Trotz zahlreicher direkt nach der Montage vorgebrachter Beschwerden von Anwohnern und Autofahrern über das laute Überfahrgeräusch (Plock Plock“), brachte erst eine spätere Beschwerde aus dem Klinikum, über Belastungen von Krankentransporten die Einsicht, dass die Bremsbuckel unzumutbar sind.
Das Klinikum wird bei der Stadt als „Profit Center“ geführt und muss Geld in die Kasse bringen. Externe Krankenfahrdienste hatten angedroht, ihre Patienten zukünftig nicht mehr ins Klinikum zu fahren.
Anwohner und Autofahrer konnten mit ihren Beschwerden nichts ausrichten, sie werden offensichtlich „als gegeben“ hingenommen [der Leser möge dem Redakteur diese persönliche Wertung verzeihen].

NDR legt Finger in die Wunde: Anwohner durch Geräusche genervt

Das am Mittwoch im Fernsehen ausgestrahlte und inzwischen auch online verfügbare Video dokumentiert allerdings auch Aussagen von Anwohnern und Menschen, die darauf angewiesen sind mit PKW oder Lieferwagen über den Westerberg zu fahren. Die Aussage der Betroffenen ist eindeutig: Die für 70.000 Euro falsch angeschafften Bremsbuckel sind in jeder Hinsicht unzumutbar, auch wenn sie an anderer Stelle – in weniger im Fokus stehenden Stadtteilen – erneut montiert werden sollten.

Hier geht es zum Video von extra3

NDR wurde bei Recherchen durch HASEPOST unterstützt

Die Redaktion von extra3 hatte bereits vor drei Jahren eine Recherche der HASEPOST zum Anlass genommen, einen „Irrsinn der Woche“ zu produzieren. 2016 ging es um den bunten Parkplatz im Wissenschaftspark, der für 300.000 Euro „lackiert“ wurde, in voller Pracht aber nur aus einem Helikopter zu erkennen ist.

Auch bei der Recherche zum aktuellen TV-Beitrag konnte unsere Redaktion die Kollegen des NDR unterstützen. Bis zur Ausstrahlung am Mittwochabend war noch offen, ob es der Beitrag noch rechtzeitig in die aktuelle Sendung schafft oder erst im Februar gesendet wird. Er hat es geschafft!
Am Donnerstagvormittag will die Verwaltung „vor Ort“ bei einem Pressetermin über die bereits angelaufene Demontage der falschen Berliner Kissen informieren.