Es wurde getestet und es wurden verschiedene Bauarten auf einem Teilstück des Lieneschwegs (Westerberg) ausprobiert, bevor im vergangenen Jahr die „heimliche Westumgehung“ und die Albrechtstraße mit „Berliner Kissen“ belegt wurden, mit dem Ziel den Verkehr auch mechanisch auf die dort zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h einzubremsen.

Die in den vergangenen Wochen zusätzlich in der Gluckstraße montierten neuen Berliner Kissen entsprechen jedoch nicht mehr der zuvor aufwändig ermittelten besten Bauform – und sie sind laut.

Berliner Kissen
links das „leise“ Modell aus Recycling-Gummi, rechts die neue Plastik-Version

„Mindestens gleichwertig“ seien die neuen Verkehrsbremsen, erklärt ein Sprecher der Stadtverwaltung auf Nachfrage unserer Redaktion. „In der Tat“ gibt es einen „Unterschied zwischen den Berliner Kissen in der Gluckstraße und z.B. der Albrechtstraße“, so die Stadtverwaltung.“ Dies ist jedoch nicht seitens der Verwaltung entschieden worden, sondern der Produktaktualisierung des Herstellers/Anbieters geschuldet. Die alten Elemente, die bisher bezogen und verwendet wurden, sind ausgelaufen und auch nicht mehr lieferbar“.

Lauter für die Anwohner, härter für PKW-Stoßdämpfer

Ein Anwohner, der unsere Redaktion auf die neuen aus hartem Kunststoff gefertigten Elemente aufmerksam machte aber nicht namentlich genannt werden wollte, beklagte ein deutlich lauteres Überfahr-Geräusch („Pock-Pock“) und damit eine erhebliche und vor allem unnötige Lärmbelastung – auch wenn er sich grundsätzlich darüber freut, dass vor seiner Haustür der Verkehr nun abgebremst wird.
Auch beim Selbstversuch mit dem PKW stellten wir fest, dass die neuen Kissen sich dem PKW starr entgegenstellen und die kinetische Energie nun nicht auch durch eine Verformung des Kissens abgemildert wird sondern direkt in die Stoßdämpfer geht.

Jede PKW-Überfahrt ein „Pock-Pock“

Hartkunststoff statt elastischer Gummi

Vergleicht man die 2017 installierten Berliner Kissen mit dem angeblichen Nachfolgemodell, fällt nicht nur eine vollkommen andere, weil mehrteilige Konstruktion auf. Das ursprünglich verbaute und in einem Evaluierungsprozess als beste Lösung identifizierte „Kissen“ besteht aus einem weichen Gummi-Granulat, ähnlich dem unter Spielgeräten verlegten oder auf Sportplätzen verwendeten Material.
Die neuen Plastikelemente sind einfach nur aus einem sehr festen Kunststoff gefertigt.

Die Stadtverwaltung will selbst keine Wertung vornehmen und verweist auf den Hersteller: „Das in der Gluckstraße verbaute Nachfolgemodell ist aber nach Aussage der Firma in Ausgestaltung, Überfahrbarkeit und Qualität mindestens gleichwertig.“

Von wegen „Nachfolgemodell“ – Gummi-Kissen noch lieferbar

Eine nur wenige Minuten dauernde Onlinerecherche unserer Redaktion ergab, dass die aus Gummi-Granulat hergestellten Verkehrsbremsen mindestens bei zwei Onlinehändlern (hier und hier) noch im Lieferprogramm sind.
Der Anbieter Stein HGS / Absperrtechnik24 preist die aus recyceltem Gummi hergestellten Elemente sowohl für Autofahrer („weiche Eigenschaften des Materials sorgen für angenehmes Überfahren“) als auch für Anwohner („Material wirkt geräuscharm, schwingungsdämpfend und somit anwohnerfreundlich“) beste Lösung an.
Ein anderer auf Gummiprodukte spezialisierter Hersteller betont ebenfalls, das bei der Gummi-Variante „die Lärmwerte bei der Überfahrung reduziert“ werden und „die elastischen Eigenschaften natürlich direkt der Haltbarkeit und Unfallsicherheit“ dienen.