Manchmal kann ein Klick auf „Gefällt mir“ in den sozialen Medien mehr aussagen als eine ganze Wahlkampfrede – und im Fall von SPD-Oberbürgermeister-Kandidat Robert Alferink ist das ausnahmsweise eine gute Nachricht.
Der Auslöser: Ein Instagram-Clip des indischen Comedians akshayinprogresss, in dem Osnabrück wegen marodem ÖPNV, leerer Stadtkasse und vermeintlicher Langeweile aufs Korn genommen wird. Satire, wie sie im Buche steht. Schon die Hashtags #jokes #comedian #germanymemes verraten, dass hier nicht die nüchterne Analyse, sondern der pointierte „Roast“ im Vordergrund steht.
Doch nicht alle sehen das so. Auf Facebook kritisieren Nutzer, ein solches Like des SPD-Politikers sei mehr als ein beiläufiger Klick – es sei eine politische Botschaft. Wer als OB-Kandidat öffentlich Zustimmung zu einer Darstellung signalisiere, in der Osnabrück als bankrott, der Nahverkehr als marode und die Bürger als todlangweilig bezeichnet werden, übernehme implizit dieses negative Narrativ. Statt Vertrauen zu schaffen, befeuere man so ein Bild der Resignation.
Diese Kritik übersieht jedoch einen entscheidenden Punkt: Ein Like für dieses Video heißt nicht, dass Alferink die Stadt aufgibt. Es heißt, dass er Humor versteht und die Fähigkeit besitzt, auch unangenehme Wahrheiten anzunehmen. „Weil ein ‚Roast‘ manchmal besser für das Image ist, als jede spröde Kampagne“, erklärte er auf Anfrage. Das ist keine Kapitulation, sondern ein selbstironischer Ansatz, der zeigt: Der Kommunalpolitiker, IHK-Jurist und OB-Kandidat sieht die Problemstellen unserer Stadt und hat damit die Grundlage, sie auch anzugehen. Künftig vielleicht auch als neuer Oberbürgermeister.
Gerade in der Politik ist es selten genug, dass jemand Kritik nicht sofort reflexartig abwehrt, sondern sich ihr stellt – und sei es in Form eines satirischen Seitenhiebs. Wer die Schwachstellen Osnabrücks nicht verdrängt, sondern offensiv benennt, kann glaubwürdig für Aufbruch stehen. Um es mit dem Jugendwort des Jahres 2024 zu sagen: 1.000 Aura für Robert Alferink.
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