Erster Teil der neuen nordamerikanischen Tierwelt komplett

Große Freude im Zoo Osnabrück: Mit dem Einzug der beiden Schwarzbären Lea und Theo ist der erste Abschnitt der neuen nordamerikanischen Tierwelt „Manitoba“ komplett. Zusammen mit Vertretern ihrer Paten, dem Modehaus L&T, präsentierten sich die Geschwister am Dienstag erstmals der Öffentlichkeit.

Zoobesucher, die selbst einen Blick auf die in deutschen Tiergärten sehr seltenen Tiere werfen wollen, müssen sich beeilen. Bei weiterhin sinkenden Temperaturen beginnt die Winterruhe, und dann ziehen sich Lea und Theo, deren Namen einen versteckten Hinweis auf die Patenschaft enthalten, zurück in ihre Bärenhöhle. Noch aber zeigen sich die beiden Schwarzbären aktiv und erkunden seit Montag das Vorgehege ihrer neuen Heimat im Zoo Osnabrück. Zu finden sind Lea und Theo direkt gegenüber von den Waldbisons und den Hudson-Bay-Wölfen.



Mit Blick auf die Schwarzbären und ihre Nachbarn betonte Zoogeschäftsführer Andreas Busemann beim Vorstellungstermin, dass es einen ganz besonderen Reiz für den Zoo ausmache, in der neuen Nordamerikalandschaft Tiere zu zeigen, für die das Osnabrücker Wetter sehr ähnlich zu den klimatischen Verhältnissen ihrer Heimat ist. „Für die Bären oder die Wölfe müssen wir keine Heizung anschmeissen, das spart nicht nur Energie sondern bedeutet für die Tiere auch eine naturnahes Leben im Lauf der Jahreszeiten“.

Kurze Anreise aus den Niederlanden

Bereits vergangenen Dienstagabend reisten die zwei Schwarzbären, geboren im Januar 2016, aus dem niederländischen Zie-Zoo an den Schölerberg an – zunächst waren sie jedoch nicht zu sehen. „Damit sie sich in Ruhe an ihr neues Umfeld gewöhnen können, kamen die Bären nach ihrer Ankunft erstmal nur in den Innenbereich“, berichtete Tanja Boss, Tierpflegerin und Revierleiterin von „Manitoba“. Dort lernten Lea und Theo auch ihre neuen Pfleger kennen. „Für die Tiere ist es sehr wichtig am Anfang einen engen Bezug zum Haus zu entwickeln, damit sie sich schnell an ihr neues Zuhause gewöhnen. Außerdem bekommen sie neben ihrem normalen Futter auch ein paar Leckereien wie Joghurt und Honig von uns, damit sie Vertrauen fassen“, erklärte Boss. In der Bärenhöhle werden die beiden über die kalte Jahreszeit hinweg auch ihre Winterruhe halten. Doch bevor es bald in den Tiefschlaf geht, durften die beiden Neuankömmlinge gestern ihr Vorgehege kennenlernen.

Schwester Lea ist die Mutigere

Bei den ersten Erkundungsgängen war Lea (die etwas kleiner als ihr Bruder ist und an einem hellen Fleck auf dem Fell zu erkennen ist) die Mutigere und machte die ersten Schritte hinaus in die Sonne. Neugierig streifte sie durch das Laub, schnupperte an Bäumen und Wurzeln und futterte ein paar Rosinen, die Pfleger zuvor im Gehege verteilt hatten. Theo dagegen ließ etwas länger auf sich warten, tat es ihr dann aber gleich und folgte Lea auf die Erkundungstour. Boss weiß, warum sich die zwei Schwarzbären noch etwas schüchtern zeigten: „Sie sind das erste Mal allein ohne ihre Eltern und deshalb auch noch etwas zurückhaltend. Wobei Lea deutlich neugieriger ist als Theo und meistens den ersten Schritt macht.“

Marketingleiter Bernhard Fischer, rechts Geschäftsführer Thomas Ganter
Das Modehaus L+T übernimmt die Patenschaft für die Schwarzbären und gab ihnen die Namen Lea und Theo (links: Marketingleiter Bernhard Fischer, rechts Geschäftsführer Thomas Ganter)

Bärenstarke Patenschaft seit mehr als 20 Jahren

Die Namen Lea und Theo bekamen die beiden Schwarzbären von ihren neuen Paten: dem Modehaus Lengermann und Trieschmann, das die Namen passend zu den eigenen Initialen L&T wählte. Thomas Ganter, Geschäftsführer von L&T freute sich über die neuen Patentiere: „In unserer langjährigen Partnerschaft unterstützen wir den Zoo immer wieder gerne, damit er sich weiterentwickeln und die Tierhaltung weiter verbessern kann. Als größtes inhabergeführtes Modehaus in Norddeutschland ist es uns wichtig, dass wir uns für die Region einsetzen und einen touristischen Leuchtturm wie den Zoo Osnabrück fördern.“
Für den Zoo Osnabrück betonte Geschäftsführer Andreas Busemann, die lange und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Osnabrücker Unternehmen, die seit mehr als zwei Jahrzehnten andauert und schon zu verschiedenen Patenschaften des Textilhauses und seiner Geschäftsführer geführt hat.

Verschiedene Perspektiven auf das Bären-Leben

Voraussichtlich in der nächsten Woche werden die Bären dann ihr 1.900 Quadratmeter großes und naturnah gestaltetes Außengehege kennenlernen. Hier können sie zum Beispiel an Baumstämmen hochklettern oder ein Bad im 2,50 Meter tiefen Bärenteich nehmen. Tobias Klumpe, wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuständig für den Bärentransfer, erklärte, was das Zooteam bei der Gehegegestaltung beachtet hat: „Bei der Gestaltung gehen wir natürlich auf die besonderen Bedürfnisse der Tiere ein. Schwarzbären klettern zum Beispiel gerne auf Bäume, anders als die meisten Großbärenarten. Außerdem leben sie gerne in der Nähe von Wasser, um dort zu baden, trinken und jagen. Deshalb durften diese Elemente in ihrem neuen Zuhause nicht fehlen.“

Zoo Osnabrück Schwarzbär Theo
Männchen Theo ist etwas größer als Weibchen Lea; Foto: Hanna Rickert

Auch an die Besucher wurde bei der Gestaltung gedacht, wie Zoogeschäftsführer Andreas Busemann berichtete: „Wir haben in ‚Manitoba‘ die Idee des Baumhöhenpfades aus unserer nordischen Tierwelt ‚Kajanaland‘ aufgenommen. Die Besucher können von diesem Pfad aus toll in die Wolfs- und Bärenanlage schauen. Zusätzlich gibt es weitere eindrucksvolle Beobachtungspunkte, wie zum Beispiel am Wasserbecken der Tiere.“ Hier hat der Besucher einen barrierefreien Blick über die Bärenanlage direkt am Wasserbecken der Tiere, die es nur in wenigen deutschen Zoos oder Tierparks zu sehen gibt.

Mit den Bären ist der erste Abschnitt der nordamerikanischen Tierwelt „Manitoba“ komplett. „Im zweiten Abschnitt wird noch fleißig gebaut. Hier ziehen dann in den nächsten Monaten Kleinsäugetiere wie Biber, Stinktiere oder Baumstachler ein. Die komplette Eröffnung ist für die Saison 2018 geplant“, blickte Zooinspektor Hans-Jürgen Schröder voraus.


Wissenswertes über die Schwarzbären (Ursus americanus)
Der Amerikanische Schwarzbär, oder Baribal, lebt weitverbreitet in Kanada und den USA, auch in Alaska sowie Teilen Mexikos sind die Raubtiere beheimatet. Die Fellfärbung des Schwarzbären reicht (meist abhängig vom Verbreitungsgebiet) von tiefschwarz über verschiedene Brauntöne bis hin zu cremefarben und ganz weiß. Diese letzte Farbvariante, der Kermodebär, wird von den Indianern auch „Geisterbär“ genannt. Vom Braun- und Grizzlybären unterscheidet sich der Schwarzbär durch eine geringere Körpergröße, eine flachere Stirn und eine recht lange, meist hell gefärbte Schnauze. Außerdem fehlt ihm der muskulöse Nackenbuckel der Braunbären. Der Grizzly ist der einzige natürliche Feind erwachsener Schwarzbären. Jungtiere werden auch von Pumas, Kojoten, Wölfen oder männlichen Schwarzbären gerissen.